Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 36 (6.9.1895)
- Date
- 1895-09-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sir. 36 Seite 656 Dr. Bloch's Wochrnschrist. „Es ist unwahr, daß Schneider von Jemandem veranlaßt wurde, in diese Versammlung zu kommen, wahr ist aber, daß Schneider sich dreimal beim Restaurateur um Eintrittskarten bewarb, welche schließlich ihm und seinen czechischen Anhängern ausgefolgt wurden. Unwahr ist, daß von Juden bezahlte Agitatoren anwesend waren; unwahr daher auch, daß solche in unfläthigster Weise über die Antisemiten schimpften. Wahr aber ist, daß die als Redner fungirenden Mitglieder des Zentral-Wahlcomite's in durchaus würdiger Weise darauf hinwiesen, wie es den Czechen unmöglich gemacht wurde, mit den Antisemiten zu gehen, lln wah r ist, daß Schneider mit brausenden Hochrufen begrüßt wurde und daß seine Rede allgemeinen Beifall fand; unwahr ist ferner, daß bezahlte Lumpen, nachdem sie gesehen haben, daß sie mit ihren Plänen durchfallen, zu persönlichen Angriffen übergingen. Wahr ist, daß Schneider's Ausführungen öfters durch energische Zwischenrufe unterbrochen wurden und daß, nachdem er vorerst eine verschleierte Anspielung von bezahlten Agitatoren fallen ließ, durch Zwischenrufe seiner Diäten Erwähnung gethan wurde. Wahr ist weiter, daß Schneider erklärte, daß die Deutschnationalen in Währing, welche die Candidatur Jedliczka's zu Falle brachten, nur mit Judengeld bezahlte Kreaturen sind, welchen er di es zu beweisen im Standesei, und daß es von Lueger uns Czechen gegenüber sehr unvorsichtig gewesen wäre, gegen den Antrag „Cilli" und gegen das Oeffentlichkeitsrecht der Komensky-Schule im zehnten Bezirke zu stimmen. Mit Schneider darüber zu rechten, wer ein bezahlter Lump ist, sinden wir unter unterer Würde." ,,Spucken wir ihn an!" Seit der Versammlung im Lannersaal ist das Arsenal der antisemitischen Kriegführung um ein neues Kampfmittel bereichert worden. Mit der Begeiferung des politischen Gegners durch Wort und Schrift begnügt sich der antisemitische Mob nicht mehr — das Anspucken wird nun in aller Thatsächlichkeit geübt. In einer Wählerversammlung des fünften Bezirkes, in welcher ein liberaler Redner über die Schäden der von den Christlich-Socialen geschaffenen Sonntagsruhe sprechen wollte, erscholl plötzlich hundertstimmig der Ruf: „Spucken wir ihn an!" Der Redner ist ein alter, gebrechlicher Mann mit kranken Füßen, er besaß nicht einmal so viel Kraft, um die Rednertribüne zu besteigen. Um diesen wehrlosen Mann schaarte sich eine heulende Rotte und spie ihm ihren Geifer in's Gesicht! Soweit ist es in unserem „gemüthlichen Wien" gekommen, daß die bodenlose Rohheit des antisemitischen Heerbannes auch Alterund körperliche Gebrechlichkeit nicht achtet. Anspucken — das Kampfmittel kennzeichnet die Kämpfer! Wie christlich, wie arisch-germanisck-ritterlich ist doch eine derartige Besudelung des politischen Gegners und wie christlich und ritterlich war sie in diesem speciellen Falle. Die „erbliche Führung" des Prinzen Liechtenstein zeitigt herrliche Früchte! Eine jüdische Kämpferin aus den Befreiungskriegen. Wenn man die jede Erwartung übersteigende Wirkung des „Aufrufs zur Bildung freiwilliger Jägercorps" vom 3. Februar 1813 charakterisiren will, so pflegt man außer dem Moment, daß alle Stände und Geschlechter, Junker und Bürger, Bauern und Gelehrte wie durch ein Zauberwort geeint waren in immer mehr anschwellender Liebe zum Baterlande, mit besonderer Vorliebe darauf hinzuweisen, daß auch manche deutsche Jungfrau selbst zur Büchse griff und in Mannestracht in die Reihen der freiwilligen Jäger trat. In Liedern und Erzählung hat man häufig jenes heldenmüthige Mädchen aus Potsdam gefeiert, Leonore Prohaska, die dann später im Gefecht an der G o e h r d e dem mörderischen Geschoße erlag. Man rühmt mit vollstem Rechte Auguste Krüger aus Kolb erg, die es sogar bis zum Unterosficier brachte und wegen ihrer staunenswerthen Tapferkeit das eiserne Kreuz erhielt. Aber daß auch eine Jüdin jenen denkwürdigen Krieg und sogar fast während seiner ganzen Dauer mitgemacht hat, davon war in den Geschichtswerken über die Befreiungskriege, die ja auf die obengenannten Jungfrauen mit ganz besonderer — sehr berechtigter — Vorliebe hindeuteten, nichts zu finden. Bei einer Durchsicht alter Jahrgänge der „Bossischen Zeitung" fanden wir unter dem 9. December 1815 einige Einzelheiten aus dem Leben dieser eigenartigen Frau, die wir durch einen Bericht des „Russischen Invaliden" vom 25. Jänner 1815 alten Stiles ergänzt, an dieser Stelle im Wortlaut wiedergeben wollen. „Luise G r a f e m u s, eigentlich E st her Manuel, 30 Jahre alt, jüdischer Abkunft und Religion, Witwe, wollte ihrem Manne im Jahre 1613 nach Schlesien nachziehen, der sie verlassen hatte und nach Petersburg gegangen war, wo er sich anwerben ließ und einige Zeit diente. In der Hilflosigkeit, worin sie sich befand, als sie Berlin erreicht hatte, entschloß sie sich, selbst Kriegsdienste zu nehmen, welches ihr um so leichter ward, da sie in Manneskleidern reifete. Sie trat daher in das Königsberger zweite Landwehr-Uhlanen-Regiment ein, unter dem Major von Hermann, machte die Feldzüge 1813 und 1814 zuerst als Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister mit, wurde zweimal verwundet, bei Jüterbock am Fuße und dann in der Gegend von Metz, erhielt auf dem Marsche durch Holland im Jahre 1814 im Armeecorps des Generals Grafen Bülow von Dennewitz das eiserne Kreuz; traf unvermuthet am 23. März 1814 mit ihrem Manne, der immer noch in russischen Diensten stand, zusammen, verlor ihn aber schon am folgenden Tage durch eine Kanonenkugel in einem Gefecht bei Paris. Mit den ehrenvollsten Auszeichnungen und mit ehrenden Wunden bedeckt, mit den rühmendsten Zeugnissen des Wohlverhaltens entlaffen, ist sie seitdem vom Regimente abgegangen und kehrt nun nach einigem Aufenthalte in Berlin nach Erfurt oder Hanau, ihrer Heimat, zu ihren beiden Kindern zurück, die so lange die liebevolle Wartung der Mutter hatten entbehren müssen." Leider besitzen wir noch keine Geschichte des Königsberger 2. Landwehr-Uhlanen-Regiments, durch die wir die von der Boffischen und Petersburger Zeitung mitgetheilten Daten vergleichen und eventuell mit weiteren Angaben ausstatten konnten. Aber wir hoffen, daß der Hinweis auf diese Heldenfrau die Anregung geben wird, daß Erfurt, resp. Hanau Nachforschung anstellen werden nach dem weiteren Verlaufe des Lebensganges dieser eigenartigen Frau, welche die Liebe zu ihrem Gatten und zu ihrem Vaterlande alle Schreckniffe und Gefahren des Krieges fast durch zwei Jahre hindurch ertragen ließ. Berlin. Theodor Z l o c i st i. Menschenfleisch als Bärenfutter. Ueber ein grausames Verbrechen meldet man uns aus Debreczin: Die beiden Brüder Jlie wurden hier verhaftet, weil sie in jüngster Zeit zwei Bären, welche sie herumführten, mit Menschenfleisch gefüttert haben. Sie gestanden ein, vier Knaben eingesangen und den Thieren als Nahrung vorgeworfen zu haben. Der Fall erregt begreiflicherweise ungeheure Aufregung. Auch ein charakteristischer Beitrag zur Beurtheilung der arischen Race. Die feigen Juden. Die Fahne v on Le B ourg et. (Von George Baron Dyherrn.) Am dreißigsten October, — Das war ein Kämpfen heiß, — Wo wieder die preußische Garde — Errang den höchsten Preis. — Da stürmten die Grenadiere — Im lauten Hurrah heran, — Die Wacht am Rhein ertönte, — Hoch flog die Fahne voran. — Und als sie im Kugelregen — Durchlöchert zu Boden fiel, — Karfunkelstein, der brave, — Rafft auf sie im Kampfgewühl, — Und als er todesmuthig — Das wehende Banner hält, — Wird seine Brust getroffen. — Und wieder die Fahne fällt. — Da stürmt heran Budritzki, — Der greise General, — Aus seinen Augen flammt es — Wie glühender' Nordlichtstrahl. — Die Fahne faßt gewaltig — Die linke Eisen saust, — Und in der Rechten der Säbel — Wie zündender Blitzstrahl saust. — Jedweder Stein wird Schanze, — Zur Festung jedes Haus, — Die Grenadiere fallen, — Wie Eichen im Sturmesbraus. — Hoch über den Heldenleichen — Ragt siegreich in die Höh', — Gefärbt von edlem Blute, — Die Fahne von Le Bourget. Jüdische Soldaten im Jahre 1870/71. Die Enthüllung des Gailinger Kriegerdenkmals fand am 21. Juli statt. Dasselbe ist von der Gemeinde Gailingen errichtet worden. Das Denkmal hat drei Tafeln, auf denen die Namen der Krieger verzeichnet sind. Dieselben lauten: Juden. N i ch t j u d e n. Brandenburger Hermann. Erlanger Isidor. Guggenheim Ja^.vb. Guggenheim Simon. Harburger Heinrich. Jung Leopold. Kurz Josef. Kurz Maximilian. Moos Max. Rothschild Ludw. ‘ Ullmann Max, sen. | Wolf Gerson. j Weil Leopold. > Hasgall Wilhelm. ' Kurz Simon Josef. Sax Elias. - Kurz Simon Max. Lau Ludwig. Ruh Peter. Ruh Gottlieb. Schneble Friedrich. Schneble Roman. Schneble Johann Baptist. Zahn August. Zahn Eduard. Auer Wilhelm. Auer Carl. Auer Gabriel. Auer Johann. Auer Benedict. Lau Franz Josef. Hahny Carl. Schneble Gottlieb. Schreiber Adolf.