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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 573 Festes auf den 18. October, um es so mit dem Dank- und Erinnerungsfeste der Völkerschlacht bei Leipzig zu einem Feste zu verschmelzen. Nachdem er die naheliegenden praktischen Gründe, die hierfür sprechen, kurz dargelegt hat, fährt Goethe fort: „Und dann läßt sich in keinem Sinne ein höheres Fest finden, als das aller Deutschen. Es wird von allen Glaubensgenossen gefeiert und ist in diesem Sinne noch mehr als Nationalsest: ein Fest der reinsten Humanität. Niemand fragt, von welcher Coufession der Mann des Landsturms sei, alle ziehen vereinigt zur Kirche und werden von demselben Gottesdienst erbaut; alle bilden einen Kreis ums Feuer und werden von einer Flamme erleuchtet. Alle erheben den Geist, an jenen Tag gedenkend, der seine Glorie nicht etwa nur Christen, sondern auch Juden, Mohammedanern und Heiden zu danken hat. Man denke sich nun den Geist von diesem großen Weltfeste zurück auf ein speciales Kirchenfest gelenkt,' an welchem ein reines Gemüth oft keine vollkommene Freude haben kann, weil man an Zwiespalt und Unfrieden, ein ungeheures Unglück einiger Jahrhunderte erinnert wird, ja. was noch schlimmer ist, daß er sich sagen muß, daß er sich hon Denjenigen, mit denen er sich vor vierzehn Tagen aufs Innigste und Kräftigste verbunden gefühlt, trennen und sie durch diese Trennung kränken muß. Und gerade die Freude einer liebevollen Eintracht wird man hier mehr vermissen als die Feuerfackeln und Erleuchtungen aller Art, welche freilich nicht zu wiederholen sind. Kein protestantischer Staat, in welchem nicht Katholiken sind; diese werden sich in ihre Häuser verschließen, so wie umgekehrt in katholischen Staaten der geringer« Anzahl von Protestanten nur in aller Stille ihr Fest zu feiern vergönnt sein würde." Chauvinistischer Wahnsinn. Im Globus, Bd. 19, S. 299 lesen wir: „Weiland Kaiser Rudolph's des Zweiten Kanzler. Johann Jacob Curtius (geb. 1554) war ein gewaltiger Slave und im Patriotischen Uebereifer vindicirte er alles Große und Herrliche seiner Nationalität. Nach ihm war Ana krön nicht zu Teos in Jonien, sondern in der Umgebung von Leitom ischl geboren; auch das berühmte Buch des Thomas a Kempis „von der Nachfolge Christi" stammte nicht von diesem, sondern von einem Slaven her. Das Geschichtchen von Jan Kuttenberger, welchcr die Buchdruckerkunst erfand, düs wir unten näher besprechen werden, war ihm gleichfalls schon bekannt. Curtius belegte alle seine Ansichten mit gelehrten Gründen, die ihn jedoch keineswegs vor dem Flucke der Lächerlichkeit bewahren konnten. Sein Nachfolger war der Erfinder des Panslavismus. Der Slowake Jan Kollar, der fürs Slavische hochbegeisterte Mann, hatte weite Reisen unternommen; wo er hinkam und etwas Gutes sah, wußte er sofort den slavischen Ursprung desselben nachzuweisen. Berüchtigt geworden ist in dieser Beziehung seine: „Reisebeschreibung über eine Reise nach Oberitalien und von da über Tirol und Baiern, mit besonderer Berücksichtigung ans stavische Lebenselemente, beendet im Jahre 1841" (Pesth 1843). Das Resultat der antiquarischen Untersuchung soder Phantasien) Kollar's findet sich S. 204 in folgenden Worten zusammengezogen: „Mit einem Worte, Geschichte und Geographie, Sprache und Sitten und tausend andere Veranlassungen und Umstände liefern den unumstößlichen Beweis, daß schon in der Urzeit, vor den Römern und Kelten, nicht nur in ganz Oberitalien, in der Lombardei und im Venetianischen, sondern auch in der Schweiz, in Tirol und einem Theile Baierns, in Rhätien und Noricum Wendoslaven wohnten, und daß der Baum des italienischen Lebens seine Wurzel in slavischem Boden hat." Felix Faure und die Inden. Auf eine Ansprache des Großrabbiners von Bordeaux an den Präsidenten der französischen Republik Felix Fnure antwortete dieser: „Ich danke Ihnen, Herr Großrabbiner, für die Versicherungen und die Wunsche, die Sie mir überbrachten. Sie haben allen Grund, beruhigt zu sein; die Regierung wird immer von Gleichheitsgefühl und Gerechtigkeit für all; Burgerbeseelt sein. In angenehmer Weise erinnerten Sie mich au meine Reisen. Während meiner Anwesenheit in der Krim hatte ich Gelegenheit, die taraitischen Inden kennen zu lernen, und ich kann ihren Fleiß, ihre Intelligenz und Uneigennntzigkeit Jedermann bezeugen." Die Inden als Ackerbauer. Der Präsident des landwiribschaftlichen Institutes und der Gartenbangesellschaft in M o h i l •„ u> am Dniepr, Hofrath Jeserskij, prrblieirt im „Smolenskis Wjestnik,, folgenden Bericht: „Unter den Käufern voir Samen in dem von mir geleiteten Institute bemerkte ich viele Juden, die den Bauern zum Verwechseln ähnlich sahen. Ich stellte Nachforschungen an und erfuhr, daß ein Verein gebildeter Inden, ohne Reclame und Prahlerei, in der Nähe von Mouilew eine Anzahl landwirthschaftlicher Farmen gegründet habe, die ausschließlich von Juden bebaut und bearbeitet werden. Sämmtliche von mir besichtigten jüdischen Ackerbau-Colonirn besinden sich in blühendem Zustande. Gleichzeitig habe ich eine Reihe von Gärten besichtigt, die von Juden bebaut werden und die allen Anforderungen des modernen Gartenbaues entsprechen. Es muß hinzugefügt werden, daß die Juden in diesen Colonien ausschließlich dem Acker- und Gartenbau leben. Wir erachten es deshalb für eine Pflicht, diese Thalsache zur öffentlichen Kennlniß zu bringen. Wir sind verpflichtet, diesen ehrlichen Juden die weitestgehende Unterstützung angedeihen zu lassen, um die Beschuldigung, als ob die Juden dem Ackerbau nicht gewachsen wären, völlig zu widerlegen." Auf Grund dieses Berichtes hat der Gouverneur von Mohilew, Staatsralh Sino wjew, über die Erfolge der Juden als Ackerbauer an das Ackerbauminlsterium Bericht erstattet und den Juden die Unterstützung des Staates zugesichert. Roms List und Asias Bölkerpest. Die „U n v e r f ä l s ch t e n Deutschen Worte" dom 16. Heumonat bringen folgende Verse: „Und ob sich uns entgegenstellt In Chorhemd und Küraß Die Dummheit einer Welt — Sie hemmt nicht mehr des Volkes Haß, Denn siegen muß, was wurzelecht. Vor unserm Ansturm fällt Roms Licht und Asias Bölkerpest Todfeind deutscher '"'elt!" Die geistlichen Förderer der Antisemiterei dürften von diesem Erzeugnisse „deutschen Geistes" nicht sonderlich erbaut sein. Emin Paschas Glaubensbekenntnis. Herr Julius Edward Cohen in New-Aork, welcher eine Reihe von Jahren in Afrika znbi achte und dort in einem intimen Verhältriß zu Emin Pascha stand, liefert in den Spalten des Blattes „Jewifh South" einen interessanten Beitrag zu Emin Paschas, bezw. Dr. Eduard Schnitzer's, wie er ursprünglich hieß, llt-Beitritt zum Protestantismus und später zum Mohammedanimus. Beide waren in Tripolis am Vorabend des Versöhnungsfestes zusammen und besuchten gemeinschaslich die Synagoge. Hierbei äußerte sich Emin Pascha zu seinem Freunde folgendermaßen : „Daß ich ein jüdischer Renegat bin, weißt Du. Nun, trotz meines Uebertritts zum Christenthum und später zum Islam habe ich nie ausgehört, meiner Religion treu zu bleiben, in der ich geboren und später auferzogen worden bin. Ja, ich sehe täglich vor meinem Geiste meine geliebte Mutter und besonders an diesem Tage, wo sie Alles für den heiligen Abend vorbereitete. Ich gedenke noch der eigenthümlichen Kuchen, die wir zum Abendmahle erhielten, und wenn wir nach Beendigung desselben, meine Schwester Cäcilie und ich, vor die gute Seele hintralcn und sie, indem sie ihre Hand ans unsere Köpfe legte, uns mit einer Innigkeit segnete, wie eben nur eine Mutter segnen kann. O! Glaube mir, es ist außerordentlich bart, so dazustehen, wie ich jetzt dastehe, ohne Vaterland, ohne Familie, ohne Glauben. Nein, Religion habe ich. nur äußerlich habe ich meinem Glauben entsagt, innerlich wurde ich demselbennie entfremdet." Herr Cohen war es auch, der nach Emins Tode seine Tochter Ferida, als letztes Vermächtniß des Freundes, nach Deutschland brachte. Das neue Heilserum Dr. Marmoret's. Wir haben wiederholt über das neue Heilserum, welches Dr. Alexander Marmore! im Institute Pasteur in Paris in dem „Antistreptococcen-Scrum" darzustillen gelungen ist, Miltheilnngen gebracht. Nun enthält das letzte Heft der „Wiener Medicinischen Wochenschrift" eine eingehende Darlegung über dieses Serum von Dr. Marmorek selbst. Nach einer Schilderung der Schwieiigkeiten, jene große Menge von heftig wirkendem Virus zu erzeugen, welche zur Darstellung dieses Serums nöthig ist, erörtert Dr. M a r m o r e k die Methoden der Jmmunisirnng, die nicht an den sogenannten Versuchskaninchen, sondern an Schafen, Eseln und Pferden vorgenommeu wurden, um dann endlich bei den Menschen zur Anwendung zn gelangen. Die therapeutischen Versuche wurden vonr Februar bis zum Juli dieses Jahres an 41B Kranke vorgenommen und ergaben, wie die ausführliche Krankengeschichte mittheilt, im Allgemeinen ein sehr günstiges Resultat. Zum Schlüsse seiner Abhandlung bekennt Dr. Marmorek, daß er sich wohl bewußt sei, wie viel Vorsicht nvthwendrg ist, wenn es sich darum handelt, ein neues Heilmittel zu bcurtheile». Dr. Marmorek will mit der nüchterne,r Darstellung der von ihm vorgebrachten Thatsachen de» Aerztcn lediglich den Wunsch einfößeu, das neue Serum in Anwendung zu bringen, wobei er offen erklär!, daß dieses neue Heilmittel „n o ch n i cht an jenem Grade von Heilkräftigkeit" angelangt ist, bis zu welchem er und sein Mitarbeiter in Paris es zu steigern hoffen. Verwirrende Uriheile. Bor einem Jahre erschien in Wien ein Buch, betitelt - „Zur Entstehnngsges-'ichte des Christenthums, ein Excurs von der Septuaginta zum Evangelium. Von M. Friedl ä n d e r", von welchem seither vielfach gesprochen wurde.

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