Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 29 (19.7.1895)
- Date
- 1895-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Blvch's Wochenschrist. Seite 533 nach dem Palais geführt, wo sie dem Kaiser vorgestellt wurden. Der Kaiser unterhielt sich mit den Künstlern sehr leutselig fast eine Stunde, sprach sich sehr anerkennend über den broncenen Christus und die marmorne Schlangenbeschwörerin aus und erkundigte sich bei dem Bildhauer über seine Arbeiten in Paris. Bei dieser Gelegenheit erlaubte sich Professor Bogoljubow dem Kaiser zu bemerken, daß B ernst am m sich hochbeglückt fühlen würde, wenn Seine Majestät ihm gestatten sollte, höchstdessen Büste zu modelliren. Nach einigem Nachdenken erklärte sich der Kaiser damit einverstanden, fügte aber hinzu: „Ich habe nur den Juni frei, wo ich Ihnen sitzen kann, muß Ihnen jedoch bemerken, daß meine Zeit sehr in Anspruch genommen ist und daß die Söancen, wenn sie allzu häufig und zu anhaltend sind, mich ermüden." B ernst am m versicherte Seine Majestät, daß er die kostbare Zeit des Monarchen nur wenig in Anspruch nehmen würde und daß er hoffe, das Werk in zwei bis drei Sitzungen zu vollenden. Der Kaiser schien über diese kurze Frist ganz erstaunt, doch Professor Bog o.ljub ow versicherte Seine Majestät, daß Bern stamm sicherlich in besagtem Zeiträume die Büste vollenden werde. Nikolai ll. entließ die Künstler sehr huldvoll, nachdem er ihnen die Hand gereicht und Herrn Bern stamm nochmals seine Anerkennung über die zwei ihm soeben vorgestellten Kunstwerke ausgesprochen hatte. Bei der Abreise (die erst nach einem opulenten Frühstück erfolgte, wie es stets in solchen Fällen den vom Kaiser in Audienz empfangenen Personen im Palais servirt wird) nahm der HofmarschallGrafBenkend o rff die Adresse Bernstamm's und erklärte ihm, er möge sich bereit halten, wenn er im Lause des Juni (alten Styls) berufen werde, den Kaiser zu modelliren. Ich hatte vergessen, zu erwähnen, daß während des Gespräches der Kaiser den Sculptor fragte, ob er einen großen Raum für seine Arbeiten bedürfe, worauf Herr Bernstamm erwiderte, daß ihm die kleinste Räumlichkeit genüge. P. 8. So eben geht mir folgende Nachricht zu: Der stellvertretende Minister des kaiserlichen Hofes Baron Fredriks hat Herrn B e r n st a m m in Kenntniß gesetzt, daß der Kaiser zu seinem größten Bedauern im Laufe des Monats Juni nicht im Stande sei. die versprochenen Sitzungen zu gewähren; daß Seine Majestät jedoch den Bildhauer ersuche, die Modellirung im September d. I. vorzunehmen. Herr Bernstamm ist auch gestern nach Paris zurückgekehrt, von wo er Anfang September (alten Styls) nach Petersburg kommen wird, um im großen Palais von Zarskoje-Selo den so sehr ehrenvollen Auftrag auszuführen. Teukobold im Lannerssal. Schreibebrief des deutschnakionalen Studenten. XXXI. Wien, mitten im Heumond 1895. O lieber Kumpan Punrpo! Natürlich war ich im Lannersaal. Da werde ich nicht dabei sein! So eine Judenhetz war noch nicht da. Prachtvoll, sag' ich Dir, großartig, Phänomen-, coloss- und pyramidal. Die Juden hatten den Lannersaal gerade zur Abhaltung ihrer Versammlung ausgewählt, weil das Gänslermädchen vor demselben aufgestellt ist. Du kennst den Brunnen. Eine jüdische Gänslerin führt eine koschere Gans. Eine die andere. Sehr schön und recht passend. Ich bin ein Freund der Symbolik. ... Lueger hatte dem Juden Richter ein Brieflein geschrieben: „Du Freunderl, ich würde gern in Deine Versammlung kommen!" Daß die per Du sind, hat Manchen groß Wunder genommen. Da muß man schon Sie sagen. Ich wär' jetzt gar nicht mehr erstaunt, wenn der Erzmechaniker Schneider dem Abgeordneten Noske ein Brieflein schriebe: „Lieber, alter Freund! Komm' Nachmittag aus ein gemüthliches Plauderstündchen zu mir herüber. Ich wünsche mich mit Dir ein wenig über den verderblichen Einfluß des Lol-niärs aus die Unio catholica zu unterhalten und über eine Talmudstelle, welche mir Schmierigkeiten bereitet. Ich muß schließen, da ich mehrere frisch geschochtene Christenkinder mit meiner Stampiglie zu versehen habe. Deckert kommt auch. Wir können einen Dreier machen. Grüß Dich, Tschau! Dein treuer Freund Ernst Schneider. P. 8. Wir spielen natürlich wie immer mit dem Juden". Es ist sehr schön, daß der Lueger und der Richter noch immer sich duzen! Der Lueger ist aber nicht geladen worden. Die Juden sind pfiffig. Statt seiner kamen wir aber gleich zu vielen Hunderten anmarschirt, besetzten die Rahlstiege und die Rampen. Unsere Feldherren suchten die geeignetsten, befestigtesten Punkte aus, von denen sich ein Spuckbombardement am sichersten eröffnen ließ. Wir haben Geister, große Geister in unserer Partei und die begannen alsbald zu — spucken. Die Judenblätter haben Alles in sattsam bekannter, tinten-schmöckischer Weise entstellt. Unsere Partei hat sich auch diesmal genau so betragen, wie man es von ihr erwarten durste und wie man es von ihr gewohnt ist. Keinem Juden wurde auch nur eine Paje gekrümmt. Daß einigen liberalen Wählern ein wenig ins Gesicht gespuckt wurde — ei du liebes Wotanle! das sind so unsere kleinen Scherze, die man uns schon zugute halten muß. Wer uns kennt, der nimmt uns das nicht so übel, das ist nicht so böse gespuckt. Menschen, Menschen sind wir Alle uitb Jeder von uns hat seine kleinen Eigenheiten. Und wenn gar ein paar Gegner gepufft und gestoßen und gehauen wurden, so nehmen wir es ihnen nicht im Geringsten übel. Das kann ja Vorkommen? Todtgefchlagen ist keiner worden, sonst hätte er sich schon gemeldet. Ich selbst wollte mir den vom Ober-Rabbiner Richter geleiteten jüdischen Gottesdienst in der Nähe ansehen und begab mich mit einer mehr weniger echten Einlaßkarte zum Eingang. Der Ordner war, wie mir der Berichterstatter des „Deutschen Volksblatt" versichert — ein mehrfach gehängter Raubmörder — machte falsche Augen und wies mich an einen anderen Herrn, welcher in seiner freien Zeit geprüfter und diplomirter Ochsentreiber ist. Es fehlt ihm somit nicht an dem Befähigungsnachweise, Ordner in einer jndenliberalen Wühlerversammlung zu sein und die Antisemiten aus derselben fern zu halten. Ter Mann ist für seinen erhabenen Beruf geboren. Welche Musculalur. Jagendorfer ist ein blutarmes Mädchen gegen ihn und sollte Levico-Wasser trinken. Er hatte etwas Gebieterisches in seinem Wesen. Seine hinauswersenden Handbewegungen werde ich nie vergessen. „Da werden Sie ein alter Antisemit werden, bis Sie da herein kommen", mauschelte er mich an. Da ich aber nicht locker ließ, warf er mich drei Herren zu, von denen der eine ein emeritirter Einbrecher, der zweite ein Lustmörder und der Dritte einer unserer begabtesten Taschendiebe und Ringwerfer war. Die beriethen nun in jüdischliberalem Jargon, ob ich einzulassen wäre. Da fing ich nun selbst drein zu mauscheln an, und da ich das meisterhaft verstehe, waltete kein Anstand mehr ob und ich wurde anstatt hinaus-, hinein geworfen. Da drinnen sah es Dir gut aus. „Gemiethet von Wrabetz" stand an allen Säulen zu lesen, natürlich in hebräischen Buchstaben. Ich kam gerade dazu, wie einige Christen lebendig geschunden, sealpirt und geviertheilt wurden, nachdem man ihnen die Uhren und die Brieftaschen vorher weggenommen hatte. An jedem Tische wurden Messer gewetzt! Entsetzliche Grüuelthaten wurden von diesen Leuten begangen. An den Wanden waren die Portraits der Juden Hugo Schenk, Franz (nicht Ernst) Schneider, Dostalek und anderer judenliberaler Politiker angebracht und die bekränzte Büste des Semiten Suchovaty, — Schweinskopf mit Lorbeerblättern — stand vor dem Rednerpulte. Das kennzeichnet doch genügend die verbrecherischen Tendenzen dieser Partei. Und als die Redner begannen! Mir wurde nicht gut. Diese Hitze, dieser entsetzliche Dunst und Qualm, ich mußte hinaus, konnte aber nicht. Die Rollbalken waren niedergelassen. Ist das Liberalismus? Nicht einmal das bescheidene Vergnügen, die Spiegelscheiben eiuzuschlagen, gönnen sie den Gegnern in jüdischer Bosheit. Draußen johlte die Menge — lauter bezahlte Juden — die Blutlechzend aus die wenigen Christen warteten, die lebend herausbefördert würden. Sie hätte mich gewiß erschlagen, die wüthende Meute. Weiße Nelken hatten sie sich vorge-