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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-19 · 29 (19.7.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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EMISJAU Seite 538 Dr. Bloch's Wochenfchrist. Nr. 29 Die Regierung steht diesen Bestrebungen wohlgesinnt gegenüber; die Presse hat bisher diese Mißstände mit Stillschweigen übergangen. Biel steht hier auf dem Spiel, mit diesen bisher cingegangenen etwa 3000 Brauereien und den noch folgenden 6000 Brauereien gehen noch ebenso viele selbstständige Existenzen zu Grunde. Zudem Hot der Großbetrieb eigene Böttcherei, Schmiede, Sattlerei und im Berhältniß weniger Leute als er zu Grunde gerichtet hat. Diese 9000 Brauer mit mindestens 27.000 Brauereiarbeitern zusammen 36.000 Personen, nimmt der Großbetrieb nicht auf, vielleicht hoch geschätzt den vierten Theil, den übrigen ist lohnender Verdienst entgangen. Und nun die 9000 Besitzer, in der Reget ältere Leute, d.'e der schweren Arbeit in den Großbetrieben nicht mehr gewachsen sind, stehen rath- und hilflos auf der Straße. Die Einwendungen, die gegen die Staffelsteuer gemacht werden, gipfeln darin, was nützt es dem Kleinbauer, wenn er 500 bis 1000 Mark Steuer spart? Diese großen Herren wissen eben gar nicht, was das für eine große Summe für einen kleinen Mann ist. Sie sollten sich mehr hineindenken, in die Lage der kleinen! Das ist ein glänzendes Beispiel dafür, wie der Großbetrieb den Kleinbetrieb verschlingt. Die eherne Wucht nationalöconomischcr Gesetze ist stärker als der ohnmächtige Wille des Mittelstandes zum Leben. An diesem Kampfe hat das Judenthum keine Schuld, er würde in gleicher Stärke toben, selbst wenn die Juden nur Sagengestalten wären. Wenn das ein Jude gethan hätte! Vor dem Tribunal in Neapel spielte sich im Juni ein Proceß ab, der in Italien großes Aufsehen erregte. „Die Leipziger Volkszeitung" berichtet über denselben: Ein Priester, Namens Paola I a c o m i n o, hatte vier Schwestern, mit Namen O l i v i e r i aus dem Orte Resina, Eine nach der Anderen verführt. Er überredete sie alle vier, in einer schönen Nacht mit ihm durchzugehen und miethete sie als seine Haushälterinnen in einer romantisch gelegenen Billa bei Neapel ein. Die lieben Schwestern aber hatten bei ihrer Flucht zugleich ihr Brüderlein einen achtjährigen Knaben, aus dem elterlichen Hause mitgenommen. Nach vieler Mühe gelang es den Eltern, die Spur der Geflohenen aufzufinden, und nun kam es zum öffentlichen Proceß wegen Raubes von Minderjährigen (der beiden jüngeren Schwestern und des Knaben). Während die beiden älteren Töchter ihren Verführer aufs Eifrigste vertheidigten und ihn als einen wahren Heiligen hinstellten, plauderte der Knabe mit der größten Naivetät die unglaublichsten erotischen Scenen aus. Der Schluß des Processes war. daß der Priester zu zwei Jahren und die beiden älteren Schwestern zu zehn und acht Monaten Gefängniß verurtheilt wurden. Den Hetzorganen der antisemitischen Internationale mag es in der Seele weh thun, daß dieser Paolo Jacomini nicht ein Rabbiner ist, dessen sittliches Betragen man dann als typisch hinstellen könnte, um dafür die gesammte Judenschaft, einschließlich der schwarzen Juden von Ernakulum, verantwortlich zu machen. Schwarze Juden. Die schwarzen Juden von Ernakulum schildert eine Studie der „Kölnischen Zeitung" wie folgt: Als Stätte verschiedener Religionen ist Kochin, das alte, für die Ausfuhr seines Pfeffers berülmte Kothinara. gewiß einer der intereffantesten Plätze Indiens. Es ist der Hauptsitz der katholischen Syrianer sowie einer kleinen Gemeinde von Nestorianern, die wieder in mehrere Secten zerfallen. Außerdem lebt auf dem Festlande, d. h. in Ernakulum, eine Colonie schwarzer Juden, Es ist nicht genau festzustellen, auf welche Weise sie dorthin kamen, und wenn man auch die Ansicht, daß sie die Nachkommen der Eingeborenen sind, die von Hiram und Tarschisch bekehrt wurden und Ernakulum selbst das Ophir König Salomon's ist, als Mythe betrachten muß, so deutet doch Vieles auf einen uralten Ursprung hin, und man wird kaum fehlgehen, wenn man die Gründung der Colonie in die Zeit kurz nach der Freilassung der Juden unter Cyrus verlegt. Das Judenvieriel Ernakulum zeichnet sich wenig vor anderen orientalischen Städten aus. Die Straßen sind eng und stets von einer großen Menschenmenge, in der man sofort die charakteristischen, obwohl dunkeln, jüdischen Züge erkennt, belebt. Die Männer fallen sofort durch die vor die Ohren herabhängenden Locken und den langen Kaftan auf. Bei der weiblichen Bevölkerung findet man, besonders im Mädchenalter, wirkliche Schönheiten, die sofort durch die großen, geistvollen Augen gegenüber dem stumpfen, sinnlichen Gesichtsausdrucke der übrigen Jndierinnen auffallen. Die Synagoge, die mit prachtvollen alten Delft-Porzellanplatten gepflastert ist, entzückt jeden Kunstliebhaber. Man zeigt da werthvollö, mit Edelsteinen besetzte Mitren und andere beim Gottesdienste gebrauchte Stücke. Correspondenzen. Wien. (Unverfälschte deutsche Worte.)Das „Wiener Tagblatt" publicirt folgende Zuschrift: „Ein teuttolles Blättchen, welches die entschwundene Waldursprünglichkeit der Germanen durch aufgethürmte Haufen gemeinster Wald- und Wiesenrohheit zu ersetzen sucht, hat sich, wie mir von befreundeter Seite mitgetheilt wird, herausgenommen, unter dem Titel „Schmock als Leidtragender" einen von mir anläßlich des Todes der Baronin Sofie T o d e s c o verfaßten Nachruf zum Gegenstand eines pöbelhaften Angriffes zu machen. Die Worte des Nekrologs, welche es aussprechen, daß der Tod dieser edlen Frau von ihren vielen Freunden und noch zahlreicheren Schützlingen als tief schmerzliches Ereigniß werde empfunden werden, reizt die nie gesättigte Verleumdungsgier des ostdeutschen Rundglotzers zu der Bemerkung, daß der betreffende „Tagblatt"- Schmock vermuthlick selbst zu den erwähnten Schützlingen der Baronin gehört habe. Es ist bezeichnend für den Jdeenreichthum dieser Partei, daß sie sogar die stigmatisirenden Beschimpfungen, allerdings sinnentstellend, den Wortschatz zweifelloser Anhänger der unbedingten Toleranz, wie in diesem Falle , Gustav Freytag, zu entlehnen sich gezwungen sieht. Meine Abstammung ist eine unverfälscht „arische" und ihres Nachweises bin ich in Wien enthoben. Den Stolz darauf überlasse ich Denjenigen, die im quälenden Bewußtsein, es über die allgemein zugängliche Würde des „Zeitgenossen" nicht hinausgebracht zu haben, sich durch die Erfindung des „Arierthums" zu n Mindesten eine Gefreitenstellung unter ihren Staatsgenossen gesichert zu haben glauben. Die freche Insinuation, welche mir zumuthet, selbst zu den Schützlingen der Dame in dem vorausgesetzten Sinne gehört zu haben, weise ich — aber keineswegs mit Entrüstung — zurück. In den Kreisen, an deren richtiger Information mir gelegen ist, kennt man die Lächerlichkeit dieses verleumderischen Angriffes. In der Werthschätzung der Verstorbenen fühle ich mich mit einer Reihe von Namen einig, deren guter Klang auch durch das Gequacke von Legionen teutonisch-antisemitischer Frösche in keinen Mißton verwandelt werden kann. Wenn diese Partei Einen wird hervorgebracht haben, der sich — nicht an geistiger Bedeutung, denn das ist unmöglich, weil ihr Horizont zu beschränkt ist, — sondern nur was die Zimmerreinheit betrifft, mit den mir vorschwebenden Persönlichkeiten messen kann — dann werde ich vielleicht beqinnen, mich um ihre Werthschätzung zu bewerben Gustav Schoenaich." Die Hetze gegen Ludwig Zwieback und Bruder iu Graz. Die Antisemiten in Graz schlagen Alarm. Es geschah nämlich etwas Schreckliches; im Gebäude der Steiermärkischen Sparcaffe wurde ein Geschäftslocal an die jüdische Firma Zwieback aus Wien vermiethet. Auf Anregung der Gemeinderäthe Starke! und Feichtinger wurde nun am 8. Juli aus diesem Anlässe eine „Protestversammlung" abgehatten. Dieselbe faßte nach erregter Debatte eine Resolution, in welcher gegen die Sparcaffe und gegen jene Kaufleute, die sich dervonden genannten Agitatoren eingeleiteten Bewegung nicht angeschlossen haben, die „schärfste Mißbilligung" ausgesprochen wird. Budapest. Dr. Wlassics, Cultus- und Unterrichtsminister, ist einer von denjenigen, die vom israelitischen Landes- Lehrerverein zum Ehrenmitgliede ernannt worden sind. Als ihm nun eine Deputation das Ehrendiplom überreichte, sprach der Minister seinen Dank in einer Weise aus, die dem Lehrerstande ebensowohl, als dem Judenthume zur Ehre gereicht. „Sie wissen, daß auch ich von der Lehrkanzel zu diesem hohen Amte berufen worden bin und daß ich nur ein höheres kenne: das Amt des Bolkslehrers". sie stehen glücklicherweise im Dienste einer Confession, die unerschütterlich in Beziehung auf Patriotismus ist. Die jüdischen Lehrer sind die Depositäre desselben. Darum nehme ich das Ehrendiplom mit Freuden an und betrachte mich nicht nur nominell, sondern in Wirklichkeit als.zu Ihnen gehörend." * Budapest. D ie Generalversammlung des israelitischen Land es leh rerverein e s wurde am 3. d. M. abgehalten und unter starker Betheiligung der aus allen Gegenden des Landes herbeigeströmten Mitglieder vom Präsidenten Julius Kornfeld eröffnet. Dem Präsidialberichte entnehmen wir die erfreuliche Miltheilung, daß das Bereinsvermögeu um rund 19,000 fl. zuqenommen und gegen 55,000 fl. beträgt. Auch die Zahl der unterstützenden und ordentlichen Mitglieder zeigt eine stetige Zunahme. Die Witwen der in den letzten Jahren verstorbenen 15 Mitglieder erhielten je 200 fl. Hierauf sind 13 Ehrenmitglieder gewählt worden. Bei der Wahl der Functionäre erschienen

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