Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021090--04727-3028927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JunMüJAi*;. iWiimsr SHE5S3T ssssr UL. uu*J. - Seite 528 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 28 welches mich damals malte? Mich, einen armen, jüdischen Jungen! Ai, das war ein reizendes Fräulein! Ich habe sie nicht vergessen. Und warum sollte ich sie haben vergessen, wenn ich so schönes Fräulein nicht habe gesehen seit jener Zeit? Sie war ein Engel. Schön und fein, und so still und gut wie ein Engel. Ew. Gnaden lebten in großer Freundschaft mit der Schwester. Warum sollte ich das haben vergessen, wenn ich habe solche Freundschaft seit damals nie mehr gesehen? Ist die Schwester von Ew. Gnaden noch am Leben? Wo lebt sie? Geht es ihr gut?" Nach einer Weile des Schweigens, den Blick zu Boden gesenkt, antwortete der Graf: „Drei Schwestern hatte ich, aber die, nach welcher Du fragst, liebte ich am innigsten. Sie lebt, es geht ihr gut, aber seit langer Zeit sind wir getrennt von einander und werde ich sie in diesem Leben wohl schwerlich Wiedersehen. Sie hat einen Engländer geheiratet und lebt jetzt in der Heimat ihres Gatten. Hierher kommt sie nicht, und ich, der ich der letzten und längsten Reise entgegensehe, kann an andere Reisen nicht mehr denken.... So ist denn diese meine Lieblingsschwester und Freundin für mich gestorben, trotzdem sie noch am Leben ist.... Was kann man thun?" Der Jude hatte aufmerksam zugehört und schüttelte traurig sein Haupt. „Ew. Gnaden haben dasselbe Leid, wie ich. Und Ew. Gnaden haben gesprochen ein wahres Wort. Sie ist todt, obgleich sie lebt. Ich denke ebenso über meine Matke. Es gibt eben verschiedene Todesarten: manche Menschen sterben in Folge von Krankheit, andere sind todt, weil sie sind entfernt, und noch andere, weil sie sind geworden anders als wie sie waren in ihrer Jugend. .. .Doch wozu sage ich dies Alles, wenn Ew. Gnaden es wiffen ebenfalls?" Er hielt inne, und der Graf noch immer zu Boden blickend, erwiderte kurz: „Ich weiß es... Sieschwiegen Beide;die Uhren an den Wänden jedoch tickten ohne Unterlaß. Plötzlich erklang, das gleichmäßigst, aber hastige Geflüster übertönend, ein lauter, heller Rus: „Kuckuck! Kuckuck!" Der Graf erhob sich und näherte sich der Uhr. Erhalte seine goldene Brille bereits wieder aufgesetzt, und da es ihm in der kleinen Kammer zu warm geworden, den Pelz aufgeknöpft. Nachdem er eine lange Weile vor der Uhr gestanden und dieselbe betrachtet, fragte er: „Wie viel würdest Du für diese Uhr verlangen?" Der Jude, der am Tisch sitzen geblieben war, erhob sein Haupt und antwortete lächelnd: „Was soll ich denn für sie verlangen! Ich verlange gar nichts." „Wieso? Du treibst doch Handel mit Uhren!" „Ew. Gnaden haben gesagt die Wahrheit. Ich handle mit Uhren, aber nicht mit dieser Uhr." Erstaunt wendete der Gras sich um. „Warum nicht? Sie besitzt einen bedeutenden Werth und ich selber würde sie gern kaufen." Der Jude nickte mit dem Haupte. „Ich weiß, daß die Uhr ist theuer und daß ich könnte erzielen für sie einen guten Preis, aber doch verkaufe ich sie nicht. Haben Ew. Gnaden schon mal gehört, daß man soll verkaufen einen Freund?" Starr vor Staunen betrachtete der Graf den Sprechenden. „Wie?" rief er endlich, „ist das möglich? Du bist doch nicht reich und bist ein Jude, und Juden — das ist doch bekannt — schätzen nichts so sehr als das Geld." „Ew. Gnaden irren sich", entgegnete der Jude leise. „Worin besteht mein Jrrthum?" fragte der Graf lächelnd. ,Was schätzest Du so s-chr an dieser Uhr? Hast doch der Uhren so viele! Wodurch ist Dir diese werther und theurer als die anderen alle?" Sein Interesse war so lebhaft geworden, daß er sich abermals aus den vor dem Tische stehenden Sessel niederließ. _ (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Wien. (£. W. TU., Bandgasse. Das Werkchen ist in unserer Verwahrung und bitten wir Sie, uns dasselbe noch einige Zeit, freundlichst zu überlasse». Wir sind eben mit Material sehr überhäuft. Wien. Obercantor PH Kl. Sie wünschen coustatirt, daß Ihren quellenmäßigen Behauptungen nicht widkrsprvüeu wurde. Wir erfüllen hiermit Ihren Wunsch und brechen die Polemik über diesen Gegenstand ab. Wien. „O. Pr." IX., Allserstraße. Einen interessanten Beitrag zur Mißhandlung jüdischer «Soldaten durch antisemitische Vorgesetzte bringt die „Ostdeutsche", Nr. 180. „Verfl. . . . Kerl, wo hast du meinen Zwanziger?" Ich unterstützte m e i n e F r a g e st e l l u n g durch das Sch w i ngen der Bajonettscheide. In derselbenNummer leistet sich ein arischer Versisex folgende verthierte Rohheit: In der Sommerfrische. „Lieblich ist es jetzt, zu träumen In des Wienerwaldes Schatten: Seht, dort baumeln an den Bäumen Juden schon — in Hängematten!" Budapest. Bela v. M. F. Ihr Aufsatz über Lueger ist gewiß von warmer patriotischer Zorneswallung eingegebe», doch rennen Sie offene Thüren ein. Jeder Besonnene weiß, was man von diesen hundstagstollen Phrasen eines geifernden Mauldreschers zu halten hat. Nur der „Ostdeutschen", Nr. 180, schwillt gewaltig der Kamm und sie kriegt Courage, in derselben Tonart weiter zu schimpfen: „aber dafür wollen wir Sorge tragen, daß diese Sprculantensippe, die sich in magyarischen Namen und Kleidern brüstet und doch nichts weiter ist als ein charakterloses Gemengsel aller möglichen Bölkerabsälle, daß diese anmaßende A b e n t eu r ertru pp e aus unseren Heimstätten hinausgewiesen werde." Floridsdorf. „Alter Freund d. Bl." Das ganze Gedicht „Erneuter Schwur" aus den „Unverfälschten" hieher zu setzen, geht doch nicht gut an, weil es als Vomitiv wirkt. Aber zwei Strophen verträgt ein kräftiger Organismus allenfalls. „Was einst uns Mutter voller Freud' Erzählst von Reck und Niesen (Rußen?!) Es wird zur Wirklichkeit uns heut', Da wir Held Schönerer grüßen, (g r i e s e n?!) Der Riese Georg schirmt uns heut' Den Schatz mit seinem Blute, (B l u d e?) Den Schatz der deutschen Biederkeit Gen jenen D—n : Jud e." (Jute?!) Doch sind das merkwürdigerweise noch nicht die schlechtesten Verse, die auf Schönerer's Verzicht gesungen wurden. Was denken Sie z. B. von dieser Dichtung: (Hört!) „So manches Ungehör'ge (wenn sie's nur einseh'n) taucht auf in unf'rer Reih'; D'rum Schönr'erauf! erstehe in deutscher Kraft auf's neu! Wir wollen Treu' Dir halten und Treue unferm Stamm Ge'n („Ge'n" is jut!) Volksverrath errichten 'neu eisenfesten Damm!" Und weil aller „guten" Dinge drei sind, noch eines: „Zwar die Erfahrung ist nicht neu! Es ist ja alte, deutsche Art, Daß dem, der ehrlich ist und treu, Der schnöde Undank immer ward. Du hast erfahren, was von Dir So mancher deutsche Mann erfuhr —" Der arme Schönerer ist wahrlich zu bedauern. Erst verlassen ihn seine Anhänger höchst schnöde und nun bedichten sie ihn vorn und hinten. Brünn. Abonnent Kl. Th. Wir sollen die Reclame- Notiz des Vergani-Schmierblattes niedriger hänge», welche — von demCultus des Satans in der „Freimaurerei" („D. Volksbl."Nr. 2336) erzählt? Wir reagiren auf diesen krystallisilten Blödsinn nicht. Przemysl. E. Krug. Das beste israelitische Kochbuch erhalten Sie bei Samuel W. Pascheles in Prag. Prag. Samuel F. Mit Ihren Bemerkungen, betreffend Kolnidre, haben Sie in jeder Hinsicht Recht. Die Reminiscenz an den sel. Mannheimer verdiente, in der Erinnerung aufgefrischt zu werden. .Herzlichen Gruß. L. B. Wien. Ihr Sohn soll sich nach Czernowitz wenden. Dr Fränkl-Grnu. Wir bedauern, diese Zeitschrift nicht zur Bersügung zu haben. F. Dunajer in Kolomea. Für uns ungeeignet. Spenden. Herr S. Weinstein I., Hohenst ufengasse 17, sendet uns 2 fl. für die israelitische Cultusgemeinde Nr!>chetin und 2 fl. für die israelitische Gemeinde Kobersdorf. Friedek—Mistel: Ein zweiter Bericht war bereits früher eingetroffen. Budapest Dr. A. K. R. Der fein geschriebene und auf gründlicher Kenntniß alles einschlägigen Materiales aufgebaute Aufsatz aus dem „Pcster Lloyd" entstammt der graziösen Feder L. He'vesis' und ist selbverständlich nichts anderes als eine — sehr geistreiche, satyrisch-polemische Mystifikation, wie ja schon aus den letzten Zeilen hervorgeht. Herausgeb. u. verantw. Redacteur: Reichsrathsabgeord neterDr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck LrSohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.