Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 34 (23.8.1895)
- Date
- 1895-08-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 626 Dr. Blvch's Wochenschrift Nr. 34 mittelst Wagen aufzusuchen und daselbst für sehr theueres Geld beim dortigen Biecverschleißer Herrn Liech tenstern, der über den Sommer eine Restauration unterhält, ihren Mittagstisch, aus besonderer Gefälligkeit des Wirthes, zu nehmen. Es ist daher selbstverständlich, daß man vom Nachtmahl, wenn man nicht nochmals eine Wagentour von 3 fl. machen will, absehen muß. GS muß auf einen Zufall zurückgeführt werden, daß dieser reichen Gewinn bringende Curort bis nun von keinen tüchtigen Anforderungen entsprechenden Gastwirth entdeckt wurde, und gebe ich mich der angenehmen Hoffnung hin, daß durch die freundliche Veröffentlichung dieses Umstandes sich gewiß Jemand finden wird, der diesen garantirten Gewinn nicht verschmäht. Josef Breslauer aus Prag. Biseuz. Am 16. d. Mts. fand im hiesigen Gotteshause, aus Anlaß des Geburtsfestes unseres Monarchen, ein feierlicher Gottesdienst statt. Zur festgesetzten Stunde wurden die auf diese Feier Bezug habenden Chöre unter Leitung unseres bewährten Chormeisters abgesungen, worauf Herr Rabbiner Dr. R o s e n m a n n in einer meisterhaften Festpredigt die Herrschertugenden unseres erhabenen Monarchen in glänzender Weise kennzeichnete. Mit der Absingung der Bolkshymne hatte diese erhebende Feier ihren Abschluß gefunden. 8 8. Protznitz. (Todesfall.) Am 18. d. M. verschied hier Frau Lisette Stern geb. Steiner, Schwiegermutter des Herrn Ignaz Grünwald in Wien, Procuristen der Großindustriellen-Firma M. und I. Mandl, tief betrauert von ihrem gramgebeugten Gatten und einer zahlreichen Kinder- und Enkelschaar. Budapest, 16. Aug. (H o f r a t h D o c z i.) Das Regierungsorgan N e m z e t begrüßte heute an der Spitze des Blattes die erfolgte Ernennung des Hofrathes Ludwig von Doczi zum Leiter des Literarischen Bure aus-im Ministerium des Aeußern, welches Amt er heute antritt. Das Blatt gibt seiner Freude Ausdruck, daß ein Ungar mit einer solchen Vertrauensstellung bedacht worden sei und weil die Vertretung dieser Abtheilung des Auswärtigen Amtes vom Standpunkte der ungarischen Jutereffen gegenüber der auswärtigen Presse in keine besseren Hände gelegt werden könnte als in die Doczi's, dieser Zierde der ungarischen Literatur, eines Mannes, der, seit 23 Jahren im Auswärtigen Amte thätig, durch seine große Bildung im Vereine mit seiner angenehmen und gewinnenden Art sich eine hervorragende Position geschaffen hat und der Monarchie in seiner neuen, schweren Stellung werthvolle Dienste leisten kann und wird. Die ganze öffentliche Meinung Ungarns werde diese Wahl mit ungetheilter Freude begrüßen. Berlin, 14. August. Dem Professor der Augenheilkunde an der hiesigen Universität Herrn Dr. Julius H i r s ch d e r g ist derCharakteralsGeheimerMedicinalrath verliehen worden. Breslau. Die durch den Tod des Dr. David R o s i n schon seit fast einem Jahre erledigte Docentenstelle am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar wurde Herrn Dr. S. Horowitz, Rabbiner in Bielitz, verliehen. München. Der Prinzregent von Baiern hat bei seiner letzten Anwesenheit in Würzburg dem dortigen DistrictsrabbinerB am berger die gleiche Auszeichnung wie der Geistlichkeit der beiden christlichen Confeffionen zutheil werden lassen. Er ward zu allen officiellen Festlichkeiten hinzugezogen, beim Empfang, bei der Brunneneinweihung, bei dem städtischen Diner zu Ehren des Prinzregenten, sowie zurHoftafel; bei all diesen Gelegenheiten richtete Se. königl. Hoheit huldvolle Worte an den Rabbiner und zeigte lebhaftes Interesse, an dessen persönlichen und beruflichen Verhältnissen. Luxemburg. Unter lebhafter Theilnahme von Kauflustigen wurde die bisherige Synagoge versteigert, den Zuschlag als Meistbietender erhielt mit 20.000 Francs die Congregation der „Nonnen unserer lieben Frau"!!! Jaffa (Palästina), 15. Juli. Die türkische Regierung hat, wie manschreibt, den Esrogimhändlern vom Auslande erlaubt, hieher zum Einkauf zu kommen, wenn sie ihre Ankunft vorher Herrn B. Salant in Jaffa brieflich anzeig en. Der Kopf. Ein Fragment von KlemeuS Junosza. Uebersetzt von Malwina Blumberg. Der Besitzer des Kopfes pflegte mir wunderbare Dinge von demselben zu erzählen. Der Mann gehörte nämlich der Race an, die auf ihre Köpfe sehr stolz ist. Als ich sein Vertrauen erworben hatte, gestand er mir einmal unter dem Siegel der Verschwiegenheit, in seinem Kopfe seien manchmal so schöne Gedanken, daß er in solchen Augenblicken ihn am liebsten von den Schultern genommen und auf die Stirn geküßt hätte. Hindernisse rein physischer Natur gestatteten ihm nicht, seiner Bewunderung und Zärtlichkeit auf diese Weise Ausdruck zu verleihen. Sei dem übrigens wie ihm wolle, jedenfalls war es ein schöner Kopf. Nicht äußerlich, denn seine Linien waren weit entfernt von dem Typus elastischer Schönheit. Die Form war ein wenig spitz, die Stirn schmal, die Nase groß und höckerig, das Kinn hervorstehend, Haar- und Bartwuchs ziemlich spärlich. Aber innen'. Was barg dieser Kopf nicht Alles! Ich blickte manchmal in seine schwarzen, beweglichen Augen und suchte durch diese Fenster in das Innere zu dringen. Anfänglich war dies schwer; mit der Zeit jedoch verschwanden die Hindernisse; gegenseitigem Vertrauen gelang es, den Abgrund, der uns trennte, zu überbrücken. . . Und dieser Abgrund war groß. . . Der Besitzer des Kopses entstammte dem zahlreichen Geschlecht der Söhne Jacob's, ich war ein Abkömmling Esau's. Er war ein Jsraelite, ich ein Edomite; er ein Damenschneider, ich der Kunst, btr er oblag, so vollständig unkundig, daß ich nicht mal wußte, von welcher Seite man an die ehrenwerthe Frau Bürgermeisterin herantreten müsse, um das Schneidermaß an ihre imposante Gestalt zu legen. Wie gesagt, ein Abgrund trennte uns. Alle lachten den Kopf aus, — ich that es nicht, und das legte vielleicht den Grundstein zu unserer Freundschaft. Der Kopf brauchte Kartoffeln für seine kleinen Köpfchen — er fand sie bei mir; dann brauchte er einen Zuhörer für seine Weisheit, und da ich seinen Reden gern lauschte, so gestaltete sich unser Berhältniß immer herzlicher. Ich blickte durch seine schwarzen Augen wie durch glänzende Fensterscheiben und sah eine Welt, die mir neu und unbekannt war, eine große, von kleinen Formeln verhüllte Welt. In diesen armen Kopf hatte man in der Jugend Manches hineingelegt. Nicht viel jedoch. Rabbi Wigdor lehrte ihn lesen, die Großmutter, die alte Jente, hatte ihn vollgestopft mit Legenden. Der Prediger der kleinen Synagoge, Rabbi Jojel, ein großer Magid, schüttete Perlen der Weisheit vor ihm aus, und gierig griff der Kopf danach, verarbeitete es auf seine Weise, ergänzte es mit eigener Phantasie, und so entstand daraus eine besondere Welt; eine Welt von Enthusiasmus, Legenden, Sagen, eine Welt voll idealen Glaubens. . . Die Schneiderei ist ein anstrengendes Handwerk. Aber wenn die Hand mechanisch näht, wenn die Augen gedankenlos auf ein Stückchen Stoff starren, dann lebt der Kopf, er arbeitet, denkt und beschäftigt sich in diesen Gedanken mit Gestalten, die, der wirklichen Welt entrückt, in das Reich des Uebersinnlichen gehören. Dann besinnt sich der Kopf auf Alles, was er einst gehört und -gesehen, und in langem Zuge tauchen die Erinnerungen und Erscheinungen aus ferner Vergangenheit auf. Und wie durch glänzende Fensterscheiben blickte ich durch die schwarzen Augen des Kopfes. Und diese Augen leuchteten wie Sterne, und gewaltsam, die Schwierigkeiten der Sprache überwindend, redete die Zunge. Was war nicht Alles in diesem Kopfe! Ja, richtig! Eine Kleinigkeit war nicht darin — Chronologie und dieser Mangel verursachte große Wirrnisse. Der König Salomo hatte befohlen, eine Mücke soll sich in dem Hirn des Zerstörers von Jerusalem festsetzen und dasselbe durchbohren; der alte Akiba, der seine Frau alle zwölf Jahre einmal sah, hatte mit Moses gesprochen; der große Rambam (Rabbi Moschek ben Majmum) hatte den Großvater Rothschild» von einem schlimmen Fieber geheilt; König Salomo, als er vom Bösen entführt und in einen Bettler verwandelt worden, sprach in der Wüste mit einem zeitgenössischen Rabbiner. Aba Bar Rabbi Chowe hatte auf dem Meere holländische Schiffe gesehen. Der Prophet Elias, dieser große Wohlthäter und Beschützer aller Unglücklichen und Elenden, war vor Kurzem auf dem Jahrmarkt in Lubartüw und hatte einen armen Schuster die ihm gestohlene Maare wiederzufinden geholfen und Esther, die liebreizende Esther, hatte erst unlängst einige Könige und Kaiser gebeten, sie möchten doch für dre Juden keine harten Gesetze erlassen.