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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-09 · 32 (9.8.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
32 (9.8.1895)
Date
1895-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 583 von Kranken sagt Baginsky, das Verfahren, welches den Priestern vorgeschrieben war, sei ein solches, welches die besten Hygieniker der Culturnationen der Jetztzeit nicht besser gestalten können, und dies sei geschehen in einer Zeit, die über drei Jahrtausende hinter uns zurückliegt. Wir schließen mit dem Schlußworte des Verfassers selbst: „Im Einzelnen haben klimatische Abänderungen, neue Lebensgewohnheiten, vorgeschrittene Kenntniß und hochentwickelte Cultur geringe Abweichungen zugelassen; im Ganzen ist des großen Gesetzgebers Gesundheitsgesetz wahr und bestehend geblieben, und wir bewundern, wie schon Peter F rank sagt, die Weisheit der damaligen, bis heute fortwirkenden, auf dem biologischen und physiologischen Wesen der organischen Welt aufgebauten Gesetzgebung. Jahrtausende sind seither an der Menschheit vorübergegangen, zerstreut und vernichtet ist die Mehrzahl der Völker, di e d a s Ges etz n ich t v erst and en haben; e rha lt en blieben diejenigen, die, des Gesetzes fundamen taleWahr heit erkennend, dasselbe in seinen G r u n d z ü g e n ausgenommen und zur Grundlage ihres Daseins gemacht haben. Gesundheitspflege in großem, erhabenem Styl des gewaltigen Gesetzgebers, Ethik u n d C n l t u r d e ck e n s i ch z u m e i st, s i e s i n d d i e Erhalter des Menschengeschlechtes; Mäßigte i t u n d Reinheit im physischen Leben und Ethik u n d M o r a l s i n d d i e A n s f l ü s s e d esse l b e n I n.t e l l e c t s, d e s Verständnisses der g es ammt eN men s ch l i ch en N atnr an l a g e. Wenn wir mit diesem Bewußtsein des Gesetzgebers Vorschriften lesen, so verstehen wir. auch die Worte des Deuteronomiums XXXII, 46, 47 : „Richtet euer Herz auf all' die Worte, durch die ich heute Zeugniß ablege gegen euch, daß ihr sie auftraget euren Kindern zu beobachten, anszuüben all die Worte dieser Lehre. — Denn es ist kein leer Wort, sondern es ist für euer Leben und durch diese Sache werdet ihr lange leben auf dem Erdboden". Und ferner: „Siehe, ich lege heute vor das Leben und das Gute auch den Tod und das Böse, der ich dir heute gebiete, den Ewigen, deinen Gott, zu lieben, in seinen Wegen zu wandeln und zu beobachten seine Gebote und seine Satzungen und seine Vorschriften, daß du l e b e st und dich mehre st". Der Gipfel der Niedertracht. Die antisemitischen Tagesblätter entwickeln bekanntlich einen mehr eifervollen als löblichen Wettstreit, wer den Gipfel der Niedertracht erreichen könne. Der Ausgang des Kampfes variirt, bald ist dieses, bald jenes Blatt führend und spornt so die Rivalen zu immer höheren Leistungen an. Vorige Woche hat das Organ .Sp itzer-Wei m ar's, die „Reichspost", anerkanntermaßen in der erwähnten Richtung das Großartigste geboten und beschämt werden wohl ihre Mitstrebenden gedacht haben: „Wie konnte nur diese Nichtswürdigkeit ersonnen werden?" Es handelte sich um den Fall der armen Cravattennäherin. Die unglückliche Frau war durch Noth und Elend, durch Hunger, Krankheit und Todesfälle so weit gekommen, daß sie eine Veruntreuung an ihrer Arbeitsgeb^rin beging. Ihre Arbeitsgeberin! Ja. sie gab ihr Arbeit — aber kaum einen Lohn. Und als die Noth,. der Hunger immer grausamer an die Thüre der armen Cravattennäherin pochte, da verkaufte sie den ihr anvertrauten Cravattenstoff um den Betrag von sechzig Kreuzern! Der Richter sprach die Unglückliche frei, erhalte geprüft und gefunden, daß sie das Opfer der Ausbeutung und des Hungers gewesen und er ging mit dem Freispruche vor, weil er annahm, die arme Cravattennäherin hätte ihre widerrechtliche That in einem Zustande unabwendbarer Zwangslage begangen. Er sprach sie frei im Sinne des Gesetzes, das da die höchste Gerechtigkeit mit der höchsten Milde vereint. Nun kommen wir zu dem Gipfel der antisemitischen Niedertracht, den das Organ des Herrn Spitzer-Weimar, die „Reichspost", wie es scheint, ohne sonderliche Anstrengung erklommen hat. Man merke wohl: Die arme, christliche Cravattennäherin war das Opfer einer arisch-christlichen Ausbeuterin gewesen. Ferner: Die Wohlthäter, welche die unglückliche Frau für die Zukunft retten wollten, indem sie sie in die Lage versetzten, sich ein Geschäft zu errichten, waren zumeist Juden. Kein sogenanntes „Judenblatt" hatte auch nur mit einem Worte diese Thatsache berührt. Keines sprach von der arischen Ausbeuterin, keines hob die jüdischen Wohlthäter hervor. Niemand kam auf die Idee, aus dem Falle parteipolitisches Capital zu schlagen. Sollte es aber ein mit normalen Sinnen ausgestatteter Mensch für denkbar halten, daß ein Antisemitenorgan auch diesen Fall dazu ausbeuten könnte, eine Anklage gegen die Juden zu schmieden? Die „Reichspost" hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese beispiellose Schändlichkeit zu versuchen und sie hat sie, Dank ihrer unausgesetzten Uebung auf diesem Gebiete, auch vollbracht. Man bleibt starr vor Staunen: Die Ausbeuterin ist eine Arierin, das Opfer eine Christin, die Retter und Helfer zumeist Juden, und doch benützt die „Reichspost" die Gelegenheit, antisemitischen Unflath über die — Juden zu schütten? Es ist unglaublich, aber nichtsdestoweniger wahr. Die „Reichspost" treibt zwar die blöde Frechheit nicht so weit, die confessionellen Berhältniffe in ihr Gegentheil umzukehren, sie lügt und fälscht nicht, daß die Ausbeuterin eine Jüdin und die Retter Antisemiten seien, aber sie erreicht auch ohne dieses Falscherstück den Gipfel der antisemitischen Niedertracht. Spitzer-Weimar's Organ belfert: „Das Hauptorgan der Partei des zinswuchernden Geldsackes hat aus seinem Leserkreise Hunderte von Gulden für die Frau Wundsam gesammelt; ihre Leser können's leicht thun, denn deren eiserne Cassen verdanken ihre Fülle dem Schweiße des arbeitenden christlichen Volkes". Gut gebelfert. Wir wollen, bevor wir von dieser Leistung Abschied nehmen, das thun, was Dr. Lueger bei der Nennung des Namens Wekerle unterließ. So wird von antisemitischer Seite der Wohlthätigkeitssinn der Juden quittirt. Der armen, von einer Arierin ausgebeuteten Christin kommt Hilfe von Juden. Das dient nur dazu, die antisemitischen Leser gegen die Juden aufzuhetzen, die vom Schweiße des arbeitenden „christlichen Volkes" sich mästen. Die edlen, vornehmen antisemitischen Hausherren, an denen es in Wien nicht fehlt, hatten für die arme christliche Cravattennäherin keinen Kreuzer. Das ist ebenso löblich, wie es tadelnswerth ist, wenn die bösen hartherzigen Juden mit ihren Spenden an die unglückliche, bedauernswerthe Christin sich herandrängen. Das ist echte, unverfälschte antisemitische Logik, die aus jenem humanen, welterlösenden Geiste entsprungen, dem das Wort eines Antisemiten entsprang, der einen christlichen Bettler von seiner Thüre mit den Worten wies: „Da wohnt kein Jud'". Lmea. Die Grazer Sparraffe und die Firma Zwieback. Wien, im August. Die teutonischen Grazer besitzen wohl kein vergilbtes Privilegium ä la Saybusch, sie möchten aber dennoch ihre Stadt auf einem anderen Weg „j u d e n r e i n" erhalten. Die Wiener Firma Zwieback hat von einem arischen Kaufmann in Graz ein Geschäft übernommen, indem sie Letzterem das Waarenlager ablöste. Selbstverständlich war die Firma Zwieback so vorsichtig, sich das Verkaufslocale zum Weiterbetriebe des Geschäftes contractlich zu sichern. Dieses Verkaufslocale befindet sich in einem der Grazer Sparcasse gehörenden Hanse. Darüber große Entrüstung und tiefgehende Erregung in der Grazer arischen Geschäftswelt. Das Gr ein in nieder Grazer Kaufmannschaft hält eine feierliche Sitzung

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