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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-13 · 37 (13.9.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 677 ‘ " —'—TTril—T1TIW~ m ~UI 2 Ruf nicht beherzigt zu Haben, wogegen wir mit gehobenem Bewußtsein von strammer Einigkeit in unserem Vereine, mit einer einzigen traurigen Ausnahme, authentisch berichten können. Prag, am 4. September 1895. Für den Vorstand des israelitischen Landeslehrerverein es in Böhmen: M. Freund, Siegmund Springer, Schriftführer. Obmann. Budweis Se. Majestät der Kaiser, welcher sich hierzu den Manövern aufgehalten hat, hat am 1. d. M. unter anderen Corporationen auch den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Kreisrabbiner A. Wunder empfangen. Auf die Ansprache des Letzteren erwiderte der Kaiser: „Ich danke Ihnen für die Versicherung treuer Ergebenheit, versichereSieauchweiterhinMe in es landesväterlichen Schutzes und bin überzeugt, daß Sie bei Ihren Glaubensgenossen die Anhänglichkeit an Mein Haus und an das Reich stets treu pflegen werden." Bei seiner Rundfahrt durch die Stadt kam der Kaiser zu der neu in gothifchem Style erbauten Synagoge. Dort brachte dem Kaiser die israelitische Cultusgemeinde ihre Huldigung dar. Kreisrabbiner Wunder und die Mitglieder der Gemeinde standen im Halbkreise ausgestellt auf dem Platze vor der Synagoge. Brausender Jubel empfing hier den Monarchen. Mährisch-Aufsee. Bei Gelegenheit der Durchreise Sr. Excellenz Herrn Statthalter Freiherrn von Spens-Boden wurden auf Anordnung des k. k. Bezirkshauptmannes Ritter Worzikorsky der Rabbiner Dr. Templer, sowie die Mitglieder des Cultusvorstandes zum Empfange eingeladen. In der Ansprache bat der Rabbiner Se. Excellenz, der Dolmetsch der patriotischen Gefühle der jüdischen Gemeinde bei Sr. Majestät zu sein. Se. Excellenz antwortete: „Ich danke Ihnen recht herzlichst für Ihre lieben Worte. Sie können versichert sein, daß ich von Ihren patriotischen Gefühlen überzeugt bin und es nicht unterlassen werde, diese Gefühle vor den allerhöchsten Stufen des Thrones zum Ausdrucke zu bringen." Se. Excellenz unterhielt sich hierauf leutseligst mit dem Rabbiner als auch mit den Mitgliedern des Cultusvorstandes über die verschiedenen Gemeindefragen und entließ sie auf das Huldvollste. Sadagora. Am 1. September 1895 ist die Baron Hirsch- Stiftungsschule eröffnet worden. Von allen Seiten strömten die Kleinen, größtentheils von den Müttern an den Händchen geführt, herbei, die Schulzimmer füllten sich bis auf's letzte Plätzchen und nun begann zum größten Leidwesen der Eltern und der Localcomitemitglieder die Ausschulung derjenigen, welche noch nicht das schulpflichtige Alter erreicht, und solcher, welche schon bereits die 1. Elaste mit gutem Erfolge absolvirt haben. So gerne wir auch solchen Kindern, denen nur noch einige Monate zum 7. Lebensjahre fehlten, den Schulbesuch gegönnt hätten, mußten wir sie dennoch und dazu noch 100 Kinder, welche nicht ausgenommen worden sind aus Raummangel, zurückweisen. Von den eingeschriebenen sind 126 Kinder in 2 Schulzimmer untergebracht. Es ist nun, nachdem Andrange zu der Schule zu schließen, außer Zweifel, daß die Schule in Sadagora nothwendig ist, da die Eltern ihre Kinder bilden lasten wollen, wenn ihnen die Gelegenheit dazu geboten wird, und daß es nothwendig ist, ein Schulhaus zu bauen, das mindestens 500 Kinder fasten soll. Das Localcomite hat in der richtigen- Erkenntniß der Lage für die sofortige Erbauung eines vierclassigen E chulhauses plaidirt und gibt der Hoffnung Raum, die oberste Behörde werde diesem Bedürfniste Rechnung tragen und den Bau eines solchen bald in Angriff nehmen. Dr. G e l l y. Berlin. Dem Antisemitismus hat das brandenburg's che Provinzial-Schulcollegium Conceffionen gemacht, wie sie — die Freisinnige Zeitung hebt dies besonders hervor — weder unter Goßler's noch selbst unter des Grafen Zedlitz' Ministerschaft den Antisemiten gemacht worden. Das genannte Schulcollegium hat nämlich eine Verfügung an die städtische Schuldeputation in Berlin erlassen, welche es untersagt, künftig jüdische Lehrer und Lehrerinnen zu verwenden beim Unterrichte in Geschichte, Literaturgeschichte und deutschen Aufsatz. Zugleich wird verboten, die Zahl der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen zu vermehren, sofern nicht die Ertheilung des jüdischen Neligiolis-Uiitcrrichtes dies nöthig macht. Eine solche Nothwendigkeit sei nur dann anzuerkennen, wenn aus einen jüdischen Lehrer mehr als drei Curse Religions-Unterricht und eine jüdische Lehrerin mehr als zwei solcher Curse entfallen Diese Verfügung bildet den Abschluß der Verhandlungen, welche das Provinzial-Schulcollegium vor längerer Zeit eingeleitet hat in Folge der Nachricht, daß durch einen Rector eine jüdische Lehrerin aushilfsweise in einer Schule veranlaßt worden sei, christlichen Kindern während etlicher Stunden Unterricht in der biblischen Geschichte zu ertheilen. Die Schuldeputation hat beschlossen, gegen diese Verfügung bei dem Culiueministir Boffe Beschwerde zu erheben. Das obengenannte liberale Blatt bemerkt dazu: „Es ist kaum anzunehmen, daß das Provinzial- Schulcollegium in einer so grundsätzlichen Frage Stellung genommen hat ohne vorheriges Einvernehmen mit dem Ministerium. Es ist unseres Wissens das erstemal, daß dem Unterricht in der Geschichte, der Literaturgeschichte und dem deutschen Aussatz ein derart specifisch konfessioneller Charakter beigelegt wird." Berlin, 6. September. Hochgeehrter Herr Redacteur! Es dürfte für die Leser Ihrer Zeitung die Mitteilung von Interesse sein, daß die von Herrn Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenburg), herausgegebene „Real- Encyklopädie" des Judenthums, r-sp. für Bibel und Talmud. Abtheilung I, A—Z; Abtheilung II, A—Z. mit den drei Supplementen A—Z, nunmehr nochmals gedruckt wird und in Heften von 10 Bogen, Großlexikon-Octavsor mal, ä 3 Mark, erscheint. Man abonnirt in jeder Buchhandlung, sowie beim Verfaffer. Eine zahlreiche Betheiligung, wie es dieses von den bedeutendsten gelehrten Fachmännern so sehr günstig beurteilte und empfohlene Werk wohl verdient, wäre zu wünschen, damit das schnelle Nacheinanderfolgen der Hefte gefördert und gesichert werde. 8. Berlin, 30. August. P a u l M o d e l, der unglückliche T o u r i st, dessen junges Leben vor wenigen Tagen dem A l p e n s p o r t zum Opfer gefallen ist, wurde heute Vormittag gegen 12 Uhr auf dem Friedhofe der israelitischen Gemeinde in der Schönhauserallee auf dem Erbbegräbniß seiner Familie bestattet. In dem Hause seiner Eltern, Thiergartenstraße 6d, war die Leiche aufgebahrt worden; eine reiche Fülle von Palmen, Rosen und Orchideen bedeckte den schwarz verhangenen Sarg, um welchen fick eine äußerst zahlreiche Trauerversammlung grnppirt hatte. Prediger Tr. L e w i n von der Reformgemeinde nahm die Einsegnung der Leiche vor; Gesänge des Ritzenfeld'schen Quartetts leiteten die Feier ein und beschlossen sie. Zwei Galawagen, welche dem Leichenwagen folgten, führten die Fülle der duftigen Spenden, die dem Andenken des Verstorbenen gewidmet worden waren, zum Friedhof, wo kurze Ansprachen des Predigers in der Leichenhalle wie am Grabe den ernsten Act beschlossen. Dem Sarge folgten der Vater des Verblichenen, eine hohe, elastische Gestalt, seine noch jugendliche Mutter, drei Schwestern sowie der Bruder, ein Ebenbild des so jäh aus dem Leben Geschiedenen an Gesundheit und strotzender Kraft. Zahlreiche Freunde des Hauses wie Studiengenosten gaben dem Verstorbenen das Geleite bis zur Gruft. Der verunglückte Rechtscandidat Paul Model stand im Begriff, auf Grund einer volkswirthschafilchen Arbeit sich zur philosophischen D o c t o r Prüfung zu melden. Seine Dissertation sollte die Geschichte der drei größten deutschen Banken behandeln, die der Discontogesellschaft. der Darmstädter und Deutschen Bank. Seit länger als einem Jahre hatte er das Material dazu gesammelt und einen Theil der Arbeit schon im vorigen Semester bei Geh. Rath Adolf Wagner im staatswiffenschaftlichen Seminar vorgetragen. Seit l1/* Jahren war er Mitglied des Seminars und betheiligte sich hier als eifriger Besucher an den Uebungen von Schmoller, Wagner und Sehring. Er gehörte auch im Februar dem Präsidium des Wagner- Schmoller-Commerses an. Gelsenkirchen, 4. Sept. Zu wüsten Scenen kam es gestern Abend vor dem Hause des israelitischen Bürgers I. Block, dessen Tochter heute ihren Hochzeitstag feiert. Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Hause in der Friedrichstraße eingefunden und bombardirten es mit allen möglichen Gegenständen, so daß bald keine einzige Scheibe der der Straße zugekehrten Fenster mehr ganz war. Sogar die Rolljaloufien der Schaufenster wurden zerschlagen und die werthvollen Spiegelscheiben zertrümmert. Dabei wurde die Menge durch antisemitische Hetzrufe angefeuert. Da die Polizei viel zu schwach war, um gegen den Pöbel etwas ausrichten zu können, dauerte der Tumult bis gegen 2 Uhr Nachts. Heute wurden einige Verhaftungen vorgenommen.

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