Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 35 (30.8.1895)
- Date
- 1895-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 632 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi Nr. 35 die Jahresberichte dieser Gesellschaft mit unter seine Studien wird aufnehmen müssen. Die ersten jüdischen Einwanderer pflegten sich in Chebroth zu gruppiren, je nach den Ländern \ aus welchen sie kamen. Das hat sich in den letzten fünfzig! Jahren geändert und dieser Gesellschaft gebührt unstreitig j das Verdienst, diese Gruppen zu corporativer Wohlthätigkeit! herangezogen und sie alle sozusagen unter Einen Hut gebracht zu haben. Ihre Entstehung verdankt sie einem sonderbaren Vorfälle. Ein Jude, welcher im amerikanischen Unabhängigkeitskriege mitgefochten hatte, wurde im Frühling des Jahres 1820 in einem bedenklichen Zustande nach dem Stadt-Hospital gebracht. Er stand allein in der Welt da, ohne Mittel und ohne Freunde. Kurz vor seinem Tode drückte er den Wunsch aus, daß ihn einige Glaubensbrüder besuchen möchten. Die Herren I. I. Hart, Josef Davis mit noch einigen ihrer Freunde nahmen sich des Verlassenen an, der jedoch bald darnach starb. Von dem Gelde, welches sie zu seiner Unterstützung gesammelt hatten, blieben chnen etwa noch 300 Dollars übrig. Die Frage, was mit dieser Summe unternommen werden soll, wurde nach mehreren Meetings dahin gelöst, daß eine Gesellschaft ins Leben gerufen werde, zur Unterstützung ihrer Mitglieder in Zeiten der Noth, aber auch noch anderer Bedürftiger, wenn sie auch der Gesellschaft nicht angehören. Nachdem man sich über die Statuten geeinigt hatte, organisirte sich die Gesellschaft an: 8. April 1822 unter dem Namen Hebrew Benevolent Society of tlie City of New-York, wählte als Leiter derselben acht Beamte, von welchen Daniel Jackson als Vorsitzender, Joses I a ckson als Cassierer und John I. Hart als Schriftführer fungirten. Die erste Jahresversammlung außerhalb der damaligen Stadtgrenze verdient aus zwei Ursachen besondere Erwähnung, einmal, weil das Souper aus Sparsamkeit von ' den Mitgliedern eigenhändig zubereitet wurde, und dann, weil das Resultat der Collecte unter den Teilnehmern an diesem Symposium (sie betrug 49 Dollars) die heitere Gesellschaft aufs Freudigste überraschte. Auf Verwendung des Herrn Mordecai Meyers, eines Mitgliedes der Legislatur, erlangte die Gesellschaft im Jahre 1832 ihren Freibrief. Ueber die Jahre zwischen 1832 und 1841 läßt uns die Geschichte im Stiche, wahrscheinlich sind die Protokolle derselben verloren gegangen. Im Jahre 1842 wurde M. M. Noah zum Vorsitzer erwählt. Beim Jahresbanket wurde ihm von der Frau Rebekka E. Noah eine goldene Medaille geschenkt, welche seither von seinen Nachfolgern bei öffentlichen Gelegenheiten getragen wurde. Ihm folgte 1851 Harris. Aaronson. Im Jahre 1854 wurde der Caffabestand der Hebrew Benevolent Society durch den Nachlaß des Philantropen Judah Turs um 50OO Dollars vermehrt; er erreichte die Summe von 11.398 Dollars. Die Ausgaben dieses Jahres betrugen 4000 Dollars. Harris Aaronson blieb von 1851 bis 1857 im Amte; rhm folgte P. I. I o ach im so n. Im Jänner 1845 organisirten sich deutsche Einwanderer zur Gründung eines jüdischen Hospitals unter dem Namen German Hebrew Benevolent Society. Ihre Protokolle wurden in deutscher Sprache abgefaßt. Schon im ersten Jahre hatte diese Gesellschaft eine Liste von 200 beitragenden Mitgliedern. Ihren Freibrief besorgte Charles Stewart. Im Jahre 1847 machte diese Gesellschaft sowohl den jüdischen Gemeinden New-Iorks, wie der Hebrew Benevolent Society einen Vorschlag zur Vereinigung und erklärte sich bereit, sofort 1500 Dollars herzugeben und außerdem auch noch jährlich eine bestimmte Summe ihres Einkommens beizutragen. Die Vereinigung scheiterte jedoch diesmal au dem Widerstande der Gemeinden. Die von den Deutschen gesammelten Beiträge wurden unterdessen auf Zinsen angelegt und nahmen immer zu. Erst im Jahre 1859 kam der Plan zur Consolidirung beider Gesellschaften zur Reife. Die deutsche Gesellschaft beschloß einmüthig, daß der beabsichtigte Hospitalfond der Errichtung eines Waisenhauses und Heims für arme, altersschwache Juden zngeeignet werde; und schon nach wenigen Conferenzen von Vertretern beider Gesellschaften wurden alle minder wichtigen Angelegenheiten, betreffs einer vollständigen Union geordnet und die Consolidirung im April 1859 bewerkstelligt. Beide Gesellschaften sollen fortan nach ihrer Vereinigung den Namen Hebrew Benevolent and Orphan Asylum Society of the City of New-York führen. Das Gesammteapital der neuen Gesellschaft betrug 75.000 Dollars. Die Hauptursache, welche diesmal die Vereinigung beschleunigte, lag in dem Umstande, daß sich zur Zeit eine Anzahl jüdischer Waisenkinder in den städtischen Anstalten befand, wo sie dem Judenthum gänzlich entfremdet wurden; daher erging an die neugewählte Direetion der Auftrag, sofort zum Bau eines Asyls zu schreiten, unter dem Versprechen, daß es ihr an allseitiger Unterstützung nicht fehlen soll. Einstweilen wurde an der West 39. Straße ein Haus gemiethet und im April 1860 darin 30 Kinder untergebracht. In demselben Jahre organisirte sich eine Damengesellschaft, The Ladies Sewing Society, die es sich zur Aufgabe machte, die Kinder mit Kleidung zu versorgen. Josef Selig man wurde 1861 als Vorsitzender erwählt. Während des Jahres wurden 9000 Dollars als Schenkungen verzeichnet; die Totaleinnahme betrug 96.000, die Ausgaben 7000 Dollars. Benjamin I. Hart wurde 1862 erwählt. Dieses Jahr verzeichnet eine Mehreinnahme von 7000 Dollars; Mitgliederzahl 450. Ein Freibrief mit erweiterten Privilegien wurde jetzt von der Legislatur erlangt, welcher die Direetoren der Gesellschaft ermächtigt, Grundeigenthum zu besitzen und die Leitung der Waisen in Uebereinstimmung mit den für öffentliche Wohlthätigkeitsanstalten erlassenen Gesetzen zu übernehmen. Gleichzeitig erhielt der Common Council (Stadtrath) die Vollmacht, der Gesellschaft für das zu errichtende Gebäude vom Stadtgrunde einen Bauplatz zu schenken. Der Common Council überließ ihr nicht nur alle an der 77. Straße zwischen der Dritten und Lexington-Avenue gelegenen Bauplätze, sondern wies ihr auch in hochherzigster Weise 30.000 Dollars als Beitrag zu den Baukosten aus dem städtischen Fond zu. Am 30. September 1862 wurde der Grundstein gelegt und am 5. November 1863 wurde die Anstalt eingeweiht und die Festlichkeit mit einem Banket beschlossen, zu welchem aber diesmal die zahlreichen Gäste ihre Speisekörbe nicht mitzubringen hatten. Samuel M. Cohen wurde im April 1865 zum Präsidenten erwählt. 1865—66 brachten die Beiträge 30.000 Dollars ein; Zahl der Mitglieder 1100; Zahl der Zöglinge 136. Im Jahre 1866- 67 betrugen die Einnahmen 41.481 und die Ausgaben 32.296 Dollars. Josef Jatm a n wurde im April 1867 Präsident. Im Jahre 1868 beherbergte die Anstalt 113 Knaben und 38 Mädchen. Einnahmen 45.497, Ausgaben 43.837 Dollars. In seinem Jahresberichte, April 1869, wird der Vorschlag des damaligen Superintendenten des Waisenhauses, Louis Schnabel, zur Errichtung von Werkstätten, in welchen den Zöglingen Handwerksunterricht ertheilt werde, bestens empfohlen. Ein Haus an der 76. Straße wurde angekauft und zur Schuhmacherei ausgestattet. Mayer Stern wurde Präsident im April 1870. Anzahl der Zöglinge 154; Einnahmen 53.427, Ausgaben 52.707 Dollars. In diesem Jahre hielt die Gesellschaft in Gemeinschaft mit dem Mount Sinai-Hospitaleine Jair ab, welche auf ihren Theil 43.879 Dollars einbrachte. In demselben Jahre wurde auch noch eine Buchdruckerei mit Dampfpressen eingerichtet. Im April 1872 wurde Jesse Selig mann erwählt und behielt diesen Ehrenplatz bis zu seinem Tode 1894. Der Jahresbericht von 1872 weist -nach, daß die Aus-