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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-13 · 37 (13.9.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 678 Dr. Bloches Wochenfchrist. Nr. 37 Wien. (Verlobung.) Fräulein Rosa Neumann' Tochter des Herrn Michael Neumann in Wien, hat sich mit Herrn Geza Popper aus Wartberg verlobt. Wien. (Zu den bevor st ehenden Gemeinderathswahlen.) Herr Dr. Jacob Schreiber theilt mit, daß er, um die drohende Spaltung innerhalb der liberalen Partei zu verhüten, sich bestimmt findet, von seiner Candidatur für die bevorstehende Gemeinderathswahl im 3. Wahlkörper des zweiten Bezirkes zurückzutreten. Wien. Wie bekannt, wurde der Innere Stadt-Tempel in der Seitenstettengasse ganz neu renovirt und mit elektrischer Beleuchtung installirt. In aller erster Linie haben wir den geehrten Herrn Baurath Stiaß ny dies zu verdanken, welcher die Arbeit mit größter Energie geleitet hat. Der innere Tempel, welcher als architektonisches Bauwerk im reinen Empire-Stil gehalten ist, wirkt in seiner Schönheit bewältigend. Er ist einzig in seiner Art und muß man seinesgleichen suchen. Die Maler- und Bergolder-Arbeiten wurden von der renommirten Firma Ko tt gemacht; die elektrische Leitung von der Internationalen Elektricitäts-Gesellschaft und sämmtliche Luster- und Beleuchtungskörper von der bekannten Firma I. A. Heymann. Die ganze Arbeit wirkt ungemein gut und macht bei voller Beleuchtung einen imposanten und feierlichen Eindruck. Mistelbach, 9. September. Sonntag den 8. September feierte Herr Sigmund Jellinek, Cantor und Religionslehrer in Mistelbach, im Kreise seiner Freunde und ehemaligen Schüler nach 15jähriger Wirksamkeit das Abschiedssest. Der Schriftsetzer Herr Otto Eisinger feierte in einer gelungenen Ansprache den scheidenden Religionslehrer als treuen Freund der Jugend und versicherte ihn der Dankbarkeit der ehemaligen Schüler. Handelsakademiker Herr Julius Löwenrosen dankte im Namen der Armen und Bedrängten, denen Herr Jellinek ein Freund und Beschützer war und sprach die Hoffnung aus, daß der Herr Religionslehrer auch in seinem neuen Wirkungskreise der alten Freunde nicht vergessen werde. In rührenden Worten bedankte sichsodann Herr Jellinek bei seinen ehemaligen Schülern für die ihm heute erwiesene Ehre, und bei allen seinen Bekannten für die ihm während seiner 15jährigen Dienstzeit geschenkte Freundschaft und bedauerte aufs Innigste, aus der Gemeinschaft so ihn liebender Menschen scheiden zu müssen. Jglau, 3. September. Wegen ihrer bevorstehenden Uebersiedlung nach Wien legte Frau Jeannette Mayer in einer Zuschrift an den Vorstand dos hiesigen israelitischen Frauen- Bereines vom 27. August 1895 das von ihr seit dem Bestände dieses Vereines bekleidete Amt einer C a s s i e r i n zurück, indem sie zugleich sämmtlichen Bereinsmitgliedern ein herzliches Lebewohl zurief. Der Vereins-Borstand ergriff hierauf diesen Anlaß,umFrauJeannetteMayer indankbarerAnerkennung und Würdigung ihrer unverwelklichen Verdienste um die Gründung und Prosperität des israelitischen Frauen-Vereines zu dessen > Ehrenmitgliede zu ernennen und ihr das diesbezügliche, künstlerisch ausgeführte Diplom in prachtvoller Enveloppe durch eine von der Vereinspräsidentin, Frau Dr. Un ger geführte Deputation am 1. September l. I. überreichen zu lassen. Pilsen. Am 4. d. M. starb hier der emer. Rabbiner Herr Kohner Steiner im 88. Jahre seines Gott und der Thora geweihten Lebens. Als Schüler des berühmten Preßburger Rabbiners Moses S o f e r führte er, gemäß der streng religiösen Lebensweise seines Lehrers einen sehr frommen Lebenswandel bis zu seinem Lebensende. Er war ein tüchtiger Talmudist. Leutseligkeit, Menschenfreundlichkeit, Friedensliebe, Bescheidenheit und Herzensgüte zierten seinen schönen Charakter. Gottesfurcht und Frömmigkeit leiteten ihn in seinem Denken, Sprechen und Thun. In Pilsen lebte er etliche dreißig Jahre, stand bei Jedermann in großer Gunst, was sich auch bei dem imposanten Leichenbegängnisse am 6. d. M. manifestirte. Schon vor der festgesetzten Stunde sah man im Trauerhause und vor demselben eine große Menschenmafsi versammelt, welche sich noch bedeutend vermehrte, als der Leichenzug sich in Bewegung setzte. Am Friedhofe angelangt, hielt der Ortsrabbiner Dr. Poznansky eine Trauerrede, worin er die vortrefflichen Eigenschaften des Verblichenen schilderte. In unserer Zeit ist ein solcher Mann unersetzlich. l. M. Skole (Galizien). Im Monate Mai l. I. wurde hier ein israelitischer Lese-Verein gegründet, der den Namen „Dorschei Mada“ füfjrt ltnb „Me Förderung und Verbreitung allgemeiner Bildung; besonders aber jüdischen Wissens und Literatur", zum Zwecke hat. Zu der Ende Juli a. c. stattgefundenen Eröffnungsfeier haben sich außer den Bereinsmitgliedern alle hier zur Cur weilenden israelitischen Gäste eingefunden; nachdem der Obmann Herr H. LiZbesm a n n eine feierliche Rede gehalten, ergriff der erste Ausschuß Herr Dr. Med. E. Fried länder das Wort, besprach den zu so trauriger Berühmtheit gelangten Antisemitismus, und erklärte, daß in solchen Verhältnissen Israel der Aufklärung und Bildung dringend benöthige, daß es nur in seiner Bereinigung seine einzige Hilfe zu suchen hätte. Zum Schlüsse ergriff der hier zur Cur weilende Gast Herr Dr. Ehrenpreis aus Lemberg das Wort und begrüßte den neuen Verein aufs Herzlichste, ihm Gedeihen wünschend. Moses Großmann. Constantinopel. Am 27. September wird Fräulein Diamante L 6 vy, Tochter des Herrn Marco L ö v y, mit Herrn Zsichua Bey Elnöcanß, einen Enkel des Großrabbiners, getraut werden. Edi's erster Tempelgang. Im Haufe des Börsianers G ü l d e n a u ist keine Spur zu erkennen, daß heute Abend die „furchtbaren Tage" beginnen, wie die beiden Neujahrstage und der Bersöhnungstag genannt werden. In früheren Zeiten warf der Antritt dieser Tage schon wochenlange seine Schatten voraus. Mit der Verkündigung des Elul-Monates ging mit der Empfindungs- und Gefühlswelt des Israeliten eine merkwürdige Veränderung vor. Wehmuth und Rührung beschlich sein Herz; ernster, weihevoller ward seine ganze Stimmung; heiliger, hehr sein Denken, bis endlich mit dem Beginne der letzten Woche vor Neujahr dieses gesteigerte seelische Leben zum Durchbruche kam, wenn in den ersten kalten Nachmitternachtsstunden dieser Woche allnächtlich der Synagogendiener gespenstisch durch die unheimliche, öde Gasse wandelte, die Schläfer wie vor einer Katastrophe mit dem Rufe: „Zu Slichos!" weckend. Von da ab war die Atmosphäre der Gasse wie die Todesahnung in einem Sterbehause, bis man am Neujahr wirklich die Sterbekleider anzog. Doch auch in der Neuzeit haben diese drei „furchtbaren Tage" ihre Macht noch nicht ganz eingebüßt und wenigstens die Rüste zum Neuen Jahr zeigt in den meisten jüdischen Häusern noch eine weihevolle Stimmung. Es wird schon in den Nach- Mittagsstunden die Geschäftsthätigkeit eingestellt und zur Toilette für den Tempelbesuch geschritten. Die Ballkleider werden hervorgeholt, im Gegensätze zwar zu den alten Zeiten, wo man die Sterbekleider anlegte. Endlich langt man nach den Gebetbüchern, die in Staub gehüllt im obersten Fach des Bücherkastens ein ganzes Jahr lang vergraben stehen. Von dem Allen ist jedoch keine Spur im Hause Güldenau's zu bemerken. Und doch hat das Haus nicht das gewöhnliche Aussehen, es herrscht eine Bewegung darin, die auf einen wichtigen Vorgang deutet, den man erwartet. Man bereitet sich sichtbar auf Etwas vor. Es ist der 18. September. Des Sonntags wegen war diesmal die vsficielle Wiedereröffnung der Schulen erst am 16., und da der erste Tag des Schuljahres nur mit dem Kirchenbesuch und in der Regel mehrere Tage mit leeren Formalitäten ausgefüllt werden, soll der eigentliche Unterricht erst morgen beginnen, dem ersten jüdischen Neujahrsfeste. Das Judenthum als Religion ist noch immer das Aschenbrödel unter den Confessionen. Einen Jahrmarkt in irgend welchem Provinzneste, der auf einen jüdischen Feiertag fällt, verlegt man auf einen anderen Tag; der Schulanfang, wenn er gerade mit einem der höchsten jüdischen Feiertage zusammenfällt, wird deswegen doch nicht hinausgeschoben, weil man dem Judenthume keine Concession machen will. Die jüdischen Kinder müssen morgen allerdings noch , nicht in die Schulen gehen. Allein sie erkennen eben dadurch

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