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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-08-02 · 31 (2.8.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
31 (2.8.1895)
Date
1895-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Sli*. 31 Dr. Bloches Wochenschrift. Peters des Großen eine Glückwunschadresse überreichte und bei dieser Gelegenheit die gnädigsten Versicherungen des kaiserlichen Schutzes wiederholt erhielt, wie dies auch schriftlich vom Czaren Alexander ILI. gleich nach seiner Krönung in einer Antwort auf einem Glückwunsch Mentesiore's nochmals bestätigt wurde. Mitden neuesten Vorgängen in Rußland stehen diese Versicherungen allerdings in unlösbarem Widerspruch. In diesem „Lebensbilde" sollte aus die unzähligen Acte beispielloser Wohlthätigkeit (wenn auch nur annähernd) hingewiesen werden, welche Sir Moses Montefiore im Laufe seines langen Lebens fast tagtäglich ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zur Ausführung brachte, wovon ich hier nur ein einziges Beispiel ansichren will. Im Juli 1860 hatte die „Times" eine Schilderung des Elends der Christen in Syrien gebracht, welche von den Drusen des Libanon angegriffen worden waren. Sir Moses eröffnete eine Sammlung sofort zu Gunsten derselben mit 200 Pfund Sterling, welche 22.500 Pfund =- 450.000 Mark ergab. Er wurde in diesem Liebeswerk von Lord Stratford de Redelisse, Sir Culling-Eardley u. A. unterstützt. Gar Manche, die mich bei der Uebersetzung der englischen Biographie Moutefiore's antrafeu, lächelten über meine langwierige Arbeit und riefen mir zu: „Much ado abour nothing. Die ganze Welt kennt ja schon längst Montefiore." Dann belästigten sie mich auch mit anderen peinlichen Fragen, so z.B. ob ich so viel Geld bei Seite liegen hätte, um die nicht geringen Druckkoften und Ausgaben für die unbedingt nothwendigen Anzeigen zur Verbreitung der Broschüre decken zu können. Ich muß gestehen, daß derlei lästige Unterbrechungen mir gar ungelegen kamen und mir manchmal Kopfschmerzen verursachten. Ich ließ mich aber dadurch nicht irre machen und arbeitete ruhig au meiner Uebersetzung weiter, so daß dieselbe einige Monate vor der Vollendung des hundertsten Lebensjahres von Sir Moses fertig wurde. Offen gestanden, hatte ich nicht die Mittel in Händen, um die Uebersetzung zu veröffentlichen. Ich wandte mich daher eine lange und bange Zeit hindurch an verschiedene Verlagsbuchhandlungen und Zeitungsredactionen des In- und Auslandes, erhielt aber von allen einen — Korb, bis endlich in der letzten Stunde die „Jüdische Presse" in Berlin als rettender Engel erschien. Dieselbe veröffentlichte meine Arbeit zuerst in: Feuilleton und veranstaltete dann einen Sonderabdruck. Der Preis des Büchleins mit den wohlgetroffenen Bildnissen von Sir Moses und Lady Judith war ein äußerst billiger, damit dasselbe Eingang in die weitesten Kreise finden könnte. Es fand auch von vornherein Anklang und Beifall, Gönner und Freunde. An der Spitze der Letzteren stand unter Anderen Herr Schuldirector Dr. Katzenstein in Hamburg, welcher fast 1000 Exemplare in den dortigen Schulen zur Vertheilung bringen ließ: dieselbe Anzahl wurde von der Sortimentsbuchhandlung Bensheimer in Mannheim abgesetzt. Der berühmte Ingenieur Adolf Sutro in San Francisco, der Erbauer des großen Tunnels durch die Silberminen von Nevada, ließ im dortigen Waisenhause an einem Purim-A^end nebst anderen kleinen Geschenken 50 Stück an die Waisenkinder vertheilen, damit das „Andenken an den Gerechten auch ihnen zum Segen gereiche", wie er in Wirklichkeit dem Büchelchen selbst zutheil wurde. Viele Vereine für jüdische Geschichte und Literatur erbaten sich die Biographie für ihre Bibliothek. Auch übersandte ich in angenehmer Rückerinnerung an die obenerwähnte huldvolle Unterredung mit dem Kronprinzen an denselben ein Exemplar des Büchleins mit der Bitte, ein zweites der Frau Kronprinzessin überreichen zu dürfen, und erhielt darauf folgende Zuschrift: Berlin, 27. October 1884. Ihre kais. und königl. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin haben die vorgelegte Schrifr gern entgegengenommen und Seite 509 mich beauftragt, Ihnen für die freundliche Ueberreichung derselben in Höchstihrem Namen verbindlich zu danken. v. Sommerfeld, Tberstlieuteuanl und persönlicher Adjutant. Ebenso erhielt ich vom Herrn- Oberbibliothekar Schaarschmidt in Bonn ein schreiben, welches mir den Dank der dortigen Universitätsbibliothek aussprach „für das ihr geneigtest übersandte Geschenk, dessen Werth sie ebensowohl würdigt als die pietätsvolle Gesinnung, mit welcher das Begleitschreiben abgefaßt ist." Die erste Auflage von 5000 Exemplaren war bald vergriffen; die zweite mit derselben Anzahl von Exemplaren wurde auch in kurzer Zeit abgesetzt. Nach Montefiore's Tode beschloß ich, dieses Lebensbild durch andere Stimmen über den seltenen Mann zu ergänzen, und sammelte, was mir an Aoressen, Fest- oder Gedächtnisreden, Gedichten u. s. w. von allgemeiner Bedeutung zu sein schien, zu einem internationalen Viontefiore-Albuni. Davon erschien im Jahre 1888 der erste Band bei Mahlau und Waldschmidr in Frankfurt a. Ni. und die Verlagshandluug hatte keine Kosten gescheut, um ein Prachtwerk, wie es des großen Nienschenfreundes würdig war, herznstellen. Mit einem Lichtdruck von Sir Moses Montefiore und verschiedenen Abbildungen im Texte geschmückt, enthält das Werk neben der nrehrerwähnten Lebensbeschreibung Aufsätze, Abhandlungen und Gedichte in deutscher, englischer, französischer, italienischer und hebräischer Sprache und wurde von der Presse desJnnnd Auslandes in anerkennender Weise besprochen. Ein Exemplar überreichte ich auch unserem damaligen Oberbürgermeister, dem jetzigen Finanzminister Dr. Ne i q u e l, welcher mir darauf unter dem 12. Jänner 1890 schrieb: Mit großem Interesse habe ich von Ihrer Biographie des großen Humanisten und Vertreters der Unterdrückren und Heimgefuchteu, Sir Moses Montefiore, Kenntniß genommen. Es ist ein großes Verdienst, solche seltenen Männer in ihrem Wesen und Leben zu schildern, den Einen zur Mahnung, den Anderen zur Nachahmung, Allen zur Erhebung. Mit dem besten Tank für Ihre freundliche Mittheilung Ihr ergebener I. Miquel. Den vielen Freunden, welche mich dabei durch Beiträge unterstützten, fühle ich mich zu lebhaftem Danke verbunden. Aber ans der Menge der Zusendungen erwuchs mir auch noch eine weitere Pflicht. Die Fülle des Stoffes ließ sich in einem Bande nicht bewältigen, und doch kam so Vieles, was der Veröffentlichung ebenfalls werth erschien. Aus diesem Grunde plante ich die Herausgabe eines zweiten Bandes, dessen Vorbereitung mich zur Zeit beschäftigt. Möge er denselben Anklang, dieselbe freundliche Aufnahme finden, wie es beim ersten Bande der Fall war! Vom Jahrmarkt des Levens. „Was geht das mich an? Mich geht das gar Nichts an!" Herr Dr. Lueger hat dieser Tage den alten Couplet-Refrain in einer höchst bedenklichen und der Festigkeit der arisch-christlichen Moral nichts weniger als zuträglichen Weise variirt. Man kennt die Beschuldigungen, welche öffentlich gegen den „Ehrenbürger von Mühldorf" erhoben worden find. Schönerer und seine Leute sagen ganz direct, daß Bergani als Bürgermeister von Mühldorf die dortige Gemeindecasse bestohlen habe, und die Sache ist auch actenmäßig erwiesen. Bergani hat sich „beeilt", das gestohlene Gut jetzt nach so und so viel Jahren zurückzuerstatten; das mag ein Strafaufhebungsgrund sein, aber die Thatsache der begangenen Veruntreuung wird damit nicht aufgehoben. Uebrigens scheint auch das Gericht die Angelegenheit noch nicht für beendigt zu halten, denn in der „Ostdeutschen Rundschau" veröffentlicht Arnoscht eine Vorladung, welche ihm vom Kreisgerichte Krems „zur Ablegung einer Zeugenaussage in der Strafsache wegen Verbrechen? der Amtsveruntreuung zum Nachtheile der Gemeinde Mühldorf" zugegangen ist. Diese Dinge sind bekanntlich in einer antisemitischen Wählerversammlung im Lanner-Saale zum großen J Unbehagen der Christlich-Socialen, die Herrn Bergani und sein

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