Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 30 (26.7.1895)
- Date
- 1895-07-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 554 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 R. Elieser Sysikes begrub einen Theil der Asche an heiliger Stätte. Der Ger Zedek von Wilna und seine ergreifenden Schicksale sind in- Wilna nicht vergessen. Am zweiten Tage des Schebuoth-Festes wird ein Seelengebet für ihn gesprochen. F. I o s a r d a. Correspondenzen. Wien. Unter der Spitzmarke „Numismatisches" bringt das „Freie Blatt": Mehrere Freunde Bergan i's haben eine Ehrenmünze für diesen prägen lassen, welche in der numismatischen Welt schon insoferne großes Interesse erregen dürste, als sie nicht in Metall, sondern in — Pappendeckel angesertigt ist. Die Inschrift der Ehrenmünze lautet: Avcrs: Rerers: Hoch E r n st V e r g a n i! Hoch der „Gründer" des „Deutschen Volksblattes"! Hoch der frühere gewissenhafte Gemeindevorsteher! Hurrah die Verkörperung moderner Eorruption! Wie Jnsormirte behaupten, und zarte Ehrung hoch erfreut: Hoch der Ehrenbürger von Mühldorf! Hoch der Freund Dr. Luegec's! Hoch der Ehrenschuldner Hauck's! Hoch der „Einsucker" jüdischer Pauschaliengelder! ist Bergani durch diese sinnreiche lieber wäre es ihm aber gewesen, wenn ihn seine numismatischen Freunde statt mit dieser Ehrenmünze mit einer entsprechenden Anzahl gegenwärtig couranter Münze bedach! hätten. Marieubad. Löbliche Redaction der Oester' reickischen Wochenschrift, Wien. Auf die Correspondenz des Optikers S. Fery in Wien in der vorletzten Nummer ersuche ich Sie, folgende berichtigende Facta aufzunehmen: „Die Cultusgemeinde Marienbad wird gewiß nie verfehlen. Unglück zu lindern, wo immer sie nur kann; sie unterstützt jährlich arme durchreisende Israeliten oder hier weilende Bedürftige mit Beträgen, die eine Summe von 500 Gulden überschreiten; über einen größeren Betrag aus Gemeindemitteln kann der Gefertigte allerdings nicht eigenmächtig verfügen, sondern bedarf hiezu wie dies in jeder geregelten Gemeinde der Fall ist. der Ermächtigung des Ausschusses. Nach dem erfolgten Ausschußbeschluffe wird die Marienbader Cultusgemeinde jedenfalls den Verunglückten in Kobersdorf, worunter sich mehrere Verwandte des Herrn Fery befinden, eine entsprechende Unterstützung, u. zw. direct zukommen laffen, da sie Herrn Fery, nach dessen Auslassungen in Ihrem werthen Blatte nicht als Vermittler anerkennen kann. Was nun die Sammlungen der israelitischen Cultusgemeinde betrifft, so steht es Herrn Fery durchaus nicht zu. unwahre Kritik darüber zu üben; denn unwahr ist es. daß sich der hiesige Cantor seinen Gehalt zusammenschnorren muß; vielmehr werden die Ergebnisse der Sammlung zur Abzahlung der auf den, auch für die Curgäste, erbauten Tempel lastenden Hypothek verwendet. Wen Herr Fery unter den Domestiken der israelitischen Cultusgemeinde Marienbad versteht, das soll lieber hier zu Ehre des Judenthums unerörtert bleiben." Für die gesi. Aufnahme bestens dankend, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung Marienbad, 16. Juli 1895. D. Löwenthal, Cultusvorsteher. Budapest, 11. Juli. Mit dem Jnslebentreten desGesetzes über die staatlicheMatrikelsührunq beginntirn jüdischen Gemeindeleben ein neues Stadium, welches die Aufmerksamkeit der berufenen Organe unserer beiden, in letzterer Zeit so oft hervorgehobenen Organisationen verdient. Bor zehn Jahren wurden nämlich sämmtliche Gemeinden Ungarns mittelst ministeriellen Erlasses, welcher als Kriterium einer jüdischen Gemeinde das Matrikelführerrecht bezeichnet?, in etwa fünihundert Matrikelbczirke eingetbeilt. die einen „matrikelführenden" Rabbiner oder Rabbinatsverweser wählen mußten. Die meisten derselben fügten sich recht bald dieser Anordnung, welche auch die Rechte derselben den israelitischen Gemeinden gegenüber regelte. Nun Hort aber mit dem Jnslebentreten der staatlichen Matrikelführung erwähntes Kriterium auf. und so zerfallen wieder die fünfhundert Matrikelbezirke in zwei- bis dreimal so viel kleinere Gemeinden, deren Zusammengehörigkeit nicht geregelt ist und die durch die Krästezersplitterunq ihrer Aufgabe nicht entsprechen können. Biele „matrikel- 'übrende" Rabbiner glaubten ihre nach dem erwähnten Erlasse unkündbaren Stellen für gefährdet, zahlreiche Gemeinden, deren „matrikelführende" Rabbinatsstellen in letzterer Zeit vakant wurden, verschoben die Rabbinerwahlen, nachdem es zweifelhaft wurde, daß auch die Filialgemeinden nach dem Jnslebentreten des Matrikelgesetzes zu den gemeinsamen Lasten, herbeigezogen werden können. Nun verständigt die israelitische Landeskanzlei die Gemeinden, daß das Jnslebentreten der kirchenpolitischen Gesetze die Stellung der israelitischen Matrikelsührer, die vor dem 1. October gewählt wurden, nicht im Geringsten alterire, und daß diejenigen Verordnungen, welche die Rechte der israelitischen Matrikelführer den israelitischen Gemeinden gegenüber regeln, auch weiterhin in Kraft bleiben. Sie sind ausschließlich berechtigt, aus diesen Matrikeln Auszüge zu geben u. s. w. Somit bleibt die Zusammengehörigkeit jener Matrikelbezirke, die im Laufe der letzten zehn Jahre einen „matrikelführenden" Rabbiner wählten, noch eine Zeit lang unberührt, und die „matrikelführenden" Rabbiner bleiben noch weiter im Besitze der schon erworbenen Rechte, wenn auch bei durch den Verlust der Staatsgiltigkeit der vom 1. October weiter geführten Matrikel stark verkürztem Einkommen. Wie die Zusammengehörigkeit jener Matrikelbezirke, die derzeit keinen „matrikelführenden" Rabbiner haben und demnach durch die Person desselben nicht aneinander gebunden sind, geregelt wird, ob die Stellung des später gewählten Rabbiners eine unkündbare bleiben wird und über viele damit zusammenhängende Fragen schweigt die Chronik der Organe unserer beiden Organisationen. Wiener-Neustadt. Dienstag den 17. d. wurde Frau Nette Grünwald, die bei ihrem Sohne, dem hiesigen Fabrikanten, Herrn A. Grünw ald, nach langer Krankheit im 67. Lebensjahre verschied, zu Grabe getragen. Es war ein imposanter Leichenzug, wie er hier noch selten gesehen wurde. An demselben betheiligten sich fast die ganze hiesige Cultusgemeinde, zahlreiche Trauergäste aus Mattersdorf, Neudörfel, ddm Curorte Sauerbrunn und viele Wiener. Die Verblichene entstammte einer angesehenen frommen Familie — sie war die Schwester des greisen gelebrten Rabbi Jacob Hirsch in Sechshaus — und selbst das Muster einer jüdischen Frau, wie sie der Weiseste aller Menschen in seinem „Biederweib" zeichnet. Mit inniger Religiosität ertrug sie auch das Ungemach des Lebens und war in besseren Tagen, fremd jeder weiblichen Eitelkeit, nur bedacht, ihre Wohlhabenheit durch Werke der Wohlthätigkeit zu humanisiren. Die Ausstattung armer Bräute, war ihre Cardinaltugeud, die sie in erster Linie an den Töchtern ihrer armen Verwandten übte, aber auch eine fremde .Hilfsbedürftige wendete sich nicht vergebens an sie. In denselben Grundsätzen erzog sie auch ihre Kinder, sie war eine zärtliche Mutter, eine liebenswürdige Schwiegermutter, dabei aber rigoros auf das religiöse Leben in den Häusern der Ihrigen achtend. Je seltener solche Frauenqestalten im Judenthnme werden, desto mehr verdient die Dahingeschiedene öffentlich gewürdigt und der Verlust registrirt zu werden, den die jüdische Frauenwelt mit ihrem Abgänge erlitten. Friede ihrer Mche! Prestburg. Am 11. und 12. Juli fand an der hiesigen öffentlichen orthodoxen Rabbinerschule die Schlußprüfring statt. An Stelle des Leiters derselben, des schwer erkrankten Oberrabbiners Schreibe r.fungirte der Oberrabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde HerrK. Reich. Als staatlicher Prüfungscommiffär war der Schulinspettor des Preßburger Comitats Herr A. Papp dazu beordert. Die erzielten Resultate des verflossenen Schuljahres waren zufriedenstellend. Die Anstalt wurde von etwa 300 Schülern, getheilt in drei Classen, srequentirt, und verdient hervorgehoben zu werden, daß die jungen Leute ernstes Streben bekunden und auch beflissen sind, allgemeine weltliche Bildung sich anzueignen. Besondere Beachtung wird unter ihnen der Pflege der hebräischen Sprache geschenkt, und es gibt hiesige Bachurim, die meisterhafte Stylisten sind^ und die berufen scheinen, die Träger unseres heiligen Idioms in der Literatur der Zukunft zu sein. * * * Dieser Tage ist der Bericht der Bürger- und Handelsschule der hiesiaen orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde über das soeben verflossene Schuljahr erschienen. Die Einleitung zu demselben macht ein Aufsatz, welcher den Zweck und die Ziele dieser Anstalt beleuchtet, die darin bestehen, die Jugend, die nach allgemeiner Bildung strebt, durch den Besuch staatlicher oder andersconfessioneller Mittelschulen dem väterlichen Glauben nicht entfremden zu lassen und sie durch einen ausgiebigen Religionsunterricht zu gebildeten Juden zu erziehen. Die Mittheilungen erstrecken sich über die Veränderungen im Lehrkörper, die Disciplin unter den Schülern, über die hygienischen Verhältnisse, über Unterstützung armer Schüler rc. Der Bericht enthält ferner einen detaillirten Lehrplan und führt die in der Anstalt im Gebrauche stehenden Lehrbücher an. Der allgemeine