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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-09-06 · 36 (6.9.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
36 (6.9.1895)
Date
1895-09-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 662 Dr Bloch's Wochrnsttzrrst. Koettner, das seltene Fest des 80. Geburtstages und das 50jährige Amtsjubiläum. Zahlreiche Glückwunschschreiben und Telegramme legten Zeugniß ab von der Liebe und Achtung, deren sich der rüstige Greis auch in weiteren Kreisen erfreut. Wie«. Bei Herrn Leopold Löwenbach wurde im vorigen Monat in aller Stille ein seltenes Fest gefeiert^ und zwar waren es 30 Jahre, seitdem Herr Nathan Löwenbach bei obgenannten Herrn im Geschäfte thätig ist. Es ist dies gewiß ein äußerst seltenes Fest, welches nicht nur Herrn Leopold Löwenbach, sondern auch Herrn Nathan L ö w e n b a ch zur Ehre gereicht. Wien. 3. September 1895. Der Verkauf der Betsitzkarten im Bethause „Liwias Chen", II, Obere Donaustraße 89, nächst der Stefaniebrücke, findet täglich statt, und zwar ' Morgens von 7—9 Uhr, Abends von 6—8 Uhr. Wien. (Ferienheim.) An Spenden sind ferner eingegangen: Kahnemann und Krause, 1 Verbandkasten; Leopold Abeles und Söhne, Bettzeug. Dr. M. Breitenfiein, 20 Bände Jugendlectüre; Frau G. Bettelheim, 2 Ctr. Mehl; Leopold Rosenzweig und Söhne, 5Dtzd. Ruderleibchen; Schlofiermeister Rudolf Schwarz, 1 Filtrirschuber; Julius David aus Duna- Szerdahely, Photographirte die Knaben in Schattmannsdorf und spendete 2 Bilder; Stud.-Med. Engelmann, Photographirte die Knaben in Theresienfeld und spendete 2 Bilder; S. Steiner 6 Meter Steinzeugröhren; Anna Hoffmann in Anbau, 1 Sack Birnen; Clara Berger, 50 Waschhandschuhe; Dieselbe, 2 Bont. Cognac; S. Heit, 2 Dutzend Pantoffeln; Bertrand Bibus, 1 Hausapotheke; David Fanto, 1 Faß Petroleum; M. L I. Mandl, 6 Knabenanzüge. Wien. (Paula Frankl v. Hochwart.) Unter sehr zahlreicher Betheiligung der Schriftstellerwelt ist am 29. v. M. Vormittags Frau Paula Frankl Edle v.Hochwart zu Grabe getragen worden. Im Trauerhause, Opernring Nr. 10, hatten sich zahlreiche Schriftsteller und Freunde der Familie wie die trauerden Hinterbliebenen versammelt. Um 9 Uhr wurde der Sarg, während Obercantor Singer mit dem Chorpersonal einen Trauerpsalm vorirug, zum Leichenwagen getragen und auf den Central-Friedhof geführt. In der Ceremonien-Halle der israelitischen Abtheilung hielt Ober-Rabbiner Dr. Güdemann der Verblichenen einen Nachruf, in dem er ihre edlen Herzenseigenschaften hervorhob und des Einfluffes gedachte, den die hochherzige Frau auf ihren Gatten genommen. Namens des „Mädchen-Unterstützungsvereines" sprach der Präses der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Gustav Simon, der durch 16 Jahre Caffa-Verwalter des Vereines gewesen ist. Er pries die hingebungsvolle Thätigkeit der Verblichenen im Dienste der Humanität in warmen Worten. Der Trauerfeier wohnten Deputationen der Schützlinge des Vereines und Lehrkörpers desselben bei. Auf dem Sarge lag ein Blumengewinde, dessen Schleifen die Inschrift trugen: Seiner unvergeßlichen Präsidentin — der Vorstand des Mädchen-Unterstützungsvereines. Kränze waren eingelaufen: vom Lehrkörper des Mädchen-UnterstützungsVereines (Seiner hochverehrten Präsidentin), Anna Feinb erg, (Ihrer mütterlichen Freundin), Familie Ludwig Pollak, Benno Bücher, Philipp, Bondy, Siegfried und Auguste Löwen feld, Paul Frankl (In Trauer und Verehrung) Familie Weilen, Baronin Katharina von Popper Podraghy, Frau Adele Löwen st ein (In tiefster Ergriffenheit — deine Adele) u. s. w. — Wie«. Am 21. August feierte der Wiener Chef der weit und breit bekannten Koscher Selchwaaren-Fabrik Theumann, Herr Armenrath Jacob Theumann, mit seiner Gattin Julie, geb. Grünspan, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaare, welches sich in Folge seines Wohlthätigkeitssinnes allgemeiner Sympathien erfreut, wurden aus diesem Anlaffe mannigfache Ovationen zu Theil. Die herzlichen Glückwünsche und ehrenvollen Anerkennungen, die da zum Ausdrucke kamen, galten auch dem Chef des Pariser Hauses, Herrn Julius Theumann, der am selben Tage das gleiche Fest mit seiner Gattin Be tti, einer Schwester der hiesigen Jubilarin, beging. Mögen die wackeren Jubelpaare noch viele Jahre sich allgemeinster Anerkennung und Werthschätzung erfreuen. Smichov. (Sterbefall.) Unsere Cultusgemeinde hat durch den Tod eines ihrer verdienstvollsten Mitglieder einen unersetzlichen Verlust erlitten. Herr Ignaz Kapper, welcher durch ein halbes Jahrhundert im Interesse unserer Gemeinde und deren humanen Institutionen unermüdlich gewirkt hat, wurde uns am 23. v. M. entrissen. Sofort nach Bekanntwerden dieses Todesfalles trafen die Vorstände der Cultusgemeinde und der Beerdigungsbrüderschast zu einer ge- Nr. 36 meinschastlichen Sitzung zusammen, in welcher zunächst der Cultusvorsteher-Stellvertreter Herr I. M. Taussig in tiefempfundenen Worten der unvergeßlichen Verdienste, die sich der Verblichene als langjähriger Vorstand der Gemeinde erworben, gedachte, worauf der Obmann-Stellvertreter der Beerdigungsbrüderschast Herr Ernst Wiener tiefbewegt das Andenken des Mannes feierte, der volle 50 Jahre an der Spitze dieses heil. Vereines in hingebendster Weise seines Ehrenamtes waltete. Der hierauf einstimmig gefaßte Beschluß, das Leichenbegängniß auf Kosten der Gemeinde zu veranstalten, sollte die Werthschätzung und Hochachtung, deren Herr Ignaz Kapper sich allgemein zu erfreuen hatte, documentiren. Das Leichenbegängniß fand Sonntag den 25. v. M. um 9 Uhr Früh statt. Die große Anzahl der Leidtragenden, die dem Sarge folgten und in deren Mitte sich viele hervorragende Mitbürger befanden, zeigte davon, daß der Tod Ignaz Kapper's in weiten Kreisen innigste Theilnahme hervorgerusen hat. Am Gottesacker ergriff zunächst in Abwesenheit des hiesigen Rabbiners Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Ehren selb das Wort, um das Andenken des Verblichenen zu ehren und der Trauer der Gemeinde, an deren Spitze er so lange gestanden, Ausdruck zu geben. Diese gedankenreiche Rede machte auf die Zuhörer den tiefsten Eindruck. Hierauf hielt Se. Ehrwürden der Oberrabiner-Stellvertreter Herr Dr. Tauber einen tiefei greifenden Nachruf. Ein vom Obercantor Herrn Jacobovits eigens verfaßtes hebräisches Gebet beschloß die würdige Feier. Ignaz Kapper's Andenken aber wird unvergessen bleiben in unserer Gemeinde. Pilsen. (Beitrag zum Capitel „Jüdische F e i g h e i t"). „Das Armee-Verordnungsblatt vom 24. August d. I. meldet: Dem Emil E l k a n, Maschinen-Quartiermeister der 14. Compagnie des Matrosen-Corps, wurde in Anerkennung der mit eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung eines Knaben vom Tode des Ertrinkens von Sr. Majestät dem Kaiser das silberne Verdienflkreuz verliehen." Der Genannte ist der Sohn des Pilsner israelitischen Selchers Herrn Josef Elkan. Kojetein. Am 27. August feierte das hochgeachtete Ehepaar Moses und Fanni Fuchs das Fest der goldenen Hochzeit. Wegen seiner Gelehrsamkeit und humanen Thätigkeit wurde H. F u ch s schon längst vom seligen Laudrabbiner Placzek mit dem Morenutitel ausgezeichnet. An den hohen Feiertagen betet derselbe seit 50 Jahren das Schachrith vor. Durch seine Gutherzigkeit,Bescheidenheit und wahrhafte Frömmigkeit hat er sich viele Freunde erworben, die ihm an diesem Tage die gebührende Aufmerksamkeit erwiesen. Der Sohn des Jubelpaares, Dr. Emanuel Fuchs, ein tüchtiger Orientalist, Schüler des Breslauer Seminars, starb daselbst im Jünglingsalter. Kremsier. Herr Dr. Jacob Simon von hier wurde zum Professor am Gymnasium in Eger ernannt. Feuilleton. Die Kehrseite der Medaille. Dorfidylle von Frida Niemann. (Nachdruck verboten.) Wo heute sich in schnurgerader Linie eine Reihe von einstückigen Gebäuden mit gepflegten Vorgärten hinzieht, stand noch vor wenigen Jahren, aus Lehm errichtet, mannshohes, strohgedecktes Hüttenwerk. Ein hochgewachsener Bauer mußte sich ordentlich bücken, wenn er in die einzige Stube treten wollte, die so ein Häuslein enthielt und zugleich Vorrathsspeicher, Schwein- und Hühnerstall und Wohngemach war. Die Menschen hausten Damals mit den Thieren zusammen unter Dach und Fach. Seit sie sich von ihren vierbeinigen oder gefiederten Hausgenoffen getrennt haben, haben sie Manches verlernt — unmenschlicher und unduldsamer sind sie worden. Damals war der Bauer grob, aber ehrlich. Heute ist er nur grob. Er vergißt angethanen und vermeintlichen Unbill heute so wenig als damals. In der alten Zeit rechnete er gleich ab mit dem Knoteustock — heute hat ihn die fortschreitende Civilisation dahin gebracht, seinen Ingrimm hinunterzuwürgen und die günstige Gelegenheit geduldig abzuwarten, die ihm seinen Widersacher auf der Haide entgegenführt — allein, im Nebel der Dämmerung oder wenn der Wirbelsturm ihm den Mantel vom Leibe reißen will und ihm den braunen Flugsand in die Augen wirft. Dann pflegt der brave Landmann die Rechnung zu ordnen. Wenigstens in meinem Heimatsdörfchen

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