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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 576 Dr. Bluch's Wochenschrift. Nr. 31 Leiden zu kämpfen und erreichte das 66. Lebensjahr. Sie war bekannt wegen ihrer Frömmigkeit und stand ihren Gatten während seines vieljährigen Berufes treu zur Seite. Dr. Carl Bettelheim. Der Pnmar-Arzt der internen Abtheilung des Rudolfinerhauses, Privat-Docent Dr. Carl Bettelheim, ist im Alter von 55 Jahren gestorben, nachdem er schon längere Zeit schwer leidend gewesen war und sich zu seiner Erholung vor einigen Monaten nach Hietzing zurückgezogen hatte. Dr. Carl Bettelhcim war einer der angesehensten und geachtetsten Aerzte Wiens und genoß in den Kreisen der Wiener Gesellschaft allgemeines Vertrauen. Sein Tod wird überall lebhaftes Bedauern und innige Theilnahme erwecken. Er war aus der Schnle Oppolzer's hervorgegangen, dessen Assistent er mchrere Jahre lang gewesen, und begründete seinen Ruf als Arzt durch seine ungemein sicheren und zuverlässigen Diagnosen. Durch seine Ruhe, sein sympathisches und liebenswürdiges Wesen wirkte er vertrauenerweckend auf seine Patienten und war schon deshalb allgemein gesucht und beliebt. Neben seiner ausgebrciteten Praxis entfaltete er auch eine rege wissenschaftliche Thätigkeit. Nachdem er 1866 an der Wiener Universität zum Doctor der Medicin promovirt worden war. wirkte 1868 bis 1870 als Assistent Oppolzer's, habilitirte sich 1873 als Privatdocent für interne Medicin und redigirte acht Jahre lang (1870 bis 1878) die „Medicinisch-chirurgische Rundschau". Groß ist die Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die er theils in diesem, theils in anderen Fachbkättern veröffentlichte. Doctor Bettelheim war auch ein sehr humaner und menschenfreundlicher Arzt, der sich die Sorge und Hilfeleistung für die unbemittelten Bevölkerungsclassen sehr angelegen sein ließ. Mehrere Jahre lang wirkte er als Abtheilungßvoistand der Poliklinik, und durch das Vertrauen Billroth's wurde er auf die Stelle als Primar-Arzt im Rudolfine! Haus in Döbling berufen, wo er sehr erfolgreich und verdienstlich thätig war. Sein aufopferungsvolles Wirken war umso höher anzuschlagen, da er schon seit Jahren kränklich und leidend gewesen. Das Leichenbegängniß fand Sonntag 11 Uhr Vornrittags, auf dem Döblinger Friedhofe statt. Unter den Trauergästen waren zu sehen: Senatspräsident Dr. Steinbach, die Professoren Chrobak, Kaposi, Frisch, Ober st ein er, Oser, Störk, Gers uni, Breuer und Julius Mauthner, die Docenten Dr. K ö n i g st e i n, Dr. Freud und H a r 1 m a n n, der Leiter des Eder'schen Sanatoriums Dr. Fürth, die Assistenten des Rndolfinerhauses, zahlreiche Mitglieder des medicinischen Doctorencollegiums und viele Andere. Um 11 Uhr nahm die Trauerfeier ihren Anfang. Cantor Jurb erg von Fünfhaus trug, begleitet vom Chorpersonal, einen Trauerpsalm vor, worauf Rabbiner Dr. Jonathan Wolf an das Kopfende des Sarges trat und dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt. Dr. Wolf schilderte den Todtcn als einen Mann, erfüllt von den reinsten, edelsten und heiligsten Empfindungen, der stets bestrebt war, den Leidenden rathend ui d hilfreich zur Seite zu stehen, als einen Mann der reinsten Menschenliebe, als selbstlosen, uneigennützigen Menschenfreund. Diese glänzenden Eigenschaften habe er schon als Ueberlieterung aus der Schule berühmter Aerzte ins praktische Leben mitgenommen. Der Verblichene war nicht nur ein ausgezeichneter Arzt und Menschenfreund, sondern auch als Gelehrter auf dem Gebiete der Heilkunde hochgeachtet, was auch seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten beweisen. Tief ist cs zu beklagen, daß Dr. Bettelhcim auf der Hohe seines Wissens und Wirkens vorzeitig abberufen wurde. Als der Redner geendet, wurde der Sarg gehoben und zur letzten Ruhestätte getragen. Prag, den 27. Juli 1895. (E r n e n n u n g). Laut Meldung des Verordnungsblattes für die k. und k. Armee vom 23. Juli 1895, wurde Herr Dr. phil. Julius R e a ch, Rabbiner in R a u d n i tz, zum k. und k. Feldrabbiner in d. Res. ernannt und dem Ergänzungs-Bezirke Nr. 42 (Theresienstadt) zugetheilt. Brody. Mittwoch den 31. Juli fand in Brodh die Trauung von Fräulein Juli Herzel, Tochter des Herrn Profeffors und Schuldirectors Dr. Leopold Herzel. mit dem Herrn k. u. k. Lieutenant-Rechnungsführer Jaques Popper des Feldjäger-Bataillons Nr. 30 statt. Dem Brautpaare wurden aus diesem Anlasse von Nah und Fern Zeichen der Sympathien zugemittelt. Luhatschowitz. Donnerstag den 25. Juli fand auf Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Emanuel Leute ans Ungarisch-Ostra im Cursalon ein von Curgästen veranstalteter musikalisch-declamatorischer Abend statt, besten Reinertragniß den armen Curgästen gewidmet war, ohne Unterschied der Confestion Das Comite bemühte sich eifrig, alles Mögliche zu veranlassen, um das Publicum durch entsprechende Leistungen zu befriedigen, und es gelang ihm, den Abend nach jeder Richtung hin zu einem solennen zu gestalten. Berlin, 24. Juli. Herrn Sanitätsralh Dr. I. Blumenthal ist der dänische Danebrog-Orden verliehen worden. Paris, 29. Juli. Der bekannte Strafrechtslehrer Salomon Mayer erhielt das Ritterkreuz der Ehrenlegion. (Salomon Mayer ging bekanntlich vor sechs Jahren, nachdem er vergeblich eine ordentliche Professur an der Wiener Universität angestrebt hatte, in das Ausland.) Paris, 14. Juli. Die Akademie der Wissenschaften hat mit 26 von 32 abgegebenen Stimmen Herrn Prof. Dr. Ferdinand' Cohn- Breslau zum c o r r e s p o n d i r e „ d e u Mitglied für die botanisch^ Section gewählt. Venedig 31. Jnli. Der Versuch eines antisemitischen Wahlcomites, bei den Venediger Gemeindtzwahlen die Jüdin auszuschließen, hat klägliches Fiasco gemacht. Kein Mensch kümmerte sich um jene Herren. Die siegreiche c'lericale Liste enthält auch die Namen von vier Juden. Ein polnisch-jüdischer Magnat. (Historische Novelle.) Die ungesäuerten Brote werden gebrochen, die Gläser in Zwischenpausen geleert, während deren der Hausherr nach einer kurzen und belehrenden Zwiesprache mit dem jüngsten Sohne des Hauses alle die Wunderthaten des Ewigen in jener, zu den Todten gerechneten Sprache aufzählt, in der das Buch der Bücher erhalten und überliefert wurde. Bitterkraut und symbolische Speisen leiten eine vortreffliche zubereitete, reiche Mahlzeit ein, die man mit im Chor vorgetragenen Jubelliedern und allegorischen Gesängen beschließt. Der Hausherr hat sich im Sopha auf die Kiffen zurückgelehnt und betrachtet mit halbgeschloffenen Augen und einem freundlichen Lächeln die Gesellschaft. Der polnische Jude, den er sich als Gast erobert, hat sich ganz nach der Gesetzesvorschrift dem Behagen des Augenblicks hingegeben, denn auch für ihn hat jene historische Rettung stattgefunden, auch ihm verheißt das Fest, das er hier im Schooße einer fremden, ihm nur durch die Religion verbundenen Familie mitfeiert, eine glänzende Zukunft. Heute ist er nicht mehr der Ausgestoßene des Glücks, auf dem der Fluch und der Staub einer unaufhörlichen Wanderschaft lasten, nein, er ist ein Theil jenes vornehmen Volkes, dem Gott eine besondere Leitung angedeihen ließ und das er sein auserwähltes nannte. In die verfallene Gestalt, der so oft der Hohn armseliger Gassenbuben nachschreit, schleicht sich eine Rührung über sich selbst, ein Mitleid, das in seine Augen einen feuchten Glanz sendet. Aber noch rechtzeitig erinnerte er sich daran, daß er heute das Paffahsest feiert, ein Fest der Freude und des Glücks — und die Thräne bleibt ungeweint, nur sein scheuer Blick irrt im Kreise umher, ob Niemand bemerkt hat, was in ihm vorgeht. Es entspinnt sich eine freundliche Unterhaltung zwischen dem Hausherrn und seinen Gästen. „Ich unternahm im vorigen Jahre eine Reise durch die sächsische und böhmische Schweiz", erzählt er unter Anderem, „und besuchte in Dresden das grüne Gewölbe. Unter den dort befindlichen Kostbarkeiten lag auch ein dreikantiges Messer mit einer Perlmutterscheide. Dieser so einfache Gegenstand fiel mir auf und ich dachte darüber nach, welche Denkwürdigkeit ihm den Ehrenplatz unter den Schätzen des grünen Gewölbes verschafft haben könnte. Der Führer gestattete mir eine nähere Besichtigung, und ich erkannte, daß zwei Worte in hebräischer Fracturschrift daraus eingegraben waren." „Kennen Sie die Bedeutung dieses Messers?" fragte ich unfern höflichen Begleiter. „Ich möchte zuvor doch von Ihnen hören, welche Meinung Sie sich über den historischen Werth dieses Messers gebildet haben." „Sehr einfach", erwiderte ich ihm. „Die beiden Worte klären mich genügend darüber auf. Dieses Messer verdankt seinen so ehrenvollen Platz der Erinnerung an eine dem sächsischen Hofe nahestehende Persönlichkeit. Die beiden hebräischen Worte, die darauf eingravirt sind, bedeuten „im Jahr der Welt", sind aber nicht im jüdischen Geiste gehalten, sondern von einem hebräisirenden Christen demonstrativ nach der Analogie des anno domini dem Lexikon nach übersetzt. In allen hebräischen Documenten steht das so und sovielte Jahr nach Schöpfung der Welt, aber nicht wie hier „Jahr der Welt."

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