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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-16 · 33 (16.8.1895) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
33 (16.8.1895)
Date
1895-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Seite 603 Dr Bloch's Wochenschrift. Eine Stimme ruft: In Wien kommt es sogar vor, daß man dreißig Kreuzer per Hose Macherlohn zahlt! S w a t e k: Ich kenne eine Firma, welche factisch blos 8 fl. per hundert Hosen, das sind acht Kreuzer per Hvse, bezahlt, ich wollte aber unseren Stand nicht erniedrigen und habe darum den Namen der Firma nicht genannt. Ein Gassenkehrer verdient 1 fl. 10 kr. täglich, der Stückmeister, welcher den ganzen Tag an der Maschine näht, blos 75 kr. (Pfuirufe.) Da ist es besser, wir legen die Maschine weg und werden Gassenkehrer. (Stürmische Zustimmung.) Die Confectionäre sollen arbeiten lassen, wo sie wollen. — Zum Schluffe fordert Swatek die Versammlung auf, in Zukunft nur Gewerbetreibende in die Vertretungskörper zu entsenden und speciell bei den nächsten Gemeinderathswahlen bereits mit der Aufstellung selbstständiger Candidaten, welche nur gewerbliche Interessen vertreten, vorzugehen. Arische Arbeiterfreundlichkeit. Die „Amtlichen Mittheilungen der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt für Niederösterreich", Nr. 29 vom 1. August, enthalten die in der Zeit vom 15. Mai bis 25. Juni 1895 erstatteten Strafanzeigen. Nach letztgedachtem Berichte wurden Strafanzeigen erstattet: 72 wegen Nichtvorlage von Lohnlisten und Nichteinsendung der Berechnung, 185 wegen Nichtanzeige von Unfällen, 1 wegen Nichtlieferung der Lohndaten von Verletzten; nach § 21 des Unfallversicherungsgesetzes wegen unwahrer Angaben in den Lohnverrechnungen: Josef Groß, Stuckateur in Wien .- . . sl. 41.799*40 Wenzel Kappel, Stuckateur in Wien.. 11.666.80 End L Horn, Schlosserei in Wien.„ 68.716 — Florian Wiedner, Brettsäge in Feistritz a. W. . - . „ 1.614*— Johann Donhauser Brettsäge in Kirchberg a. W. . „ 1.874 69 Johann Baumgarten, Mahlmühle in Feistritz a. W. „ 674*20 Johann Laschober. Brettsäge in Aigen.„ 414 38 Karl Drechsler. Färberei und Druckerei in Wien . . „ 27.944*81 Johann Seidl, Brunnenmacher in Wien.. 2.896*— Gustav Seidl & Söhne, Färberei und Appretur in * Wien. . . . -.„ 114.480*— Franz Schneider, Stuckateur in Wien .... . „ 8.019*75 Anton E n d e l w e b e r, Schottererzeugung in Siebenhirten und Perchtoldsdorf.. , „ 15.306*80 Summe fl. 295.506*93 nach § 385 St.-G. (Vergehen gegen die Sicherheit des Lebens) wegen der Unfälle des Karl Olschinsky bei der Firma Theresia P in du r, Tischlerei in Wien; des Otto I u n g bei der Firma Johann Freitag, Maurermeister in Wien; und des Eduard S a b a d i l bei der Firma E. LH. Salzer, Papierfabrik in Wr.-Neustadt. Die Mutter Gottes im Wiener Wahlkampfe. Die „Ostdeutsche Rundschau" macht uns mit einem Flugblatte bekannt, welches gegenwärtig in Wien verbreitet wird. Dasselbe führt den Titel: „Gottessturm zu Ehren Mariens, der Mutter von der immerwährenden Hilfe, um den Sieg der katholischen Sache über das Antichristenthum in der Rathsstube der Kaiserstadt Wien zu erflehen." Nach einem Vergleiche der gegenwärtigen Lage mit jener zur Zeit der Befreiung Wiens aus der Türkennoth heißt es in dem Flugblätter „Wien hat eine große Wahlschlacht zu schlagen, die entscheiden wird, ob die Capitole (sie!) Oesterreichs und mit ihr der altehrwürdige Kaiserstaat christlich oder antichristlich regiert werden soll ... . Wie unsere katholischen Väter vor 200 Jahren, bevor ne in die Schlacht stürmten, sich dem Schutze der hehren Mutter Gottes empfahlen, so stellen auch wir diese entscheidende Geiüerschlacht unter den mächtigen Schutz der heiligsten Mutter, deren Hilfe immer währt! Mögen die 20.000 Abonnenten und die Hunderltausende von Lesern der Zeitschrift „Maria Hilf" sich zu einem gewaltigen Gebetsturme auf das Herz unserer himmlischen Mutter einen, als eine Armee von Betern, damit Maria den Wunsch erfülle: Unfern edlen Vorkämpfer Dr. Lueger zum Siege führe . . . ., daß er durch Gottes Gnade und die Hilfe Mariä als anderer Liebenberg auf den Ehrenstuyl der Kaiserstadt erhoben werde." Das Flugblatt ist anscheinend in Münster gedruckt, der Styl aber verräth die — Weinhau serProvenienz. Osman Bey. Osman Bey, der jetzt aus Bulgarien gegen die Juden hetzt, ist ein internationaler Hochstapler, Namens Millingez, der vor einigen Jahren u. A. aus Italien ausgewiesen wurde. Er wurde von Ahlwardt als Zeuge vorgeschlagen, daß die ^Hianes israslitö den Czaren Alexander I. habe ermorden lassen. Der Untersuchungsrichter war so naiv, darauf einzugehen und Osmann Bey als Zeugen durch Requisition in Athen vernehmen zu lassen, doch erwiesen sich seine Angaben natürlich als antisemitische Phantasie. Ein überaus bemerkenswerther Brief Kaiser Wilhelms, den doch unsere deutschnarionalen Antisemiten so sehr verehren, daß sie darüber ihr Oesterreicherthum gänzlich vergessen, macht jetzt die Runde durch die deutschen Blätter. Fürst Carol von Rumänien hatte bekanntlich an seiner Gemahlin, der Fürstin Elisabeth, stets eine theilnahmsvolle Gefährtin feiner politischen Pläne. Eines Tages fragte sie der Prinz von Wales, mit wem Rumänien im Falle eines Krieges gehen würde. Schlagfertig erwiderte sie: „Natürlich stets mit dem Stärkeren." Aber gerade die Stärkeren hatte zu jener Zeit Rumänien gegen sich, das durch die Judenverfolgungen von 1872 in ganz Europa übel von sich reden machte. Ueber diese Affaire schrieb Kaiser Wilhelm an seine Verwandten nach Bukarest: „Wenn in den neuesten Ereignissen bei Dir die Schuld der Juden, nach Ausspruch Deines eigenen Gouvernements, gar nicht so groß war, wie man anfänglich glaubte, und nun dennoch sie harte Strafe ecwlgt ist, so ist allerdings Gnade wohl angebracht und andererseits die nicht schnell und stark angewendete Reprimirung von Aufläufen und Judenverfolgungen zu bedauern. Dies macht natürlich im Auslande immer wieder den Eindruck, daß die inneren Zustände Rumäniens noch immer nicht fest geordnet sind, u n d d! e s w i r d nicht eher geschehen, als bist Du eine f e st g egliederte und disciplinirte Truppe schass sr, die nicht durch ihre Quantität, rvohl aber durch ihre Qualität, den Befehlen des Gouvernement s G e h o r f a m zu verschaffen weiß! Ich b ed a u r e, d a ß D u i m m e r n o ch m e h r W e r t h auf die Quantitätder Truppenaufstellung legst als aufderenQualität!" Kaiser Weißbart dachte doch noch ein wenig anders über Juden und Judenhetzen als Schönerer und Consorten. Den Brief selbst werden die Herren wohl diesmal nicht nach ihrer lieben Gewohnheit als Fälschung erklären können, denn er ist von unzweifelhafter Authenticität und in der hochofficiösen biographischen Publication über den König von Rumänien enthalten. Zum Fall Hammersteiu. Man schreibt uns aus Berlin: Die Meldung des „Freien Blattes", daß Frau Rudolph Hertzog, geb. Ly, Jüdin sei, ist unrichtig, die Ly's sind eine christliche Berliner Familie. Auch die Angabe, daß Flora Gaß, zu der Herr von Hammer st ein in intimen Beziehungen stand, Jüdin sei, ist unrichtig. Sie ist weder Jüdin noch — soweit wir ermitteln konnten — jüdischer Abstammung. Die bezügliche Behauptung ist wohl nur deshalb in Umlauf gebracht worden, um von dem unliebsamen Aufsehen, welches der Fall Hammerstein erregt hat, ein Odium auf die Juden fallen zu lassen. Die Ausweisung der Flora Gaß, einer Schweizer Unterthanin, aus Deutschland war eine der persönlichen Freundschaftsdienste des Berliner Criminalcommissariates, welches über Herrn H a m m e r st e i n die schützenden Fittiche hielt. Der Fall Hammerstein hat deswegen auch eine politische Seite, die bisher noch keine Würdigung gefunden hat. Im Curatorium der „Kreuzzeitung" sitzen höhere Beamte, unter Anderen ein Beamter der Kategorie, die nach unserer Organisation besonders berufen ist, die Politik der Regierung zu machen. Es dürfte bekannt sein, daß die Regierung häufig von der „Kreuzzeitung" sehr scharf bekämpft worden ist, die Regierung hat es sich gefallen lassen, von einem ihrer eigenen Beamten bekämpft zu werden, aus einem Reffort. welches besonders bestimmt ist, Regierungspolitik zu machen. Das würde selbst im freien England unerhört sein, denn die Regierung muß einheitlich sein, man muß wissen können, was die Regierung will. Vollends unverständlich ist Derartiges in Preußen; ist doch im Verfolg der letzten Wahlen ein westpreußischer Lehrer deshalb allein gemaßregelt worden, weil er Stimmzettel für einen freisinnigen Candidaten vertheilte. — Danach mag sich leicht die Ueberzeugung einbürgern, es kommt nicht auf die That, sondern auf die Person an, die Hauptsache ist, constrvativ zu sein, danach mag man sich viel erlauben, selbst die Regierung angreifen, selbst so Vielaus dem Kerbholz haben wie Herr vonH ammerstein. Nur dadurch ist eine Figur, wie Herr von Hammerstein möglich geworden. Eine mysteriöse Geschichte. Ueber den „Selbstmord" Wolkenflug's in der Gendarmeriekaserne, schreibt man uns aus Czernowitz: Der nach den Angaben seiner Verwandten und Bekannten physisch und geistig gesunde, materiell nicht schlecht gestellte Geschäftsmann Wolkenflng zieht am Vorabend jener unheimlichen Nacht als Verdächtigter in die Gendarmeriekaserne von Zwiniacze ein und wird am folgenden Tage mit Blut und Wunden bedeckt, im Anstandsorte an einem kurzen Riemen erhenkt aufgefunden.

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