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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-27 · 39 (27.9.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
39 (27.9.1895)
Date
1895-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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!L'-L Kaa-^Ka '«E>!N«W»SÄLH Nr. 39 Rohlings freiwillig mich berufen haben und auf welchem ich mir nicht blos Ihre Dankeskundgebungeu, sondern auch die Dankeskundgebungen unserer Glaubensgenossen auf der ganzen Erde erworben, und ich darf wohl hinzufügen, auch verdient habe. Ich dränge mich Ihnen nicht auf, ich! bettle nicht um Ihre Gunst, ich habe über keine Mittel zu verfügen, die man sonst zu Wahlzwecken aufwendet, arm, wie ich gewesen bin, bin ich auch jetzt noch, aber ich bin erfüllt von der Ueberzeugung, von dem Vertrauen, daß Sie einen Mann, der sein Leben eingesetzt hat für das, was Ihnen selbst das Heiligste ist — unseren alten Glauben — nicht denjenigen zum Opfer fallen lassen werden, die nicht müde werden, dieses Heiligste zu verunglimpfen und in den Staub zu treten. Empfangen Sie, geehrte Herren, nochmals die Versicherung meines innigsten, unauslöschlichen Dankes für die mir zum Ausdruck gebrachten Sympathien, die Sie mir auch in Zukunft bewahren wollen, und seien Sie überzeugt, daß ich, mit oder ohne Mandat, auch fürderhin die Vertheidigung unserer guten Sache gegen Unrecht und Gewalt als meine Lebensaufgabe betrachten werde. Wien, 23. September 1895. Dr. Josef S. Bloch. Zur Luge in Wien. Die antisemitische Herrschaft in der Wiener Rathsstube ist zur greifbaren Wirklichkeit geworden und binnen wenigen Wochen schon wird Dr. Carl Lueger den Platz des Bürgermeisters der Reichshauptstadt einnehmen. Der Wille der christlichen Bevölkerung hat sich so ausdrücklich manifestirt, daß es der Regierung an V o r w ä n d e n nicht fehlt, von ihrer bisherigen Verhaltungslinie nicht abzuweichen. Sie wird den Gemeinderath nicht auflösen, sondern vielmehr regieren lassen. Wir zweifeln nicht daran, daß auch Herr Lueger bestätigt werden wird, und es ist auch herzlich gleichgiltig, ob er selbst auch in aller Form die Würde des Stadtoberhauptes bekleidet oder ob eine Marionette vorangestellt wird, welche ja wieder nur Herr Dr. Lueger dirigiren würde. Und nun, nachdem an der Sache nichts weiter zu ändern ist, erhebt sich die Frage: „Was geschieht mit uns Juden?" Während der Wahlcampagne sind gegen uns die fürchterlichsten Drohungen ausgestoßen worden, und das Mindeste, was man uns in Aussicht stellte, war das Lebendrggebratenwerden. Werden die Herren Antisemiten ihre Drohungen nunmehr, da sie die Macht in Händen haben, zur Wahrheit machen? Wird etwa auf dem Platze vor dem Rathhause, dicht unter dem Fenster des neuen Bürgermeisters, Tag und Nacht ein Scheiterhaufen lodern mit lebendigen jüdischen Fackeln? — Oder wird Herr Lueger eine neue Stadtguardia organisiren, welcher die Aufgabe zugewiesen wird, Nacht für Nacht ein Paar Judenfamilien auszuheben, ihr Eigenthum zu confisciren und unter das christliche Volk zu vertheilen? Mit einem Worte:' Wird es jetzt wirklich den Juden au Leib und Seele, an Hab' und Gnt gehen? Lächerlich! Kein ernster und vernünftiger Mensch zweifelt daran, daß die ehrsamen Wähler der Herren Lueger und Consorten in puncto der Juden ebenso eine ungeheure Enttäuschung erleben werden, wie bezüglich aller übrigen glänzenden Versprechungen, mit welchen diese Herren den „dummen Kerl von Wien" geködert haben. Gewiß, an kleinen Quälereien und Demüthigungen wird es nicht fehlen. Aber selbst diese können wesentlich eingeschränkt werden, wenn unsere Glaubensgenossen klug und vorsichtig sind und die Angriffspunkte so viel als möglich vermindern. Bis jetzt schon waren viele der antisemitischen Drohungen leere Spiegelfechterei. Was sollte es zum Beispiel heißen, wenn Seite 703 einer ihrer Führer in einer Wählerversammlung ausrief, mau werde vor Allem sümmtliche jüdische Beamte aus der städtischen Verwaltung hinauswerfen! Seit Jahren wurde kein Jude mehr in städtischen Diensten angestellt und die wenigen jüdischen Concipisten, die noch von früherher vorhanden waren, wurden von dem liberalen Stadtrath so gründlich präterirt, daß selbst Herr Lueger die Sache nicht besser machen könnte. Und noch Eines und vielleicht das Wichtigste! Die Gutfituirten, die Reichen und Bemittelten werden die Wirkungen des antisemitischen Stadtregiments weniger zu spüren haben, aber der kleine jüdische Geschäftsmann und Gewerbetreibende kann in seiner Existenz durch Steuerplackereien der antisemitischen Bezirksausschüsse, durch Abfall christlicher Kunden rc. zu leiden haben. Diesen kleinen Leuten Stütze und Hilfe zu bieten, ist die heilige Pflicht unserer wohlhabenden Glaubensgenoss en! Alle Mittel der Wohlthätigkeit, über welche wir verfügen, müssen sofort für interne jüdische Zwecke mobil gemacht und concentrirt werden. Unverzüglich muß an die Schaffung eines großen Hilfsfondes zur Unterstützung nothleidender jüdischer Geschäftsleute und Gewerbetreibender geschritten werden. Ueben wir in unserer Mitte jene Brüderlichkeit, welche unsere Feinde draußen verleugnen. Die kleinen, mühselig um ihr Dasein ringenden Juden, das sind die vorgeschobenen Posten in diesem Kampfe. — Für sie muß gesorgt, und zwar ausreichend gesorgt werden, sie müssen einen festen Rückhalt finden in den Großen und Reichen! Auf denn, organisiren wir uns! Man wird vielleicht an Juden keine Heimatsberechtigung verleihen. Aber erstens wird es kaum noch einen unserer Glaubensgenossen nach der Ehre und dem Vortheil gelüsten, unter solchen Umständen die Zuständigkeit in Wien zu erwerben, und zweitens enthält das neue Heimatsgesetz so feste und unumstößliche Bestimmungen für die Erwerbung der Heimatsberechtigung, daß an denselben Herr Lueger und seine Getreuen nichts zu ändern vermögen. Bleibt noch die Schule. Die Juden haben bisher mit der liberalen Partei getreu den interconfessionellen Charakter der Volksschule vertheidigt, nicht weil sie damit ein jüdisches Interesse vertraten, sondern weil die Jnterconfessionalität eine Axiom des Liberalismus war. Der Gemeinderath hat auf die Schulverfassung gar keinen, auf die Schulverwaltung nur einen sehr beschränkten Einfluß. Aber vom rein jüdischen Standpunkte hat die Aussicht auf die confessionelle Schule für uns gar nichts Schreckhaftes. Was auf diesem Gebiete durch eine antisemitische Stadtverwaltung verdorben werden kann, trifft nicht das Judenthum als solches, sondern den Staat und wir glauben, daß dieser wohl nöthige Vorsorge treffen wird, damit hier die antisemitischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der neue Zustand der Dinge bietet somit keine Veranlassung, daß unsere Glaubensgenossen verzagen. Wenn sie die Mahnung beherzigen, die wir in unserer letzten Nummer an sie gerichtet, wenn sie die Selbstüberwindung besitzen, sich so viel als möglich auf sich selbst zurückzuziehen und nicht durch muthwilliges, ostensibles Auftreten den Haß zu verschärfen, wird der Sturm machtlos an ihnen vorüberbrausen. Warten wir ruhig die weitere Entwicklung ab, exponiren wir uns nicht für diese oder jene politische Richtung, sondern bleiben wir kühle und nüchterne Beobachter des socialen Kampfes, der sich vor unseren Augen abspielt, und sparen wir unsere Kraft für die Zukunft. Väter und Söhne. Mit ungläubigem Erstaunen und bedenklichen! Kopfschütteln nahmen alle Freunde der Kunst, denen der Name C o st e n o b l e als der eines unserer vortrefflichsten Bild- Dr. Vloch's Wochenschrift.

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