Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 33 (16.8.1895)
- Date
- 1895-08-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 810 Nr. 33 Dr. Vloch's Wochenschrift. schafft und eine achtunggebietende gesellschaftliche Stellung sich errungen haben. Das Institut sei nicht eine Handwerkerschule im eigentlichen Sinne, sondern es suche den Grund zu legen zur Erwerbung nützlicher Kenntniffein der Mechanik, dabei eine moralische und veredelnde Geistesbildung pflegend. Die Thatsache, daß nicht ein einziger der aus der Schule entlassenen Zöglinge ausgeartet ist, sei das beredteste Zeugniß für den Geist, der in der Anstalt herrsche. Die Zöglinge hielten alsdann Borträge, welche mit großem Beifall ausgenommen wurden. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Sonntag den 18. d. M. um 8 Uhr Früh in der Synagoge, II., Leopoldsgasse 29, ein Festgottesdienst statt. Wien. Fräulein Bertha R u d i n g e r, die Nichte des Firmachefs Leopold Ru ding er, hat sich mit Herrn Moriz Fischer verlobt. Trauung. Die Vermählung des Herrn Josef Hirsch mit Fräulein Valerie Lichten st ern hat Sonntag den 11. August im israelitischen Gotteshause in der Tempelgasse stattgefunden. Auszeichnung. Dem Hofcellisten Heinrich G r ü n f e l d ist vom Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, bei welchem er im kleinen Cercle in Heiligendamm spielte, die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen worden. Dieselbe wurde dem Künstler von Seiten des Großherzogs persönlich überreicht. WieN'Mariahilf. Der feierliche Festgottesdienst, verbunden mit Festpredigt, anläßlich des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers findet im Tempel, VI., Schmalzt ofgasse Nr. 3, Samstag den 17. August um halb 9 Uhr Vormittags statt. Wien. Der bekannte rituelle Operateur Med. Univ. Dr. Max S ch ö n f e l d, bisher III., Pragerstraße 14, wohnt ab August II. Obere Donaustraße 87, vis-ä-vis der Stefaniebrücke. Wien. Am 3. d. M. verschied Herr Moritz Hitschmann, Procurist des Wiener Bankhauses Lieben & Comp. — In der Nummer vom 10. Mai d. I. hatten wir berichtet, daß Herr Hitsch mann, der als junger Mann in das erwähnte Haus eintrat, das Fest seiner 50-jährigen, ununterbrochenen Thätigkeit daselbst feierte, und hoben seine hohen Geistes- und Charaktereigenschaften hervor. Schon damals befand Herr Hitschmann sich nicht mehr im vollen Besitz seiner Körperkraft, und nunmehr ist er seinem Leiden erlegen, tiefbetrauert von seiner Gattin und drei hoffnungsvollen Söhnen, sowie von allen seinen Angehörigen und Freunden. An dem im Sinne des bescheidenen Verblichenen prunklosen Leichenbegängnisse nahmen auch Herr Leopold v. Lieben, Chef des Bankhauses Lieben & Comp, und das Personale dieses Hauses sowie der Director des Giro- und Cassenvereines Herr Kanitz und viele Freunde theil. Wie«. Das Laureol, dieses neue Pflanzenfett, von dem in unserer letzten Nummer gesprochen und hervorgehoben wurde, daß es eine Rettung für die jüdische Küche bedeute, weil es für Fleischwie Milchspeisen verwendet werden kann, ist auch in einer von Julius Freu der dieser Tage erschienenen Broschüre vom jüdischen Standpunkte literarisch beleuchtet worden, auf welche unsere geehrten Leserinnen hingewiesen werden. Göding. Mit der am 11. d. M. stattgefundenen Constituirung des Vorstandes ist nun die israelitische Cultusgemeinde nach den neuen Statuten organisirt. Dem altbewährten Vorsteher Herrn Wilhelm L e ch n e r stehen die Herren I. U. Dr. Ludwig Korner, als Stellvertreter, Salomon Weiß und Carl Rosenzweig, als Beiräthe zur Seite. Der Ausschuß besteht aus den Herren Jonas Frankl, Jacob Frankl, Alois F ü ch s e l, Moriz Goldschmidt, Albert Körner, Fritz Redlich, Franz Schnitzler und Gustav Sternlicht. 0. In Reichelsheim im Odenwald, wo früher Dr. B öckel Triumphe feierte, fand, wie uns geschrieben wird, die 25jährige Erinnerungsseier und zugleich die Fahnenweihe des Kriegervereines statt. Zum Comite gehörten mehrere jüdische Vereinsmitglieder. Unter den Festjungfrauen waren 12 jüdische Mädchen. Bei der Feier selbst herrschte die schönste Eintracht. Der Antisemitismus war hier nur eine Böckel'sche Treibhauspflanze. Altofen. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Am 24. Juli Nachmittags wurde unter Theilnahme einer überaus großen Trauermenge der, wie wir in voriger Nummer berichteten, am 23. d. M. verstorbene Oberrabbiner von Altofen, Dr. Julius Klein, zu Grabe getragen. Zur imposanten Leichenfeier Hallen sich im Tempel und Tempelhofe außer der trauernden Familie und der Gemeinde eingefnnden: der röm.-kath. Geistliche, Stadlrepräsentanten, Abordnungen der israel. Gemeinden und Chewra-Kadischas von Pest, Ofen, Neupest, S.-A.- Ujhely, Pancsova, Gran, CSLktornya u. A., sowie von vielen Humanilatsvereinen, letztere unter Vorantragung ihrer in Trauer gehüllten Fahnen. Die israel. Cultusgemeinde Szigetvär, deren Oberrabiner Dr. Klein vierzehn Jahre lang war, hatte eine zahlreiche Trauerdeputation entsendet. Vor der heiligen Lade stand der Sarg, den die Mitglieder des Altofner Gemeindevorstandes aus der Wohnung des Verblichenen nach dem Tempel gebracht halten. Obercantor Leon Blumenkranz intonirte unter Assistenz des Tempelchores einen Trauerpsalm, worauf Prediger Dr. Julius Weißburg eine ergreifende Trauerrede in ungarischer Sprache hielt. Hierauf sprach Dr. Ignaz Weiß, Oberrabbiner von Gran, ein Freund und Studiengenosse des Verewigten, deutsch. Unter Trauergesängen ward nun die Leiche nach dem Tempelhofe gebracht, wo Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn seinem verklärten 'Amtsbruder einen gediegenen Nachruf in ungarischer Sprache widmete. Auf dem Friedhofe richtete der Präsident der Altofner israelitischen Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa, Samuel Ehrlich, namens beider Körperschaften tiefergreifende Abschiedsworte an den Hingeschiedenen. Am offenen Grabe sprachen noch Dr. Adolf Kelemen, Oberrabbiner von Pancsova, und ein Schüler Dr. Klein's, der Seminarist Edelstein. Jassy. Die Verwaltung des israelitischen Spitals in Jassy wurde ermächtigt, folgende Schenkungen auzunehmen: Das vom verstorbenen Jakob N e u s ch o tz hinterlaffene Legat von 30.000 Lei, sowie das vom verstorbenen Berku Liebling gestiftete Legat von 20.000 Lei zur Unterhaltung eines Bettes in jenem Spitale. Aus Rußland, 31. Juli. Zur Zeit sind in Rußland 554 weibliche Aerzte, von denen 83 an jüdischen Krankenhäusern thätig sind. Zum ei st sind es Jüdinnen. Conskoundjouk. Der Großrabbtner der Türkei ist von einem schmerzlichen Verluste betroffen worden. Frau Belina L e v i, eine werthe Familienangehörige, ist am 3. August Abeuds gestorben. New-Aork, 24. Juli. Oberrichter Simon Ehrlich ist am 15. d. m. gestorben und unter hohen Ehren, welche für die Beliebtheit des allverehrten Mannes Zeugniß ablegten, bestattet worden. New-Haven, 17. Juli. In Anerkennung der großen Verdienste, welcher Herr Maier Z u a d e r sich um die hiesige Commune erworben, haben die städtischen Behörden beschlossen, dem neuerbauten städtischen Schulhause den Namen „Zuader School" beizulegen. Feuilleton. Ein Hrldenmädchen. (Nach einer allen jüdischen Chronik.) Die Judenverfolgungen des Mittelalters in Deutschland erreichten ihren Höhepunkt um die Mitte des XIV. Jahrhunderts. Dem furchtbaren Jahre 1337, in welchem die sogenannte Deckendorfer Verfolgung vorfiel, die sich über ganz Baiern und Oesterreich erstreckte, und ihr Seitenstück die Verfolgung von Rötlingen, deren Beispiel die Städte und Märkte fast ganz Deutschlands, wo Juden wohnten, nachahmten, folgten erst die Schrecken der G e i ß e l b r ü d e r, bei denen die Menschenwürde tiefer denn je gesunken war, sowohl im Fanatismus wie in den das heilige Feuer immer begleitenden unheiligsten Leidenschaften. Diese Zeiten flochten einen unverwelklichen Ruhmeskranz für die Tugenden jüdischer Frauen und Mädchen. Nicht Alle fanden die Gelegenheit, sich in die Fluthen des Rheins oder der Donau zu stürzen, um den Gelüsten dieser frommen Bestien zu entrinnen. Nicht Jeder wurde beim Ueberfallen Zeit gelassen, durch einen Todessprung aus dem Fenster auf das Straßenpflaster ihre Ehre zu retten, wie das Mädchen von Straubing. Ein Mädchen in der Bamberger Diöcefe wahrte ihre Reinheit durch eine noch heldenmüthigere Thal.