Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 38 (18.9.1895)
- Date
- 1895-09-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 38 Seite 697 Dk Bloch's Wochenschrift. „ungeprüften Collegen", die sich ebenfalls in derselben Anstalt befinden, nicht nur nicht eines Besuches gewürdigt werden, sondern überhaupt ganz ignorirt werden, dann soll das wahre Collegialität sein!" „Wahrlich, wenn Herr Zinner jenen uns herabwürdigendenAusspruch auchnichtim Namen des Vorstandes gebraucht hat (was übrigens von einem activen Borstandsmitgliede jedenfalls zum Nachdenken Anlaß gibt), so ist das rücksichtslose Verhalten dieser Herren vollauf dazu angethan, seinen gesprochenen Worten den wahren Werth zu verleihen, welche keinen weiteren Commentar bedürfen!" Soll jedoch der löbliche Vorstand des Landeslehrervereines der Meinung sein, daß dessen Mitglieder nur während ihrer Functionsdauer collegial sein dürfen, so will ich ihn in dieser Meinung nicht wankend machen, so wie ich es auch nicht verlange, daß derselbe „meine incompetenten Rathsch läge" befolgen soll; obwohl bei der Bethätigung eines guten Rathes man nicht fragen soll, von welcher Seite er komme. Schließlich glaube ich es getrost der Zukunft anheimzustellen, ob ich in der Beurtheilung der angedeuteten Haltung der maßgebenden, geprüften Genossen gegen uns Cantoren und Religionslehrer „eine einzige traurige Ausnahme bilde". Stuhlweitzenburg, 10. September. Unter den Rabbinern Ungarns ist gegenwärtig eine Bewegung im Zuge, welche mit der aufrichtigsten Freude begrüßt zu werden verdient. Es handelt sich um die Einberufung einer Landes-Rabbinerversammlung welche sich angesichts der am 1. October in Kraft tretenden, kirchenpolitischen Gesetze mit den nothwendig gewordenen Veränderungen zu befassen haben wird. Die Vertreter der jüdischen Religion erfüllen hiermit eine heilige Pflicht, wenn sie den übrigen Confessionen nicht nachstehen und zur Wahrung der religiösen Interessen zu gemeinsamer Berathung zusammentreten. Die Rabbinerversammlung verfolgt aber auch den Zweck der Gründung eines Rabbinerverbandes, wie er in Deutschland seit mehr als einem Decennium besteht. Die Aussichten für einen günstigen Erfolg sind bis jetzt die besten, da bereits an 70 Rabbiner, und darunter die einflußreichsten und namhaftesten, ihren Beitritt angemeldet haben. Demnächst werden die Einladungen für den 14., 15. und 16. October versandt. Die Versammlung findet in Budapest statt. Möge der Segen Gottes dieses Vorhaben krönen und es zum Heile das Judenthumes gedeihen lassen. Brody, den 10. September 1895. In Ihrem geschätzten Blatte vom 6. d. M., Nr. 36, finde ich eine Notiz aus Brody, vom 2. d.M. mit der Ueberschrift Osias H. Schorr, aus der Feder des Herrn Lev Herzberg-Fränkel, in der der Tod des hiesigen bedeutenden Hebiäiften und Altcrthumskenners Osias H. Schorr berichtet und mitgetheilt wird, daß derselbe ein Sonderling war, daß er aus Geiz oder Stoicismus sich die nothwendigsten Lebensbedürfnisse versagte, daß er darbte und vor Hunger gestorben wäre, wenn nicht seine Nichte, ihn betreut hätte; daß er im Sommer und Winter in derselben verblichenen Kleidung, unentwegt der welterschnlternden Ereignisse, seinen Weg wandelte; daß er theiluahmslos und ohne Theilnahme einzuflößen fast unbemerkr aus unserer Mitte schied, und daß endlich „b l o s" Dr. Herzel den wenigen Männern, die die Bahre umstanden, ins Gedächtniß rief, was Osias H. Schorr war, was er bedeutete und was die gelehrte Welt an ihm verloren. Mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser Notiz, sowie mit Rücksicht auf die hohen Kenntnisse und Gelehrsamkeit des nunmehr verstorbenen Osias H. Schorr und seiner künftigen Bedeutung für das Judenthum erachte ich, der ich mich rühmen kann, durch mehr als zwölf Jahre der intimsten Freundschast dieses bedeutenden Gelehrten mich erfreut zu haben, es als meine heiligste Pflicht diesem entschieden zu widersprechen. Wer Osias H. Schorr wie ich ans seiner nächsten Nähe und nicht wie der Herr Berichterstatter aus weitester Ferne kannte, der mußte von seinem ganzen Wesen, seinen Ansichten und Grundsätzen eine ganz andere höhere Meinung und Ueberzeugung haben; Schorr war durchaus kein Geizhals, der darbte, um die Mildthätigkeit seiner Nichte auszunützen, dazu war Osias H. Schorr zu stolz, zu erhaben, er verschaffte sich immer das Nothwendige, vermied aber stets das Ueberflüssige und Unnöthige. Wenn Jemand, besonders in der letzten Zeit, sich mit einer besonderen Fürsorge um ihn befleißigte, so wiü ich hier diese liebevollen Gründe nicht näher berühren, aber auch dem greisen Gelehrten mit seiner Geistesschärfe entgingen sie nicht, da er noch Mittwoch am 28. August, also drei Tage vor seinem Tode, mir hierüber Mittheilungen machte; auch trug er Sommer und Winter nicht dieselbe Kleidung, er vermied unnöthigen Aufwand, da er sich höhere Ziele gesetzt hatte. Für die Weltereignisse interessirte er sich lebhaft, täglich las er auch die „Neue FreiePresse", und nichts entging seinem scharfen Auge; selbst die Zustände unserer Stadt waren ihm genau bekannt und ich staunte oft über die Genauigkeit und Pünktlichkeit aller einzelnen Umstände, die er stets sehr craß zu bezeichnen wußte. Osias H. Schorr verstand es vorzüglich, Theilnahme einzuflößen, aber nicht Jedem gegenüber that er es; daß er es aber ja verstand, werden außer mir noch viele Andere bestätigen. Osias H. Schorr schied auch nicht so ganz theiluahmslos und unbemerkt, wie der Herr Berichterstatter meint, aus unserer Mitte, und das kleine Häuflein von 60 Personen, welches ihm das Geleite zur letzten Ruhestätte gab, brauchte nicht aus die Bedeutung Osias H. Schorr's erst aufmerksam gemacht zu werden; die Männer, die seine Bahre und sein offenes Grab umstanden, wußten wohl, was Osias H. Schorr war, sie kannten genau seine hohe Bedeutung und wissen auch zu ermessen, was die gelehrte Welt, was das Judenthum an ihm verlor. Dem k. k. Gymnasial-Professor Herrn Dr. Leopold Herzel, dem ich als langjähriger intimster Freund des verstorbenen Gelehrten Osias H. Schorr für den am Grabe Schorr's gehaltenen, tiefempfundenen, trefflichen Nachruf an dieser Stelle meinen innigsten und herzlichsten Dank ausspreche, gebührt der Ruhm, mit dieser Leichenpredigt, einen großen Mann richtig und genau gekennzeichnet zn haben; — doch war, meiner Ansicht nach, diese Rede weniger für die anwesenden wenigen Männer, als vielmehr für Jene treffend, die es vorzogen, aus kleinlichen Gründen beim Begräbnisse eines der bedeutendsten Männer im Judenrhume durch ihre Abwesenheit zu glänzen, im blinden Glauben, vielleicht hiedurch an der Person Osias H. Schorr oder an seinen biedern Ansichten und Principien rütteln zu können, ganz vergessend, daß ein endgiltiges Urtheil über Osias H. Schorr zu fällen, nicht ihnen, sondern der Nachwelt und der Geschichte zusteht. Sigmund W e i n b e r g e r, k. k. Aichmeister. Suezalva, 8. September. Der von der akad. Verbindung „Hasmonaea" begrüncete Verein „Jeschurun" hielt am 26. v. M. seine erste constituirende Generalversammlung ab. Zn derselben erschienen als Delegirte der „Hasmonaea" die Herren cand. jur. Ebne r, stud. jur. Komnrer und stud. jur. Schifter. Tags vorher hielt Herr Taubes aus Kolomea vor einem aus Orthodoxen bestehenden Publicum in der hiesigen Synagoge eine zweistündige Rede, in welcher er in zündenden Worten den Orthodoxen Aufklärung über den Zweck und die Bedeutung der Colonisation Palästinas gab und sie in warmen Worten aufforderte, dem Verein „Jeschurun" beizutreten. Die Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen und hatte den Erfolg, daß die Orthodoxen in den zionistischen Bestrebungen nicht mehr jenes unheilbringende Gespenst erblicken, vor welchem sie bis jetzt in heller Angst zurückscheuten. — Bor Beginn der Plenarversammlung sprach Herr cand. jur. Ebner in der hiesigen Volksschule über die jüdisch-nanonale Idee, öie er als die einzige volkswürdige Lösung der „Judenfrage" bezeichnete. Diese Rede sowie der warme Appell des Herrn stud. jur. Schifter an die Versammelten, ohne Rücksicht auf Stand und Rang dem Verein „Jeschurun" beizutreten, ernteten den ungetheillen Beifall und hatten eine Massen- Beitrittserklärung zur Folge. — lim 7 Uhr eröffnete Rabbiner Dr L ö w y die Generalversammlung, drückte seine Freude über die Gründung des Vereines ans und gedachte am Schluffe seiner Rede überaus lobend der „Hasmonaea", die sich um die Vereinsgründung das größte Verdienst erwarb. — Hierauf wurde zur Wahl des Ausschusses geschritten, der sich wie folgt constituirt: Raboiner Tr. Löwy «Obmann), Gymnasial-Professor N u ß b a u m (Obm.-Stellv.), Handelsgerichtsbeisitzer Beiner und Langer (Cassiere), K l e i r. b e r g (Oeconom),° Grün der g, Dalsen (Schriftf.), Smotritsch, S ch a p i r a (Schriftf.-Stellv.), Körner, H ü l s e n r a d. F. Beiner, Werner, Lech n er, Schwarz, Rohlich und Hausvater. — Nachdem dem provisorischen Ausschüsse der Dank für seine Mühewaltung votirt wurde, wurde die Generalversammlung geschlossen. In Jtz k a n y hielt am selben Tage der Präses der „Hasmonaea" stud. jur. Kammer vor einem größeren Publicum einen Vortrag, in welchem er die Gründung eines zionistischen Vereines anregte. Seine überzeugenden Ausführungen veranlaßten eine größere Anzahl Jtzkanyer Bürger unter der Aegide des Herrn Samuel Hellmann zur Gründung eines Vereines mit dem Namen „Zion". Die Statuten desselben wurden bereits der Regierung zur Genehmigung vorgelegt. Ben Israel. Gliniany, 10. September. Am 1. September 1895 ist in Gliniany eine Baron H i r s ch-Schule eröffnet worden. Während vor ein paar Jahren, wenn von einer solchen Schule die Rede war, ein Streit unter den Juden entstanden ist, sind jetzt am ersten Tage der Einschreibung 150 Knaben im Alter von 6 bis 12 Jahren in der ersten Classe eingeschrieben worden, unter denen auch Knaben der orthodoxen Partei sich befinden. Bei der feierlichen Eröffnung der Schule erschienen die Mitglieder des Local Comitös. Der Obmann Herr Leo Wolf hielt eine erbauliche Rede, in welcher er auf die hohe Bedeutung dieser Bildungsanstalt für unsere israelitische Bevölkerung überhaupt hinwies und welche in ein dreimaliges Hoch für den edlen Stifter ausklang. Bis heute besuchen die Schule 160 Knaben. Berlin, 10. September. Wie die Tageszeitungen mittheilen, hat das Provinzialfchulcollegium für die Provinz