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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-26 · 30 (26.7.1895) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
30 (26.7.1895)
Date
1895-07-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30 Seite 551 Dr Bloch's Wochenschrift. des christlichen Glaubens an. Die Geschichtsschreiber fügen hinzu, daß diese Renegaten, die nur von ihrem persönlichen Vortheile geleitet waren, aus beiden Seiten gründlich verachtet wurden. Der Wiener Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Max Anton L o e w war kein Christ und ist kein Moslem. Er war bis vor wenigen Jahren Jude und trat zum christlichen Glauben über, um auf solche Weise die einträgliche Vertretung des abgekrachten Leopoldstädter St. Josef Spar-und Borschußvereines zu erhalten, welcher Hunderte armer Leute um ihre Ersparnisse beschwindelte. Wer darüber Näheres wissen will, lese eine vor zwei Jahren in demokratischen Parteiorgane ,.V o l k s st i m m e" erschienene Artikelserie durch, die allerdings Dr. Max Anton L o e w vollständig auszukaufen bemüht war. Das Vorgehen dieses Dr. Max Anton L o e w als Vertreter des St. Josef-Vereines beweist, daß, wenn es schlechte Juden gab und gibt, er selbst einer der schlechtesten ist. Soviel zur Charakteristik eines Mannes, der vor wenigen Tagen den Gewerbetreibenden in Knittelfeld die Segnungen der christlich-socialen Heilslehre verkündet. Dr. Max Anton Loew, sprach dort von einer „gewissen Classe von Staatsbürgern" und dem „von diesen Auchbürgern vertretenen capitalistischen Wirthschaftsprincipe" — er, der Auchkatholik, der aus einem Juden Christ geworden ist, um sich durch dieses capitalistische Wirthschaftsprincip zu bereichern. Er sprach ferner vom „Reformfudenthume" und die durch dasselbe verbreitete „Irreligiosität" — er, der sich soweit reformirt hat, daß er den Glauben seiner Väter an den Nagel hing und dem die Religion zur Melkkuh geworden ist! Er nannte sich endlich einen „wahrhaft christlichen Politiker" — er, dessen Scheitel kaum erst vom Taufwasser trocken geworden ist und der sein „wahrhaftes Christenthum" durch die Vernichtung der Existenz zahlreicher christlicher Gewerbetreibender bekundete. Herr Dr. Max Anton Loew thut heute Alles, um seine jüdische Abkunft vergessen zu machen, aber er täuscht sich über die Wirkung seiner antisemitischen Brandreden! Er ist herzlich schlecht getauft und er entgeht dem Schicksale nicht, welches die christlichen Renegaten unter den Osmanen ereilte, er genießt die gründlichste Verachtung seiner ehemaligen und seiner heutigen Glaubensgenossen. Semiten und Arier. Das czechifch realistische Blatt „Oas", (Organ des Reichsrathsabgeordneten Herrn Professor Masaryk) vom 13. Juli. Nr. 28, Seite 144, constatirt folgende Thatsache: „Auf dem Ausstellungsplatze hatte sich zu Beginn der Ausstellung ein Jude ein Gasthaus gemiethet. Darob entstand viel Lärm, obzwar der Jude einen ungeheuer hohen Pachtzins zahlte. Es wurde ihm der Jude vorgeworfen, ferner, daß er billige Damenbedienunq habe und den Mädchen große Freiheiten gestatte u. s. f. Diese Anwürfe haben schließlich den jüdischen Gastwirth aus dem Ausstellungsplatze vertrieben und sein Gasthaus übernahm nun ein czechischer vaterländischer Wirth. Jeder hat nun die Gelegenheit, den Unterschied zwischen jenem jüdischen und diesem christlichen Gastwirthe zu ersehen. Der neue Restaurateur hatte vor Allem den Musikern den Lohn beinahe auf ein Drittel, reducirt. Die weibliche Bedienung ist geblieben und ist gleichfalls ungebunden, und während beim Juden — welcher von früheren Ausstellungen die Ansprüche der Gäste kennt — das Tischservice täglich blank und schneeweiß war, ist es jetzt nicht rathsam, nach Prager Gewohnheit, sich zu den Tischen zu setzen. Was die Getränke anbelangt, so verkauft der neue Gastwirth selbe nach den Knöpfen der Besucher. Mit eigenen Augen sahen wir den Ausstellungs-Comitemitgliedern eine Flasche Wein um fl. 1.20 verkaufen, für welche ein slovenischer Besucher — nach Weggang des Ausschusses — mit fl. 1.50 bezahlen mußte." (Nachahmenswert!)!) Der neue Schwurgerichts s aal in Meiningen hat statt des üblichen Bildes einer „Justitia" mit der Binde passende Sprüche aus der Bibel in Heller Schrift an den Wänden. Im Zuschauerranm: .,Die Liebe freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich der Wahrheit". Ueber dem Zeugenstand: „Ein falscher Zeuge bleibt nicht ungestraft und wer Lügen frech redet, wird nicht entrinnen." Im Richterzimmer: „Richtet nicht nach dem Ansehen, sondern richtet ein rechtes Gericht". Im Berathungsstmmer der Geschwornen: „Bertheidige die Wahrheit bis in den Tod» so wird Gott für Dich streiten." Im Hauptsaale liest man über dem Sitze für die Richter mit erhabenen Buchstaben: „Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben". Wenn die Teutonen die Achtung vor der Wahrbeit, die Heiligkeit des Zeugeneides, die Unbestechlichkeit des Richters, besonders jenes aus dem Volke, des Geschwornen, neuerdings einzuschärfen sich bemüssigt sehen, machen sie beim Judenthum Anlehen. Wieder Einer. Mittwoch den 10. Juli wurde von dem Strafrichter des Bezirkes Favoriten der Gastwirth Mathias Pro k s ch (X., Himbergerftraße 23) wegen Verkaufes von bereits in V erw esung übergegangenem Kalbfleisch und wegen der in seinen Gasthauslocalitäten (Schank und Küche) durch den Marktcommis für Vorgefundenen Unreinlichkeit zu fünf Tagen Arrestes verurtheilt. Proksch gehörte zu den ständigen Besuchern der Antisemitenversammlungen, war aber auch auf den Rennplätzen zu finden, während Frau und Tochter beim letzten Blumencorso in einem reich decorirten Wagen paradirten. nChristenhaß" der Inden. Das „Leerer Anzeigeblatt" vom 4, Juli schreibt: „Bei dem in der Nacht des 22. Mai v. I. ausgebrochenen Feuer in dem van N u y s'- schen Manufacturwaarengeschäft in der Osterstraße, wodurch bekanntlich nickt allem die frühere Hannoverische Bank, sondern auch das v. B o r k u m'sche Haus total eingeäschert wurde, hatte sich die in der ersten Etage wohnhafte Ehefrau des Herrn N. G r ü n b e r g in hervorragender Weise um die Rettung der Hausbewohner verdient gemacht. Unerschrocken, trotz der großen Gefahr, weckte die Dame zunächst die schlafenden Insassen des Hauses und trug dann noch eine in der zweiten Etage schlafende und ohnmächtig gewordene, im van Nuus'schen Gesckäft thätige Verkäuferin in's Freie. Leider hatte durch die übergroße Anstrengung Frau Grünberg sich eine schleichende Krankheit zugezogen, die trotz Bäder und viel angewandter ärztlicher Hilfe nicht behoben werden konnte. Vorgestern ist die tapfere Lebensretterin ihren Leiden nunmehr erlegen. Das Grab sei ihr leicht und Ehre ihrem Gedenken!" Wie Ahlwardt geliehenes Geld zurükkzahlt Eine heitere Execution vollzogen die Lübecker an dem antisemitischen Abg. Ahlwardt, als dieser, auf seiner Agitationsreise begriffen, dort für' 30 Pfennig Entree eine seiner Schimpfreden hielt. Von unbestimmten Ahnungen gequält, gab Ahlwardt in seinem -Vorträge selbst zu, daß er vor vielen Jahren unterwegs einmal einen Lübecker Kaufmann um einen Thaler angepumpt habe, u n Lübeck besuchen zu können. Er habe aber damals den Namen seines Helfers vergeffen, so daß es ihm dann nicht möglich gewesen sei, die Schuld zu begleichen. In der Ver. sammlung wurde daraufhin erklärt, daß Ahlwardt gelogen habe. Der betreffende Fabrikant, der ihm den Thaler geliehen und anwesend sei, habe ihm damals seine genaue Adresse ausgeschrieben. Bevor Ahlwardt die Juden beschimpfe, solle er erst seine Schulden bezahlen. Unter großer Heiterkeit der Versammlung gab nunmehr ein Vorstandsmitglied dem Darlehensgeber den Thaler zurück. Der Saatenmarkt. Der „Pester Lloyd" schreibt: Trotz der zahlreichen Mißerfolge der letzten Jahre und trotz des Fernbleibens beinahe aller Fremden im vorigen Jahre bemüht sich die Wiener Börse abermals im Interesse der Veranstaltung eines internationalen Saaten- und Getreidemarktes in der österreichischen Hauptstadt. Da die Verhältniffe, welche im vorigen Jahre die ungarische Kaufmannschaft zur Absentirung von dem Markte veranlaßten. sich nickt gebessert, sondern verschlechtert haben; nachdem die Wortführer der Wiener Bevölkerung nicht allein die Juden, sondern neuestens auck die ungarische Nation zu begeifern und zu beschmutzen gesucht haben, wird wohl kein ungarischer Kaufmann an dem M a rkt e th e il n e h m en. Die Arier vom Grund sollen ihre Gesckäfte unter sich abmachen und sehen, wie weit sie es in ihrer Jsolirtheit bringen. Bis jetzt haben die ungarischen Producenten und Händler durch ihr Erscheinen in der österreichischen Residenz den dortigen Verkehr belebt und ihr Geld dort verzehrt, sie werden sich entfernt halten und dabei nicht nur keine Einbuße erleiden, sondern auch in der Achtung Derjenigen gewinnen, die Claffen- und Racenhaß verabscheuen. Die ungarischen Kaufleute, die in das internationale Comite für den Saatenmarkt berufen wurden, lehnen der Reihe nach die Mitgliedschaft ab. und ihr Beispiel wird für die Gesammtheit maßgebend sein. Ohne jedwede Agitation, deren es diesmal nicht bedarf, wird der Saatenmarkt ohne ungarische Besucher ftattfinden und dadurch um seine Bedeutung gebracht, denn wenn die ungarische Waare und der ungarische Händler fehlen, schrumpft die Veranstaltung zu einemLocalmarkt für Wien und Niederösterreick zusammen. Die wüsten Schreier, die in Wien das große Wort führen und ihre rohen Fäuste gegen wehrlose Menschen erheben, wollen den Handel erschweren; erst gestern hat einer ihrer Partisanen im Reichsrathe erklärt, daß die meisten Hotelbesitzer mit Vergnügen auf die Abhaltung

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