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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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jjmibJ jJMuwjgg ■se Seite 526 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Nr. 28 sind, daß Herr Baron Rothschild in Wien angeblich israelitische Familien in Palästina behufs Agricultur colonisirt, so haben wir uns diesbezüglich an Herrn Baron Rothschild gewendet. Hierorts wären 50 Familien zur Auswanderung nach Palästina bereit. Wir sind sämmtlich hierorts ansässig, dem Arbeiterstande ergeben, zumeist unbemittelt und sind mit Leib und Seele für Agricullur in Palästina, um uns von hierorts nur entfernt zu wißen und auf diese Art unfern Kindern eine Zukunft zu gründen. Wir sind durchaus tüchtige Arbeiter und werden uns auf diese Weise in diese unsere Beschäftigung einfinden. Für das Auswanderer-Comiie: Samuel Schwarz, Obmann; Wolf I. A l t e r s o n, Bernard Ruig. Wie«. (Fe ri e n - C o l o n i st en.) Der Verein „Ferienheim" entsendete Sonntag den 7. Juli mittelst Südbahn 50 Knaben in die neugegründete Feriencolonie nach Theresienfeld und Montag den 8. Juli mittelst Staatsbahn 55 Knaben nach Schattmannsdorf. Jede Abtheilung wurde von 2 Lehrern begleitet. WikN.(F er ienh e i m.)Fortsetzung desSpenden-Verzerchnisses: Jg. Honig, unentgeltliche Uebernahme und Zustreifung der Güter; Carl Berger, Reparatur einer Waschmaschine sammt Winde; A. Pr. Kaiser Ferd.-Nordbahn, Fahrtermäßigung; K. f. priv. Südbahn-Gesellschaft, Fahrtermäßigung;R.Schefftel Herstellung des Bades; Antonie Graf, 1 Blech-Badewanne, 1 Eisenbett, 1 geographisches Spiel, 2 Botanisirbüchseu, 1 Gläserbürste; S. Reich & Cv., Glasgeschirr für die ganze Colonie Theresienfeld; Emannel Sinai, 2 Dutzend Rudcrleibchen; Hermann König, 50 Knabenkappen; Herm. Hoffmann. 6 Decken; Albert Matzner, 1 Dutzend Ruderleibchen; Jos. Schlesinger, 20 Gebetbücher; Simon Weißenstein, 1 Uhr und 3 Dutzend Schwimmhosen; AdolfFalk & Co., 6 Paar Schuhe; Lurie & Bauer, 6 Dutzend Strumpfbänder; Schiller & Rom, 15 Paar Kinderstrümpse, 3 Ruderleibcheu; Oest. amerk. Gummifabriks-Aktiengescllschast, 4 Dutzend Gummiballen; Max Winternitz & Mendl, Schreibmaterialien; M. Grab' Söhne, Wachsleinwand; Bernhard Prager & Sohn, unentgeltliche Beiüellung von Afrique und Füllung der Polster. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat zahlreichen Aerzten und Beamten in Mähten, Schlesien, Galizien und der Bukowina für ihr aufopferndes und pflichttreues Verhalten während der letzten Chol^raepidemie Auszeichnungen verliehen. Unter den Decorirten befinden sich auch mehrere jüdische Aerzte, und zwar wurde den Bezirksärzten Dr. Alois Löwy in Nisko (Galizien) und Dr. Hermann Titinger in Kotzmann (Bukowina) das goldene Berdienstkreuz mit der Krone und dem inspicirenden Amtsärzte Dr. Salomon Spitzer in Brünn das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. Außerdem hat der Kaiser dem Landwehrbezirks.Feldwebel des Ruhestandes Isaak Schönthal das silberne Berdienstkreuz mit der Krone verliehen. Sophie Freiin v. Todesco. Heute nach Mitternacht ist in hohem Alter Frau Sophie Baronin Todesco in ihrem Palais, I., Kärntnerstraße Nr. 51, aus dem Leben geschieden. Vor einigen Wochen war Baronin Todesco vom Schlage gerührt worden und seitdem in Bewußtlosigkeit verfallen, aus welcher sie nicht mehr erwachen sollte. Die Verblichene war die Witwe des vor mehreren Jahren verstorbenen Bankiers Eduard Freiherru v. Todesco. Baronin Todesco, eine Geborene v. Gomperz, hat ihre beiden Schwestern, Minna v. G o mp erz, welche große Verdienste um das Nudolphinerhaus hat, und die treueste Freundin Bauernfeld's, Frau Josephine v. W er 1 h e i m st e i n, hinscheiden gesehen. Im Jahre 1876 traf sie ein herber Schicksalsschlag, indem ihr einziger reichbegabter Sohn Hermann an den Folgen eines Sturzes vom Pferde starb. Baronin Todesco hinterläßt drei Töchter, von denen eine an den englischen Staatsmann Sir Henry Worms vermalt ist. Im Jahre 1864 fanden in prunkvoller Weise die Vermählungsfeierlichkeiten in dem damals neu erbauten Palais in der Kärntnerstraße statt. Eine zweite Tochter ist an den Bankier v. Lieben verheiratet und die dritte hatte das Herrenhausmitglied Baron Ludwig Oppenheimer geehelicht. Mit Sophie Freiin v. Todesco ist eine edle Dame von hervorragenden Eigenschaften aus dem Leben geschieden. Die Verblichene war eine Wohlthäterin im großen Style und förderte seit jeher Kunst und Wissenschaft in munificenter Weise. Durch Jahrzehnte bildete das Haus Todesco den Mittelpunkt der Kunstwelt, der Gelehrten- und Schriststellerkreise. Besonders innige Freundschaft verband Baronin Todesco mit P a n e r n f e l d, der bekanntlich in der Villa ihrer im Vorjahre verstorbenen Schwester, der Frau v. W e r t h e i m st e i n in Döbling, ans dem Leben schied. Bauernfeld legte großen Werth auf das literarische Urtheil der Schwestern Werlheimstein und Todesco und pflegte den Damen zuerst seine neuesten Lustspiele vorzulesen. Das humanitäre Wirken der Verblichenen hat sich auf alle Institute gemeinnützigen und philantropischen Charakters erstreckt. Außerdem hat' sie im Stillen eine große Reihe von Wiener Familien erhalten, mit denen sie fortwährend sin Contact blieb. Manchen, die im Dunkel und in tiefer Nothlage unterzugehcn drohten, hat sie hilfreiche Hand geboten, bis sie zur Ruhmeshöhe sich cmporschwangen. Nicht minder offene Hand chatte die Verblichene für die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten und Forschungen; zuletzt noch hatte sie bei der Afrika-Expedition Holub's ihre Munificenz bethätigt. Die Armen Wiens verlieren in der Heimgegangenen eine Trösterin, die unermüdlich ihre Gaben spendete, ohne den Heischenden nach Nationalität oder Glauben zu fragen, die oft in den entlegensten Vororten die Stätten der Dürstigrn anssuchte, um Rettung und Linderung der Noth zu bringen. Wien, 8. Juli. Herr Samuel Wessel, Religionslehrer und Hausrabbiner im bekannten Hause M. Byndy, ist von der israelitischen Gemeinde in Rotterdam znm ersten Stiftsrabbiner berufen. Wien. (S ch u l s ch l u ß) Im VIII. Bezirke hat am 6. d. M. die Schlußfeier des Jugendgottesdienstes stattgefunden. Der Bethausvorstand war in corpore vertreten und eine festlich gekleidete Jugendschaar beiderlei Geschlechtes war anwesend. Nachdem Se. Ehrwürden Rabbiner und Religionslehrer Herr L. W o l l n e r das Gebet für den Kaiser und das Kaiserhaus vorgetragen, ertönte bei offener Lade die Bolkshymne aus Hunderten von Kehlen. Dr. W o l l n e r hielt einen trefflichen, auf den Wochenabsch-nitt Bezug nehmenden homiletischen Vortrag. Es folgten dann Ermahnungen an die lauschenden kleinen Zuhörer für die Ferienzeit, ernste Worte an die austretenden Schüler und Schülerinnen. Und als der greise Lehrer die Hände erhob und den Segen über die Kinder sprach, perlte so manche Thräne, und eine allgemeine Rührung bemächtigte sich der Herzen. Kaum war das Amen verklungen, als ein Schüler der VIII. Elaste hervortrat und herzliche Dankesworte im Namen Aller an den Exhortanten richtete. Es war eine schöne, erhebende Feier. . G ... Wien. In der am vorletzten Sonntag abgehaltenen Conferenz der Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen widmete Herr Schulinspector Dr. Kanitz dem Andenken des verewigten Rabbinats-Affessors der hiesigen Gemeinde Herrn Rabbiners M. Pollak einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er ihn als denjenigen pries, der Altes und Neues zu vereinen wußte und auch als Lehrer sich um den Religionsunterricht während seiner Amtswirksamkeit hervorragende Verdienste erwarb. Die Rede, welche mit den Worten „Secher Zadik Ciwrocho" schloß, wurde von den Mitgliedern der Conferenz, bei der auch der CultusVorsteher Herr Dr. Max Steiner anwesend war, stehend angehört. Wien-Mariahilf. Samstag den 6. Juli, 10 Uhr Vormittags, fand die Schlußprüfung der Schüler.des Talmud-Thora- und B e t h a u s v e r e in e s VI., Stum Pergasse 42, in Anwesenheit der Angehörigen der Schüler und zahlreicher Gäste, unter welchen viele Damen bemerkt wurden, statt. Das Resultat der Prüfung war ein überraschendes. Bon den zur Prüfung erschienenen 40 Kindern — die restlichen befinden sich bereits auf dem Lande — bestanden alle die Prüfung mit glänzendem Erfolge. Man konnte sich nicht genug über die Disciplin und Lernfreudigkeit verwundern, es ist hiermit wieder der B e w e i s erbracht, wie nützlich und n o t hwendig solche Talmud-Thoraschulen sind, und daß die Kinder, den Keim des religiösen Gefühles in sich tragend, nur einer Anregung und Aufmunterung seitens der Eltern bedürfen, um dasselbezur Entfaltung und Entwicklung zu bringen. Nach einer Anspr ache des Schulleiters und Lehrers Herrn Franz Telsch an die Schüler begann die Prüfung der Schüler der 1. Elaste—den sogenannten sechsjährigen — man hatte wahrlich seine helle Freude, zu sehen, mit welchem Verständniß diese kleinen Knirpse den Lehrstoff — Hebräischlesen, Uebersetzen und Auswendrgsprechen der Segenssprüche — beherrschten, es wollte keiner von diesen Kleinen Zurückbleiben und sie baten öfters um Prüfung. An die 2. Elaste werden selbstverständlich größere Ansprüche gestellt und diese hat ebenfalls ihr Pensum mit Erfolg bestanden. Erstaunen jedoch erregten die Erfolge der Schüler der 3. Elaste, dessen Lehrstoff bereits sehr mannigfaltig ist, und verdienen hier die Brüder Berthold und Felix Kohn, Löffler und Leo B l a u ihrer präcisen geläufigen Antworten wegen besondere Erwähnung. Vorstandsmitglied und Obmann-Stellvertreter Herr Moritz Ungar hielt eine geistreiche, schwungvolle, herzergreifende und mi°t großem Beifall aufgenommene Ansprache an die Schüler und Anwesenden, in welcher derselbe die Nothwendigkeit 'und Wichtigkeit des hebräischen Unterrichtes auseinandersetzte und den Kindern sowie den Versammelten ans Herz legte, die hebräische Sprache und Religion zu pflegen und hochzuhalten. Sämmtliche Schüler sind mit Geschenken — bestehend aus Büchern — betheilt worden, und richtete Vorstandsmitglied Herr Leopold I o k l beherzigenswerthe Worte an die Schüler und ersuchte diejenigen Schüler', deren ausgestellte hebräische Schreib-

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