Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 32 (9.8.1895)
- Date
- 1895-08-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Seite 593 1875, im welchem Jahre er als theologisches Mitglied in den Oberrath berufen wurde. Anfangs 1894 trat er nach öljähriger amtlicher Thätigkeit in den Ruhestand und starb am 18. d. M. nach längerem Leiden. Dies ist der äußere Rahmen zu dem Lebensbilde Benjamin Millstätter's. Seine Thätigkeit als Rabbiner und Oberrath war eine gesegnete und erfolgreiche. Er vereinigte gute elastische Bildung mit bedeutender Gelehrsamkeit auf talmudischem Gebiete, seine gemüthvollen Predigten fanden großen Anklang, als Seelsorger erireute er sich eines seltenen Vertrauens, als Lehrer erzielte ec gute Erfolge. In der Synagoge hat er die Neuordnung des Cultus in die Wege geleitet. Eine besonders fruchtbare Thätigkeit entfaltete er auf dem Gebiete des Unterrichtes. Außer dem Religionsunterricht, den er an den Mittelschulen ertheilte. unterwies er fünfzig Jahre lang die israelitischen Zöglinge des hiesigen Lehrerseminars in allen Religionsfächern, so daß die meisten badischen Lehrer ihn als ihren Lehrer verehren. Als Mitglied des Oberrathes sorgte er für die materielle Besserstellung und sociale Hebung des Lehrerstandes; der jetzt geltende Lehrplan für den Religionsunterricht der badischen Volks- und Religionsschulen ist hauptsächlich sein Werk. Sein gemeinnütziges Wirken fand vielseitige Anerkennung. Zu drei verschiedenen Malen wurde er vom Großherzog durch Ordensdecorationen ausgezeichnet. Bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages wurden ihm von der Gemeinde Karlsruhe, den Rabbinern und Lehrern des Landes anerkennende Adressen und kostbare Ehrengeschenke überreicht. In gleicher Weise wurde er zu seinem 50jährigen Amtsjubiläum gefeiert. Bei der Versetzung in den Ruhestand richtete der Oberrath an ihn ein Schreiben, in dem es heißt: „Sie beschließen damit eine mehr als 50jährige Thätigkeit im Dienste der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogthums. Als Sie in denselben eintraten, war die Zahl der an deutschen Hochschulen ausgebildeten Rabbiner noch eine sehr geringe. Mit an der Spitze dieses neuen Rabbinergeschlechtes stehend, haben Sie Ihre Lebensaufgabe darein gesetzt, Verinnerlichung des religiösen Lebens, für Förderung der Sittlichkeit durch dasselbe und sür die Erfüllung der israelitischen Jugend mit echt deutscher Bildung zu arbeiten. Mil Befriedigung und Genugthuung können Sie sich sagen, daß Ihre Arbeit von Erfolg gewesen und daß dieselbe bedeutende Fortschritte im Berekche des israelitischen Cultus und Religionsunterri chtes gezeitigt hat." Das Beileidstelegramm des Großherzogs an die trauernde Witwe lautete: „Mit aufrichtigem Leidwesen erfahre ich das Ableben Ihres Gemahls. Es drängt mich, Ihnen mein Beileid auszusprechen und Sie zu versichern, daß ich Ihrem Gemahl ein dankbares Andenken widme. Auch die Großherzogin schließt sich diesen meinen Theilnahmsäußerungen von Herzen an. Friedrich, Großherzog." So liegt nun ein arbeits- und erfolgreiches Leben abgeschlossen vor uns, und wir dürfen am Ende desselben die Worte ausrufen: „Das Andenken des Gerechten sei gesegnet!" Lübeck. Eine außerordentliche Ehrung bereitete unsere Gemeinde ihrem Rabbiner Dr. Carlebach zu seinem fünfundzwanzigjährigen Amtsjubilänm. Es thut wahrlich wohl, zu vernehmen, welch ein inniges Band von Liebe, Herzlichkeit und hochachtender Verehrung diese Gemeinde mit ihrem geistlichen Oberhaupte verknüpft. „Wer Zeuge dieser herrlichen Feste gewesen, wer den aus der tiefsten Tiefe quellenden Jubel vernommen, die aus allen Blicken leuchtende Gefühlsinnigkeit geschaut, wird erkennen, welchen Schatz von treuer Anhänglichkeit und Werthschätzung unser Herr Rabbiner sich erworben hat." Wie erhebend wirken solche Worte, die von glühendster Begeisterung inspirirt sind, so daß die Liebesgefühle nachempfunden werden. Wie ruhmreich ist solch ein selten schönes Verhältniß für die Gemeinde sowohl wie für ihren gefeierten Seelenhirten. Collegallisch hatten sich zu diesem Freudentage der Landrabbiner aus Emden, der Oberrabbiner aus Altona, wie die Rabbiner aus Wandsbeck und Kiel eingefunden. Aus Berlin war Dr. Hildesheimer zum Jubeltage seines Schülers erschienen. Herr Dr. Carlebach ist aber auch der hohen Auszeichnungen vollkommen würdig. Schreiber dieses erinnert sich mit hohem Vergnügen jenes Sabbaths, den er in Lübeck vor mehreren Jahren verlebt und an dem er in zuvorkommendster Weise vom Rabbiner zu Tische geladen war, den ein lieblicher Kranz von 12 schönen Kindergesichtchen garnirte. Die Kunde seines Jubelfestes, wie die allgemeine außerordentliche Beliebtheit, die dadurch zum Ausdruck gelangte, hat auch ihm ein Frohgefühl freudigster Theilnahme gewährt. Möge Gott diesem seinem frommen, treuen Diener wie seiner anmuthreichen Lebensgefährtin, deren liebenswürdigster Gastlichkeit wir uns erfreuten, noch viele, viele glückliche Jahre in leiblicher und geistiger Frische als Tugendlohn schenken und sie an ihren Sprossen Freuden sehen lassen, daß sich an allen Fämiliengliedern der Spruch erfülle: „Do misxar jomecho amaleh." — Die Lübecker Gemeinde hat trotz der wiederholten Sturm-und Drangbewegungen ihren Conservatismus zu wahren verstanden. Der Rabbiner, eine imponirende Gestalt mit moderner Bildung, erscheint am Sabbath zur Morgenandacht im aufgerollten Talis eingehüllt; der Kopf jedoch ist frei. Nach vollzogener Andacht bleibr ein Kreis von Lernbegierigen im Gotteshanse, um unter Leitung des Seelsorgers ein rabbinisches Buch zu lesen. Wo die Thora noch geehrt wird, erfreuen sich ihre Träger auch der würdigen Anerkennung. Czernowitz 5. August. Die jüdisch-national-akademische Verbindung „Hasmonaea" veranstaltete am 30. Juli in einem Saale der jüdischen Volksschule eine Tifche-be-Abh- Feier, die einen sehr würdigen Verlauf nahm. Die Gedenk. rede hielt Herr stuck, jur. Kammer, in welcher er in ergreifenden und zu Herzen gehenden Worte; die Ursachen der Zerstörung Jerusalems vor Augen führte und hiebei passende Vergleiche mit der gegenwärtigen Lage der Juden anstellte. Wenn Berrath im eigenen Lager und Hunger die Hauptursache der Zerstörung unseres Staates gewesen find, so gefährden heute das Renegatenthum und die elende sociale Lage den Bestand des Judenthums. Beides müsse daher bekämpft werden: erstens durch echt jüdische Erziehung der Jugend, zweitens durch Zuführung des großen jüdischen Proletariats zum Ackerbau. — Der Redner erntete mit diesen Ausführungen den wohlverdienten Beifall des zahlreich erschienenen Publicums. Len. lernet. Wien. (Silb ern e H o chz eit.) Am 21. d. M. feiert der Schriftsteller und Redacteur der „Presse", Herr Johann L i ch t e n st a d t, mit seiner Gattin Bertha das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. Letzten Sonntag fand im Hause des kais. Rathes Herrn Friedrich Vogel die Trauung seiner Tochter Fräulein Josefine Vogel mit dem Großindustriellen Herrn Moritz D o c t o r statt. Herr Dr. G ü d e m a n n, der die Trauung vornahm, feierte in schwungvollen Worten die anwesenden Eltern des Brautpaares, besonders den Vater des Bräutigams Herrn Hermann S. D o c t o r, über dessen Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Nachod wir erst jüngst berichteten. Tiefe Rührung bemächtigte sich des alten Herrn, als der beredte Prediger seines menschenfreundlichen Wirkens gedachte. Tüchtigkeit, gepaart mit Fleiß und Sparsamkeit, hat den Eltern des Brautpaares eine Stellung in der Gesellschaft erworben, wie solche nur Wenigen zu theil wird, mögen sie sich noch lange Jahre an dem Glücke ihrer Kinder erfreuen. (Verlobung.) Fräulein Blanca Holzer hat sich mit Herrn Em. Braun (Fi-rma: E. Braun u. Co.) verlobt. (Jubiläum.) Herr Leopold Hirsch, Procurist der Firma Jacob Neurath, feiert Sonntag den 11. August sein L5jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar, ein überaus tüchtiger und gewissenhafter Beamter, erfreut sich vieler Sympathien. (Or d e nsdecora tio n.) Der deutsche Kaiser hat dem Herausgeber der „Correspondcnz Wilhelm", kaiserlichen Rath Herrn Ignaz Wilhelm, den preußischen Kronenorden verliehen. Dem Decorirten sind aus diesem Anlasse aus dem großen Kreise seiner Verehrer und Freunde die herzlichsten Kundgebungen der Sympathie zugekommen, welchen auch wir uns in wärmster Weise anschließen. Kaiserlicher Gnadenaet. Wie erinnerlich, wurde der Assecuranzbeamte Sigmund P o l l i tz e r, der in Folge einer Interpellation des antisemitischen Reichsrathsabgeordneten Kaiser denselben auf der Straße attakirte, wegen gefährlicher Drohung und Ehrenbeleidigung zu vier Monaten Kerkers verurtheilt. Nachdem er zwei Drittel seiner Strafe abgebüßt hatte, wurde er begnadigt. Nun hat der Kaiser auf Ansuchen des Vertheidigers Dr. Max Neuda alle rechtlichen Folgen der Verurtheilung nachgesehen und auch dieBescholtenheit aufgehoben. Wien, 6. August. („Ferienheim".) Nachdem bereits am 1. August die erste Serie von 50 Mädchen von der Coloniestation Petrau in Mähren zurückgekehrt, und am 2. August die zweite Abtheilung von 50 Mädchen nach demselben Orte zu einmonatlichem Landaufenthalte abgegangen war, kommen am 7. und 8. August 105 Knaben aus den Colonien dieses Vereines in Theresienfeld und Schattmannsdorf zurück und geht am 8. und 9. August die zweite Abtheilung in gleicher Zahl nach denselben Stationen wieder ab. Bei den bereits eingetroffenen Mädchen konnte erfreulicher Weise ein glänzender Erfolg des Colonieaufenthaltes constatirt werden, denn nicht nur, daß das Aussehen der Kinder ein blühendes war. ergab auch die vorgeuommcne Abwage durchwegs eine starke Zunahme des Körpergewichtes. Wien. Am 1. August d. I. fand die Einweihung eines neuen Sefer Thora im israelitischen Bethause in der Brigittenau, II., Webergaffe 20 statt, zu welcher auch die beiden in diesem Bezirks