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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-18 · 38 (18.9.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
38 (18.9.1895)
Date
1895-09-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 38 Seite 695 ,va** -äisfcÄÄsrv Dr. Bloch's Wochenschrift. schreit Dr. Lueger, das heißt mit anderen Worten: Der Jude ändert sich nicht. Und Dr. Mandl hat sich auch nicht geändert, er ist noch immer derselbe, der er war. Geändert hat sich nur der Dr. Lueger!" Antifemiten-Candidat und Juden-Compagnon. Die „Sonn- und Montagszeitung" vom 16. d. M. berichtet: „Vor einigen Jahren hatte die Börsencomptoir- Firma I. Landauer und Comp, die Absicht, im fürsterzbischöflichen Palais am Stephansplatz ein Local zu miethen. In der Voraussetzung, daß ihm als Jude dies erschwert sein dürfte, verfiel Herr Landauer auf einen Ausweg. Er suchte sich einen christlichen Compagnon, einen gewesenen Beamten der Sparkasse, der ohne die geringste Capitalseinlage formeller Theilhaber des Geschäftes wurde. Die Verhandlungen, die dieser wegen ver Miethe des erwähnten Locales Pflog, waren dem Abschlüsse nahe und sie scheiterten im lltzten Momente aus Gründen, deren Erörterung nicht zur Sache gehört. Der Mann, der in solcher Weise und zu solchen Zwecken der Compagnon einer jüdischen Börsencomptoir-Firma wurde, ist Herr Wenzel Hraba, der antisemitische Candid at f ür d e n z we iten Wahlkörper in Hietzing! — Wir haben keinen Anlaß, das Vorgehen des jüdischen Geschäftsinhabers, der sich einen solchen Compagnon wählt, zu beleuchten, denn Herr Landauer ist es ja nicht, der durch das Vertrauen seiner Mitbürger ausgezeichnet werden soll. Aber der antisemitische Herr Hraba, der zu den Würdigsten seiner Partei zählen muß, da Herr Dr. Lueger Alles für ihn thut, um ihn zu seinen Collegen im Gemeinderath zählen zu können, ist gewiß eine recht interessante Erscheinung. Wir möchten nun zwar nicht behaupten, daß die Antisemiten, die mit Juden, durch Juden und an Juden Geld verdienen wollen, selten sind. Im Gegentheile. Von dem Geschäftsmanne Deckert angefangen, der nebenbei auch die Stelle eines Pfarrers versieht, zeichnen sich die hervorragenden Antisemiten alle durch die Scrupellosigkeit aus, mit der sie „jüdisches" Geld annehmen. Dr. Lueger kann auch nicht daraufhinweisen, daß ihm die lehrreiche Episode in dem Leben seines Candidaten und Proteges Hraba unbekannt geblieben sei, denn dieselbe wurde seinerzeit auch in einem Processe erörtert, in welchem er als Bertheidiger fungirte. Das war der Ehrenbeleidigungsproceß, den Herr I. Landauer gegen den Herausgeber des „Gambrinus", Herrn Lichtblau, angestrengt hatte. Dr. Lueger, der zu jener Zeit fast ausschließlich mit Juden verkehrte, führte damals die Vertheidigung des Juden Lichtblau, der auch siegreich aus dem Processe hervorging". Arische Arbeiterfreundlichkeit. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf die in Ihrem geschätzten Blatte vom 16. August 1895, Nr. 33, unter der Aufschrift „Arische Arbeiterfreundlichkeit" erwähnte Notiz, daß wir wegen unwahrer Angaben in den Lohnverrechnungcn mit dem Betrage von fl. 68.716 bestraft worden sind, ersuchen wir höflichst um Aufnahme nachstehender Berichtigung: Es ist unwahr, daß wir wegen unwahrer Angaben in den Lohnverrechnungen mit dem Betrage von fl. 68.716 bestraft worden sind, richtig ist, daß uns infolge einer Denunciation eine Nachtragsgebühr für die Jahre 1892—1895 per fl. 625 vorgeschrieben wurde, gegen welche Borschreibung wir unter Hinweis auf unsere ordnungsmäßig geführten Handelsbücher durch unseren Vertreter, Herr Dr. Adolf Fritsch, am 10. Juni 1895 den Recurs an die n.-ö. Statthalterei zur Z. 43256 überreicht haben." Wir bemerken zu dieser „Berichtigung", daß unsere Notiz, wie wir auch ausdrücklich erwähnten, einem amtlichen Organe, den „Amtlichen Mittheilungen der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt für Niederösterreich" entnommen war. Die „Berichtigung" der Herren End und Horn berichtet etwas, was wir gar nicht behauptet haben. Sie bestreiten, mit dem Betrage von fl. 68.716 bestraft worden zu sein. Das war auch in unserer Notiz nicht gesagt. Dort hieß es. daß gegen die Firma End & Horn wegen unwahrer Angaben in den Lohnverrechnungen, welche sich insgesammt auf fl. 68.716 beliefen, die Strafanzeige erstattet wurde. Nun gesteht die Firma in der obigen ..Berichtigung" selbst zu, daß ihr eine N a chtragszablunq per fl. 625 vorgeschrieben wurde, sie b est ä t i g t also die Thatsache, daß eine Strafanzeige wegen unwahrer Angaben erstattet wurde. Antisemitische Agitatoren, welche zahlreich jüdische Kundschaft haben, sind Wenzel Oppen berge r, angeblich Vertreter von Walzmühlen, thatsächlich Ständler von Butter und Eiern. Weiters Gemischtwaarenverschleißer Franz Mich tn er. ll., Wintergasse 33, und ^astwirth Franz Strasser, II., Wallensteinstraße SO, welche für den antisemitischen Wahlfond Gelder sammeln. AntisemitischeBaterlandsliebe. In einem „teutschen Blatte ist Folgendes zu lesen: „Der General Manier hatte im Pariser „Figaro" die himmelschreiende Behauptung aufgestellt, daß im Kriege 1870 deutsche Dssiciere Manches mitgehen hießen, was ihnen nicht gehörte. Darüber ungeheuere Entrüstung in der deutschen Presse. Zn einigem proste erzählen sie sich nun, daß der General vor ein paar Jahren wegen Verleumdung zu 1000 Francs Strafe verurlheilt worden, weßhalb jedes Wort über diesen Herrn überflüssig sei. — Abgesehen davon, baß öer Gener al nicht wegen Verleumdung, sondern nur wegen „verleumderischer Beleidigung" verurtheilt worden ist, was jedem passiren kann, der gegebenen Falls, und wenn er hundertmal Recht hat, nicht den vollen Beweis gegenüber einem Kläger führen kann und wenn dieser hundertfach ein Lump ist. genügt das keineswegs, um jedes Wort überflüssig zu machen. Daß man sich jetzt über de.i General Munier so echauffirt, begreifen wir nicht, nachdem man seinerzeit dre P e n d u l e n v o n d e n F r a n z o s e n r ir h i g e i^r g e ste ckt hat." Dieser Infamie hat sich nicht etwa ein socialdemokratisches oder anarchistisches Organ schuldig gemocht, sondern der in Fürth-Nürnberg erscheinende „F r e i e B eobachter. Organ derbairischen Antisemiten und des Mittelstandes", in seiner Nummer vom 6. September. Anarchismus und Antisemitismus. Unsere Behauptung. daß der Urheber des jüngsten Attentats gegen Rothschild ein Antisemit sei, wird jetzt vollauf bestätigt. Das Pariser ..Journal des Debats" bringt die Unterredung eines seiner Mitarbeiter mit der Logiswirthin des Attentäters, der Marie Andre Victor Lson Bouteilhe heißt. Die Frau erzählt, der Mensch, der kurzweg Leon genannt wurde, wohnte bei ihr seit dem Juni 1894. Er war mürrisch und sehr reservirt und hatte keine Freunde oder Bekannte. In den Dienstpausen am Morgen — Bouteilhe war subalterner Bahnbeamter — kam er eilig nach Hause, verlangte seine Zeitung, die „Libre Parole", die er mit Begierde las, und wenn er je aus seiner Zurückhaltung hervortrat, lobte er sein Leibblatt mit großem Eifer. Die „Libre Parole" ist das Pariser Antisemitenblatt. Wir hatten also vollkommen Recht, als wir kürzlich schrieben, daß die Lehren Drumon t's und die sinnlosen Hetzartikel der „Libre Parole" das winzige Gehirn des Attentäters verwirrt hätten. Der Beweis ist ferner erbracht, daß auch in Frankreich der Antisemitismus die Vorschule des Verbrechens und des Anarchismus ist. In demselben Sinne wie die Logiswirthin äußerte sich auch der Restaurateur, bei dem Bouteilhe zu Mittag aß. Der Attentäter war kein Freund der Arbeit. Wozu auch? Es ist doch viel leichter, zu faullenzen, auf die Juden zu schimpfen und gelegentlich eine Bombe zu werfen! Der Antisemitenhäuptling Baron Hammerstein. Berlin, 16. September. Nunmehr ist gegen Baron Hammerstein von einem Mitglieds der Aristokratie auch -ine Anklage wegen W e ch s el fäl s ch u n g erhoben worden. Er fälschte einen Wechsel von zweimalhunderttansend Mark auf den Namen des Grafen Finckenstein und setzte ihn in Umlauf. Daraufhin erstattete Graf Finckenstein die Anzeige beim Staatsanwalt. Berlin, 16. September. In der Hammer st ein- Affaire kommt immer neuer Schmutz zutage. Ihr Correspondent erfährt von zuverlässiger Seite, daß der endliche Entschluß des „Kreuzzeitungs"-Comites. die Angelegenheit der Staatsanwalt zu übergeben, dadurch beschleunigt wurde, daß sich herausstellte, daß Hammerstein auf Lieferunqscontracte für Papier den Namen eines Mitgliedes des Comites und hervorragenden Konservativen einfach gefälscht hat. Der Papierkieferant erhielt im Contract einen Zuschlag von fünfzehn Pfennige zum Papierpreis, welcher Zuschlag ausdrücklich zur Abzahlung privater Schulden Hammerstein's an die Lieferanten bestimmt war. Daß die Mitglieder des „Krenzzeitungs"'Comites juristischerseits erfuhren, daß sie eine Zeugenaussage in einem eventuellen Proceß gegen die „Frankfurter kleine Presse" nicht verweigern können, hat nicht unwesentlich m dem jetzigen Ausgang beigetragen, obwohl noch in letzter Stunde Vertuschungsversuche gemacht wurden.

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