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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-09 · 32 (9.8.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 592 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 32 Sittenlehre. Es leuchtet ohneweiters ein, daß derartige öffentliche Prüfungen, zumal bei noch größerer Betheiligung, abgesehen von ihrem pädagogischen Werthe, auch für die allgemeine Aufklärung über das wenig gekannte und viel umstrittene Judenthum und seine Sittenlehre von größter Bedeutung werden könnten und es läge daher im Jntereffe der allgemeinen Volksbildung, solche Prüfungen regelmäßig und allgemein einzuführen. Herr Rabbiner Sckidloff hat sich durch die Anregung hiezu neuerdings ein großes Verdienst erworben und es erscheint von diesem Gesichtspunkte aus umsomehr die Anerkennung gerechtfertigt, die dem greisen Lehrer von vielen Seiten für die wohlgelungene Prüfung gezollt wurde. Doctor Schornstein. Graz, 3. August. (A n t i s e m i t i s ch e W ü h l e r e i e n.) Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat in einem Theile der hiesigen Kaufmannschaft die Thatsache,.daß ein Geschäftslocale im Gebäude der Sparcaffe an die Wiener Firma Zwieback vermiethet wurde, eine Erregung hervorgerufen. Das Gremium der Kaufmannschaft richtete eine motivirte Eingabe an die Sparcaffe mit dem Ersuchen, den Vertrag mit der genannten Firma zu annulliren. Die Sparcaffe hat in einem ebenso höflichen als ausführlichen Schreiben dem Gremium geantwortet, daß sie zu ihrem Bedauern dem an sie gestellten Ansuchen nicht entsprechen könne und daß die von ihr ohnedies versuchte einseitige Lösung des Vertrages nicht gelungen sei. In der letzten Sitzung des hiesigen Gemeinderathi s wurde ein Beschluß gefaßt, dessen Tendenz sehr durchsichtig ist. Dieser von den Gemeinderäthen Dr. Gödel, Dr. von Hofmann, Dr. Pan Holzer, Ruder a, Oberandmeyer und Poschacher gestellte und im Plenum zum Beschlüsse erhobene Antrag lautet inseinen wesentlichen Theilen: „Die Erhaltung einer heimischen, wohlbekannten und auf der Grundlage solider Gebahrung gedeihenden Geschäftswelt ist nicht nur mit Rücksicht auf diese selbst, sondern auch mit Rücksicht auf die kaufende Bevölkerung für die Stadtgemeinde Graz von hoher Bedeutung. Zu vermeiden ist daher eine Ueberfluthung des hiesigen Platzes durch Ansiedlung von Firmen, bei denen die Gefahr bestände, daß deren unlauterer Wettbewerb möglicherweise die hiesige Geschäftswelt und somit auch deren Steuerkraft schädigen, anderseits aber der kaufenden Bevölkerung keine Bortheile in Geldersparung oder Waarenwerth bringen könnte. Endlich gebietet es die nationale Ehre der Stadtgemeinde, daß die deutsche Bevölkerung der Stadt nicht durch mißliebige Zuzüglinge in ihrem inneren Werthe beeinträchtigt werde. Geleitet von diesen Erwägungen, beschließt der Gemeinderath der Landeshauptstadt Graz hiemit, in keinen der Stadtgemeinde eigentümlichen Räumlichkeiten Geschäftsleute, von welchen bekannt oder zu erwarten ist, daß sie es auf einen unlauteren Wettbewerb abgesehen haben, in Miethe zu nehmen und auch bei dem Abschlüsse der Mietverträge durch entsprechende Vertragsbestimmungen dafür Vorsorge zu treffen, daß der vorliegende Beschluß nicht im Wege der Aftermiethe umgangen werden könne. Der Gemeinderath der Landeshauptstadt Graz verspricht sich von diesen Maßnahmen umsomehr Erfolg für die einheimische Bevölkerung, wenn, wie er glaubt und hofft, auch die anderen maßgebenden Körperschaften und Factoren diesem Beispiele folgen und in gleicher Weise auf das Wohl ihrer Mitbürger bedacht sein werden." Graz, 6. August. Beim gestrigen Radfahrwettfahren kam es zu einer heftigen Scene zwischen dem „Schriftleiter" Kordon der „Marburger Zeitung" und mehreren Mitgliedern des Radfahrer-Festausschusses. Kordon hatte beim vorgestrigen Rennen Herrn Lurion.,Saujud" zugerufen, wofür er gestern von den Comitemitgliedern in energischer Weise zur Verantwortung gezogen wurde. Die Scene endete damit, daß Kordon den Fe st platz verließ. Kolin. (Gründung des Wohlthätigkeitsvereins »Jehoschua beitoh« in Kol in.) Ein gar trauriger Fall war es, welcher die Veranlassung zur Gründung dieses humanen Vereines gab. Eine erst seit Kurzem hier wohnhafte jüdische Familie verlor plötzlich ihren Ernährer und die Witwe nebst ihren 6 Kindern (des älteste im Alter von 13 Jahren) verblieb thatsächlich ohne rin Brod im Hause und baar jeder Mittel, ein solches kaufen zu können. Kaum, daß die Kenntniß dieses Falles weitere Verbreitung erlangte, .war auch schon für momentane Linderung der äußersten Noth gesorgt und der armen Witwe ein Geldbetrag überreicht, welcher sie und ihre Kinder für die allernächste Zeit zu erhalten im Stande ist, außerdem bildete sich sofort ein Comitß, aus 4 Gemeindemitgliedern estehend, welches eine Sammlung in unserer Gemeinde veranstaltete Und siehe, das jüdische Herz zeigte sich wieder in seinem ganzen Werthe — der Vater der 6 Waisen war noch nicht zu Grabe getragen, und schon war das Comitä in der Lage,' den namhaften Betrag von 400 st. der Witwe übergeben zu können. . Unser verehrter Obmannstellvertreter, Herr Julius Krau s, ergriff die Initiative und berief eine Versammlung für den 4. d. M. ein, welche unter sehr zahlreicher Beiheiligung im Ceremoniensaale der Chewra-Kadischa abgehalten wurde. Nach kurzer Begrüßung der Versammlung beleuchtete der Einberufer derselben, Herr Julius K r a us, in klarer Weise die Nothwendigkert der Schaffung eines Humanitären Vereines, welchen Ausführungen die Versammlung mit Spannung folgte. Seine Worte hatten den Erfolg, daß die Versammlung ein neungliedriges Comitä wählte, welches mit der Ausarbeitung der Statuten betraut wurde.Schließlich wurde dem Herrn Julius k x a it §, mit allseiliger Zustimmung, der Dank der Versammlung votirt. So reiht sich denn unseren bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten ein eminent humaner-Vreein an, dessen Wirkungskreis schon durch seinen Namen „Hilfe zur Zeit" vorgeschrieben ist und welcher zum Wähle unserer leidenden Mitbürger gedeihen möge. lieh. P. London. Unter den neugewählten Parlamentsmitgliedern befiiiden sich acht Glaubensgenossen, u. zw.: Mr. Benjamin Louis Cohen, Sir Julian Goldsmid, Sir Samuel M onta g u, Mr. Harry H. Marks, Mr. Harry S. Samuel, Baron Ferdinand de Rothschild, Baron Henry de Worms und Mr. Arthur Strauß. Letzterer ist Homo novus im Parlament. Paris. General Abraham wurde zum Vertreter des Consistoriums von Constantine (Algier) im Central-Consiflorium gewählt. General See vertritt das Pariser Consiflorium in derselben Corporation. Die Akademie der Wissenschaften hat Prof. Dr. Cohn in Breslau zum correspondirenden Mitgliede der Botanischen Section gewählt. Hannover. In Folge einer längeren Reise ist dem Schreiber dieses die „Oesterreichische Wochenschrift" vom 17. d. M. erst jetzt in die Hände gekommen, worin Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann zur Freude des gesammten Cnratoriums über eine Besichtigung der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover berichtet. In diesem Berichte wird erwähnt, daß bei glücklichem Fortgang der Gärtnerei sich die Anstalt dereinst von selbst erhalten werde. Leider liegt das „dereinst" vorläufig noch in weiter Ferne. Allerdings kann das erfreuliche Ereigniß der Selbsterhaltung nach Verlauf von 8—10 Jahren wohl eintreten, wenn die junggepflanzten Obstbäume erst richtig Früchte tragen, wenn der Boden durch intensive Bearbeitung und Düngung in die richtige Cultur für Gartenbau gebracht ist und wenn für die Zöglinge, namentlich die kleinen schulpflichtigen Knaben, eine, wenn auch nur mäßige Pension bezahlt wird. Abgesehen davon, daß der Betrieb der Gärtnerei bis zu der oben angegebenen Zeit nicht unbedeutende Mittel erfordert, ist es auch der sehnlichste Wunsch des Curatoriums der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem, Waisenkinder ohne jede Vergütung aufzunehmen. Um dies zu ermöglichen, wurden alle wohlhabenden Glaubensgenossen durch einen von einer großen Anzahl angesehener Männer unterschriebenen Aufruf aufgefordert, dieses schon nach seinem kurzem Bestehen von kaum zwei Jahren so segensreich wirkend». Institut durch einmalige und jährliche Beiträge recht kräftig zu unterstützen. Gleich der österreichischen Allianz in Wien und der »Alliance isradlite in Paris soll auch dieses Institut, in welchem sich bereits jetzt 12 Knaben aus Galizien und mehrere Knaben aus anderen Theilen Oesterreichs befinden, der gesammten Judenheit zum Heile gereichen. Das Curatorium bittet daher alle Glaubensgenossen in Oesterreich und Ungarn, gleich denen in Deutschland das junge Werk kräftig zu unterstützen und Beiträge, seien sie groß oder klein, an den Vorsitzenden des Curatoriums Alexander Moritz Simon, Hannover, zu'seitdem Die Früchte ihrer Beihilfe werden ihnen gewiß später Freude bereiten. Hannover, im Juli 1895. K. Löwenstein. Karlsruhe, 30. Juli. lieber das Leben und Wirken des verewigten Oberraths Willstätter, dessen Hinscheiden wir in der vorigen Nummer gemeldet haben, theilen wir Folgendes mit: Benjamin Millstätter wurde am 17. December 1813, dahier geboren. Er besuchte die israelitische Volksschule und später das Lyceum, von 1832 bis 1834 die Universität Heidelberg, wo er philologische, philosophische und historische Vorlesungen besuchte. 1835 legte er das für die badischen Rabbinatscandidaten vorgeschriebene Examen ab. Seine talmudische Ausbi düng verdankte er in erster Reihe seinem ältesten Bruder (ans erster Ehe) Elias Willstätter, der als Substitut des Oberlandesrabbiners Ascher Lob und später als Rabbinatsverweser fungirte. Nach dessen frühem Tode wurde er im Jahre 1842 zunächst zum Rabbinatsverweser und 1847 zum Bezirks- und Stadtrabbiner dahier ernannt. Zugleich leitete er eine Privatiehranstalt, die er 1839 errichtet hatte, mir großem Erfolge bis 1852. 1851 verheiratete er sich mit Auguste Ellnätter, der Schwester des nachmaligen Finanzministers Dr. E l l st ä t 1 e r. Als Rabbiner der hiesigen Gemeinde fungirte er bis

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