Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 37 (13.9.1895)
- Date
- 1895-09-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 676 Dr Blvch's Wochenschrift Nr. 37 Polizei in der Straße erschien, zerstob der Schwarm und der Verfolgte, der Kranken kassier Gustav Zauner, konnte froh sein, mit einigen blauen Flecken davongekommen zu sein. Das sind so die harmlosen Spiele eines Theiles unserer Schuljugend. Wo bist du hin, frischquellender Frohsinn, harmloser Uebermuth — ist auch dieser Brunnen schon vergiftet? („Wr. Tgbl.") Correspondenzen. Wien. Dr. H einrich S teg er hat seine Candidaturfür das durch das Hinscheiden des Freiherrn von Sommaruga erledigte Landtagsmandat für den ersten Bezirk Wien angemeldet. Der Entschluß Doctor Steg er's, sich der freiheitlichen Sache zur Disposition zu stellen, wird mit allgemeiner Genugtuung begrüßt werden. Eine neue Arbeitskraft, reich an Kenntnisien, wie an praktischen Erfahrungen, ist bereit, die gelichteten Reihen wahrer Volksfreunde zu v rstärken. Succurs thut noth. Aber Doctor Steger ist nicht blos ein tüchtiger Jurist, ein schneidiger Redner — er ist auch ein energischer unbeugsamer Charakter, der unerschrocken und rücksichtslos gegen Lüge und Verleumdung gegen Verhetzung und Aufreizung einen ehrlichen Kampf kämpfen wird. Er ist durchaus nicht der Mann, gewisien Elementen die ihnen gebührende Antwort lange schuldig zu bleiben. Es wäre im Interesse der guten Sache lebhaft zu wünschen, daß Doctor Heinrich Sieger in das Landhaus einziehe. (Ernennung). Der Verfasser des in der Staatsdruckerei in Bukarest eben erscheinenden rumänischdeutschen Wörterbuches, Dr. Tiktin, besten Lebenslauf wir vor einiger Zeit in diesem Blatte skizzirten, ist zum Professor der deutschen Sprache an dem neucreirlen Staats-Lyceum in Jassy ernannt worden. Diese, einem Juden in Rumänien zu Theil gewordene, ganz ungewöhnliche Auszeichnung bietet einen Beweis der außerordentlichen Werthschätzung, deren der gedachte Gelehrte sich in den dortigen Regierungskreisen erfreut, und dürfte das Lehramt, zu welchem er derzeit berufen worden ist, wohl nur eine Vorstufe für eine ihm ipäter einzuräumende Professur an der Bukarester Universität bilden. Wien, 10. September. (Ferienheim.) Mit großer Bereitwilligkeit folgten wir der Einladung des Vereinsvorstandes, dem Empfange der Knabencolonien beizuwohnen. Die Ankunft solcher Kindergruppen bietet jedem Kinderfreund einen wahren Genuß. Montag den 9. September begaben wir uns zunächst auf den Südbahnhof, wo 55 Knaben aus Theresienfeld anlangten. Aus ein m Separatwaggon, den die Südbahn bereitwillig beistellte,' entstieg unter lautem Hochrufen die muntere Jugend. Alle trugen blaue Blousen und lichte Ruderkappen, auch ihr Gepäck halten sie in gleichmäßige große Leinwandtaschen verwahrt. Das prächtige Aussehen der Kinder, die Freude, mit der sie ihre Angehörigen begrüßen, der dankbare Blick zu den Mitgliedern des Empfangscomites. die Wehmuth d^s gegenseitigen Abschiedes, als das macht auf den Zeugen solcher Scenen einen ganz eigenartigen Eindruck. Bald sind sie in Ordnung aufgestellt, ein Paar Abschiedsworte von Seilen der Lehrer und die Colonie ist aufgelöst. Von da begaben wir uns sofort auf den Staatsbahnhof, wo wieder 55 Knaben aus Schattmannsdors in Ungarn ankamen. Derselbe Jubel, derselbe Anblick. Hier müssen die Knaben vorerst zur Waage, da der Effect des Landaufenthaltes auch ziffernmäßig controlirt werden soll. Jedes Kind harrt mit Spannung der zu verkündenden Ziffer, deren Bekanntgabe auch den Angehörigen den Erfolg documentiren soll. Der Einzelne beurtheilt das Resultat vom subjektiven Standpunkte. Die Vereinsleitung intereffirt die durchschnittliche Ziffer, welche für das Gedeihen der Kinder und für die Gesammtorganisation den Maßstab abgibt. Daher das intensive Bestreben, nicht nur die sanitär günstigsten Stationen zu eruiren, sondern auch die Verpflegsverhältniffe im Jntereffe der Zunahme des Körpergewichtes zu reguliren. Wir hören nun. daß der Verein „Ferienheim" in dieser Hinsicht in Theresienfeld recht günstige Resultate zu verzeichnen hat. Und das kann uns nicht Wunder nehmen. Wir batten vor 14 Tagen anläßlich einer gemeinschaftlichen Excursion nach Theresienfeld Gelegenheit, die außerordentlich zweckmäßigen Einrichtungen dieser vom Vereine in eigener Regie geführten Colonie kennen zu lernen. Wir fanden die Knaben eben an einer in einer schattigen Allee befindlichen langen Tafel bei der Jause. An Appetit schien es Keinem zu fehlen. Nach der Jause warschirten sie in strammer Ordnung auf ihren Uebungsplatz. Hier gab es militärische Exercitieu, Turn- und Gelenkübungen, Marschbewegungen, ferner Gesang und Spiel unter Aufsicht zweier Lehrer. Das Commando war Präcis, die Ausführung vollkommen exact, so daß wir Zuschauer von den Leistungen ganz überrascht waren. Allerliebst war der Anblick, als ein kleiner Kerl von kaum 8 Jahren das Commando übernahm und die großen Jungen stramm gehorchten. Sodann machten wir die Runde durch die einzelnen Räume. Da war ein geräumiger Speisesaal mit einem 14—15 Meter langen Tische und Bänken, ein allerliebstes Waschzimmer mit sehr zweckmäßiger Einrichtung, im ersten Stock ein imposanter Schlafsaal mit 55 Betten, von allen Seiten freistehend. Vom Fenster desselben hat man den Ausblick auf den Schneeberg. Selbstverständlich sind auch die anderen Räume ganz zweckmäßig eingerichtet, so die Küche, natürlich den rituellen Vorschriften entsprechend. Alles in Allem eine musterhafte Ordnung, welche, wie wir hören, in kaum 4 Wochen geschaffen wurde. Alle Theilnehmer an der Excursion drückten ihre Befriedigung über das Gesehene aus. Unter denselben befand sich Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus und Frau. Docent Dr. Klein, Dr. Josef Schwarz aus Baden, Docent Dr. Grünfeld, Dr. Fialla und Frau, Moritz Graf und Frau, Bezirksausschuß Waldstein,Ortsschulrath S.'Heit, Ingenieur Taus s i g, Moritz Schur, H. Hirsch, Redacteur Skr ein, Dr. Breitenstein, Dr. Brenner, Dr. Pechkranz, Fritz Spitzer, A. Habenicht und Frau und viele Damen und Kinder. Alle freuten sich der außerordentlichen Erfolge des Vereines, der in dieser Saison 320 Kinder in Feriencolonien entsendete. Wahrlich ein großartiges Resultat im vierten Jahre des Vereinslebens. Der Verein ..Ferienheim" verdient Dank und Anerkennung. Esseg. 9. September. Die heutigen Gemeinderathswählen, welche in Folge antisemitischer Bestrebungen mit Spannung erwartet wurden, ergaben einen glänzenden Sieg der liberalen Partei, deren zwölf Candidaten mit erdrückender Majorität gewäblt wurden. Die jüdischen Candidaten Adolph Krauß jun. und Oscar Weißmayer erhielten von 79 abgegebenen Stimmen 66. Prag. (JsraelitischerLandeslehrerverein in Böhmen, Prag.) Dem Anonymus, der in Nr. 35 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 30. August a. c. sich über Uncollegialität seitens einiger Mitglieder des Vorstandes des israelitischen Landeslehrervereines in Böhmen beklagt, halten wir das eigene Bild im Spiegel seiner zwar erst drei Monate dauernden Vereinsthätigkeit vor Augen, da er in dieser kurzen Zeit es schon zu Stande gebracht, den bei der am 6. August a. c. per Acclamation wieder gewählten Vorstand in so kindischer Weise öffentlich anzuschwärzen und hiebei, wie es bei so löblichem Beginnen nicht anders zu sein pflegt, von dem Wege der Wahrheit trotz des salbungsvollen Tones abweicht. Denn es ist nicht wahr, daß viele von den Vorstandsmitgliedern zur Cur in Carlsbad weilten, da der Vorstand bis auf ein Mitglied an der Generalversammlung vollzählig theilnahm. Es ist auch nicht wahr, daß ein Mitglied unseres Vorstandes die in der Notiz gesperrt gedruckten Worte im Namen des gesammten Vorstandes gesprochen hat oder sprechen konnte, da der gesammte Vorstand des Vereines bestrebt ist, wie es den Vereinsmitgliedern, die länger dem Vereine angehören, auch bekannt ist, die Collegialität nicht nur zu zeigen, sondern auch zu bethätigen. Es ist endlich nicht wahr, daß der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen, der nach § 4 seiner Statuten alle Lehrer, die öffentlich oder privatim als solche angestellt sind, als Mitglieder aufnehmen kann, einen Unterschied zwischen geprüften und ungeprüften Lehrkräften macht. Nur auf diese Punkte der beregten Notiz glaubt der gefertigte Vorstand antworten zu müssen, wogegen er die weiters darin enthaltenen Klagen über unfreundliches Entgegenkommen seitens einiger Vereinsmitglieder als ganz private Angelegenheit auffaßt (da es doch Jedem freisteht, seinen Verkehr nach Gutdünken zu wählen) und die darin vorkommenden Rathschläge als von incompetenter Seite stammend und an unpassendem Orte ertbeilt unberücksichtigt zu lassen glaubt. Wenn in unseren „Mittheilungen" stets zur Eintracht und Collegialität aufgefordert wird, scheint der Anonymus den