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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-13 · 37 (13.9.1895) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
37 (13.9.1895)
Date
1895-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Seite 669 Ir. Vloch's Wochenschrift. reichis be Parlament durch eine Rede schändete, in der er sagte: > „Die Juden, dies gottverd.Volk müsse vom Erdboden vertilgt werden" in die Gesellschaft von Menschen passe, die ihrem Namen entsprechen? Schneider hebt schließlich in seinem „launigen" Schreiben mit Genugthuung hervor, daß das Bad „Einöd" „judenrein" sei und daß es für ihn ein „erhebendes und wohlthuendes Gefühl sei", in einer solchen Gegend zu leben. Wir sagten ja immer, Schneider passe dorthin, wo es keine Juden gebe, und wenn er in „Einöd" das Milieu gefunden, das für ihn taugt, so möge er in Gottes Namen auch dort bleiben. Schneider hat seine Freude daran, in einer „judenreinen" Gegend zu leben. Wie müssen erst alle reinlichkeitsliebenden Menschen ohne Unterschied der Confession und Race — entzückt sein, in einer Luft zu athmen, die von dem Pesthauche solcher Leute wie S chneider und Consorten verschont ist! Möge Schneider also noch lange, lange zur Reperatur in Einöd bleiben! Freilich, wenn er dort so lange Zeit bliebe, als zur Heilung der ihm anhaftenden moralischen Schwächen und Gebrechen nöthig wäre — dann würde die jetzt lebende Generation auf die Hoffnung verzichten müssen, ihn in Wien zu sehen. . . Das könnte Wien übrigens noch ertragen. Es gibt dort Schneider genug; sie heißen nur anders: z. B. Lu e ger, Be rg an i rc. rc.??? Roznauer Nachklänge. Der Sommer neigt seinem Endezu.Vor seinemRückzuge hie und da noch eine kleine Musterung und Schaustellung des großen Rüstzeuges seiner reichen, herzschw.llenden Gaben und bald wird sich der Vorhang ganz zusammenziehen. Die Sommergäste schicken sich an, Winterquartiere zu beziehen. Wohl denen, deren Träume von angenehmen Rückecinnerungen genährt werden, deren Phantasie ihnen liebliche, lebende Bilder der Vergangenheit vorgaukelt. Leider aber sind nicht alle in dieser glücklichen Lage; und dies besonders, seitdem der in Großstädten durch den häßlichen Kampf der Leidenschaften aufgewirbelte Racenhaß nunmehr auch im heiligen Tempel der freien Gottesnatur einzudringen beginnt. Wir heurigen Besucher Roznau's wissen davon ein Lied zu singen. Dessen vielversprechende Einleitung bildet die bereits durch Zeitungsnotizen zur Genüge bekannte Judenhetze, die, von der Curcapelle ausgehend, sich progressiv dem Curpublicum und der heimischen Bevölkerung bis hinab zur Straßenjugend mittheilte, deren Steinwürfe und Hepp-Hepp-Rufe die Chorbegleitung dieses schönen Liedes besorgte. Allein der Knalleffect ward, wie in der bekannten Theatertechnik, erst für den Schluß aufbewahrt. Es fehlte nicht viel, und eine kleine Blutmärchen- Auflage hätte von da aus ihren Ausgangspunkt genommen; es fehlte dazu eben nur das Blut. Kein Wunder bei dem in Roznau vorherrschenden Blutmangel. Aber 8an8 Spaß! Auf eine billigere Weise konnte der kranke Jüngling aus Zabna zu keiner Nachcur kommen. Was um des Himmelswillen hat er auch ein neunjähriges Christenmädchen ob eines liegengelassenen Taschentuches auszuholen? Liegt da nicht seine böse Absicht offen zu Tage: entweder Mord, oder-. Mag der ihn behandelnde Arzt immerhin behaupten, daß der mit hochgradiger Tuberculose Behaftete nicht einmal 5 Kilo zu heben im Stande sei; der Gemeindesecretär und Curverwalter — der übrigens, wie er oft verlauten ließ, auf die jüdischen Curgäste gern verzichten möchte — weiß das besser. „Simulant", sagt er und dabei bleibt's. Kronzeuge und Anzeiger in einer Person, die das Mädchen weinend davonlaufen sahen, sind gleich zur Stelle und die verlangen und setzen auch die sofortige Verhaftung durch. Daß die gerichtliche Untersuchung die völlige Grundlosigkeit dieser böswilligen Anschuldigung darthut, hat nichts zur Sache: der heilige Zweck ist erreicht, und wie die Fama sagt, soll er „Revanche für Sedan" lauten. — Sedan bedeutet da nämlich der Rummel und die Defensivmaßregeln während des bereits oben erwähnten Judenkrawall's. — Wenigstens hatten wir alle gleich diese Empfindung, und haben sich dahin auch mehrere Einheimische ausgesprochen. Die Moral dieses Liedes: Unsere Glaubensgenossen mögen es sich in Zukunft z w»e i m a l überlegen, ob sie nicht besser thäten, solche nicht unumgänglich nöthige Curorte — und das sind doch mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel Karlsbad u. s. w. fast alle antisemitischer Färbung, gänzlich zu meiden. Sie mögen Genesung spendende Erholung, jeder für sich, in antisemitenreinen Orten suchen, und dort werden fie sie in Vermeidung der Gemüthserregung auch um so sicherer finden. Roznau, 27. August 1895. H. M. Nachträglich sei noch hervorgehoben, daß das, Dank den antisemitischen abscheulichen Vorfällen, zu einer traurigen Berühmtheit gewordene Roznau in seiner Mitte Prachtexemplare loyalitäts- und ergebenheitsvoller Art in sich birgt, indem am 22. l. I., als gelegentlich des zu Ehren Sr. ^cellenz des Herrn Statthalters von Brünn im Hotel Elz er veranstalteten Soupers gegen '/r9 Uhr Abends die Volkshymme intonirt wurde, mehrere ungezogene Roznauer Lumpen gepfiffen, gezischt und gejohlt haben. Auch die Häuserdecorationen waren, selbst am Ringplatze, sehr lückenhaft, indem mehrere Häuser ostentativ gar nicht decorirt waren. Gegen die Grazer Fabrikanten. Wir erhalten folgende Mittheilung mit dem Ersuchen um Veröffentlichung: Mit Rücksicht auf den bekannten Grazer Gemeinderathsbeschluß haben sich auch die Prager israelitischen Tuchhändler und Confectionäre dem in Wien, Brünn und Rei ch enb er g beschlossenen gemeinsamen Vorgehen der dortigen Tuchhändler und Confectionäre angeschlossen und sich mit Ehrenwort verpflichtet, die Verbindung mit den Grazer Fabrikanten insolange abzubrechen, als der erwähnte Gemeinderathsbeschluß besteht und gehandhabt wird. Dr. Kupka und die Apostelfürsten. Der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. K u p k a gehört zu de» Leuchten der antisemitischen Intelligenz. In den Vorträgen und Reden, die er in den christlich-socialen Versammlungen hält, liebt er es — wie man in Wien zu sagen pflegt — „wissenschäftlich" zu werden, und imponirt dadurch seinem Publicum in hohem Grade. So war es auch unlängst in S p e i s i n g der Fall. Dr. K u p k a wollte den Speisingern beweisen, daß die Juden schon bei den alten Völkern nicht gleichberechtigt mit dem heimischen Volke waren. Man muß den antisemitischen Blättern dankbar sein, daß sie diese glänzende Probe historischer Gelehrsamkeit veröffentlichen, die inmitten des wilden und leidenschaftlichen Wahlgezänkes wahrhaft erquickende Heiterkeit gewährt. Dr. K u p k a sagte nämlich zu den Speisingern: „Sie, meine Herren, wissen, daß es Märtyrer gegeben hat unter dem christlichen Volke. Solche Märtyrer waren Petrus und Paulus. Paulus war ein römischer Bürger, Petrus gehörte dem jüdischen Volke an. Das jüdische Volk war mit dem römischen nicht gleichberechtigt, sondern es war ein Volk, welches die Römer unterjocht hatten. Deshalb wurde Paulus enthauptet und Petrus gekreuzigt. Die Enthauptung war die Strafe deS römischen Bürgers und die Kreuzigung die Strafe des Sclaven. Aus dem können Sie ersehen, daß die Juden in der römischen und griechischen Demokratie gar nichts zu bedeuten hatten." Es ist etwas schwer, sich in dem Gedankengange des Herrn Dr. K u p k a zurechtfinden. So viel scheint aber klar, daß er das Enthaupten für eine Auszeichnung hält, während das Kreuzigen eben nur für die Juden gut genug ist, und er hat damit nachgewiesen, daß nicht die Juden, sondern die Römer Christum gekreuzigt haben. Aber warum billigt es Dr. Kupka, daß zwischen Petrus und Paulus ein solcher Rangunterschied gemacht wurde? Sie waren ja doch beide Juden oder — um uns modern auszudrücken — Semiten. Sie hätten also von rechtswegen Beide gekreuzigt werden sollen. Durch das „römische Bürqerthum" des Paulus kann man sich doch heute nicht mehr täuschen lassen. . Das benützte er ja nur zur Irreführung der kaiserlichen Behörden von Cesarea. Seinen jüdischen Namen ließ er romanifiren, statt eines Juden gab er sich für einen Römer aus — er verdient also die Bevorzugung durch Dr. Kupka gar nicht. Wozu überhaupt in drr Todesart bei den Juden einen Unterschied machen? Dr. Lueger hat schon lange erklärt, es sei ganz gleichgiltig, ob sie gespießt oder gebraten werden. Dr. Kupka sollte aber, wenn er künftig wieder über Themata aus der Kirchengeschichte spricht, vorher doch seinen Parteigenossen P. Scheicher fragen. Der wird ihm dann gewiß dieselbe Antwort geben, wie dem gelehrten Bibel-Exegeten H a u ck: „Lieber Herr, was Sie da sagen, ist ja ein Unsinn!" Der alte Cato als Weinfälscher. In der Geschichte wird Marcus Portius Cato Censorius seiner ganzen Erscheinung nach als ein Vertreter der alten Zeit mit ihren Tugenden dargestellt. Seine Lebensweise war altrömisch einfach, hart und rauh und zeigte nirgends eine Spur von Ueppigkeit und Pracht. Als guter Hausvater bewies er sich darin, daß er seine Habe

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