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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-30 · 35 (30.8.1895) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
35 (30.8.1895)
Date
1895-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 630 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 35 stadt mit der Möglichkeit einer anarchistischen Majorität und der Erhebung chres Führers auf den Bürgermeisterstuhl gerechnet werden muß? Das Pariser Attentat ist eine blutige Mahnung an die verantwortlichen Lenker des Staates, dem fortschreitenden Verderben endlich Einhalt zu gebieten, und wmn jemals, so ist hier der warnende Ruf am Platze: „Videant consules ne quid res publica detrimenii capiat!“ Schönere« contra Lueger und Vepgam. Der Gutsherr von Rosenau befindet sich seit geraumer Zeit schon in höchst erbitterter Stimmung. Der Zorn des Mannes, der mit einem Theile seiner Partei zerfallen ist und von dem wieder der andere Theil seiner Partei nichts wissen will, richtet sich hauptsächlich gegen Lueger und Vergani. Schönerer ist nicht erbaut von der Art und Weise, in der er sich der Verwirklichung seines Ideales: Durch Reinheit .zur — Einheit nähert. Er hat sich die Einheit nicht so vorgestellt, daß er bald der Einzige in seiner Partei sein werde, und er glaubt, Mß Lueger und Vergani es sind, die viel zu diesem'traurigen Schicksale beigetragen haben. Von Zeit zu Zeit steigert sich Schönere r's Zorn bis zur Berserkerwuth, und um diese zu kühlen, schüttet er die — Fluthen zahlloser Spalten seiner „Unverfälschten Deutschen Worte" über die Häupter dieser Hauptschuldigen aus. In der That, die Beiden haben redlich daran gearbeitet, in weiteren Bevölkerungskreisen die Ansicht zu verbreiten, daß Schönerer von maßlosem Egoismus, von kleinlicher Eitelkeit und rasendem Größenwahn geleitet sei, daß ihm nur Eines heilig sei: Die Rücksicht auf die eigene Person. Lueger hat in zahlreichen Wählerversammlungen es ausgesprochen, daß Schönerer auch nur ein „Judenknecht" sei, der —wenn auch unbewußt — im Dienste der „Alliance isradlite“ stehe. Vergani ging noch weiter. Er hat es in seinem zur Bekämpfung Schönerer's und der Juden gewidmeten Blatte klar und verständlich ausgesprochen, daß der Gutsherr von Rosenau selb st semitischer Ab stam mung sein müsse, da sein Aeußeres frappant an das unverfälschter Mischer Roßhändler erinnere! Mußte das nicht den Ingrimm Schönere r's, des Vaters der Urenkel „Schmul Leeb Kohns" bis zur Raserei stacheln? Wie der geschwächte Simson seine letzten Kräfte zusammenrafft, um mit sich die Säulen des Tempels niederzureißen, so scheint Schönerer keine Anstrengung zu scheuen, um Lueger und Vergani, die beiden Säulen der christlrch-soetalen Partei, zu zertrümmern und mit sich in den Staub zu zerren. Die beiden Säulen sagten wir, aber eigentlich wäre für den geistig so unbedeutenden Vergani hier auch ein Diminitivum hinreichend. In dem Artikel „Lueger und die Wahrheit" setzt sich Schönerer mit Lueger und Vergani auseinander und der Leser erhält in erfreulicher Weise davon Kenntniß, wie einer der berufensten Führer des Antisemitismus über zwei nicht minder berufene antisemitische Führer denkt. Wenn Schönerer von Lueger u n d der Wahrheit spricht, will er eigentlich sagen, daß zwischen den Beiden ein ungeheurer Abgrund sich befindet. Schönerer's Ansicht über Lueger' scheint sich nach dem populären Worte gebildet zu haben: „Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist." Lueger geht aber mit Vergani um. Wie jedoch Schönerer über Vergani denkt und wie er mit den: umgeht — nun das ist bekannt und wird im Verlause der weiteren Ausführungen in den „U. D. W." noch klarer zu Tage treten . . . S ch ö n e r e r packt den Dr. Lueger recht unsanft an und er stellt ihn vor die unangenehme Alternative, er solle bekennen, wann er d i e kl nw ah r h e it gesprochen. Schönerer läßt sich durch die Ausflüchte, die Windungen und Krümmungen L u e g e r's nicht captiviren und nicht besänftigen. Er setzt ihm die Pistole an die Brust: „Die christlich-sociale Partei und ihr Führer dulden einen Menschen als ihren journalistischen Vertreter, dem unehrenhafte, ja verbrecherische Handlungen am hellichten Tage öffentlich nachgewiesen wurden." Sch ö n e r e r weist nun höhnisch darauf hin, wie faul und unsittlich die Ausflüchte L u e g e r's sind, wenn er auf solche und ähnliche Anklagen achselzuckend sagt: „Die Sache Vergani und „Deutsches Volksblatt" geht mich gar nichts an." Schönerer beweist nämlich vor Allem, daß der Führer einer Partei nie und nimmermehr zu einer solchen corruptionsfreundlichen Neutralität sich emporschwingen dürfe, er nagelt aber dann den Herrn Dr. Lueger in unbarmherziger Weise an seine eigenen öffentlich gesprochenen Worte an, die er mit fetten Lettern folgendermaßen citirt: „Pflicht jedes Christen, jedes Deutschen, jedes Antisemiten ist es, Vergani und sein Unternehmen, das „Deutsche Volksblatt", in Ehren zu halten." Die Wahrheitsliebe L u e g e r's pendelt in der That höchst bedenklich zwischen diesen beiden von Schönerer angenagelten Aussprüchen hin und her und dem Volkstribunen von Margarethen dürfte daher der Abschiedsaruß schrill in den Ohren klingen: „Auf eine Einigkeit mit Lügnern und Dieben muffen die Schönerianer entschieden verzichten." Man könnte zwar nicht behaupten, daß Schönerer allzu höflich mit Lueger spreche, den er „einen Beschützer der in Vergani und dem „Deutschen Volksblatt" verkörperten Corruption" nennt. Aber die Sprache, die er gegen ihn führt, klingt noch wie zärtliches Geflüster im Vergleiche zu jener, die er gegen Vergani anschlägt. Ein Pröbchen dieser Sprache : „Sobald Schönerer die Lumpereien Vergani's bekannt wuiden, hat Schönerer gegen denselben sofort entschieden Stellung genommen . . Schönerer spricht von „A m t s Veruntreuungen" V e r g a n i's mit einer Seelenruhe und Ungenirtheit, als ob er nur constatiren würde, der Urteutone aus Sollenz in Galizien erfreue sich eines guten Magens und könne daher so Manches zu sich nehmen, was Andere zu schwer drücken würde.... Daß Schönerer es sich nicht versagt, Herrn Vergani die Pauschalien an den Kopf zu werfen, die dieser sich von „jüdischen" Instituten zahlen läßt, ist da selbstverständlich. Die „verwerfliche ch r i st l i ch e C o rr u p t i o n", die er Vergani zum Vorwurf macht, finden wir allerdings unberechtigt. Wir sind nämlich der Meinung, daß die Corruption etwas Internationales und Jnterconfesfionelles ist und daß der biedere Vergani, mochte er welcher Zunge und welcher Consession immer angehören, das geworden wäre, was er so herrlich als Herausgeber des arischen christlichen, eigens wegen der Corruption gegründeten „Deutschen Volksblatt" geworden ist. Als eine kleine Stylblüthe aus den „U. D. W.", die sowohl Herrn Lueger als Herrn Vergani zu erfreuen bestimmt ist, wollen wir zum Schluffe nur noch eine Stelle mittheilen: „Und was sagt Dr. Lueger, wenn wiederholt in jüngster Zeit öffentlich behauptet und unter Beweis gestellt worden ist, daß der Herausgeber einer „Christen-Zeitung" dem Gemeindearmenfonde eine Obligation und der armen Gemeinde Gelder gestohlen

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