Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 29 (19.7.1895)
- Date
- 1895-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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A..-» ^-.J'. JUWIBJUM Seite 540 storbenen eines seiner eifrigsten und tüchtigsten Mitglieder, die Bevölkerung ihren opferwilligen Vertreter und die Stadt einen ihrer besten Mitbürger." — Der Obmann des Deutschfortschrittlichen Vereines Herr Gustav Iosephy gab in einer Zuschrift namens des Vorstandes dem Schmerze über den Verlust des jahrelangen Schriftführers Ausdruck, in welchem dem Vereine und der Partei „ein wackerer Sohn seines deutschen Volkes, dem er mit treuem Herzen angehörte, ein für alles Gute und Edle, für Freiheit und Fortschritt begeisterter Kämpfer verloren gegangen ist." Die Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines ehrte ihren ersten Obmann und den Gründer der Vereinsschule in Lipnik. Namens der Stadt sprach am Grabe Gemeinderath Dr. Markusfeld in wärmster Weise, nachdem die Prediger von Bielitz und Biala, die Herren Doctor H o r o w i tz und Dr. Glaser, die Verdienste des Verstorbenen gewürdigt hatten. Jglau. Aus der Feder des geistvollen k. k. Gywnasialdirectors Herrn Julius Wallner bringt das soeben erschienene „fünfundvierzigste Programm des k. k. Staats-Obergymnasiums zu Jglau" auf Seite 52 folgenden Nachruf: „Einen weiteren Verlust erlitt die Anstalt durch den Rücktritt des bisherigen Lehrers der israelitischeu Religion, Rabbiner Dr. Jacob Unger, welcher sich mit Beginn des laufenden Schuljahres vom Lehramte zurückzog. Seit October 1860 mit der Versehung des israelitischen Religionsunterrichtes an der hiesigen Anstalt und mit Decret des hohen k. k. mährischen Landesschulrathes vom 1. December 1873. Zahl 26292, als Nebenlehrer für diesen Gegenstand bestellt, hat Dr. Jacob Unger durch volle 34 Jahre am hierortigen Gymnasium erfolgreichst gewirkt, bis ihn die berechtigte Rücksicht auf seine Gesundheitsverhältnisse zwang, von dem Amte zu scheiden. Seine nicht nur im engeren Fachgebiete hervorragende wissenschaftliche Bedeutung, welche ihn weit über die Grenzen seines Berufskreises ehrenvoll bekannt gemacht hat, sein methodisches Geschick, sowie der echt humane Geist, der ihn beseelt, haben den Genannten nicht nur zu einem trefflichen, hochverehrten Lehrer, sondern auch zu einem wahren Freunde der studirenden Jugend gemacht, welche seines langjährigen Wirkens stets mit ehrerbietiger Dankbarkeit gedenken wird. Der Lehrkörper verlor durch den Rücktritt desselben einen hochgebildeten, liebenswürdigen Collegen, der im Kreise der Anstaltslehrer das beste Andenken hiuterläßt. In Anerkennung der vielfachen Verdienste, die sich Dr. Unger während seiner Lehrthätigkeit erworben, wurde demselben über Ermächtigung Seiner Excellenz des Herrn k. k. Ministers für Cultu>s und Unterricht durch den hohen k. k. Landesschulrath (am 19. November 1894, Zahl 11885) für sein vieljähriges, erfolgreiches und patriotisches Wirken die Anerkennung ausgesprochen". Tarnow. In der hiesigen Baron Hirsch-Schule fand am 10. d. M. unter dem Vorsitze des von der Bezirksschulbehörde delegirtenHofrathcs Sr. Wohlgeboren Herrn K. Benoni, k. k. Gymnasialdirectors, und unter Betheiligung der Mitglieder des Local-Comites, Wvhlgebvren Herren H. Merz, Dr. A. Ringelheim und Julius Sil big er, wie auch zahlreicher Gaste die Jahresprüfung statt. Die geläufigen Antworten der Schüler legten ein beredtes Zeugniß von ihren sehr guten Fortchritten in den einzelnen Unterrichtsgegenständen ab. Für die hebräische Sprache ist ein besonderer Prüfungstag, und zwar der 8. d. M. anberaumt worden, wodurch dem sich für diesen Gegenstand interessirenden Publicum Gelegenheit geboten wurde, von den Leistungen der Schule auf diesem Gebiete Notiz nehmen zu können. Ein aus Kennern bestehendes Auditorium verfolgte mit sichtlichem Jntereffe das in seinen Details sich ordnungsgemäß abwickelnde Programm dieser hebräischen Prüfung. Auf alle sowohl seitens des examinirenden Lehrers wie auch mancher Gaste in hebräischer Sprache gestellte Fragen gaben die Schüler correcte Antworten, übersetzten geläufig die Bibel und schrieben ein hebräisches Extemporale auf der Schultafel fehlerfrei und mit Berücksichtigung der Jnterpunction, worüber sämmtliche Gäste, unter ihnen auch der hiesige Rabbinatsverweser Herr Saul Rapaport, höchst erfreut waren. Gablonz. Am 15. Juni l. I. waren es 25 Jahre, daß einige Hiesige Einwohner einen Cultusverein gegründet haben. Der Verein zählte damals kaum 30 Mitglieder. Seit dieser Nr. 29 Zeit wuchs die jetzige Cultusgemeinde Gablonz auf 170 Mitglieder. Die Gemeinde beschloß, diesen Tag festlich zu begehen. Unter den Gründern der Gemeinde zeichnete sich Herr Emanuel Lederer durch sein zielbewußtes Wirken in allen Cultusangelegenheiten aus und wurde vor 25 Jahren zum 1. Tempelvorsteher gewählt. Seit dieser Zeit wirkt der genannte Herr in dieser Eigenschaft in musterhafter Weise. Viele Institutionen der Gemeinde sind seiner Initiative zu verdanken. Die Gemeinde gab am Jubiläumstage ihrer Anerkennung dadurch Ausdruck, daß der Gesammtvorstand Herrn Lederer von seinem Hause abholte und ihn in den festlich decorirten Sitzungssaal der Cultusgemeinde geleitete, wo die vornehmsten Mitglieder der Gemeinde, ferner Deputationen der Chewra-Kadischa (dessen Präses Herr Lederer ist), und der Frauenverein seiner harrten. Der Culluspräses Herr Daniel Men dl hielt an den Jubilar eine Ansprache, in der er dessen Verdienste um die Gemeinde rühmte, und überreichte ihm eine Adresse, des Inhaltes, daß die.Gemeinde aus diesem Anlässe eine Emanuel Lederer Jubiläums- Wohlthätigkeits-Stiftung gegründet habe und dem Herrn Lederer zur Bestimmung überlasse. Herr Lederer dankte für diese Anerkennung und nahm die Glückwünsche der Deputationen entgegen. Darauf folgte feierlicher Gottesdienst im Tempel. Das Mah Towu wurde vom Cantor Geiringer wirkungsvoll vorgetragen. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. H. B a u e t h in erhebender Weise. Neustraschitz (Böhmen). Am 23. Juni d. I. beging die Chewra-Kadischa in Neustraschitz die Gedenkfeier des 80jährigen Bestandes. Unsere Chewra-Kadischa wurde im Jahre 1815 von durchwegs jungen, ledigen Männern gegründet; die in hebräischer Sprache geschriebenen, ursprünglichen Tekunoth (Statuten) offenbaren einen tiefreligiösen, humanen Geist und haben auf die Mitglieder stets einen außerordentlich günstigen Einfluß, speciell in religiöser Beziehung, ausgeübt, der sich hauptsächlich darin äußerte, daß noch bis hente das Studium des Talmuds innerhalb dieses Vereines intensiv gepflegt wird. Während der ganzen Dauer seines Bestehens hatte der Verein nur vier Obmänner, darunter Jsserl Lampl, einen in ganz Böhmen wegen seiner tiefen talmudischen Gelehrsamkeit berühmten und geachteten Mann, welcher fast 50 Jahre an der Spitze der Chewra-Kadischa stand. Der nunmehrige Obmann, Herr Leopold Löwner, ein Mann von 78 Jahren, ist seit 30 Jahren gleichzeitig Cultusvorsteher und versieht seine Aemter mit seltener Rüstigkeit. Bei der Popularität, der sich der genannte Verein in allen Kreisen erfreut, war es kein Wunderdaß die Gedenkfeier in glänzender Weife ausficl. Zu dem ane läßlich der Feier abgehaltenen Festgottesdienste erschienen die Behörden und Spitzen der Bevölkerung, darunter der hiesig, k. k. Bezirksrichter, die Gerichtsadjuncten, der Bürgermeister und Stadtrath, die Lehrerschaft u. s. w. Die Festpredigt, in czechischer Sprache gehalten, machte einen tiefen Eindruck, insbesondere als der Prediger die jüdische Wohlthätigkeit als die einzig würdige und starke Waffe pries, mit welcher ein erfolgreicher Kampf gegen die destructiven Elemente geführt werden könne. Bei dem hierauf abgehaltenen Festbankett sprach Herr Rabbiner Thor sch aus Schlan einen Toast auf den Verein. Berlin, 9. Juli. Aus Lehrerkreisen wird der „Jüd. Pr." geschrieben: „Die vielbesprochene Verfügung des Provinzial-Schulcollegiums weckt die Erinnerung an die Debatten, welche am 4. März 1862 über bte Zulassung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Schulen stattgefunden und dadurch ihre Bedeutung für alle Zukunft behalten haben, daß der größte deutsche Pädagoge unseres Jahrhunderts, Adolph Diesterw eg, auf das Allerlebhasteste für diese Zulassung eintrat. Der Magistrat der Stadt Posen hatte den Dr. I., einen Juden, zum Lehrer ernannt, während die Regierung diesem durchaus tüchtigen Manne die Genehmigung zur definitiven Anstellung versagte. Am 4. März 1862 kam eine diesbezügliche Petition der Stadt Posen im Abgeordnetenhause zur Berathung. In vorgerückter Stunde erhob sich Diesterweg und sagte u. A.: „ . . . Der Herr Regierungscommissär hat bei Gelegenheit der Discussion über den vorliegenden Antrag in der Unterrichts-Commission sehr wunderbare Ansichten ausgesprochen. Er hat gesagt, daß, wenn ein jüdischer Lehrer in das Lehrer-Collegium einer Paritätschule einträte. würde die Schule zu einer religiös-indifferenten. Meine Herren, die Behörde brauchte ja weiter nichts zu thun, als zu sorgen für den Religionsunterricht, wie für Katholiken und Evangelische, so auch jür die jüdischen Kinver. Wie kann man behaupten, daß die Dr. Blvch's Wochenschrift.