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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-26 · 30 (26.7.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
30 (26.7.1895)
Date
1895-07-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 30 Seite 555 Dr. Vloch's Wochrnfrtzrifk. Fortgang, sowie das sittliche Betragen der Schüler waren im abgelaufenen Schuljahre höchst zufriedenstellend. Den statistischen Tabellen entnehmen wir, daß die Anstalt in diesem Jahre von 98 Schülern frequentirt wurde, wovon sich 66 aus den verschiedenen Eomitaten recrutirten. Die Schule steht für das nächste Schuljahr einer Erweiterung entgegen und hofft mit derselben noch weitere Kreise zu interessiren. Als einzig in ihrer Art verdient diese Schule die vollste Beachtung seitens derjenigen Eltern, die bei ihren Kindern Religiosität und Bildung vereint wiffen wollen. Sambor, 24. Juli 1895. Gott sei Dank! Sie sind noch nicht ausgestorben, die Männer des Muthes und der That, die Männer des Rechtes und der Wahrheit, die, unbekümmert um die verhängnißvollen Folgen, welche ihr mannhaftes Auftreten für sie selber haben könnte, es offen aussprechen, daß das Recht ihnen heiliger und unantastbarer sei, als Privatrücksichten. Wir citiren in vorliegender Skizze ein solches Beispiel des Muthes umso freudiger, umso stolzer, als der, welcher es uns gegeben hat, ein Christ gewesen ist, freilich nicht einer nach dem Muster der Beuschelausreißer und Bolksbeglücker von heutzutage. Leonhard S m o l i k, dessen Andenken diese Zeilen gewidmet sind, war Schuldirector in Monasterczyska in Galizien. Ich kannte ihn persönlicki; er war ein liebenswürdiger, intelligenter Mann, das Muster eines wackeren Pädagogen, verheiratet und Familienvater; umgeben von der Achtung seiner Mitbürger, lebte er in glücklichen Verhältnissen, die kein Wölkchen trübte. Er war den seiner Pflege anempfohlenen Kindern der richtige Lehrer und Wegweiser, seinen Mitbürgern ein Beispiel aller Bürgertugenden. In erster Linie seinem Unterrichte haben die Bürger der kleinen Stadt, deren Einwohner er war, ihre Bildung zu verdanken und seiner Initiative, seinem Andringen ist es zu verdanken, daß das Städtchen, welches bis nun nicht einmal ein menschenwürdiges Local für Schulzwecke besaß, nunmehr eine Schule haben wird, die allen zeitgemäßen Erfordernissen entsprechen kann. Aber S m o l i k war kein Finsterling, kein Fanatiker, er glaubte nicht, daß jeder Andersgläubige verflucht sei und daß man den Glaubensunterschied den jüdischen Kindern auch im Aeußerlichen fühlbar machen müffe, und das war sein Unglück. Vor etlichen Jahren gab es in Monasterczyska eine sogenannte Maifeier, ein Erholungsfest, wie sie in ganz Galizien an einem beliebigen Maitage begangen werden, wo man die Kinder unter Musikbegleitung nach einem Lustwäldchen führt und sie mit einem kleinen Abendmahl, bestehend aus Butterbrod und Milch, bedenkt. S m o l i k calculirte ganz richtig, daß in einer Stadt, wie Monasterczyska. wo die Juden die Mehrzahl bilden und die Judenkinder nicht gerade das kleinste Contingen* an Schulbesuchern liefern, dieselben nicht füglich bei der Maifeier übergangen werden könnten, und nahm ohne Unterschied sowohl Juden als Christen mit. Anderer Ansicht war der Schulkatechet, der, uneingedenk der Lehre Jesu: „Lasset die Kinder zu mir kommen" — diesen Spruch nur auf die christlichen und nicht auch auf die jüdischen Kinder ausgedehnt wissen wollte und sich nicht entblödete. dem unparteiischen Schuldirector heftiae Borwürfe, für seine jüdischen Sympathien zu machen und ihm ein derartiges Verfahren für die Zukunft aufs Strengste zu verbieten. Mit Recht erbittert über eine solche Willkür, erwiderte Smolik dem christlichen Fanatiker gereizten Tones, daß er sich ihm in sein Schulsystem nicht hineinzumengen habe und daß die Judenkinder, wofern sie nur gut lernen, nicht von der Maifeier ausgeschlossen werden können, auf Grund ihrer semitischen Abstammung. Diese Antwort befriedigte aber den Geistlichen keineswegs, von Schule und Kanzel aus wurde gegen den freisinnigen Schuldirector gehetzt, eine besondere christkatbolische Maifeier arrangirt, von der alle Judenkinder ausgeschlossen wurden, und was dergleichen kleinliche Nergeleien mehr waren. Die Folgen zeigten sich verhängnißvoller, als vielleicht der Aufhetzer selber gedacht hatte. Den ehrlichen Schuldirector, der den Muth gehabt, offen und unentwegt einzutreten für Reckt und Wahrheit, rührte der Schlag vor Ausreguna. Sein Siechthum war ein langsames und gualvolles. Anfangs Februar laufenden Jahres ist Leonhard Smolik, Schuldirector in Monasterczyska, gestorben, eine» Witwe und mehrere unversorgte Waisen zurücklaffend. Wie ein Held ist er gefallen. w>'e ein Bahnbrecher auf dem Gebiete des Rechtes, der Wahrheit und der Menschlichkeit, und wir haben wohl Grund, anzunehmen, daß er nicht mit einem Fluche auf den Lippen gestorben ist, sondern daß sein letzter Gedanke war: „Herr! Vergib ihnen, denn sie wiffen nicht, was sie thun". Gotthilf Kohn. Berlin, 17. Juli. Der Minister des Innern, so wird allerdings nur antisemitischen Blättern berichtet, bereitet eine Verfügung an die Regierungs- und Polizeibehörden vor. wonach nach und nach sämmtliche Geburtsatte st e der Juden revidirt werden sollen, „um die Unzuträglichkeiten zu beseitigen, die durch willkürliche Aenderung der Bornamen seitens jüdischer Staatsbürger hervorgerufen werden". Angeblich sei durch zahlreiche Beschwerden fest gestellt, daß besonders aus den ehemaligen polnischen Provinzen zugezogene Juden, sei es zur Täuschung der Gläubiger, sei es aus anderen Gründen, ihre Vornamen umgeändert hätten. Da die Nachricht, wie gesagt, bisher blos von antisemitischen Blättern gebracht worden ist, so bedarf es wohl noch einer genauen Berisication, um sich mit derselben näher zu beschäftigen. Heidelberg. 21. Juli. Hier starb vor einigen Tagen der ordentliche Professor der Ohrenheilkunde Hofrath Dr. Salomon Moos. In Randegg am Bodensee geboren, habilitirte er sich in Heidelberg 1859 als Docent, wurde 1866 außerordentlicher Professor, 1876 mit der Vertretung der Ohrenheilkunde und der Leitung des betreffenden Instituts beauftragt und 1891 zum Honorarprofessor mit dem Range eines ordentlichen Professors ernannt. Seit mehreren Jahren schwer leidend, suchte er vor einigen Wochen Erholung im Schwarzwalde. ließ sich aber, da er sein Ende sühlte. wieder nach Heidelberg schaffen. Wenige Tage nach seiner Rückkehr ist er nun, 64 Jahre alt. gerade an seinem Geburtstage gestorben. Bremerhaven. Ein politisches Fiasco, aber ein gutes materielles Ges ch ä f t hat kürzlich Ahlwardt in einer Versammlung in Bremerhaven gemacht. Nachdem Ahlwardt und zwei socialdemokratische Redner gesprochen hatten, wurde, so schreibt man uns. beantragt, den Ueberschuß des Eintrittsgeldes für die Hinterbliebenen der verunglückten Fischdampfer-Besatzungen zu verwenden. Der Antrag wurde angenommen. Inzwischen hatten sich die Reihen der Zuhörer stark gelichtet, und es waren fast nur noch Socialdemokraten anwesend. Der Vorsitzende verlas dann die nachstehende Resolution: „Die heutige Versammlung kann sich mit den Ausführungen des Herrn Ahlwardtnicht im Ge ring st en einverstanden erklären. S'e verurtheilt entschieden die Racen verhetzende Agitation der Antisemiten und erklärt, daß sie eine Befferung der socialen Verhältnisse nur von einer Aenderung der jetzigen Productionsweise erwartet." Die Resolution wurde unter großen Tumult angenommen. Darauf wurde um 1 Uhr Morgens die Sitzung geschloffen, und die Socialdemokraten verließen unter Absingen der Marseillaise den Saal. Die Abrechnung über die Eintrittsgelder ergibt das merkwürdige Resultat, daß von der Einnahme in Höhe von 258 Mark 90 Pfennig nach Abzug der Reisekosten, des Honorars ii. s. w. für Herrn Ahlwardt nur ein Ueberschuß von 3 Mark 40 Pfennig verbleibt, der in die Unterstützungscaffe für die Hinterbliebenen der verunglückten Fischer fließen wird. Warschau. Der hienae Gemeinderath bat den Beschluß gefaßt, ein Asyl für arme jüdische Wöchnerinnen aut städtischem Grund und Boden errichten zu lassen. In dem betreffenden Beschlüsse beißt es: »Unsere Mitbürger mosaischer Confestion baben stets eine offene Hand für alle Nötben der Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens. Viele humanitäre Anstalten unserer Stadl sind durch die kräitige Unterstützung unserer jüdischen Mitbürger entstanden. Es wäre deshalb unmoralisch, die Errichtung einer humanitären Anstalt ipeciell für Juden zu hintertreiben oder ihr die Berechtigung abzusprechen. Dem Gemeinderatbe liegt übrigens nichts vor, was geaen die Nützlichkeit der Juden für unser städtisches Leben ivrechen konnte, und in Erwägung dieser Umstände beschließt der Gemeinderath, den Bau des Asyls für jüdische Wöchnerinnen ehebüldigst in Angriff;>i nehmen." Charkow. Dem Bankette, das dem Feste der Einweihung einer Thorarolle, welche die hiesiaen Inden anläßlich der Bermälung des Czoren Nicolaus II. geivendet haben, folgte, wohnte auch der Gouverneur von Charkow, Kammerberr W. Belgard bei. Dieser hohe Würdenträger, der auch einen Ruf als Gelehrter genießt, beantwortete einen ihm zu Ehren dargebrachten Toast mit folgenden Worten: ..Ans der Tiefe meines Herzens wünsche ich, daß die zwischen Rüsten und Juden bestehende Kluft, welche jahrhundertealte Vorurtheile gegraben. ehebaldigst verschwinden möge. Alle dem Throne und dem Vaterlande treuen Söhne sollen Hand in Hand gehen, in Frieden leben und in Eintracht arbeiten, um das große Vaterland auf den Weg des Glückes und der Wohlfahrt zu führen. Die russischeu*Unterthanen mosaischer Canfesstan haben ihren Patriotismus, ihre Redlichkeit und ihre Nützlichkeit für den Staat und für das ökonomische Leben

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