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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-19 · 29 (19.7.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
29 (19.7.1895)
Date
1895-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 531 Romanul. S. Oppenheim, die Judenverfolgungen in Rumänien S. 5 ff. „Wie die Juden, so haben aber auch die Deutschen kem Vaterland, wie die Vögel flattern sie unstät umher und verlassen wie sie mit derselben Leichtigkeit die Stätte ihrer Geburt. Der Deutsche läßt seinen häuslichen Herd, seine Freunde und Verwandten ohneweiters zurück, packt seine Nationalität in den Ranzen, denn wie der Jude bleibt auch der Deutsche als Sieger oder Besiegter immer ein Deutscher, um, ohne auch jemals an die Rückkehr in seine Heimat zu denken, nach Amerika, Australien, kurz überallhin zu wandern, wo ' er sich einen Kreuzer verdienen, sich eine Oka Bier und ein Stück Fleisch kaufen zu können glaubt. Diese Deutschen sind um so gefährlicher, als sie bei ihrer vorgeschrittenen Cultur, bei der Leichtigkeit, mit welcher sie arbeiten, und, jedweden National- und Vaterlandsgefühls entbehrend, — sich kein Gewissen daraus machen, diejenigen, welche sie freundlichste ausgenommen haben, zu verdrängen. Noch weit mehr: Der Deutsche ist seiner innersten Cultur nach schweigsam, kriecherisch und geduldig, er verkleinert sich, bietet Dir seine Dienste an, bittet Dich, ihn in Deinem Hause aus Mitleid aufzunehmen, und wenn Du seinen Bitten willfährst, so arbeitet er in aller Stille so lange, bis er Dich arm gemacht, dich aus Deinem eigenen Hause hinausgew'orfen hat." Und dann kommt Herr Bratianu zu dem Schlüsse, daß in jeder Stadt Rumäniens sich ein rumänischer Nationalverein bilden soll, welcher von Juden — und Deutschen nichts kaufen und ihnen nichts verkaufen soll. Von rumänischem Standpunkte ist nichts dagegen einzuwenden, denn der Deutschenhaß ist dort ebenso zu Hause wie der Judenhaß. Weniger einwandsfrei ist es, daß unsere Großpächter des Deutschthums mit so deutschenfeindlichen Bestrebungen sympathisiren. Allerdings uns nicht ungewohnt, da sie in gleicher Weise mit den französischen Deutschenhassern, wie Drumont, ein Herz und eine Seele sind, und insofern sich unvortheilhaft von ihren fremdländischen Gesinnungsgenossen unterscheiden. Neuerdings ging die Nachricht durch einige jüdische Blätter, die rumänische Culturliga habe auch die rumänischen Juden zumBeitrittaufgefordert. Es wäre das durchaus im Sinne der Politik, die den Juden alle Lasten der Unterthanen aufbürdet, ihnen aber nur die Rechte der Fremden gewährt. Daß eine Anzahl Juden beitreten, ist nicht unmöglich; sind ja unter Anderen auch Naquet und Darmesteter auf die Culturliga, wie bemerkt, hineingefallen. Schon jetzt darf sich also die Culturliga rühmen, für Bestrebungen, die allenfalls Niemand angehen als die Ru- * mänen selbst, gegen den ungarischen Staat, der nichts anderes thut als alle Staaten, Ultramontane und Freimaurer, Deutsche und Deutsche hassende Chauvinisten der lateinischen Race, Antisemiten und Juden in Bewegung gesetzt zu haben. Beiträge zur Geschichte der russischen Juden. XIX. Die jüdische Kunst im Christenthum. Ich bin von dem eigentlichen Thema etwas abgeschweift, wofür ich um Entschuldigung bitte, aber diese Abweichung war nothwendig, um das Nachfolgende zu erklären. Es war also, wie gesagt, in dem B e r n st a m m's chen Pariser Atelier eine kleine, distinguirte Gesellschaft versammelt und Professor Bogoljubow, der am Eingänge erwähnte berühmte, greise, russische Marinemaler und Protector des jungen jüdischen Bildhauers, richtete die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf eine mehr als zwei Meter hohe Gruppe, welche Bernstamm soeben vollendet hatte. Es stellte „Christus und die Sünderin" dar und darf geradezu als Meisterwerk begeisterter Conception und künstlerischer Execution betrachtet werden. Christus steht hochaufgerichtet da; das idealisirte, doch unverkennbar semitische Gesicht strahlt Ruhe und Frieden, und die zu seinen Füßen knieende Sünderin birgt ihr Gesicht in den Falten seines Gewandes. Als Professor Bogoljubow im Anfänge des vorigen Jahres in Petersburg Karl Alexander UI. eine Photographie dieser Gruppe zeigte, war der verstorbene Kaiser von derselben so sehr betroffen, daß er sofort die Gruppe in Bronceguß für sich bestellte. Bei dieser Gelegenheit sagte der Kaiser: „Es ist doch seltsam, daß gerade dieJuden den Heiland am wirksamsten darzustellen verstehen. Antokolski und Bern stamm haben den Erlöser modellirt, wie ihn kein christlicher Bildhauer vor ihnen vollbracht." Darauf Bogoljubow: „Ich erlaube mir Eurer Majestät darauf zu bemerken, daß wir uns eigentlich darüber gar nicht Wundern sollen; war doch der Heiland ein Jude, und können ihn auch nur seine Glaubensgenossen am besten würdigen." Der Czar oll über diese Bemerkung des Malers nicht sonderlich erbaut gewesen sein. Das mag auch die Ursache gewesen sein, daß Alexander UI., nach eingehender Betrachtung der Photographie von „Christus rnd die Sünderin" gegenüber Bogoljubow den Wunsch aussprach, daß die Züge des Erlösers mehr idealisirt und weniger semitisch angehaucht gemacht werden sollten (ursprünglich trug das Gesicht Christi einen ausgesprochenen jüdischen Typus), und selbstverständlich, daß sich der Bildhauer beeilte, diesem Wunsche des Monarchen nachzukommen. Gleichzeitig erwarb Alexander UL eine in weißem Marmor ausgeführte lebensgroße Figur »La Charmeuse«, welche eine indische Schlangenbeschwörerin darstellt; es ist eine nackte jugendliche Frauengestalt von wunderbarer Schönheit des Gesichtes und entzückendem Ebenmaß des herrlichen Gliederbaues. Sie hält in der rechten Hand eine kleine Flöte und mit der linken streichelt sie eine sich an ihrem Beine emporwindende Schlange. Es ist eine außerordentlich wirkungsreiche Gruppe. Und so standen wir lange in bewunderndem Anschauen verloren vor diesen zwei Meisterwerken: dem brouceuen Christus mit der vor ihm knienden, ihr vor Scham und Reue hocherglühendes Gesicht in den Falten seines Gewandes bergenden Sünderin und vor der marmornen Schlangenbändigerin, welche das zu ihren Füßen sich windende Reptil zähmt. Dieser Tage ist Herr Bern stamm mit Professor Bogoljubow aus Paris eingelroffen, um die beiden Gruppen, welche Al exa n d er III. käuflich erworben, und zwar zu einem sehr hohen Preise, Sr. Majestät Nikolai II. vorzustellen. Man ist sehr begierig darauf, ob der junge Czar, der gegenwärtig Peterhof zu seinem Sommeraufenthalte erwählt, den jüdischen Bildhauer empfangen und sich zur Besichtigung der Werke nach Petersburg begeben wird, wo der brvncene Christus und die marmorne Schlangenbeschwörerin in einem der Säle des Winterpalais ausgestellt sind. Aus dem Empfang oder Nichtempfang will man gewisse Schlußfolgerungen auf die eventuelle Lösung der schon längst spruchreif gewordenen Judenfrage ziehen. Meiner Ansicht nach sind alle diese Betrachtungen und Schlußfolgerungen vollständig müßig und nur geeignet, irre zu führen. Daß einzelne auf irgend welchem Gebiete er Kunst und Wissenschaft hervorragende russische Juden sich der Gunst des Mächtigsten des Reiches erfreuen, will durchaus nichts sagen, hat nicht den geringsten Bezug auf eine günstige Lösung der ewigen Frage, auf eine freundlichere Wendung in dem Schicksal der russischen Juden. Nicht auf diesre ein zufälligen Erscheinungen (wie schmeichelhaft und angenehm sie auch für uns sein mögen) sollen wir unsere Hoffnungen setzen, sondern auf den Geist des Fortschrittes, der seine gebieterischen Anforderungen verbreiten lassen wird. Alexander HI. gestand ein, daß es jüdische Künstler find, welche am erfolgreichsten Christus darzustellen vermögen; hat es ihn jedoch bewogen, in seinem Versolgungssysteni einzuhalten, den Terrorismus zu lindern? Einzelne Juden Rußlands erfreuen sich auch jetzt noch der Gunst des Höchsten. Ein blutjunger Maler, Leon Rosenberg, unterrichtet die Kinder des Großfürsten Wladimir, wohnt in seinem Palais, wird als Freund und Hausgenosse betrachtet und demgemäß behandelt, obgleich sowohl der Prinz wie seine Gemahlin sehr wohl wissen, daß der junge Künstler Jude ist; ziehen wir daraus irgend welche Bortheile, wird dadurch unsere Lage gebessert? Nein, nicht darauf, nicht auf solche Zufälligkeit dürfen wir rechnen, sondern auf unsere gerechte Sache, daß diese schließlich doch triumphiren wird. Machen sich doch schon jetzt gewisse nüchterne und rationellere Anschauungen sogar in Bezug auf den „Prügelknaben" der Menschheit, die Juden, bemerkbar. Selbst gewisse Preßorgane, die sich bis jetzt außerordentlich

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