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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-26 · 30 (26.7.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
30 (26.7.1895)
Date
1895-07-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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umijiLuuwxim ■SJftl'liJJil V Seite 548 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 leiten, die man dem braven Manne svnst vorwirft, wäre er Ln seiner antisemitischen Carrisre gewiß nicht so jäh unterbrochen worden. Wenn er sich seinen Freund Schneider ansicht, so kann er doch noch immer mit Stolz auf die Brust schlagen und ausrufcn: „Da bin ich ja potom doch noch eine ganz andere Kerl!" Emes. Jüdische Soldaten. Zu den hämischesten, niederträchtigsten Vorwürfen, welche die Bosheit und Gemeinheit der Gegner uns Juden macht, gehört auch der, daß wir im Felde den christlichen Kameraden an Muth und kaltblütiger Entschlossenheit nachstünden. Derlei wird endlos fortwiederholt — um Einwurf oder Widerlegung kümmert man sich nicht — bis endlich die Melodie bekannt in aller Ohren klingt und sich die Hörer sagen müssen: „Na, etwas wird doch wohl an der Sache daran sein J" Und darauf ist eben das ganze Lug- und Truggebäude gegründet. Dem lieben Nächsten was am Zeuge zu flicken, alle guten und edlen Triebe umdeuten, umbiegen und in ihr Gegentheil verdrehen, das verstehen unsere Feinde. Lassen wir ihnen diesen Ruhm, denn es ist so ziemlich das Einzige, was sie verstehen. „Er hatte die Gewohnheit, allem Edlen und Echönen und Löblichen ein kleines Schwänzchen anzuhängen." Diese wundervolle Charaktereigenschaft, welche Gottfried Keller von seinem Helden Meierlein berichtet, auf wen paßt sie so sehr, wie auf jene gewissen Leute, deren Haß und feindselige Verfolgungswuth uns in einem gewissen Sinne zur Ehre gereicht. Könnte es denn eine schwerere Beleidigung, einen brennenderen Schimpf geben, als wenn z. B. ein Schneider uns loben und die ethischen Grundsätze unseres Glaubens und Fühlens mit den seinigen übereinstimmend fände? Die bürgerlichen Rechte der Juden befinden sich, wie männiglich bekannt ist, auf dem Papiere. Dort mag man die erhabenen Grundsätze und Grundgesetze von der Gleichberechtigung und den anderen schönen und guten Dingen an müßigen Samftag-Nachmittagen in aller Gemüthsruhe Nachlesen. Als Anschluß an diese gewiß höchst zeitgemäße Lcctüre möchten wir ein kleines Büchelchen in blauem Umschläge empfehlen, das Wir jetzt kurz besprechen wollen: „Gedenkbuch des k. und k. Infanterie-Regimentes Erzherzog Eugen Nr. 41". Der Zusammenhang ergibt sich von selbst. Das Merkchen enthält in knappen, eindringlichen Zügen die glorreichen Waffenthaten des tapferen Regimentes und erzählt auch von seinen jüdischen Soldaten, wie sie für den Ruhm ihrer Fahne, dem Befehl ihres Kriegsherrn getreu und ihres heiligen Eides eingedenk, auf unzähligen Schlachtfeldern geblutet haben und an der Seite ihrer arischen Kameraden gefallen sind. Die feindlichen Kartätschenkugeln sind gar merkwürdige und consequente Anhänger der Gleichberechtigung. Sie machen nicht den mindesten Racen- oder Glaubensunterschied. Sollte im bürgerlichen und im politischen Leben I nicht das gleiche Princip zum herrschenden erhoben werden? *Der Jude, der Gut- und Blutsteuer zahlt und freudigen Herzens für das Wohl des geliebten Vaterlandes jedes noch so schwere ihm auferlegte Opfer bringt, der darf systematisch verfolgt, geschmäht, gehetzt und beleidigt werden?! Seine Politischen Rechte werden ihm wegescamotirt — die Pflichten bleiben bestehen. An ihnen wird nicht gerüttelt. Und zwischen Rechten und Pflichten besteht doch ein unsichtbares geistiges Band, ein Causalnexus, wer an die Einen zu rühren wagt, erschüttert nothwendig die Anderen. Doch wollen wir nicht mehr als nöthig vom Thema abschweifen und dem Oberst Ritter von M a n o j l o v i c das Wort laffen, der im Vorwort zu dem bereits erwähnten Soldatenbuche wünscht, daß dasselbe zum Volksbuche werden möge. „Dann werden die braven Söhne des herrlichen Buchenlandes (das Regiment recrutirt sich hauptsächlich aus der Bukowina), gleichviel ob Rumänen oder Ruthenen, ob Magyaren oder Polen, gleichviel ob Katholiken oder Griechisch-Orientale, ob Juden oder Lippowaner, wie bisher auch in der Zukunft dem Rufe ihres geliebten Kaisers zu neuen Waffenthaten mit gehobenem Herzen und mit Freude folgen." Das Regiment wurde 1701 gegründet. Im spanischen Erbfolgekrieg erhielt es die Feuertaufe, und bewährte sich in zahllosen blutigen Schlachten. — Türkenkrieg, österreichischer Erbfolgekrieg, siebenjähriger Krieg — ruhmreiche Blätter in seinem Ehrenkcanze. Erst in diesem Jahrhundert begegnen wir beim Durchblättern jüdisch klingenden Namen, welche in das Gedenkbuch der Ehre eingetragen wurden. Bei Nemet-Bogsan im ungarischen Nationalkriege hatte sich durch besonderen Heldenmuth ausgezeichnet der Cadet-Feldwebel Leibsch ank. Besonders ausführlich erscheint die aufopfernde That des Gemeinen Jakob Brodsack der 5. Compagnie behandelt und sie verdient es auch. Es war nach dem Falle von Budapest. Die kleine Besatzung des Schlosses Deva mußte nach harten Drangsalen am 27. Mai capituliren und erhielt freien Abzug nach Ungarn. In Lugos wurde der Mannschaft unter allen möglichen Verheißungen der Dienst bei den Honveds angetragen. Das entschlossene uud kluge Abschlagen dieses Antrages durch den Gemeinen Brodsack erweckte den Muth der dabei gewesenen Mannschaft des Regimentes, ein Gleiches zu thun, welche insgesammt ihrem dem Kaiser geleisteten Eid treu blieb. (Nun Herr Schneider? Was ist's mit dem Lol nidre?!) Nach mehrwöchentlichem Herumziehen und wiederholter, erfolgloser Beredung der Mannschaft, im ungarischen Heere Dienste zu nehmen, wurde dieselbe nach Arad in Marsch gesetzt. Hier gelang es Brodsack aus dem Lager zu flüchten und sich in die Wälder der Umgebung Temesvars zu scylagen, wo er wochenlang, vielen Beschwerlichkeiten ausgesetzt, sein Leben elend fristete, bis es ihm nach wiederholten Versuchen gelang, endlich am 21. Juli durch die feindlichen Vorposten durchzubrechen und in die Ftstung zu kommen, allerdings nur mit großer Lebensgefahr unter den nachgesandten Schüssen der feindlichen Posten. Dieser treue brave Soldat wurde mit der silbernen Tapserkeitsmedaille erster Classe decorirt. Wir sind fast wörtlich der officiellen Darstellung gefolgt. Der militärische Styl ist ein nüchterner, trockener, und hält sich grundsätzlich von jeder Ueberschwänglichkeit ferne. Es schimmert aber hier die warme Sympathie mit dem wahren Muthe hervor und die Unerschrockenheit, die echte Charakterfestigkeit wurden bewundernd anerkannt. Nach dem Vorpostengefechte bei Szt.-Kiraly am 21. Juli fand am 23. Juli der Angriff auf die feindliche Stellung bei Uzon statt. Für hier bewiesene Tapferkeit wurde mit Armeecorpsbefehl belobt der Gemeine Moses Gellmann. Im italienischen Feldzuge zeichnete sich der Stabssührer Jakob Schreiber hervorragend aus. Monza war vom Regimente geräumt worden. Schreiber hatte bedeutende Verpflcgsgeldcr zur Abfuhr bei sich und wurde von den Piemontesen gefangen genommen. Er verbarg das Geld am bloßen Körper und zog also in die Kriegsgefangenschaft, wo er kärgste Verpflegung erhielt. Eigenes Geld hatte er keines bei sich. Die anvertraute Barschaft rührte er nicht an und brachte sie nach seiner Rückkehr aus dem feindlichen Lager ohne Abgang zurück. Jakob Schreiber erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Classe. r Im Feldzuge von 1866 gegen Preußen wirkte Feldwebel Moritz Meissel von der 11. Compagnie durch persönliches Beispiel aneifernd. Die silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Classe schmückte dafür seine Brust. Ferner erhielt für sein heldenmüthiges Verhalten vor dem Feinde eine besondere Anerkennung der Feldwebel Isidor Wolf. Im bosnischen Occupationskriegefiel Hauptmann P o ra s. „Corpora! Juda F au st der 1. Compagnie hat als Commandant eines Munitions-Nachschubstaffels die Munition bis in die Feuerlinie gebracht, gerade noch zur Zeit, als schon Munitionsmangel einzutreten drohte, was ihm jedoch nur dadurch gelang, daß er die als Tragthier-Roggelknechte verwendeten Bosniaken, welche in Folge der großen Lebensgefahr den Dienst versagen wollten, mit dem Bajonette in die Gefechtslinie Hineintrieb; er hat sich auch sonst bei allen Gelegenheitend ur chseinunerschrockene s, muthiges und energisches Benehmen hervorgethan". Der Einjährig-Freiwillige Simon Trug zeichnete sich durch besonderen, persönlichen Muth aus. Er eiferte in kritischen Momenten die Leute zum Ausharren an und ging selbst mit bestem Beispiele voran. Es wird bezeugt, daß er durch Herzhaftigkeit bestens auf die Mannschaft einwirkte. Auch dem Corpora! Samuel K i r a s ch wird Ehrenvollstes nachgerühmt. Er brachte den Verwundeten auf dem 'Gefechtsplatze mit eigener Lebensgefahr Hilfe. Das feindliche Feuer ignorirte er. Sein Muth und seine Thatkraft waren höchlicher Bewunderung würdig. Feldwebel Josef Bär leuchtete durch Muth hervor und zeigte sich als meisterhafter Schütze. Tapfer und unerschrocken

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