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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 574 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Nr. 31 Das Urtheil, welches eine für mich sehr maßgebende Persönlichkeit, der Rector der hiesigen israelitisch - theologischen Lehranstalt, über dieses Buch fällte, lautet mit vollster Präcision dahin: Es sei eine Apotheose des Christenthums; Ich hatte hiedurch eine solche Aversion gegen diese Schrift gefaßt, daß ich sie nicht mehr lesen wollte, und ich wurde hierin noch bestärkt, da ich in keinem jüdischen Blatte — mit Ausnahme der in diesem geschätzten Blatte gebrachten Anzeige — auf eine Besprechung dieses Buches stieß, welches ein so hochwichtiges, das Judenthum und seine Geschichte so eng tangirendes Thema behandelt. Gewiß, das Buch muß ein judenfeindliches sein, so dachte ich, und ließ es bei Seite liegen. Inzwischen aber fand ich Gelegenheit, vielfache Urtheile von hervorragenden christlichen Gelehrten über das in Rede stehende Buch zu lesen. Da fand ich, daß von dieser Seite selten noch eine von einem jüdischen Gelehrten verfaßte Schrift mit solchem Respect und solch tiefem Ernst bei so großem Widerspruche behandelt wurde. Ich wurde schon stutzig, als ich die ersten Worte der in Nr. 3 dieses Jahrganges des vom Prof. Dr. Ehr. E. Luthard in Leipzig herausgegebenen „Theol. Literaturblatt" erschienenen, nach verschiedenen Richtungen sehrbeachtenswerthenRecension las; daheißt es: „Diese Arbeit vereinigt die Vorzüge und die Mängel der auf di.; Entstehung des Christenthums bezüglichen Untersuchungen der jüdischen Gelehrten in sich . . . ." Und welches sind die Mängel? Die Verherrlichung des Judenthums auf Kosten des Christenthums! Die rein sachlich gehaltenen Anerkennungen des von Pastor Herm. Barth herausgegebenen „evangelischen Archivs", ferner des „Theolog. Literaturberichtes", die vielfach rühmenden und widersprechenden Ausführungen des Hoscaplans Dr. A. Fischer-Colbrie. Director am Augustineum, wie in dem „Oesterr. Literaturblatt" und noch viele andere Besprechungen, sie lehrten mich, daß hier eine ernste wahrheitsforschende Schrift vorliege, die nicht einseitig behandelt werden darf, wenn schon gegnerische protestantische und katholische Gelehrte, welchen der Hauptgedanke des Buches in innerster Seele widerstrebt. das Werk und vielfache Anregungen anerkennen. Von einer Apotheose des Christenthums aber, als welche Herr Rector Schwarz diese Schrift charakterisirt, ist bei den christlichen Beurtheilern nichts zu merken, ganz im Gegentheil! Im „Literatur- Bericht für Theologie", herausgegeben von Balduin Müller (Leipzig) VIll 1895, heißt es vielmehr wörtlich: „Die Schrift ist eine Verherrlichung des Judenthums und eine Herabwürdigung d es Christen th ums." Das letztere wird seiner Selbstständigkeit und göttlichen Abkunft entkleidet und als bloßes Product des mit hellenischer Bildung versetzten Judenthums hingestellt. Zu diesem Zwecke macht er die christlichen Therapeuten zu vorchristlichen Juden und beweist dann leicht, daß man schon vom Boden des Judenthums aus zur Vollkommenheit und Gottesnähe gelangen könnte. Alles Nichtjüdische wird vom Verfasier geflissentlich todtgeschwiegen, so daß das Werk stark an Einseitigkeit leidet. Um so nöthiger ist es daher, auf gegenteilige Schriften hinzuweisen, wie z. B. Bousset: die Predigt Jesu im Gegensatz zum Judenthum. Soweit unser Pfarrer. Wer nun hat Recht, dieser oder Rector Schwarz? Ist die Schrift eine Apotheose des Judenthums, wie unser Pfarrer behauptet, oder eine Apotheose des Christenthums, wie Rector Schwarz vorsorglich warnt? Wie sagt doch Heine von den beiden disputirenden Langröcken? Ein jüdischer Theologe. Correspondenpn. Wieu. (Vertrauenskundgebung.) Die Mitglieder des polnisch-israelitischen Beihausvereines haben Herrn Ignatz Zolles eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Adresse überreichen lassen. Die Adresse hat folgenden Wortlaut: An Se. Wohlgeboren Herrn Ignatz Zolles! Die Unterzeichneten Mitglieder des israelitischen Synagogen- Vereines „Beth Israel" beehren sich, Euer Wohlgeboren für Ihre werthvollen Leistungen, insbesondere aber für Ihre hervorragenden Verdienste um den Synagogen-Verein, welche sich Euer Wohlgeboren wieder durch die ehrenvolle und mannhafte Stellungnahme anläßlich der jüngsten Anstellung eines Vereins-Rabiners erworben haben, ihren tiefgefühlten Dank auszusprechen. Indem die gefertigten Mitglieder sich noch erlauben, dem vollen und unerschütterlichen Vertrauen in Euer Wohlgeboren Hiemil Ausdruck zu verleihen, knüpften sie daran die Bitte, diesem Vereine auch in Zukunft Ihre, die Interessen des Vereines fördernde verdienstvolle Thätigkeit widmen zu wollen. In dankbarer Verehrung: (folgen die Unterschriften). Marienbad. In diesem von unseren Glaubensgenossen mit besonderer Vorliebe ausgesuchten herrlichen Weltcurorte wagt sich glücklicher- und erfreulicherweise der Antisemitismus nur äußerst selten und verschämt hervor. Eben deshalb verdient eine unverschämte Ausnahme besonders bemerkt zu werden. — Die Waldquelle und ihre Umgebung ist ein vielbesuchter Versammlungsort des Eurpublicums. Zu Mittag concertirt daselbst die ausgezeichnete Curcapelle, Jud und Christ, Aristokrat und Bürgerlicher lauschen friedlich der Weisen und ergehen sich im kühlen Waldesschatten. Der Photograph Ernst Pflanz hat daselbst einen Schaukasten ausgestellt mit von ihm angefertigten Lichtbildern. Eines darunter stellt fünf arg carikirte, defecte Kaftanträger dar: „Waldidylle". Ein alter, aber geschmackloser Scherz. Das Gegenstück hiezu ist eine ähnliche Gruppe: Dieselben Personen in übertrieben grotesker Weise widerlich arrangirt und darunter stehen die Worte: „N ü h a b'n m e r b e z o h l t f ü n f Gülden für de Cürtax — werd'n mer trinken für 10 Gülden." Ja, der Herr Pflanz ist ein sehr geistvoller Mann! Und er stellt diese abscheulichen Zerrbilder, die Modelle existiren gar nicht, sondern wurden, wie eingezogene Erkundigungen bestätigen, mittels Schminken und Perrücken und falschen Nasen eigens zu dem antisemitischen Zwecke präparirt. Das wird an einem Orte ausgestellt, wo viele galizische, russische und polnische Juden vorüber müssen!! Wir sind der Ansicht, daß der C u rgast auch ein Gast ist und auf alle Rechte eines Solchen vollen Anspruch hat. Er läßt sein gutes Geld, und gar nicht wenig, in dem Badeorte und darf verlangen, dafür mit Achtung, Anstand und Höflichkeit behandelt zu werden. Der „Pflanz" des Herrn Pflanz ist nichts als eine ebenso geistlos alberne als häßliche Geschmacksverirrung. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, daß die anstößigen Bilder von der öffentlichen Schaustellung entfernt und blos im Atelier des Herrn Pflanz an Antisemiten und Solche, die cs werden wollen, verkauft werden. Ein alter Marienbader Curgast. Netschetin,24. Juli. Am 2. Juni d.J. war hier die erste Ueberschwemmung und wurde dar Häuschen des Binders Friedrich Wohlrab ganz unter Wassergesetzt. MittenindieserAusregung kam im besagtenHanse einZimmerbrand zum Ausbruch und wurden somit die gänzlichen Fahrnisse in Folge der Ueberschwemmung und des Brandes, so auch ein Theil des Häuschen zerstört. Die Familie Wohlrab stand somit arm und verlassen da, und Niemand von ihren christlichen Glaubensgenossen nahm sich ihrer hilflosen Lage an, denn speciell zum Leben fehlten ihr die nöthigen Mittel. Der hiesige Kaufmann Richard Herrmann — ein Jude — unternahm sofort Schritte, um Mittel dem Beschädigten in die Hand zu geben, damit er mit seiner Familie vor momentanen Hunger geschützt sei. Obiger Kaufmann Herrmann erließ einen Aufruf in der Zeitschrift „Bohemia", worin er alle Wohlthäter bat, sich der Familie Wohlrab anzunehmen und jene mit einer Gabe zu beschenken, was auch zur Folge hatte, daß ein Betrag von 48 fl. dieser hilflosen Familie übergeben werden konnte. Man ersieht aus diesem Falle abermals, daß der Jude eher ein Mitgefühl für seinen Mitmenschen hat, als der Christ, denn jene gaben der verunglückten Familie nur Trostesworte, mit denen man aber eine ganze Familie vor Hunger nicht schützen kann! Nachod. Der Gemeinderath der Stadt N a ch o d hat den Großindustriellen Herrn Hermann S. D o c t o r ob seiner Verdienste, die er sich um die Stadt erworben, dadurch geehrt, indem er ihn einstimmig zum Ehrenbürger ernannte. Diese wohlverdiente Auszeichnung, die unserem Glaubensgenossen zutheil wurde, ist um so bedeutungsvoller, als bis zum heutigen Tage kein Jude das Bürgerrecht der Stadt Nachod erhalten hat. Unter den Stiftungen, die Herr Doctor für die Stadt Nachod gemacht, befindet sich eine für jüdische Arme, die erst jüngst die Genehmigung der Statthalterei erhalten hat. Klosterneuburg, 23. Juli. Heute Nachmittags fand unter zahlreicher Betheiligung von hier und auswärts, ebenso von Andersgläubigen die Beerdigung des allzufrüh seiner Familie und dem Judenthume entrissenen Herrn Heinrich Löwenherz statt. Derselbe entstammt einer sehr angesehenen Familie in Brody und ha! durch rastlose Thätigkeit

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