Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 31 (2.8.1895)
- Date
- 1895-08-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 31 Seite 575 Dr. Bloch's Wochenschrift und besondere Tüchtigkeit, Thatkraft und Solidität sein Haus zu einer Weltfirma erhoben, die thatsächlich bahnbrechend auf dem Gebiete des Weingroßhandels sich bewährte. — Dabei bewahrte sich der Verblichene Sinn und Interesse für geistige Bestrebungen, selbstredend auch solches für sein Volk. Er starb nach längerem Leiden, das er gottergeben ertrug, im 58. Lebensjahre am Eingänge des Trauermonates Aw. Graz. (Wieder Einer.) Das Schicksal aller antisemitischen Führer hat auch den durch sein besonders provocirendes Benehmen bekannten hiesigen Gemeinderath Feuchtinger erreicht. Das Grazer Strafgericht hat nämlich an den Bürgermeister eine Note gerichtet, mit welcher bekanntgegeben wird, daß gegen Feuchtinger eine Untersuchung wegen Mitschuld an schuldbarer Crida und noch anderer diffamirender Delicte im Zuge ist. Oosi tan tntti!. Roznau. (Eine antisemitische Curcapelle.) Aus dem Badeorte Roznau erhalten wir eine Zuschrist, aus welcher wir im Nachstehenden einige Stellen wiedergeben. Der Einsender schreibt uns: „Seit 14 Tagen sind die hier weilenden israelitischen Curgäste speciell seitens der Mitglieder der Curcapelle fortwährenden Verspottungen ausgesetzt. Am 25. Juli ereignete sich folgender Zwischenfall: Während die Curmusik am Morgen spielte, promenirte ein Mitglied der Capelle durch den Park und steckte den dort promenirenden israelitischen Kraulen Musikprogramme in die Tasche oder hinter den Rockkragen, welche mit Caricaturen versehen waren, in denen die Juden verspottet werden. Ein diesbezüglicher Appell an den Capellmeister blieb fruchtlos, ja es kam sogar später noch zu widerlichen Sccnen, indem einzelne Mitglieder der Curcapelle die Curgäste verspotteten. Eine sechsgliedrige Deputation von Curgästen hat sich znm Bürgermeister Herrn Holub begeben und über dieses Treiben Beschwerde geführt. Herr Holub sagte der Deputation in der freundlichsten Weise zu, daß er ihr Genugthuung verschaffen werde." — Wir bemerket: hiezu, daß wir aus dem vorstehenden Schreiben einige Stellen eliminirt hab«n, weil tlns die darin enthaltenen Beschuldigungen gegen die Mitglieder der Capelle fast unglaublich erscheinen. Indessen ist es je genug, wenn es in einem Cu'.orte, in welchem sich, wie man weiß, Schwerkranke befinden, soweit kommen kann, daß Patienten, die ja gerade so gut wie alle llebrigen ihre Cur- und Musiktare erlegen müssen, lediglich wegen ihrer Confession von den Mitgliedern der Curcapelle beschimpft werden, wobei hervorzubebrn ist, daß die Mitglieder dieser Curcapelle ausschließlich aus den Taxen, welche die Kranken ohne Unterschied der Confession zu erlegen haben, bezahlt werden. Mehrere Curgäste haben Roznau s o f o r t v e r l a s s e n und eine Anzahl anderer strikt und trinkt seit drei Tage keine Molke. Der materielle Schade, der hiedurch der Curverwaltung erwächst, ist ein empfindlicher und dafür kann sich die Curverwaltung von Roznau bei ihren antisemitischen Musikern bedanken. Kolornea. (Brutale Mißhandlung eines Knabe n.) Aus K o l o m e a wird uns geschrieben: Am 23. d. M. ereignete sich in unserer Stadt ein Vorfall, der in der Bevölkerung große Erregung hervorrief. Ein vierzehnjähriger Knabe wollte im Garten eines Rittmeisters W. einige Kirschen vom Baume pflücken. Der Rittmeister betrat hiebei den Knaben und ließ ihn durch fünf herbeigerufene Uhlanen in einen Pferdestall schleppen. Dort wurde er mit eisernen Ketten an eine Bank gebunden und in brutaler Weise mit Stockschlägen tractirt. Bald stellten sich beim Knaben heftige Convulsionen und Erbrechen ein. Das hinderte den Rittmeister jedoch nicht, mit geballter Faust auf Kopf und Nacken seines Opfers weiter dreinzuschlagen. Endlich gab der Knabe keinen Laut mehr von sich. Der Officier packte ihn nun und warf ihn über eine drei Meter hohe Planke, wo erleblos liegen blieb. — Das Kriegsministerium wurde auf telegraphischem Wege von diesem Vorfälle verständigt. — Wir müssen die Verantwortung für die Richtigkeit dieser geradezu unglaublichen Begebenheit dem Herrn Einsender überlasten. Paris. Im hohen Greisenalter ist vor wenigen Tagen zu Paris der berühmte Orientalist Josef Derenbourg gestorben, ein Mann, dessen Name mit Recht zu den besten des Judenthums gezählt wird. Josef D er e n b our g war nicht nur ein glänzender Repräsentant des Judenthums in der Wissenschaft, sondern auch derWiffenschaft im Judenthum. Mit anderen Worten: Er hat, indem er selbst die höchsten Stufen menschlicher Gedankenthätigkeit erklommen und für seine eigene Person die größten Ehren und Auszeichnungen errang, damit zugleich seinem Glauben und seinen Glaubensgenossen zu Ehren verholfen. Er vereinigte in sich eine Fülle von Gelehrsamkeit, er war Historiker, Philosoph und Sprachenforscher zugleich, und zwar von seltener Tiefe des Geistes und Schärfe des Denkens. Die hervorragendsten gelehrten Institute schätzten sich glütlih, ihn zu ihrem Mitglieds zu zählen, und in den Annalen des Instituts von Frankreich, dem er angehörte, hat er seinen Namen mit unverwischbaren Zügen eingeschrieben. Josef Derenbourg entstammte einer Mainzer Familie, die nach Frankreich ausgewandert und daselbst zu hohem Ansehen gelangt war. Auch sein Sohn nimmt heute sch in inderwiffenschaftlichen Welt einen hervorragenden Platz ein. London, 19. Juli. Au dein heißen Wahlkampf, der stürmischer denn js zuvor gegenwärtig in England tobt, nehmen auch unsere Glaubensgenossen regen activen und passiven Antheil und die Anzahl der südischenParlamentsmitglieder ist bis heute bereits ans sechs gestiegen. Außer den Herren Baron Ferdinand v. Rothschild, Benjamin Louis Cohen, Sir I u l i a n G o l d s m i d, Sir Samuel Montag u, welche wiedergewählt wurden, wurden die Herren H a r r y H. Marcs, (Sohn des bekannten Predigers Prof-ssors Marx) und H a r r y H. Samuel (Großnefje von Sir Moses M o n t e s i o r e) neu gewählt. Bier Candidaten jüdischen Glaubens sind unterlegen. New-Vork, 15. Juli. Im Laufe der vorigen Woche fand die Prüfung der Las jüdisch-theologische Seminar besuchenden Zöglinge statt. Besonders interessant waren die Beweise der Tüchtigkeit der höheren Classen der Talmudstndirenden, welche von dem geschulten Talmudisten Dr. Jasfe unterrichtet werden. Die Rabbiner Dr. K. Köhler und Dr. Davidsohn sowie Herr M. Ellinger waren bei der Prüfung zugegen. Die Diskussion, welche sich nach dem Lesen mehrerer Stellen des Tractats Nestkin, welcher von Schadenersatzklagen und Schadenersatzansprüchen handelt, entwickelte, legte ein beredtes Zeugniß für die Gediegenheit des Unterrichts ab. Die Schüler waren mit den Fragen, welche den Normen unterbreitet sind, durchaus nicht zufrieden; Vieles, was der Talmud als Norm aufstellt, stellten sie in Frage und legten dadurch das Zeugniß ab, gründlich eingedrungen zu sein in die Rechtsfragen, die dort behandelt werden, sowie disi'n, daß ihr kritischer Sinn durch das Talmudstudium reichlich geschärft und geweckt sei. Die Schüler besuchen selbstverständlich auch össentliche Schulen, wo sie sich allgemeines Wissen aneignen. Einer der Zöglinge hat kürzlich ix: der öffentlichen Schule, welche er besucht, einen Preis erhalten. Die Prüfung fand in den Biblivtheksräumlichkeiten statt, in welchen sich eine ungemein reiche Büchersammlung talmudischen, jüdisch-literarischen und allgemein theologischen Inhalts befindet. Bekanntlich stammt dieselbe aus dem Nachlaß des verstorbenen berühmten Gelehrten Dr. David Cassel. Vermischtes. Wien. Der Leiter des Ministeriums für Cnltus und Unterricht hat erledigte Lehrstellen an Staatsmittelschulen verliehen den Professoren und Lehrern: Professor Leopold Jsak eine Stelle an der Realschule in Elbogen, Professor Siegmund Feitler für die Realschule in Leitmeritz, Dr. Jakob Simon für das Gymnasium in Eger, Dr. Max Singer für die Realschule in Elbogen und zn provisorischen Lehrern an Staatsmittelschnlen ernannt den Supplenten Dr. Samuel Spitzer u. A. m. — Zu commerciellen Beiräthen wurden ernannt: die Herren Ludwig Baron v. Oppenheimer, Moritz Edler von K u ff n e r, Fabrikant David F a n t o, Verwaltungsrath Moritz L a tz ko Fabriksbesitzer Redlich, Reichsraths- und Landtagsabgeordneter Dr. Moritz R o s e n st o ck u. v. A. Wien. (T r a u u n g.) Dienstag den 6. August, 1 Uhr Nachmittags, findet in Erlach an der Aspangbahn die Trauung von Herrn Dr. Emil Adler, Secretariats-Concipisten an der israelitischen Cnltus gemeinde Wien, mit Fräulein Lina Hacker. Tochter des Herrn Simon Hacker, statt. Wien, den 29. Juli. Der Vorstand des Bethausvereines „Bolkert Wien" hat bei der auf den 25. Juli einberufenen Ausschußsitzung mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Samuel Austerlitz zu einer im Bethaustempel II., Fugbachgasse 7 abzuhaltenden Probepredigt für Samstag den 3. August einzuladen und hat an Se. Ehrwürden nachstehendes Schreiben gerichtet: Der gefertigte Vorstand des Bethausvereines „Bolkert Wien" beehrt sich Euer Ehrwürden die Mittheilung zu machen, daß bei der auf den 25. Juli einberufenen Ausschußsitzung stimmeneinhellig der Beschluß gefaßt wurde, Euer Ehrwürden zu einer im Vereinstempel II., Fugbachgaffe 7 abzuhaltenden Probepredigt für Samstag den 3. August einzuladen. Indem der gefertigte Vorstand Ihre bereits vorher geäußerte Zustimmung hiezu zur freudigen Kenntniß genommen hat, erlaubt er sich Euer Ehrwürden bekannt zu geben, daß der Gottesdienst um 9 Uhr Vormittags beginnt. Wien, den 29. Juli 1895. Dr. Kohn Ad. Schramek m. p. II. Schriftführer. Obmann. Wien Montag den 29. Juli starb im 66. Lebensjahre Frau Katharina L ö w i t, geborene Fischer, die Gattin des verstorbenen langjährigen Direktors der Wiener Talmudthoraschule. Die Heimgegangene hatte viele Jahre mit körperlichen