Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 646 Nr. 35 Dr Bloitz's Wochrnfchrrst. spiele folgen, denn nur in der nationalen und religiösen Duldsamkeit liegt das Glück der Völker." Es wäre zu wünschen, daß zunächst der „Graschdanin" selbst diese Mahnung beherzigen möge. Damaskus. Folgende interessante Einzelheiten über unsere Glaubensgenossen in Damaskus entnehmen wir einer italienischen Monatsschrift: „In Damaskus gibt es etwa 2000 Israeliten, wovon mehr als 1500 Handwerker sind. Die meisten sind Baumwollen- und Seiden-Weber. Auch sind die Maurer, Zimmerleute, Färber und Goldarbeiter vielfach unter ihnen vertreten. Erwähnenswerth ist noch, daß die herrlichen Ciselir-Arbeiten, welche wir auf den damaszenischen Stahlwaaren bewundern, fast ausschließlich von jüdischen Meistern herrühren, welche es darin zu einer außerordentlichen Fertigkeit gebracht haben. Der jüdische Handwerker ist immer fleißig und intelligent. Er arbeitet den ganzen langen Tag, oft noch die halbe Nacht hindurch, um sich redlich durch die Welt zu schlagen. Seine Rastzeit übersteigt nie fünfzehn Minuten. Arbeitend verzehrt er sein mehr als frugales Mahl, bestehend aus einem Stück Brot. Da er sehr fromm ist, setzt er die Arbeit natürlich während der Gebetstunde aus. Und bei ILstundigem, täglichem Ringen urn's Dasein verdient er kaum so viel, um mit den Seinen das Leben zu fristen. Gemeinhin bringt er es täglich auf kaum einen Franc, selten auf anderthalb und fast nie auf zwei Francs. Ja, viele Familien müssen auch mit einem Tagelohn von 50—60 Cent, auskommen. Mit 200—300 Fr. jährlich gilt es, Wohnungsmiethe, Speise und Trank, Kleidung rc. zu bestreiten, und das in einem Lande, wo die Familien fast durchweg sehrzahlreich sind. Oft hat so ein armer jüdischer Schuster außer zahlreichen Kindern noch die alten Eltern zu ernähren. Und es geht, weil es eben gehen muß. Natürlich arbeitet die Frau mit. Aber das geschieht nur im eigenen Hause, niemals auswärts. Für das Nähen eines ganzen Anzuges zahlt man ihnen oft nur 20 Cent.! Das gilt besonders von den Uniformen, die sie für das Militär unfertigen. Erfreulich ist die hohe Sittsamkeit dieser Frauen. Es kommt nie vor, daß sie sich etwa aus bitterer Noth wegwerfen. In keinem der zahlreichen Tingeltangel rc. begegnet man einer Jüdin. In einem Lande, wo der Müßiggang allgemein geworden, will das etwas sagen. Besonders bemerkenswerth ist aber die Thatsache, daß die Juden in Damaskus verwiegend von ihrer Hände Arbeit leben. New-Iork, 10. August. Ein interessanter Vorschlag, welcher als Curiosum mitgetheilt zu werden verdient, wird von der „North American Review“ gemacht. In einem Artikel über den gegenwärtig in Brüssel tagenden interparlamentarischen Friedens-Congreß wird ausgesührt, daß dessen Bestrebungen, ein Schiedsgericht für internationale Streitfragen einzusetzen, zwar an sich zweifellos sehr lobenswerth seien, aber daran scheitern müßten, daß alle heutigen Staaten und deshalb auch die von denselben eingesetzten Richter an den möglichen Differenzen der einzelnen Staaten zu sehr betheiligt sind, um als unparteiische Beurtheiler gelten zu können. Deshalb macht der Verfasser den Vorschlag, den Juden Palästina wiederzugeben, einen jüdischen Staat zu begründen und diesem das Schiedsgericht zu übertragen. Ein solcher Staat wäre an den europäischen und amerikanischen Wirren nicht beiheiligt, würde also bezüglich seiner Unparteilichkeit volles Vertrauen genießen: zudem seien die Juden das Volk des Friedens par excellence und deshalb am besten geeignet, eine solche Schiedsrichterrolle zu übernehmen. — Herr Rabbiner Krauskopf, derselbe, der kürzlich Rußland bereiste, hat die Idee erfaßt, eine Musterfarm zu gründen, in der jüdische junge Leute, und zwar zunächst solche von den in New-Jersey bereits bestehenden Colonien eine fachmännische Ausbildung erhallen, die sie in den Stand setzt, seinerzeit den neu anzusiedelnden russischen Juden als Lehrer und Berather zu dienen. Als Fonds dafür ist der Ertrag einer Bortragsreise im Westen bestimmt, der sich aber nur auf etwa 15.000 Mark beläuft. San Francisco. Für die gehetzten russischen Juden, besonders für die in Sibirien, ist in Korea ein neuer Zufluchtsort erstanden. Der König dieses von der chinesischen Suzerenität nun befreiten Landes hat in einer Proklamation die vollste Glaubensfreiheit verkündet und die Grenzen seines Reiches allen Confesfionen geöffnet. Bisher wohnte auf der ganzen Halbinsel, die ungefähr so groß wie die apenninische Halbinsel ist und bei zehn Millionen Einwohner zählt, nur ein einziger Jude, ein Deutscher, Namens Jsak Steinbock, der sich durch den deutschen Consul in Han-jang die Erlaubniß zum Aufenthalte daselbst erwirkte. Von nun an wird es aber keiner besonderen Concession bedürfen, sondern jeder Fremde sich im ganzen Königreiche niederlassen dürfen, wo es ihm beliebt. Bereits haben einige jüdische Familien, die aus einem Dorfe unweit des Baikalsees in Sibirien von der russischen Behörde ausgewiesen wurden, diesen neuen Zufluchtsort gewählt und sind von der russischen Hafenstadt Wladiwostok nach der koreanischen Hafenstadt Gen-zan übersiedelt, wo sie ohneweitcrs an's Land gehen durften. Denselben Entschluß haben noch viele jüdische Familien, die, von ihren bisherigen Wohnorten vertrieben, sich vorläufig in Wladiwostok aufhalten, gefaßt; so wird durch Juden bald eines der reichsten Länder Asiens dem europäischen Handel eröffnet werden und man muß die Wege der Vorsehung bewundern, wie sie das Judenthum zur Völkerverbindung gebraucht und seine Heimsuchungen nur dem Zwecke einer höheren Entwicklung der Menschheit zur Einigung dienen. * Colonie Clara (Argentinien), im Juli. Am 27. April waren die Bau- und Einrichtungsarbeiten im Schulgebäude zu Clara beendigt und die Schule wurde eröffnet. Die neuen Bänke waren in zwei Reihen aufgestellt. Die Anschauungsbilder und die zoologischen Bilder, die geographischen Karten und die Schreibtafeln waren an den Wänden aufgehängt. Ich habe, darauf gesehen, daß auch ein Bild von Baron Hirsch angebracht wurde, damit die Söhne derColonisten früh den Namen ihres Wohlthäters kennen und segnen lernen. Da die Schule ziemlich weit von den einzelnen Colonien entfernt ist, hatte ich im Anfänge viele Schwierigkeiten zu überwinden, um Schüler zu bekommen. Ich bin selbst 4 bis 5 Kilometer weit gelaufen und habe die Kinder im Hause ihrer Eltern aufgesucht. Vom ersten Tage an mußte man die Schüler gewinnen, um ihnen die Schule lieb zu machen. Ich habe damit begonnen, die Mädchen auf die rechte, die Knaben auf die linke Seite zu setzen. Dann nahm ich das Bild von Baron Hirsch in die Hand, ich erzählte ihnen von diesem großmüthigen Philantropen, der so vielen unglücklichen russischen Familien einen sicheren und unabhängigen Broterwerb gewährt, indem er ihnen den Ackerbau erleichtert. Dann gab ich ihnen die erste Lesestunde. Einige Schüler konnten schon ein wenig buchstabiren. Der Nachmittagsunterricht wurde durch ein wenig Schreiben und Sprechübungen ausgefüllt. Ich hatte es ferner so eingerichtet, daß das Hebräische gleich vom ersten Tage gelehrt werden sollte und habe wirklich einen jungen Mann angestellt, der in einem Dorf der Colonie eine kleine Talmud- Thora hielt. Im Allgemeinen ist das Betragen der Schüler gut. Ein sehr gutes Zeichen ist, daß die Eltern sich Mühe geben, ihre Kinder sauber und nett in die Schule zu schicken. Die Schülerzahl wächst von Tag zu Tag. Am 28. April, dem Tage der Eröffnung, hatte ick nur 10 Knaben und 13 Mädchen, am 26. Mai hingegen hatte ich 69 Schüler, 31 Knaben und 38 Mädchen. In einigen Monaten werden unsere Schüler spanisch schreiben und sprechen, obgleich ihnen die Sprache bisher noch schwer erscheint. Es gibt so wenig Beziehungen zwischen dem spanischen und dem deutschen Jargon. Wie immer zeigen die Mädchen mehr Geschick und mehr Eifer als die Knaben. Wien. (Trauung.) Dienstag den 3. September findet im israelitischen Tempel zu Teschen die Trauung von Fräulein Jda K o h n, Tochter des Cultusvorstehers Herrn Bernhard Kohn, mit Herrn Sigmund Goller st epper, Directionsbeamter des Gisela-Vereines in Wien, statt. Wien-Mariahils. Der Vorstand des Talmud-Thora- und Bethausvereines VI., Stumpergasse Nr. 42, hat in diesem Jahre eine — der Nachahmung empfehlenswerthe — Einrichtung getroffen. Damit die Jugend die Bedeutung der herannahenden hohen Feiertage zu würdigen wisse und mit vollem Berständniß die Gebete dieser Feiertage verrichten kann, beginnt 'mit 4. September a. c. ein Borbereitungscurs, in welchem die Schüler die Gebete und die Uebersetzung derselben lernen. Der Curs dauertvom 4. September bis ll.Octobera. c. Unterrichtsstunden täglich von 10 bis 11 Uhr Vormittags. Der Unterricht ist unentgeltlich. Einschreibungen finden täglich zwischen 6 bis 7 Uhr Abends im Schullocale VI., Stumpergasse Nr. 42 statt. Wien. (Die Witwe Ludwig August Frankl's gestorben.) Am 27. d. M. ist hier in Wien in ihrer Wohnung,