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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seile 527 hefte belobt wurden, zu ihm, behufs Entgegennahme eines separaten Geschenkes zum Andenken, zu kommen. Vereinsmitglied Herr Ezechiel Löffler dankte beu Vorstand im Namen der Schüler und der Versammelten für die Veranstaltung dieser so musterhaften und erhebenden Feier. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle Wien.) Samstag den 6. Juli hielt Lleä. Martin Engländer, Obmann der Sectivn für Geschichte und Literatur in der akademischen Verbindung „Uuitas“, den angekündigten Vortrag: „Perlen mittelalterlicher jüdischer Poesie." Er gab zuerst einen allgemeinen Ueberblick über die ganze jüdische Literatur. Mit wenigen Worten besprach er die biblische Poesie, aus welcher das „Hohe Lied" mit Interpretation zum Vortrage kam. Nach kurzer Erwähnung der folgenden Perioden der jüdischen Literatur kam der Redner zum eigentlichen Thema: „Perlen mittelalterlicher jüdischer Poesie." Er recitirte zunächst die durch die Züge der Tapferkeit, Ritterlichkeit und Freundestreue sich auszeichnende Kasside Samnel ibn Hagy.'.s „den Panzer des Kinditen Hab' ich treu bewahrt." Hierauf wurde der gedankenvolle Dichter Salomo ibn Gabirol charakterisixt. Nach Besprechung der Bedeutung Ibn Esra's und Recitation einiger seiner über unglückliche Liebe klagenden Gedichte wendete sich der Redner zum bedelitendsten jüdischen Dichter I e h u d a b e n H a l e v y, dessen Biographie eingehend erzählt wurde. Einige reizende, das Glück.der wahren und innigen Liebe preisende Lieder dieses Dichterfürsten wurden declamirt. Der Piäses dankte dem Vortragenden für seine interessanten Ausführungen und erklärte das Vcreinssemester für geschlossen. Budapest. Der ungarische Landes-Sanitäts-Jnspeclor Dr. N. Feuer, ein Schüler Arlt's, wurde zum außerordentlichen Professor der Augenheilkunde an der Budapester Universität ernannt. Dr. Feuer, der viele Jahre hindurch auch an der Wiener Universität als Docent thätig war, hat sich durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten einen hervorragenden Platz unter den Fachgenossen gesichert. Budapest. Frau David v. Bischitz empfing eine Deputation des hauptstädtischen Armenkindergarten-Vereins, dessen Ehrenpräsidentin Frau v. Bisch itz ist. Die Deputation war erschienen, um dem Gemahl der hochverehrten Dame und dann ihr selbst anläßlich der Adelsverleihung an die Familie David B is ch itz die Glückwünsche des Vereins zu verdolmetschen. Gratulationsansprachen an Frau v. Bisch itz hielten der Präsident Dr. Alexander G roß, Dr. Julius Schwarz und Frau Gustav Beksics. Die Reden feierten die weit ausgreifende, segensreiche Thätigkeit der Frau v. Bi sch itz ans humanitärem Gebiete. Die gefeierte Dame dankte tief gerührt für die ihr dargebrachten Glückwünsche und versicherte den Verein, daß sie den dreihundert Schützlingen desselben künftig ihre Fürsorge in erhöhtem Maße zuwenden werde. Purgstall. Das Resultat der Wahlen in die Leitung der israelitischen Cnltusgemeinde Abbs an der Donau war folgendes: Cultusausschuß: Simon Sommer, Amstetten; M. K o b l i tz, Abbs; B. E l t b o g e n, Sarling; D. Kerpen, Waidhofen; M. U. Dr. S. Thierfeld, Oberndorf; A. Deutsch, Amstetten; L. Thierfeld, Pugstall; B. Heim er, Gaming; Emanuel Schulz, Purgstall. Ersatzmänner: D. B e n e s ch, Amstetten; M. G r e g e r, Wieselburg. Vertrauensmänner: L. Seidler, Gresten; S. Seidler, Mank; Jg. Kraus, Oberndorf; D. A dler, Kirnberg; L. Rin d, Persenbeug; H. W o z a s e k, Amstetten; A. P o r g e s, Scheibbs; S. Kerpen, Amstetten; S. M a h l e r, Kemmelbach. Cultusvorstand : Simon Sommer, Amstetten, Vorsteher; Emanuel Schulz, Purgstall, Stellvertreter;B. Heim er, Gaming, Beirath;AlexanderDeutsch, Amstetten, Beirath. Tempelvorsteher: Michael Koblitz, Dbbs. Zlabings. Vorigen Sonntag wurde im hiesigen Bethause eine Trauerfeier zu Ehren des sel. W. Ritter v. Gutmann abgehalten. Cantor und Religionslehrer Herr Adolf N u ß b a u m schilderte in beredten Worten die Verdienste und den Wohlthätigkeitssinn des zu früh Verblichenen. Kolomea, 5. Juli 1895. Fräulein Adele Lachs, Tochter des Herrn Chaim Lachs, Directors des kaufmännischen Escompte-Bereines, hat sich mit Herrn Adolf R o s e n r a u ch, Sohn des Herrn Eisig Rosenrauch, Realiätenbesitzers in Wiznitz (Bukowina), verlobt. Gliniany. Am 1. d. M. ist eine Feuersbrunst bei einem Geistlichen ausgebrochen — diese hat einige christliche, gegen Feuerschaden versicherte Gebäude beschädigt, dagegen sind eingeäschert 250 jüdische Häuser sammt allen Borräthen an Getreide, Mehl, rohen Häuten, Maaren, Kleidungsstücken und Geräthschaften, Bettzeug. Verunglückt sind über 300 jüdische Familien und unter diesen 800 Kinder unter 14 Jahren — das Elend ist unbeschreiblich —Hunderte von Familien liegen unter freiem Himmel nackt und hungrig und benöthigen dringender Hilfe. Holleschau. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde bat an Frau Rabbiner M. P o l l a k ein warm empfundenes Condolenzschreiben gerichtet, in welchem auch der einstimmige Beschluß des Cultusvorstandes ihr mitgetheilt wird, daß in der Reihe der Rabbiner der hiesigen Gemeinde der Name ihres verewigten Gatten bei der „Haskaras" jedesmal pietätvoll genannt werden wird. Sonntag den 30. v. M. um 2 Uhr Nachmittags fand im hiesigen Tempel ein tief ergreifender Trauergottesdienst statt, dem der gesammte Vorstand der politischen Cultusgemeinde. sowie sämmtliche Gemeindemitglieder und Alle von Klein bis Groß beiwohnten. Herr Rabbiner Dr. Freimann schilderte in beredten Worten das Leben und Wirken seines ehrwürdigen Amtsvorgängers. Er pries die ehrlichen Charaktereigenschaften und seltenen Vorzüge des Verklärten. Hierauf recitirte Herr Cantor Michalovsky das Elmnleraehmim, welches alle Anwesenden stehend anhörten. Feuilleton. Vereint. Novelle von Elise Orzeszko, ausschließlich cmtorisirte Uebersetzuug aus dem Polnischen von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) Sie waren in Allem verschieden von einander und nicht die geringste Ähnlichkeit konnte zwischen ihnen eristiren. Trotzdem saß er, obgleich er eigentlich nur seine Uhr hatte verbessern lassen wollen, nun schon mehrere Stunden bei diesem alten, so unverhofft wiedergefundenen Bekannten. Ja, mehr als das, er hatte gar keine Lust, fortzugehen, und, ihm selber unvermuthet, fragte er plötzlich: „Und wie erging es Dir, mein Berek? Wie geht es Dir jetzt? Hast Du Familie und genügende Mittel zu ihrem Unterhalt?" Der Jude dankte für die freundliche Nachfrage und begann ziemlich ausführlich zu erzählen. Er war nicht reich, hatte sich kein Vermögen erworben, aber Noth litt er nicht. Er kann noch arbeiten und sein Verdienst reicht für seine Bedürfnisse hin. Uebrigens braucht er nicht viel; er ist allein, nur eine Enkelin hat er bei sich, und die verdient auch etwas, indem sie Wäsche näht. Seine Familie ist zahlreich; mehrere Kinder, viele Enkel.... Er fuhr mit der Hand durch die Luft. „Wissen Euer Gnaden was? Es ist ein Räthsel, und ich weiß nicht, ob Euer Gnaden dieses Räthsel ist bekannt? Wie kann das sein, daß man hat Familie und hat doch keine Familie?" Er heftete einen forschenden und gleichzeitig etwas schalkhaften Blick auf die Züge des Grafen. „Nu, kennen Euer Gnaden dieses Räthsel?" Ein ironisches Lächeln umspielte die Lippen des Gastes. „Ich kenne dieses Räthsel, mein Berek, ich kenne es sehr gut.. .." Beide Hände auf seine Knie stützend, rief der Jude bekümmert : „Ai, warum kennen Euer Gnaden dies Räthsel? Es ist besser, man kennt es nicht. Aber da das Räthsel ist schon bekannt Euer Gnaden, werden ich Ihnen nicht mehr erzählen von meiner Familie. Es sind lauter ehrliche, rechtschaffene Leute, manche sogar sind reich und gebildet, aber sie find nicht mein ... Sie gehören sich selber an und der Welt .. . Er hatte einige Töchter, aber bei einer nur fand er volles Berständniß. Sie hatte ihn geliebt und gepflegt und war das Licht und die Freude seiner Augen gewesen. Aber seit Langem schon hat er sie nicht gesehen und wird fie auch nie mehr Wiedersehen. Sie hatte im Handel Mißerfolge und Unglück gehabt, da war sie denn mit Mann und Kindern nach Amerika gegangen, um dort ihr Glück zu versuchen.... Manchmal schreibt sie ihm, aber was sind Briefe? Wiedersehen wird er sein Kind niemals mehr und ertragen kann man dieses große Leid nur, weil es Gottes Fügung ist.... Was kann man thun?" In seinen grauen, umflorten Augen, von denen der Graf vorhin gesagt, daß sie einst vergißmeinnichtblau gewesen, erglänzten Thränen. Doch überwand er seine Erregung und fragte nun ebenfalls: „Ew. Gnaden werden wohl verzeihen, wenn ich mich erkundige nach Ihrer Schwester? Nach dem gnädigen Fräulein,

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