Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 32 (9.8.1895)
- Date
- 1895-08-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 594 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 32 theile etablirten jüdischen Gastwirthe Einladungen erhalten hatten. Dieselben waren jedoch thatsächlich verhindert, derselben Folge zu leisten, wovon der Bethausvorstond sich so sehr verstimmen ließ, daß er das der Einweihung folgende Festmahl bei einem christlichen Gastwirthe bestellte. Recht sonderbar! Wie». L a u r e o l ist der Name einer erst dieser Tage im Handel erscheinenden, neuen, sensationellen Erfindung für die Küche, speciell für die j ü d i s ch e K ü ch e, bezüglich welcher diese Erfindung buchstäblich eine Lebensfrage des Judenthums löst und von ihm daher als neue Garantie seines Fortbestehens freudig begrüßt werden muß. Es braucht doch nicht erst constatirt zu werden, daß die Speisegesetze der wichtigste Nerv unserer Religion sind, daß wir die von Freund und Feind anerkannten Leistungen auf dem Gebiete der Sitte und das besonders weiche und für alles Menschenelend empfindsame Herz nur aus unseren Speisegesetzen gewonnen haben. Seitdem wir aber in die Gesellschaft eingetreten, sind leider diese Speisegesetze bei einem großen Theile unserer Glaubensgenoffen schon durchbrochen worden, trotz der so vielen Vorbeugungsgesetze. Zur Ehre der jüdischen Frauen sei es jedoch gesagt, daß sich die Beobachtung der Speisegesetze im Hause länger gehalten haben, als im Auswärtsleben. Aber endlich fing man auch im Hause an, laxer zu werden, und es ist eine auf psychologischer Wahrnehmung beruhende Thatsache, daß, wenn Frauen einmal irgend ein Princip aufgeben, sie es bis zur äußersten Consequenztreiben, und so haben sie sich auch über das von ihnen früher mit solcher Rigorosität beobachtete schärfste Verbot unter allen jüdischen Speisegesetzen, Fleischiges mit Milchigem zu vermischen, hinweggesetzt und in vielen jüdischen Häusern wird jetzt zur Zubereitung aller Speisen, auch des Fleisches, als Fett nur Butter verwendet. Allerdings ist neben der Nervosität das Magenleiden eine moderne Krankheit und das Gänsefett sehr schwer verdaulich. Ist jedoch das Religionsgesetz nur für bestimmte Epochen und gewisse Generationen oder für alle Zeiten und alle Geschlechter gegeben? Wenn das jüdische Haus erhalten werden soll, mußte der Genius des Judenthums für unsere Zeit für eine neue Erfindung sorgen, die die Möglichkeit bietet, wenigstens das allerstrengste der Speisegesetze hallen zu können. Und er hat in der That dafür gesorgt. Diese Erfindung ist das L a u r e o l, ein Pflanzenfett, das also für Fleischwie für Mehlspeisen verwendet werden kann. Es übertrifft jedes animalische Fett in den chemischen Eigenschaften als Nährstoff und enthält nichts, das der Gesundheit schaden könnte, wie das thierische Fett. Es ist verdaulicher als dieses, verdaulicher selbst als Butter, denn jedes thierische Fett, mag es noch so frisch sein, hat eine größere oder geringere Menge freier Fettsäuren, welche höchst schädlich auf schwache Magen wirken. Bei dem L a u r e o l ist vermöge der Art der Erzeugung keine Spur von freien Fettsäuren vorhanden, es ist vollkommen neutral und daher unsere Zeitkrankheit, die Magenschwäche, mit welcher unsere Frauen die Treulosigkeit gegen die Speisegesetze entschuldigen wollen, nicht afficirend. Und während bei jedem thierischen Fett zu besorgen ist, daß die Krankheit, an der das Thier litt, durch dessen Fett auf den Menschen übertragen werden könnte — ist ja doch erst in letzter Zeit nachgewiesen worden, daß selbst in Butter oft eine Menge von Bakterien enthalten sind und man nicht einmal ein Backhuhn in Butter — diese höchste Potenz der Aufklärungssucht bei so manchem modernen Juden — ohne Angst verzehren kann, ist naturgemäß bei Pflanzenfett jede derartige Besorgniß ausgeschlossen. Auch ist die Erzeugung von L a u r e o l viel reinlicher und appetitlicher als die von animalischem Fett, wie es in den Handel kommt. Mit einem Lssorte, das L a u r e o l benimmt zarten Frauenseelen jede Ausrede, womit sie bei ihrem Treubruch an dem schärften aller Speisegejetze ihr Gewissen beschwichtigen wollen. Die Erfindung des L a u r e o l ist wahrlich eine That für's Judenthum, und dem jüdischen Bedürfniffe Rechnung tragend, ist eine Fabrik zur Erzeugung des L a u r e o l jüdisch-rituell eingerichtet, dieselbe ganz unter Aufsicht des Rabbinats der orthodoxen Judenschaft Wiens gestellt und mit der Vertretung in diesem Artikel ein frommer Mann betraut worden. Die einzige Besorgniß betreffs des reellen'wie des rituellen Werthes dieser Erfindung bestände nur bei etwaigen Nachahmungen und Verfälschungen, deren jede neue Erfindung trotz des Patentes ausgesetzt ist; allein gegen dieses Uebel wird sich das Publicum selbst schützen müssen, indem es genau auf die Marke zu sehen haben wird, mit welcher gewiß jedes Gefäß — Flasche oder Büchse — worin das Laureol in den Handel kommt, versehen ist. Möge das L a u r e o l die Speisegesetze wieder in Ehren bringen und das jüdische Haus wieder werden, was es war — die Quelle aller jüdischen Tugenden. Eisgrub. Hier starb der berühmte Talmudist Rabbiner David Here sch, welcher mehr als 30 Jahre in dieser kleinen Gemeinde gewirkt hat. Er lebte seiner Wissenschaft, war mit einem Jahresgehalte von 140 st. angestellt und erreichte das 70. Lebensjahr. An dem Leichenbegängniß nahmen aus der Gemeinde und Umgebung sämmtliche Israeliten theil. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang aus Nikolsburg, Herr Rabbiner Dr. S. Mandl aus Kostl und ein Schwager des Verblichenen hielten Ansprachen, in welchen sie die Frömmigkeit und Gelehrsamkeit des verstorbenen großen Talmudisten zeichneten. Herr Bürgermeister Wilhelm Lampl veranstaltete eine Collecte für die Hinterbliebene Witwe und ihrem zwölfjährigen talentirten Knaben. Die Sammlung ergab den Betrag von 75 fl. Vielleicht findet sich ein edler Menschenfreund, welcher es übernimmt, für die Erziehung und Ausbildung dieses sehr begabten Knaben Sorge zu tragen. Es wäre dies ein edles Werk. Jacob K o h n. F eld s b er g, am 2. August 1895. Heidelberg, 30. Juli. Was ab und zu aus den Geheimnissen der antisemitischen Clowns offenbar wird, ist stets erbaulich — in Baden ebenso gut wie anderswo. So bringt der antisemitische „Volksbote" heute folgenden Vehmebeschluß: „Der früher Schriftsetzer, jetzige Käfthändler Thomas R e u 1 h e r in Offenbach, der früher eine Zeit lang in unseren Diensten stand, aber danach entlassen und aus der Partei ausgeschlossen werden mußte, bereist seit einigen Tagen das badische Unterland, spricht überall bei vermögenden Gesinnungsgenossen vor und trägt ihnen — Landtagscandidaturen an. Wir warnen unsere Anhänger hierdurch ausdrücklich vor dem Treiben des p. Reuther, der von uns in keiner Weise zu seinem Thun ermächtigt ist. Deutschsociale Reformpartei in Baden. Der Vorstand." Früher war Herr Reuther Vertrauensmann der Antisemiten, Redacteur und Wauderredner, heute ist der „P. Reuther" Schriftsetzer und Käsehändler, vor dem man warnen muß. Als er noch den duftenden antisemitischen Quark vertrieb, pries man ihn den „Parteigenossen" als „echt deutschen Mann". Es ist merkwürdig, wie viele dieser „Echt-Deutschen", wenn sie auch nicht zum Käsehandel greifen, den eigenen Anhängern übelriechend werden! Nikolsburg. Vor einigen Tagen weilte eine Deputation der hiesigen israelitischen Gemeinde in Wien-Baden, um den jüngst zu Ehrenbürgern dieser Gemeinde ernannten Herren, Sanitätsrath Professor Os er und Moritz Kohn, Beide Kinder Nikolsburg s, die prachtvoll ausgestatteten Diplome zu überreichen. Herr Kohn machte bei dieser Gelegenheit namhafte Spenden, unter Anderem stiftete er seiner Heimatsgemeinde 3000 Kronen. Tesche«, am 4. August 1895. Im Laufe der verflossenen Woche feierte Herr Sigmund Kohn, Vicepräses und Tempelvorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde in körperlicher und geistiger Frische im Kreise seiner Kinder und Verwandten seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse begab sich der Gesammtauschuß der Cultusgemeinde unter Führung seines wackeren Präses Herrn I. Ph. Glasinger in die Wohnung des Jubilars, um denselben namens der Gemeinde zu beglückwünschen und ihm für seine 35jährige ersprießliche Wirksamkeit im Dienste der Gemeindeverwaltung die wohlverdiente Anerkennung und den wärmsten Dank auszusprechen. Czernowitz. (Verlobun g.)Herr Carl Frankel,Bankbeamter inZastawna, hat sich mit Fräulein Amalie S ob el, Tochter des hiesigen Kaufmannes Herrn E. S o b e l, verlobt. Croatisch-Kreuz am 9.Ab. (BezirksrabbinerLeopold . L ö w). Auf der Erde sitzen heute Gläubige aller Länder und stimmen die Klagelieder des Propheten an, über den Fall der gottgeweihten Stadt. . . Wir jüdischen Bewohner der königlichen Freistadt und unsere Nachbarn haben an dem diesjährigen Bußtage doppelten Anlaß, laute Klagen zu erheben, denn wir stehen an einen frischen Grabes- Hügel: er wölbt sich über die sterblichen Ueberreste eines Mannes, dessen Leben ein gottgeweihtes war, dessen Wirken eine ununterbrochene Kette von Wohlthätigkeitsacten bedeutete. Rabbiner Leopold L ö w, dessen am 26. Juli plötzlich erfolgter Tod Ihnen bereits gemeldet wurde, war ein Weiser in Israel. Von seltener Schärfe des Verstandes, vereinigte Leopold Löw die Weisheit der jüdischen Lehre.mit dem Geiste der modernen Bildung. Welcher Achtung sich Rabbiner L ö w bei der Bevölkerung ohne Unterschied der Confession erfreute, geht ans der Art und Weise hervor, wie sein Leichenbegängniß veranstaltet wurde.