Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 29 (19.7.1895)
- Date
- 1895-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 29 Seite 534 steckt, die Juden, damit der von ihnen in Scene gesetzte Scandal und Rummel unserer Partei in die Schuhe geschoben werden könnte. Aber ich durchschaute den Schwindel. Juden und Judeuknechte waren es, die unter antisemitischer Maske aus offener Straße sich so unwürdig betragen haben. Psui Loki! Und nochmal Pfui! (Jetzt habe ich gar dem Johannes ein bischen auf die Stiefel gespuckt). Die Antisemiten haben sich mustergiltig betragen — aber die Inden, die Juden! Was die in übertriebener Empfindlichkeit für ein Aufhebens machten! „Auf nach Jerusalem", „geht's nach Tarnopol", rief man ihnen freundschaftlich zu. War das so arg! Die Arier empfahlen ihnen eine Rundreise Tarnopol-Jerusalem. Das ist keine Provocation und keine Beleidigung. Da kamr man sich sehr gut unterhalten. Ich möchte gleich nach Tarnopol fahren und eine antisemitische Studienreise machen. — Wie ich endlich herauskam, fragst Du, o Pumpochen? „Nieder mit die Juden!" Dies ist bekanntlich das sicherste Drittel, rasch befördert zu werden. Das versuchte ich auch hier mit überraschendem Erfolg. Kaum hatte ich den Ruf ausgestoßen, als mich sofort ein geprüfter Ganselstopper, ein ritueller Schächter und eü: orientalisch aussehender Schnallendrücker in die Arbeit nahmen. Die haben mich schön zugerichtet. Ich bin ganz aus der Faoon gekommen. Ganz zerffnttert haben sie mich. — Na! Ich mache schöne Erfahrungen. Vorige Woche schmiß inan mich aus einer arischen Wählerversammlung nicht eben behutsam raus, weil man mich für einenJ u d en und diese Woche aus einer jüdischen, weil man mich wieder für einen Christen hielt. Ich, ein Christ? —lächerlich. Wotan, Thor und die lockige Freya, heißen meine Götter. Außerdem glaub ich an jung Baldur, blind Hödur — hehr Schönerer und blöd Jro-Verzeihe! Da habe ich ganz vergessen, daß die .teutsche Mythologie auch aufgelöst ist. Richtig! Ich bin ja jetzt wieder ein Christ, ein christlich-socialer Christ. Hoch Lueger! Kornblume, sie welke — es lebe die weiße Nelke! Ich bin auch nunmehr begeisterter Verehrer des Weihrauchjuden Spitzer-Weimar (!), der sich selber in seinem Blatt als Nilpferd schwungvoll besungen hat. Er hat immer ein großes Thier vorstellen wollen. Nun hat er sein Ziel erreicht. — Mila, bitte, spenden Sie etlichen Cognac, holdselige Jungfrau des Sitzes, ich wünsche einige Hoch's auf die Führer der christlichen Socialpartei auszubringen — und sie hat s ehr viele Führer. Daher wollen Sie gehörig eingießen. Johannes! Zahlen-Mensch! Brumme nichts Ungehöriges in Deinen Bart, sonst — bei Sankt Lueger's Gesinnungstreue! — geht es Dir, wie mir in der judenliberalen Wählerversammlung im Lannersaal. Und viel ärger kann es einem Menschen nicht mehr auf dieser verjudetsten aller Welten gehen. Servus Pumpo! U. D. G. Teutobold. NB. Falls Du meinen Berichten nicht vollen Glauben schenken solltest, o Pumpo, — Du wirst doch nicht an meiner racenreinen Wahrheitsliebe zweifeln! — lies nur die antisemitischen Blätter, da steht es haarscharf, daß das freche, judenliberale Karnickel wieder einmal angefangen hat. D. O. Zur Regelung des israelit. Religionsunterrichtes sn den Mittelfümlen Galiziens. Es gereicht uns zur befriedigenden Genugthuung, die erfreuliche Thatsache registriren zu können, daß der galizische Landesschulrath, einer im galizischen Landtage gegebenen Anregung des Abg. Dr. Goldmann folgend, sich endlich der Regelung des arg vernachlässigten Unterrichtes der mosaischen Religion in den Mittelschulen Galiziens annimmt. Die auf dicsemGebiete hier bestehenden craffen Uebelstände rühren von zwei ganz verschiedenen Ursachen her. An vielen | Mittelschulen sind bisher g ar k eine israelitisch e n R e l i g i o n s l e h r e r an g est e l l t. Und da Religionslehre ein obligater Lehrgegenstand ist, so wird von den jüdischen Studierenden ein vom O r t s r a b b i n e r ausgefertigtes Privatzeugniß über erhaltenen Religionsunterricht gefordert, auf Grund dessen die in demselben ertheilte Fortgangsnote in das Semestralzeugniß, jedoch ohne Einfluß auf die allgemeine Zeugnißclasse im Sinne der Ministerial- Verordnung vom 24. Juli 1874, Z. 4085, ausgenommen wird. Der problematische Werth eines solchen Privatzeugnisses für Studierende „in nd86ntia" ist allgemein und auch der Schulaufsichtsbehörde nur zu gut bekannt, und ist dies am wenigsten dazu angethan, die erste Aufgabe der Schule: die „religiös-sittliche" Erziehung unserer Jugend, zu fördern. In denjenigen galizischen Mittelschulen hinwiederum, au welchen der Religionsunterricht für die mosaische Confession von einen: hiezu bestellten Religionslehrer ertheilt wird, pflegt dies fast in jeder Schule nach eine m anderen Lehrplane zu geschehen, wie sich ihn der betreffende Religionslehrer mit der sehr leicht erhältlichen Zustimmung des Cultusvorstandes der Ortsgemeinde nach eigener Faoon zurechtgelegt. Auch da äußern sich in beklagenswerter Weise die mißlichen Folgen des empfindlichen Abganges einer einheitlichen festen Organisation der vielen Cultusgemeinden in Galizien nach Muster der in Ungarn, Böhnren und Mähre:: längst bestehenden Gemeindeverbände, welche mit vereinten Kräften zun: Besten der Einzelgemeinden wie der Gesammtheit segensreich wirken. In Gemäßheit des § 7 des Gesetzes von: 25. Mai 1868 ist die Einführung der Religions-Lehrbücher für den Gebrauch der Mittelschulen nach der von der confessionellen Oberbehörde (bei den Israeliten wird dieselbe durch den Cultusvorstaud r e p r ä s e n t i r t) abzugebenden Zulässigkeitserklärung zu genehmigen. Wer aber mit den Bildungsverhältnissen der galizischen Cultnsvorstände einigermaßen vertraut ist, muß ihnen die geistige Con:petenz zur Approbation solcher Lehrbücher entschieden absprechen. Denn selbst diejenigen Vorstandsmitglieder, welche allgemeine Schulbildung besitzen — was bei sehr Wenigen zutrifft — werden kann: über das specielle Wissen verfügen, um die Zulässigkeit der Religions-Lehrbücher für die Mittelschulen vom didactisch-pädagogischen Standpunkt beurtheilen zu können, zumal sie selbst zu ihrer Studienzeit ganz bestimrnt keinen Religionsunterricht in der öffentlichen Schule genossen haben. Es ist daher gewiß keine Uebertreibung, wenn wir die Zusammenstellung der von den galizischen Cultusvorständen approbirten verschiedenen Religionsbücher und Lehrpläne als ein Wirrniß, als ein Mvä libet bezeichnen. Ein auf einen gleichmäßigen, einheitlichen Unterricht der mosaischen Religion an allen galizischen Mittelschulen abzielender Vorschlag, welchen der galizische Landesschulrath unter Mittheilung eines von Dr. Jecheskiel Caro, Rabbiner und Prediger in Lemberg, entworfenen Lehrplanes den betheiligten Cultusvorständen zugehen ließ, wurde allseitig mit freudigem Danke begrüßt. Der diesbezügliche landesschulrathliche Erlaß forderte die Cultnsvorstände auf, sich über den Caro'schen Entwurf binnen 14 Tagen umso gewisser zu äußern, als sonst derselbe als angenommen angesehen werden und schon mit dem Schuljahre 1895/96 für die Mittelschule der Ortsgemeinde in Wirksamkeit treten wird. In Entgegnung hierauf hat der Cultusvorstaud der Gemeinde Drohobycz nach einen: vom Gefertigten erstatteten Referate sich mit der dem gedachten Entwürfe zu Grunde liegenden Idee im Principe einverstanden erklärt, gleichzeitig aber einen Gegenvorschlag dem hohen Landesschulrathe mit folgender Zuschrift unterbreitet: