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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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«AMJUjyuj. tu ltamjyw - -'. i-mA^a Seite 570 Dr. Bloch's WochenlÄrrifk. Nr. 31 t t .>• Vf.;;C' -' ff ' f; Blatt im gegenwärtigen Wahlkampfe nicht entbehren können, aufgerührt worden. Und was sagt nun hierauf der fromme und ehrenhafte Lueger? In einer Wählerversammlung, die er am 23. Juli in Margarethen abhielt, erklärte er — wir citiren den in diesem Falle gewiß maßgebenden Bericht des „Deutschen Volksblatt" — gegenüber den Deutschnationalen wörtlich, „die Geschichte mit Vergani gehe ihn nichts an, er habe damit nichts zu thun". „Sie sollen", fuhr Herr Lueger fort, „meinetwegen Herrn Vergani auf dem Spieße braten, das ist mir gleich, sie sollen dem Manne auf den Leib rücken, vielleicht thun sie ihre Christenpflicht, ich weiß es nicht. Ich und . meine Partei haben aber mit dieser Sache nichts zu thun, wir sind unabhängig nach alle Richtungen." Und weiter, bemerkte Herr Lueger, er und seine Partei schließen sich dem „Schimpfen gegen Vergani" nicht „sofort" an, der Kampf gegen Vergani datire erst seit Begründung des „Deutschen Volksblatt", die ihm Schönerer nicht verzeihen könne. Man „flunkere" auch immer mit Geschichten herum, die in Mühldorf geschehen seien. „Lassen Sie mich", rief Herr Lueger entrüstet aus, „mit diesen Dingen in Ruhe, dieselben gehen mich nichts an und kümmern mich nichts!" — so zu lesen im „Deutschen Volksblatt" vom 24. Juli! Vergani ist der Landtags-College Lueger's und als solcher sein parlamentarischer Clubgenoffe. Trotzdem erklärt der Chef der Partei, es kümmere ihn nichts, wenn gegen jenen Mann der Vorwurf des Diebstahles und der Veruntreuung erhoben wird. Dagegen kümmert sich Herr Lueger um andere Dinge. Er beschuldigt die liberale Partei der Corruption und Protection, weil eine arme Frau eine Conceffion für eine Branntweinschank erhielt. Das ist in seinen Augen ein viel schwereres Verbrechen, als wenn sein Parteifreund und journalistischer Sango Pausa Vergani Amtsgelder veruntreut! Auf der einen Seite wird aus einer Mücke, ein Elefant, auf der anderen aus einen Elefant ein Mücke gemacht. ,,Deutsche Treue". Die antisemitischen Blätter — nämlich die „Reichspost". das „Deutsche Bolksblatt" und die „Deutsche Zeitung" — veröffentlichten am 24. Juli folgendes Kommunique: In der gestrigen Sitzung des christlichen Central-WahlcomitSs wurde nebst der Besprechung wahltechnischer Fragen auch zu der von Georg Schönerer seinen Parteigenossen anbefohlenen Wahlenthaltung bei den bevorstehenden Gemeinderathswahlen Stellung genommen und dieser Versuch einer Störung der Einigkeit der antisemitischen Parteien allseitig in der schärfsten Weise verurtheilt. Ohne Unterschied der besonderen Parteistellung bezeichneten sowohl die ehemaligen Gemeinderäthe der deutschnationalen, wie der christlich-socialen Partei die Wahlenthaltung in diesem Augenblicke schwersten Kampfes als einen tr e u l o s en Berrath am christlichen und deutschen Volke, der mit allem Nachdrucke zurückgewiesen werden müsse. Namens der ehemals Schönerer'schen Richtung verurtheilte der gewesene Gemeinderath Hipp ein solches nur im Interesse des Judenthumes gelegenes Treiben, während Reichsrathsabgeordneter P o l zhofer namens seiner engeren Parteigenoffen mit Recht hervorhob, daß Derjenige, der im gegenwärtigen Augenblicke die Einigkeit störe, ja sogar Wahlenthaltung empfehle, für immerwährende Zei ten das Recht verloren habe, sich einen d ent schen Mann zu nennen. Hierauf wurde folgende Resolution mit allen gegen vier Stimmen angenommen: „Das Central-Wahlcomite spricht sein tiefstes Bedauern darüber aus, daß von Seite eines Mannes, welcher von der Führung seiner Partei zurückgetreten ist, den christlichen Wählern Wiens die Wahlenthaltung bei den bevorstehenden Gemeinderathswahlen empfohlen wird. Es erkennt in diesem Rathe ein nicht blos die Einigkeit des christlichen Volkes gefährdendes, sondern auch die Jntereffen desselben auf's Tiefste schädigendes Vorgehen, welches nur der judenliberalen Partei zum Nutzen gereicht. Die Mitglieder des Central-Wahlcomitßs verpflichten sich, bei jeder Gelegenheit, insbesondere aber bei den Versammlungen, gegen die Störer der Einigkeit der antisemitischen Parteien, ob solche sich in der Presse bethätigen oder in den Versammlungen als Redner auftreten, mit aller Entschiedenheit vorzugehen und deren gemeinschädliches Treiben in gebührender Weise zu brandmarken." Diese Resolution wurde mit Ausnahme der Herren Leitner, Rissawec, Sauerdorn und Wieder von sämmtlichen anwesenden Mitgliedern des Bürgerclubs sofort unterfertigt. Mer auch die Herren Leitner, Rissaweg, Sauerborn und Wieder fühlte,, sich veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: „Wir mißbilligen auf das Entschiedenste die Wahlenthaltung bei den bevorstehenden Gemeinderathswahlen, erklären es vielmehr als die heiligste Pflicht eines jeden ehrlichen, deutschen Mannes, für die Candidaten des Ceutral-Wahlcomitäs des Bürgerclubs des Wiener Gemeinderathes, ohne Unterschied, ob sie christlich-social oder deutschnational sind, zu stimmen. Wir verpflichten uns zugleich, bei jeder Gelegenheit, insbesondere aber in den Versammlungen gegen die Störer der Einigkeit der antisemitischen Parteien, ob solche sich in der Presse bethätigen oder in Versammlungen als Redner auftreten, mit aller Entschiedenheit vorzugehen und.deren gemeinschädliches Treiben in gebührender Weise zu brandmarken." Durch diese Kundgebung erscheint mindestens seitens aller zurechnungsfähigen und ernst zu nehmenden Faktoren auch im deutschnationalen Lager die Einigkeit sämmtlicher christlichen Parteien hergestellt und es wird nunmehr mit voller Kraft an der einheitlichen Organisation der Gemeinderathswahlen gearbeitet werden. Die „Deutsche Ztg." verkündigt triumphirend, daß durch dieseKundgebungen die„Einigkeit sämmtlicher christlicherParteien" hergestellt ist. In einem alten Studentenliede heißt es: „Mit Männer sich geschlagen, mit Weibern sich vertragen, das ist des Deutschen Art!" Wir schlagen folgende Variante vor: „Mit Schönerer sich schlagen, mit Dieben sich vertragen, das ist des Deutschen Art!" Inzwischen hat Lueger gegen Schönerer ein Haberfeldtreiben eröffnet in den verschiedensten Wählerversammlungen. Selbst Leute, die keinen Grund haben, mit Herrn Georg Sch ö nerer zu sympathisiren, werden von dem Vorgehen der clericalen Antisemiten und ihres sozusagen deutschnationalen Anhangs gegen den Mann, dem sie eigentlich doch ihr Empo:kommen zu verdanken haben, angewidert sein. Deutsche Zucht und Sitte! Vor uns liegt die „Deutsche Zeitung" vom Samstag den 20. Juli. Auf Seite 5, Spalte 1 wird anläßlich der Affaire Ca st an in Berlin von der „cynischen Moral der semitischen Stammesgenoffen" gesprochen und dem „Vorwärts" der Text gelesen, weil er über jenen Vorfall nicht wirklich entrüstet ist. sondern nur den sittlich Entrüsteten spielt. Auf derselben Seite, Spalte 2, plaudert ein Local-Chroniker über die Hetze folgendermaßen: „Im Verlaufe der letzten acht Tage beglückte eine Schule nach der anderen die Herzchen der Kinderchen, die Gemüther der begeisterten Homer-Sänger und der nüchternen Reißschienenschwinger, die Brüste (!) der mit ihren Besä higungsnachweiser in ihren — sit venia verbo! — Taschen Verse h e n e n G y m n a si a st i nn e n." Das ist natürlich keine „cynische Moral", das ist echte deutsche Ehrbarkeit und Sitte! Hammerstein's Urbild. Berlin. (Or i g in a l-C o rresp on d enz d er „Oest. Wochenschrift".) Wir haben hier mit einigem Erstaunen die Ausführungen der „Neuen Freien Presse" über die Affaire Hammer st ein gelesen. Es sieht fast so aus, als ob auf dem Umwege über Oesterreich die Rehabilitirung dieses schon mehr als dunklen Ehrenmannes in Angriff genommen werden soll. Die „Neue Freie Presse" brachte die Nachricht, daß die Geldverlegenheiten des Freiherrn v. Hammer st ein von einer Bürgschaft herrührten, die er für einen Herrn v. O e r tz e n geleistet habe. Das kann ja immerhin sein, und wenn es der Fall wäre, wäre es eine Erklärung für die Schulden, nicht aber für die Schuld Hammer st ei n's. Man hat aber alle Ursache,' auch diese Angabe für einen nackten Schwindel zu halten. Bekanntlich hat auch Ahlwardt behauptet, seine Schulden rührten von Bürgschaften her. Durch derartige Behauptungen, welche über die durch das Strafgesetz gezogene Grenze hinaus gewissermaßen eine „deutsche Redlichkeit" in höherem Sinne erweisen sollen, suchen diese Herren sich aus lüderlichen Menschen in den Augen der Welt zu gutmüthigen zu verwandeln. Die „Vossische Zeitung" fragt jedoch mit Recht, ob auch die hohen Weinrechnungen, die Herr v. Hammer st ein unbezahlt gelassen hat, etwas mit der Bürgschaft zu thun haben. Auch bei Ahlwardt haben merkwürdigerweise die unbezahlten Weinrechnungen eine große Rolle gespielt. Der „Rector aller Deutschen" war bekanntlich dem Weinhändler B o l d e s circa 425 Mark schuldig geblieben. An diese 425 Mark knüpfte sich eine drollige, aber für die arische Moral sehr bezeichnende Geschichte. Als Ahlwardt's Schulden von einem„Wohlthäter" bezahlt werden sollten, versuchte er Bold es zu veranlassen, die Rechnung aus einen höheren Betrag auszustellen. als er ihm thatsächlich schuldete und ihm (Ahlwardt) den Rest herauszuzahlen. Bis auf diesen netten Punkt ist also Ahlwardt so ziemlich das Urbild Hammer st ei n's. — Großes Aufsehen erregte übrigens die Thatsache, die lange Zeit unbeachtet blieb, daß zwei höhere Beamte, die Herren Landrath v. Colmar und Graf K a n i tz, im Verwaltungsrathe der „Kreuzzeitung" sitzen. Bekanntlich hat dieses Blatt gegen die Regierung die gehässigsten Angriffe gerichtet, was bei den nahen Beziehungen des Blattes zu so hohen Beamten ein Symptom der im Reiche herrschenden Beämten-Anarchie ist.

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