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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-27 · 39 (27.9.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
39 (27.9.1895)
Date
1895-09-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 714 Nr. 39 Dr Blortz's Wochenschrift. aus freien Stücken gewählt haben würde, wenn er sie nicht überkommen hätte. Er gab also bald jede Hoffnung aus eine Staatsanstellung auf, mrd übernahm ein Knaben- Jnstitut, in welchem er seine Gaben erst recht zur Geltung bringen konnte. Denn so groß auch sein Wissen auf dem von ihm beherrschten Gebiete war, ungleich bedeutender war seine Befähigung als Didaktiker, und ohne Widerspruch befürchten zu müssen, kann man behaupten daß ihn auf dem Gebiete der Theorie des Unterrichts in den mathematischnaturwissenschaftlichen Fächern Niemand in Wien übertroffen hat. Seine beiden Lehrbücher der Arithmetik und sein Handbuch der astronomischen Geographie sind Meisterwerke, und es ist nicht sehr schmeichelhaft für die Art und Weise, wie diese Materien an den meisten Lehranstalten tradirt werden, daß sie nicht jene Verbreitung gefunden haben, die sie verdienten. In der hier bestehenden Pädagogischen Gesellschaft nahm er eine hervorragende Stellung ein, und zu seinem 70. Geburtstag sollte ihm von derselben endlich die äußere Ehrung zu Theil werden, nach welcher der auch durch seine bescheidene Zurückhaltung ausgezeichnete Mann nie gestrebt hatte; aber der Tod eines erwachsenen Sohnes verhinderte die Feier. Einen Hellen Sonnenstrahl in sein Leben warf die Ernennung seines ältesten Sohnes, auf den seine Begabung übergegangen war, zum ordentlichen Professor der Mathematik an der deutschen Universität in Prag. Mit diesem trauern seine Witwe und 2 Töchter um den edlen Mann; aber auch seine Freunde bewahren ihm ein unauslöschliches Andenken, und Alle, die ihn kannten, werden darin übereinstimmen, daß mit ihm einer jener Menschen aus dem Leben geschieden ist, wie sie — leider — immer seltener werden. _ Hschlg. Correspondenzen. Wie«. Der Kaiser ist anläßlich der Militär, manöver, denen er beiwohnt, in Klausenbürg eingetroffen, wo er auch israel. Deputationen empfing. Wie immer bei solchen Anläffen liegen auch diesmal bedeutsame Aeußerungen des Monarchen vor. Mitglieder der israel. Deputation waren: Aus Klausenburg : Bezirksrabbiner Moses Glasner, Oberrabiner Dr. Mathias Eisler, die Präsidenten David Smiel und Moritz Weiß, Secretär Ignaz Strauß; ferner Moriz Bergner, Alexander Fränkel, Isidor Fleischt, Leopold A. Grün, Adolf Hartmann, Adolf Hirsch, Leopold Humvald, Adolf Herczeg, Samuel Kaufmann, Dr. Josef Perl, Jsak Teßler. Dr. Josef Weiß, Max Wertheimer und Wilhelm Wertheimer. Ferner aus der Provinz: B.-Hunyad: Aron Löb; Beßtercze: Jsak Blumenfeld; Csaki-Gorbo: Jakob Jaksi; Dees: Rabbiner Moses Paneth und Adolf Klärmann; Deva: Rabbiner Moriz Herczeg und Rudolf Werner; E.-Szt.- György: Rabbiner Berko Kohn und Dr. Isidor Reinkopf; Fogaras: Rabbiner Dr. S. Jordan und Dr. Johann Rosenberger; Hid-Almas: Rabbiner Samuel Paneth und Wolfgang Lustig; Hosßumezö: Emanuel Nußbaum; M.-Basarhely: Rabbiner Joachim Willheim und Josef Blumenfeld; M.-Ludas: Rabbiner Geza Stern und Moriz Meihal; N.-Enhed: Michael Reich, N..Jklod: Bela Klein; Segesvar: Rabbiner Jakob Glück und Samuel Bretter; Sz.-Ujvar: Rabbiner Josef Kohn und Jakob Eifikovics; Sz.-Regen: Ignaz Haimenn; Torda: Rabbiner Philipp Weher und Jakob Salamon; Bermezö: Rabbiner Mayer Parneth und Albert Fülöp. Bezirksr rbbiner Moses Glasner richtete die folgende Ansprache an Se. Majestät; Kaiserliche und apostolisch königliche Majestät! Unser allergnädigster Herr! In Vertretung der Klausenburger und der israelitischen Religionsgemeinden ber Provinz sind wir in tiefster, huldigender Ehrfurcht vor Ew. Majestät erschienen, um unser» tief empfundenen Dank für Ew. Majestät erhabene Person und unsere traditionelle Treue für den ruhmreichen Thron zum Ausdruck zu bringen. Ew. Majestät waren getreu Ihrem königlichen Worte, daß Ihren Völkern gegenüber der Glaubensunterschied keine Scheidewand in Ew. Majestät Herzen bildet, auch uns Israeliten allezeit ein gütiger Vater. Auch neuestens, da Ew. Majestät die gesetzliche Regelung unserer, die Treue für Ew. Majestät den König und den 1 Patriotismus als wichtigste Grundprincipien lehrenden Religion zu gestatten geruhten, haben uns Ew. Majestät abermals einen hehren Beweis Ihrer Gnade gegeben. Genehmigen Ew. Majestät seitens der anwesenden Vertreter der Klausenbnrger und der israelitischen Provinzgemeinden den Ausdruck unseres tiefsten, wahrsten Dankes, unserer Unterthanentreue und unserer unerschütterlichen Anhänglichkeit. Der allmächtige Herr der Völker und Welten ergieße den-unendlichen Strom seiner Gnade über Ew. Majestät und die allerhöchste Familie, auf daß Ew. Majestät die Millionen Ihrer Völker durch Ihre weise Negierung noch lange, lange beglücken mögen. (Begeisterte Eljenrufe.) Se.Majestät derKönig beantwortete diese Ansprache wie folgt: „Es dient mir zur Befriedigung, daß Ihre Glaubensgenossen auch in den Siebenbürger Theilen Ungarns ungestört die durch das Gesetz und durch meinen Schutz gesicherten Rechte genießen und zweifle ich nicht, daß Sie sich auch fernerhin durch Bezeigung gemeinnütziger Thätigkeit, sowie selbstloser patriotischer Gefühle der Achtung Ihrer Mitbürger und meiner wohlwollenden .königlichen Gnade, ans welche alle meine Unterlhanen ohne Glaubensunterschied rechnen können, würdig zeigen werden." Nun bat Oberrabbiner und Privatdocent an der Universität Dr. Mathias Eisler-um die Erlaubniß, den hebräischen Segensspruch für Se. Majestät sprechen zu dürfen. Der Monarch erwiderte: »Tessek«! (Belieben Sie!) — und als Dr. Eisler das Gebet gesprochen, sagte Se. Majestät mit lauter Stimme das „Amen!" Die kaiserl. Aeußerungist geeignet, den tiefsten Eindruck hervorzurufen. Der Kaiser spricht seine Befriedigung darüber aus, daß die israelitische Bevölkerung jenseits der Leitha durch die Gesetze in allen ihren Rechten geschützt ist, er versichert alle Staatsbürger ohne.Glaubensunterschied seiner Gnade. Die Worte des Monarchen werden gewiß nicht nur in ganz Ungarn, sondern über dessen Grenzen hinaus ein starkes Echo finden. Wien den 25. September 1895. (Baron Hirsch- Stiftung.) In den Kreisen des Curatoriums dieser Stiftung erzählt man sich, daß Herr Baron Hirsch in den letzten Tagen das Präsidium mit einer Zuschrift überrascht habe, in welcher er die Absicht äußert, einen kleinen Bruchtheil seiner Wohlthätigkeitsfonde behufs Förderung des Schulbesuches durch Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder, wofür der Stiftung keinerlei Mittel zu Gebote sind, zur Verfügung zu stellen, um auf diese Weis: sein seit Anbeginn unentwegt angestrebtes Ziel, die verwahrloste jüdische Jugend Galiziens der Cultur zuzuführen, besser erreichen zu können. — Das Präsidium wird sich nun über diesen Vorschlag des Herrn Baron rückzuäußern haben. Auf jeden Fall erhellt auch hieraus, daß unser Budapester (Korrespondent, welcher vorige Woche borichtete, daß Herr Baron Hirsch seine bisherigen Wohlthätigkeits- Institutionen radical umzugestalten plane, vorzüglich informirt war. Wien. (Gerichtliche Schritt'e gegen E r n st Schneider.) Wie die Blätter melden, hat die Staatsanwaltschaft Vorerhebungen gegen den bekannten Reichsraths-Abgeordneten Ernst Schneider wegen verschiedener Reden in den Wählerversammlungen eingeleitel. Falls die Borerhebungen die Bestätigung der inkriminirten Aeußerungen ergeben, wird Mechaniker Schneider wegen § 302 (Aufreizung gegen bestehende Gesellschaftsklassen) in den Anklagestand gesetzt werden. Es scheint, daß nunmehr die Regierung nicht blos socialistische Reden, sondern endlich einmal auch die Reden der Antisemiten aufreizend findet. Freilich scheint man die Rechnung ohne den Reichsrath zu machen, da dieser über Ernst Stampiglius die schützenden Fittige hält. Saybusch. (Judenverfolgung.) Seit längerer Zeit ist die vom Bahnhof in die Stadt führende Kocziutkogaffe der traurige Schauplatz alltäglicher Judenkrawalle. Jeder polnische Jude, der über die Straße geht, wird mit Straßenkoth und Dünger beworfen, beim Barte und den Schmachtlocken gezerrt, und wenn er sich wehrt, gründlich geprügelt — all dies in Gegenwart, ja unter dem Gaudium von Saybuscher zuschauenden Bürgern. Die besser situirten polnischen Juden nehmen zur Paffirung dieser Straße einen Fiaker und fahren an den gefährlichen Stellen eiligst vorüber. Am ärgsten sind die Marktjuden daran, die im Wagen auf hochgeschichteten Warenhaufen nur langsam die Straße vorwärts kommen können. Der Saybuscher Judenhaß treibt aber noch andere gefährliche Früchte, er sucht das Hohe selbst zu sich herunterzuziehen. Aus Saybusch wird das Gerücht verbreitet, der hier weilende Herr Erzherzog Carl Stephan! billige das berüchtigte „Gewohnheitsrecht" in Saybusch und

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