Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 644 Dr. Bloch's Wachenfchrifi. Nr. 35 also des Pudels Kern!" Unseres Geldes schämt man sich nicht, als Schleppträger unserer geprüften Genossen sind wir gut genug, aber um standesfähig zu sein, müssen wir uns vor einer staatlichen Commisiion ein.r Prüfung unterziehen." Wir brauchen uns keiner unnützen Täuschung hinzugebeu. Die Volksschullehrer in ihrer großen Mehrheit verfügen nicht über ein derartiges hebräisches Wissen, welches sie wie ihre Doctor-Collegen berechtigen könnte, Genoffen erster Gilde zu sein. Die überwiegende Zahl der Religionslehrer hat sich durch ihre Kenntnisse in der Liturgie, sowie durch ihre Tüchtigkeit im Cantorfache den Gemeinden in ihrer neuen Gestaltung sehr nützlich erwiesen. Wollen in der Thal diese Herren, daß der Verein geeint nach Innen und gekräfligt nach Außen dastehen soll, um unseren Widersachern zu imponire», dann sind solche Vorgänge kaum dazu geeignet. Anstatt die Erfahrungen des Rabbinerverbandcs sich als warnendes Beispiel vor Augen zn halten, drehen sie auch ihrerseits den Spieß um, der gegen sie gerichtet war, um sozusagen im eigenen Fleische zu wühlen. Die bekannten Vorgänge im genannten VLrcine sollten voch unsere „besser gelehrten Amtsgenoffcn" zur Genüge belehrt haben, daß unser Zeitalter für das Kastenwesen denn doch zu vorgeschritten sei. Die geprüften Collegcn, deren Stellungen überdies durch allmälige Auflösung der concessionirlen Schulen, stark erschüttert sind, und die, trotzdem sie im Vereine etwa gegen 30 Mann stark vertreten sind, doch die ganze Leitung in den Händen haben, würden dann in ihrer verschwindenden Zahl dort anlangen, wo der ehrsame Rabbiuerverband bereits augelangt ist. Fühlen sich die geprüften Genoffen, in wissenschaftlicher und socialer Beziehung wirklich so hoch erhoben über ihre ungeprüften Collegen. so wäre es ja recht und billig, daß sie vermöge ihrer Intelligenz veredelnd und belehrend auf letztere einwirken, anstatt sie zu Collegen zweiter Claffe herabzuwürdigen. Anstatt die alljährlich abgehaltene Generalversammlung mit unnützen Parteidebatten zu verbringen, wäre es zweckmäßiger, diese kostbare Zeit mit belehrenden und gemeinnützigen Vorträgen auszufüllen, damit den Genoffen Gelegenheit geboten werde, die Lücken ihrer Fachkenntniffe auszufüllen, um nützliche Beamte ihrer Gemeinden zu werden, wodurch auch das Standesbewußtsein gehoben werden könnte. Was nützt es, wenn in den „Mittheilungen* in wohltonenden Worten stets zur Eintracht und Collegialität aufgefordkit wird. Theorie und Praxis müssen sich decken, um im Herzen einen Widerhall zu finden. Sollen jedoch die in den Vereiusblättern verbreiteten Belehrungen auf fruchtbaren Boden fallen, so ist es nöthig, mit guten Beispielen vorauzugehen. Dazi' aber find in erster Reibe Diejenigen berufen, die im Bordertreffen der Einflußnahme des Landeslehrervereines stehen." Einer, im Namen vieler Religionslehrer. Birovitiea (Slavonien). Am 14. August besuchte der Cultuschef der Agramer Landesregierung unsere Stadt, bei welcher Gelegenheit er auch unseren Tempel mit seinem Besuche auszeichnete. Im vollen Ornate begrüßte am Portale unseres Gotteshauses Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann Se. Excellenz den Herrn Cultuschef Dr. Isidor Krßnjavi. Se. Ehrwürden, Herr Dr. Kaufmann sagte unter Anderem: „Es freut uns, Se. Excellenz in den heiligen Hallen dieses Gotteshauses, wo bei jedem öffentlichen Gottesdienste weihevolle Gebete für das Wohl unseres erhaben-n Monarchen und Seiner hohen Regierungen, wie auch für das Wohl der hohen Regierung unseres engeren Vaterlandes zu Gott emporgesendet werden, begrüßen zu dürfen". Sodann meinte unser Herr Rabbiner, daß Se. Excellenz damit, daß sie unser Gotteshaus mit seinem werthen Besuche auszeichne, zugleich der Bürgerschaft unserer Stadt nne weise Lehre gebe, daß nämlich ein höherer geistiger Aufschwung und ein höherer Culturfortschritt in unserer Stadt nur dann ermöglicht werde, wenn die Gesammtbürgerschaft dieser Stadt, ohne Unterschied des Standes und des religiösen Bekenntnisses, den Wahlspruch unseres erhabenen Monarchen auch zu dem ihrigen mache, nämlich mit vereinten Kräften für das Wohl des Volkes und des Vaterlandes zu wirken. Se. Excellenz dankte für die aufrichtigen Worte und versicherte, daß die hohe Regierung zu Agram keinen Unterschied zwischen Unterthan und Unterthan mache und daß sie der Entwicklung des jüdischen Cultus das größte Interesse entgegenbringe, da doch jede civilisirte Religionsgenoffenschaft nur einem erhabenen Ziele zustrebe. — Am 18. August wurde in unserem Tempel anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät Kaiser Franz Josefs I. ein solenner Gottesdienst abgehalten, zu dem das k. u. k. Officiers-Corps, an deffen Spitze der Herr Major von Skrine steht, und sämmtliche Beamten unseres Kreises erschienen waren. Se. Ehrwürden Herr Dr. Kaufmann hielt die Festrede. Beim Banket, zu dem Se. Ehrwürden geladen und auch erschienen war, pries in seinem Toaste Edler von L a b a s die Kanzelberedtsamkeit unseres Herrn Kreisrabbiners und nannte sie einen poetischen Erguß erhabener patriotischer Gefühle. Als Se. Ehrwürden auf das Wohl des hiesigen Beamtenkörpers sein Glas leerte und den Geist der Toleranz und Liebe der hiesigen königl. Beamten lobte und dem Edlen v. Labas dafür dankte, daß er es verstanden habe, den Samen der allgemeinen Menschenliebe in das Herz der ihm unterstehenden Beamten zu streuen, da erreichte die Begeisterung ihren Culminationspunkt. Stuttgart. In Württemberg hat sich, wie man uns aus Stuttgart vom 20. d. M. schreibt, im Juli eine neue Partei gebildet, die sich „Schwäbische Reformpartei" nennt und als Patronin des Mittelstandes aufspielt, in Wahrheit aber nichts Anderes ist, als eine Abart des Antisemitismus. Gleich nach ihrer Gründung hat die neue Partei den antisemitischen Reichstags-Abgeordneten Professor Dr. Förster berufen, und dieser zieht nun seit Wochen in den Städten und Städtchen Württembergs umher und sucht durch Vorträge Propaganda für die „Schwäbische Reformpartei" zu machen und die Bevölkerung zum Kampfe gegen das Judenthum aufzureizen. An dem gesunden Sinn des schwäbischen Volkes scheitern jedoch die antisemitischen Agitationskünste. In Stuttgart waren die beiden Versammlungen, in welchen Professor Dr. Förster auftrat, äußerst schwach besucht: in Heilbronn konnte Professor Dr. Förster gar nicht zu Worte kommen, die einberufene Versammlung lehnte es entschieden ab, seinen Vortrag zu hören, und nahm eine Resolution an, die sich gegen den Antisemitismus ausspricht. In Cannstatt, Eßlingen und anderen Orten erlitten die Reformpartei und ihr Agitationsredner ebenfalls vollständige Niederlagen. Berlin. Die rührendste Kundgebung der Anhänglichkeit an das Vaterland war die Gedenkfeier, welche der Kriegerverein „Deutsches Vaterland" am 18 d. M. veranstaltete. Dieser Verein besteht aus jüdischen Veteranen, welche den großen Krieg mitgemacht haben, aber wegen des seit sünsundzwanzig Jahren neuerwachten Judenhasses keine Aufnahme in den anderen Kriegervereinen fanden und daher zur Separation gezwungen wurden. Zurückgestoßen, sind sie doch in ihren Gefühlen für den deutschen Ruhm nicht erkaltet und sie haben den in Berlin ihren Wunden vom Kriege im Jahre 1870 erlegenen und auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee ruhenden Kameraden in würdevoller Weise ihren Schmerz über die Wandlung im Vaterlande geklagt. 400 Mann stark, bewegte sich der Zug der jüdischen Veteranen dieses Vereines auf den Gottesacker, wo er vor der mit Lorbeergebüsch drapirten Leichenhalle Aufstellung nahm und nach dem Vortrage eines Chorals durch den Synagogenchor mit Wehmuth den Worten des Rabbiners Dr. Weiße lauschte, der der Stimmung Aller Ausdruck gab. „In allen Gauen des deutschen Vaterlandes," sagte der Redner, „wird heute der Kämpfer gedacht, die uns die heiß ersehnte Einigung gebracht. Dankerfüllt sind die Veteranen gegen den Lenker der Geschicke, daß sie an solchem Werke haben theilnehmen dürfen. Damals hat der Siegesjubel die Klagen der Eltern um ihre Söhne, das Weh der Frauen und Kinder um Gatten und Vater übertönt. Aber der Gefallenen zu gedenken, ist eine heilige Pflicht geblieben. Sie zu erfüllen, hat der Verein „Deutsches Vaterland" sich zu ernster Feier zusammengefunden, zu der gleichen Stunde, in der dem Heldenkaiser, der stets ein Vorbild des Gottvertrauens gewesen, vom Enkel der Grundstein zum Denkmal gelegt wird. Die Männer, deren wir gedenken, sie waren treu ihrem Gotte, treu ihrem Bekenntniß und darum auch so treu ihrem Baterlande. Hat doch schon Jeremias unseren Vätern zugerufen, als man sie in das Exil geführt: „Betet für das Land, in dem ihr wohnet," und an anderer Stelle wird eingeschärft: „Landesgesetz ist heiliges Gesetz!" Wie unsere Glaubensgenossen sich 1813 zu den Fahnen gedrängt, wie sie unter diesen tapfer gekämpft, das hat damals Preußens Staatskanzler laut und rühmend anerkannt. Und 1870 zählte unser Heer 12.000 Streiter jüdischen Glaubens. Biele von diesen haben ihr Leben bingegeben, viele sind befördert oder mit dem eisernen Ehrenzeichen geschmückt worden. Seit der Zeit ist manches Mißverständniß zu Tage getreten, eine tiefe Zerklüftung hat selbst unter den Kampfgenossen platzgegriffen, aber nimmer soll uns dies abhalten, zu bedenken, daß wir alle einen Vater im Himmel haben, der uns befiehlt, unseren Pflichten gegen die Menschheit, vor Allem gegen das Vaterland, treu zu sein bis in den Tod." Auf diese Rede folgte wieder ein Choral und dann wurde in vier Zügen nach den Gräbern aufgevrochen, und nachdem um die Gräber ein Quarre gebildet war, sprach der Redaeteur Karfunkel: „Kameraden, die Ihr mit draußen ward im Felde, werdet Euch