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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-30 · 35 (30.8.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Dr Bloch's Wochenschrift. Seite 631 hat, ohne dis; sich der christliche Zeitaugsherausgeber nicht zu rühren wagte?" Das ist wohl ziemlich nett und deutlich gesprochen... Schönere r glaubt eben zu wissen, was er Vergani schuldig ist. Zum Unterschiede von Vergani, der nicht zu wissen scheint, was er Schönerer schuldet ... So unglaublich es nämlich auch klingt, so ist Vergani, wie es in den „U. D. SB." mit großen Lettern gedruckt zu lesen ist, auch heute noch Herrn Schönerer, dem Manne, der ihn alle vierzehn Tage mit moralischen Ohrfeigen tractirt, baare 5000 fl. schuldig! Es sind doch curiose Leute, die Antisemitenführer, die den Beruf in sich fühlen, der corrupten Welt Anstand, Moral und gute Sitte zu lehren ....??? Betrogene Betrüger. Sehr geehrter Herr Redacteur! Die Juden, die in den letzten Jahren an verschiedenen Wohlthätigkeitsfesten theilgenommen haben und deren Geld wider ihren Willen anderen als den im Prospecte angegebenen Zwecken zufloß, waren, wie Sie richtig bemerkt haben, Wurzen. Die adeligen Damen haben sich unzweifelhaft einer Täuschung schuldig gemacht, und wer das Opfer einer solchen wurde, kann unzweifelhaft im Klagewege verlangen, daß das Geld dem ursprünglich angekündigten Zwecke zugeführt wird. Aber würden das die betrogenen Theilnehmer thun? Sicherlich nicht, denn diese Theilnehmer sind nicht Betrogene schlechthin, sondern betrogene Betrüger. Wenn ich als Norddeutscher das Wort „Wurzen" richtig verstehe, so bedeutet es einen Menschen, der durch seinen Charakter auch das Betrügen erleichtert. Es war den Theilnehmern jener Feste nicht darum zu thun, Wohlthaten zu üben — wer das will, konnte ja auch seinen Beitrag für die Freiwillige Rettungs gesellschaft oder andere humanitäre Institutionen direct leisten, ohne sich in den Festtrubel zu stürzen. Wie Sie angeben, habe nur der populäre Name der erwähnten Institutionen die Leute angezogen, für die unterschobenen Zwecke wäre nicht der vierte Theil des Betrages eingegangen. Hätte aber nicht, wer einsolches Ziel wünschte, das Geld, das er aufwenden wollte, einfach zur Rettungsgesellschaft tragen sollen? Wie aus Ihren Zahlenangaben hervorzugehen scheint, sind von 40.000 fl. 16.000 fl. für Spesen darauf gegangen. Hierin find nicht inbegriffen die Kosten, die jeder Theilnehmer für sich aufgewendet hat und die wahrscheinlich ebenfalls zum mindesten 16.000 fl. betragen. Denn die Wagen, Blumendecorationen rc. sind ja eine kostspielige Sache. Mit anderen Worten, der wohlthätige Zweck erhält nicht die Hälfte von dem, was an Aufwendungen nöthig ist. Es mag ja sein, daß da mancher Gulden für den wohlthätigen Zweck einkommt, der sonst nicht gegeben würde, wenn auch den Löwenanteil — außer dem Vergnügen der Theilnehmer — nicht der wohlthätige Zweck, sondern die Blumenhändler und andere Lieferanten erhalten. Um so schlimmer, wenn das „goldene Herz" von Wien sich erst über seine neue Robe oder sein fesches Zeugl freuen muß, um den Beutel zu öffnen und ein Almosen hinzuwerfen. Und sollte nicht auch die Theilnahme der adeligen Damen ein Ausweg zur Theilnahme am Fest gewesen sein? Es ist nicht wahr, daß diese Leute sich für die Armen freuen, und wenn sie glauben, es zu thun, sind sie betrogene Betrüger. Wäre es ihnen wirklich um die Armen zu thun, so würde ja eben das Geld auch ohne Festlichkeiten zur Stelle sein. Diese Gattung Vergnügungswohlthätigkeit wird ja allerdings auch in Berlin geübt, aber sie kommt doch sehr in Abnahme. Vereinshyänen, welche die Eitelkeit haben, möglichst große Einnahmen für ihre wohlthätigen Zwecke zu erzielen, suchen ihre Bekannten auf dem Wege von Bazars und Wohlthätigkeitsfesten zu brandschatzen, aber in ernsten Kreisen, denen es wirklich um Wohlthätigkeit zu thun ist, hat man für diese Wohlthätigkeit doch mehr Verachtung als Anerkennung. Wir find hier öfters in der Lage, bei gemeinschaftlichen Zielen zu sehen, was in Wien gegeben wird, seien Sie versichert, daß wir nach den Thaten, die wir sehen, von dem „goldenen Wiener Herz" eine weit geringere Meinung haben als die Wiener. Wir wissen schon im Voraus, daß der größte Theil der Eingänge für Kosten daraufgeht. Wir find der Ansicht, daß an den Zuständen in Wien die Frivolität der Wiener sein gut Theil an Schuld hat. Wir sind auch keine Duckmäuser, aber heiter sein und sich amüsiren sind noch zweierlei. Auch Alles zu seiner Zeit! Wenn Sie dort über den Niedergang Wiens klagen, wenn Sie sich mit Recht beschweren, wie den Juden in Wien und Oesterreich mitgespielt wird, so wäre doch etwas mehr Zurückhaltung am Platze. Es ist wahr, daß die Juden in Oesterreich als Parias behandelt werden, aber wer an einem von adeligen Damen veranstalteten Wohlthätigkeitsfeste theilnimmt, der fühlt sich jedenfalls nicht als Paria. Ohne daß die Zustände hier befriedigend sind, muß man doch zugestehen, daß jetzt eher Zurückhaltung von den Juden geübt wird. Friedrich K epp erzählte ans seinen amerikanischen Erinnerungen eine Anekdote, die Beherzigung verdient. Während des amerikanischen Sezessionskrieges seien nach dem Gold grabenden San-Francisco, das weit vom Schuß lag, Nachrichten über die schrecklichen Leiden der Verwundeten gelangt, für die sehr schlecht gesorgt gewesen sei. In einer Spielhölle ])äbe einer der Anwesenden gesagt, ihm thaten die armen Verwundeten Leid, worauf sein Nachbar einen Teller genommen und ihm mit den Worten hingehalten habe: Wie viel thun sie Ihnen Leid? Ein Gefühl, das sich nicht in That umsetzt, ist unwahr, die Theilnehmer der Feste — Ausnahmen mag es ja natürlich geben — waren weder gute Juden noch wohlthätige Menschen. Die Frage, ob die Juden die Sorge für Gemeinnütziges nicht der Gemeinde überlassen sollten, wo für besondere wohlthätige Zwecke soviel zu thun bleibt, mag noch dahingestellt bleiben. Sicher aber mußten sie nach allen Erfahrungen gegenüber den Veranstaltern jener Feste den richtigen Jnstinct haben, sich nicht zu betheiligen, und ihre Beiträge zurückzuhalten. Man kann einmal betrogen werden, wird man aber schnell hintereinander zweimal auf dieselbe Art betrogen, so will man eben betrogen werden, man ist ein betrogener Betrüger. Man betrügt sich selbst und die Welt, indem man sich für einen wohlthätigen Menschen hält und ausgibt, man betrügt die Armen, die nur einen Theil von dem erhalten, was man Wohlthätern abnimmt, die Geld geben, ohne sich, am Feste zu betheiligen. Wer ein Herz für die Armen hat, der wird sich nicht freuen, am Fest theilzunehmen. Er wird keine Festesfreude haben, weil er sich immer sagen wird, wie viel Thränen mit dem Geld getrocknet werden können, das in einer Stunde für welkende Blumen verschwendet wird. Wer als wahrer Wohlthäter mit dem Herzen gibt, der wird so viel innere Freude haben, daß alle Comtessen von Wien auch nicht um ein Atom seine Herzensfreudigkeit werden vermehren können. Und deshalb wäre es allerdings möglich, daß ein Proceß gegen die adeligen Damen nicht zum Ziele führt, sie könnten sich vielleicht darauf berufen, daß. die jüdischen Damen nicht wegen der humanitären Institutionen, sondern wegen der Comtessen in den Prater gefahren sind. Und ich fürchte, sie hätten Recht. Es mag vielleicht anmaßend erscheinen, daß ein Fremder sich in die inneren Wiener Angelegenheiten mischt. Aber die ernste Zeit verlangt ein ernstes Wort, es sollte willkommen sein, woher es auch kommt. Hochachtungsvoll Ein Berliner. New-Horker Briefe. Die Geschichte der Uedre^v Benevolent and Orphan Asylnm Society steht mit der des Judenthums in Amerika in so enger Verbindung, daß der künftige Geschichtsschreiber

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