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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-18 · 38 (18.9.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
38 (18.9.1895)
Date
1895-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 698 Dr. Bloch's Wochrnschrist. Nr. 38 Brandenburg in der mehrfach erwähnten Verfügung an die städtische Schuldeputation untersagt, künftig jüdische Lehrer und Lehrerinnen beim Unterricht in Geschichte, Literaturgeschichte und deutschem Aufsatz zu verwenden. Zugleich wird verboten, die Zahl der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zu vermehren, sofern nicht die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes dies nöthig Macht. Eine solche Nothwendigkeit sei nur dann anzuerkennen, wenn auf einen jüdischen Lehrer mehr als drei Curse Religionsunterricht und auf eine jüdische Lehrerin mehr als zwei solche Curse entfallen. Die Schuldeputation hat beschlossen, gegen diese Verfügung bei dem Eultusminister Beschwerde zu erheben, auf deren Erfolg zuversichtlich gehofft werden dürfte. Die jetzt erst bekannt werdenden Einzelheiten kennzeichnen jene Verfügung noch mehr als einen unbezweifelbaren Verstoß gegen die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung der Confessionen. Wien. Mit Erlaß des Justizministers wurde derKreisgerichts-Adjunct Herr Jonas Sokal in Stanislau zum Rathssecretär ernannt. (Auszeichnung.) Wie bereits gemeldet wurde, hat Se. Majestät der Kaiser dem Großgrundbesitzer Dr. Armin Freiherrn v. Popper in Anerkennung seiner Verdi nste auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten und der öffentlichen Wohlthätigkeit das Comthurkreuz des Franz Josef- Ordens verliehen. Baron Popper, obgleich erst im 35. Lebensjahre stehend, erfreut sich, wie der „Pester Lloyd" schreibt, in Qberungarn großer Popularität, speciell in den ungarischen Kreisen, da er mit seinem ganzen Einfluß und bei jeder Gelegenheit für die nationale Idee eingetreten ist. Ein entschiedener Anhänger der liberalen Partei, trachtete Baron Popper stets, das beste Einvernehmen unter den verschiedenen Confessionen aufrechtzuerhallen und namentlich die katholische Geistlichkeit weiß nicht genug die seigneuriale Art zu rühmen, in welcher Baron Popper die Pflichten des Patronatsherrn — er besitzt das Patronat über 24 Pfarren — erfüllt; auch sonst ist der Wohlthätigkeitssinn Baron Po pp er's im ganzen Trencsiner Comitat bekannt und daher ist auch die Freude über die Allerhöchste Auszeichnung eine allgemeine. Wie«, 17. September. (Ottilie Bondy.) Wie die heutige „Wiener-Zeitung" mittheilt, hat der Kaiser der bekannten Schriftstellerin Frau Ottilie B o n d y in Anerkennung ihrer vieljahrigen und ersprießlichen gemeinnützigen Wirksamkeit das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Frau Bondy, eine geborene Brünnerin, erfreut sich ob ihrer hervorragenden Charaktereigenschaften und ihrer unermüdlichen, erfolgreichen Thätigkeit auf frauenwirthschaftlichem und pädagogischem Gebiete der wärmsten Sympathien aller Kreise. Als vieljährige Präsidentin des Wiener Hausfrauenvereincs hat sich Frau Bondy große, allgemein anerkannte Verdienste erworben. Frau Bondy ist auch Berfafferin mehrerer nützlicher Bücher. E. B. Wie«. Die mit allerhöchster Entschließung Seiner Majestät des Kaisers erfolgte Ernennung des Gewerbe-Jnspectors Herrn Michael Kulka zum Gewerbe-Oberinspector in der Vl. Rangsclaffe ist in allen Kreisen mit aufrichtigen Sympathien begrüßt worden. Gewerbe-Oberinspector Kulka ist gleichviel bei Arbeitgeber und Arbeitnehmer beliebt wegen seiner strengen Objectivität und seiner hingebungsvollen Pflichttreue. Es bestand sowohl bei den Industriellen als auch bei den Arbeitern des Amtssprengels die Absicht, Herrn Kulka anläßlich seiner wohlverdienten Beförderung Ovationen zu bereiten, allein derselbe hat sich in seiner bekannten sprichwörtlichen Bescheidenheit jede Kundgebung auf's entschiedenste verbeten. Herr Kulka findet und sucht eben nur in der intensivsten und extensivsten Ausübung seines schweren und verantwortungsvollen Dienstes die vollste Befriedigung. Oberbaurath Taussig. Der bei der Donauregulirungs- Commiffion in Verwendung stehende Baurath Sigmund Taussig ist zum Oberbaurath ernannt worden. Oberbaurath Taussig. welcher als Capacität auf dem Gebiete der hydrotechnischen Wissenschaft einen ehrenden Ruf genießt, ist bekanntlich mit der Ausführung der einen Theil der Wiener Berkehrsanlagen bildenden Umgestaltung des Donaucanals in einen Handels- und Winterhafen betraut. Wie wir erfahren, bleibt dem nenernannten Oberbaurathe auch fernerhin die Leitung dieses schwierigen, für die Entwicklung von Handel und Verkehr, ebenso wie für die Sicherung Wiens vor Eis- und Hochwassergefahr gleich hochbedeutsamen Werkes übertragen, welches bereits in seinem gegenwärtigen Stadium der Ausführung die Bewunderung der technischen Fachkreise hervorruft und Zeugniß für die eminente Tüchtigkeit der Bauleitung ablegt. Wien. Fräulein Fanni S i l b e r st e i n, Tochter des russischen Importeurs und Tempelvorstandes Herrn Simon Silberstein, Wien, III. Bezirk, hat sich am 10. d. M. in Baden „Hotel Rausnitz" mit Herrn Adolf Siegel, k. k. Lieutenant in d. R. und Sohn des Banquiers Herrn Jg. Siegel in Lemberg, verlobt. Wien. Sonntag den 15. September fand im israel. Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Blanca Holzer, Tochter des Herrn Max Holzer, mit Herrn Emanuel Braun statt. Treuest« Teplitz. Der durch seine Naturschönheiten wohlbekannte und stark frequentirte Curort Trencsin-Teplitz hat in dieser Saison seinen Besuchern auch einen hohen geistigen Genuß geboten, der lange in ihrer Erinnerung bleiben wird. Herr Dr. M. Lew in aus Jllvaa hat im genannten Curorte in Vertretung des hiesigen Herrn Ortsrabbiners einige religiöse Vorträge gehalten, Herr Dr. Lew in, dem wohl der Ruf eines versirten Redners vorherging, hat jedoch alle in ihn gesetzten Erwartungen in überraschender Weise übertroffen. Es darf wohl gesagt werden, daß man ein eminentes rhetorisches Talent zu bewundern Gelegenheit hatte. Mährisch-Weistkirchen, 9. September. Anläßlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers Franz Josef I. hat der Ausschuß der politisch-israelitischen Gemeinde auf Antrag des Herrn Bürgermeisters S. Schlesinger beschlossen,, eine deutsche Volksschule, die den Namen Franz Josefs-Schule führen wird, zu erbauen. Buezaez. Fräul. Jetti Ab er dam hat sich mit Herrn Schulim Haber aus Kolomea verlobt. Budapest. Wie wir von zuverlässigster Seite erfahren, arbeitet jetzt Herr Baron Hirsch auf seinem Schloß Eichhorn unablässig mit seinem Vertrauensmann, Herrn Dr. Sonnem feld, an einer radicalen Umgestaltung seiner Wohlthätigkeits- Bureaux, deren bisherige Leistungen ihn nicht befriedigten. Hiebei kommen ihm die Erfahrungen, welche Herr Dr. Sonn enfeld vor einigen Monaten auf seiner Reise durch Galizien, wo er Fühlung in zahlreichen Ortschaften mit den maßgebenden Personen genommen, zu statten. Sein hiesiges Wohlthätigkeits- Bureau wird von den bevorstehenden Veränderungen nicht tangirt, da dasselbe seit Anbeginn dem Herrn Baron als mustergiltig vorleuchtete. Sombor, 6. September. Wiederum hat die Gemeinde Israel Ursache zu trauern um einen Mann, der wie Wenige das Beispiel selbstloser Humanität, Aufopferung und Selbstverleugnung gegeben hatte. Gestern war der Begräbnißtag Herrn Hermann Luster's, Wundarztes in Sombor. Eine lange Reihe von Jahren hatte der Verstorbene in seinem Berufe als tüchtiger Arzt gewirkt, nicht minder als Menschenfreund und Wohlthäter der Armen. Die Strapazen seines Berufes, die Anstrengungen, denen er sich bei Tag und Nacht unterzog, ließen ihn kein übermäßig hohes Alter erreichen, er starb im 62. Lebensjahre. Das Leichenbegängnis, das ihm, veranstaltet wurde, war geradezu großartig trotz der Einfachbeit, die alle jüdischen Begräbnisse kennzeichnet. Ohne Unterschied des Glaubens und Standes nahm daran theil, was nur zu der Somborer Intelligenz gehörte und mehr als ein Auge weinte wohl Thränen der Rührung bei der Rede, Die angesichts der Bahre Rabbinatscandidat Samuel Rosenzweig hielt und in der er in gebührender Weise die Tugenden des Verblichenen, seine Menschenliebe, seine Pflichttreue und insbesondere seine tiefe Religiosität hervorhob. Der Verstorbene hat eine Witwe und vier Kinder zurückgelassen, und zwar zwei Söhne, von denen der ältere, Herr Leo Luster, demnächst das Studium der Medicin, der jüngere, Herr Adolf Lu ft er, das Studium der Rechte beendigt, sowie auch zwei Töchter. Friede seiner Asche! Gotthilf Kohn. Budapest, 4. September. Herr Dr. Beruh. Alexander ist zum Professor der Geschichte an der hiesigen Universität ernannt worden. Frankfurt a. Main, 9. September. Bei der Frau Baronin Willy von Rothschild fand in ihrer Billa in Königstein eine Galatafel statt, an welcher Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich mit Gefolge und der Prinz von Wales theilnahmen. Nach der Tafel pflanzten die hohen Herrschaften im Park je einen Baum.

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