Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 28 Seite 525 Dr Bloch's Wochenschrift. österreichischer Aristokrat von europäisch bekanntem Namen richtete ein Schreiben an Se. bxcellenz, worin der Absender den Herrn Ministerpräsidenten vor Allem der herzlichsten Gefühle für Ungarn versichert und daran folgende bindende Verpflichtung knüpft: „Ich verpflichte mich, die Reistjpesen für 10 ungarische, in landesüblicher Tracht (weiße Hose) erscheinende Bauern zu decken, welche die Ausgabe hätten, im öftere. Abgeordnetenhanse den „Beuschel-Ausreißer" Dr. Lueger, aber schon ganz anständig dnrcbzusalzcn. Nur dies Excmpcl kann dieser gemeinen Seele einen eclatanten Dämpfer anfsepen ec. . Wir citiren wortgetreu und bemerken nur noch, daß der hochgeborene Briefschreiber, wenn auch mit etwas mangelhafter Kenntnitz der ungarischen Sprache, so doch umso nachdrücklicher behauptet, aus Lueger Passe das ungarische Sprichwort: »Agosto faro valo.« Ans der Delegierung der bewußten Bauern wird nun allerdings nichts werden, allein das Schreiben des österreichischen Grafen an den Baron Banffy ist sicherlich ein genügend — schlagender Beweis dafür, daß der Ungarhaß in Wien nur in beschränkten Kreisen gehegt wird. Friedet (Oesterr.-Schlesien). (Hoher Besuch.) Se. kaiserl. Hoheit Herr Erzherzog Friedrich, als Erbnachfolger weiland Erzherzog Aldrech t's, bereiste in Begleitung seiner Gemahlin Frau Erzherzogin Jsabella und seiner beiden Töchter seine Güter und beehrte unsere Stadt mit seiner Anwesenheit. Im Programme war auch der Besuch unseres Tempels angeführt. Programmmäßig erschienen Ihre kaiserl. Hoheiten in Begleitung ihrer Suite, des ganzen hiesigen Clerus, an der Spitze der hiesige Erzpriester K u cz era, ferner Cameraldircctor Herr Walch er v. Ujsdal, der Bürgermeister mit den Magistratsräthen Hcrrcn A. Landsberger und Eduard Koltscharsch, wobei die Leutseligkeit der hohen Herrschaften zu Tage trat. Am Portale des Tempels erwartete der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde vollzählig die hohen Herrschaften, wobei der Präses Hermann L ö w eine beifällig aufgenommene Ansprache hielt, in welcher er der Munificenz weiland Seiner kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzog Al b recht gedachte; nur durch dessen hochherziges Eingreifen war es dem damals bestandenen Cultusvereine ermöglicht, das Gotteshaus zu erbauen, da Seine kaiserl. Hoheit nicht nur einen schönen Bauplatz, sondern auch das hiezu nöthige Holzmaterial spendete. Als Herr Präses Lö w-hievon Erwähnung that, waren die hohen Herrschaften sichtlich ergriffen; sodann schritten die hohen Herrschaften in das Innere des Tempels und der Herr Vorsteher bat um die Bewilligung, die Lobeshymne von unserem Cantor Herrn Salamon Weiß vorbeten zu lassen, was auch bewilligt wurde. Nun trug unser Cantor Herr Salamon Weiß in künstlerischer Weise die Lobeshymne, begleitet von der Orgel, vor. Se. kaiserl. Hoheit Herr Erzherzog Friedrich hörte den Vortrag stehend an, während die erlauchte Gemahlin und die jugendlichen Erzherzoginnen inden erstenBankreihen Platz nahmen. Als der Bortrag beendet war, drückte Seine kaiserl. Hoheit die volle Befriedigung über das Gesehene und Gehörte aus und Ihre kaiserl. Hoheit Frau Erzherzogin Jsabella erkundigte sich, ob Herr Cantor Weiß am hiesigen Tempel angestellt sei, und äußerte in huldvollster Weise, daß ihr dessen Gesang außerordentlich gefallen. Unser neu restaurirter Tempel war geschmackvoll dccorirt und von einem distiuguirten Publicum besucht; auch der Herr Erzpriester Kuczera hat seine volle Befriedigung über Alles, was er gesehen und gehört, ausgesprochen. Prag Die letzte Nummer Ihres geschätzten Blattes brachte unter „Literarische Mittheilungen" einen Auszug aus dem letzten Jahresberichte der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag und knüpfte daran die Bemerkung, daß dieser Verein der einzige deutsche Verein sei, dem bisher der Antisemitismus ferngeblieben sei. Zur Berichtigung diene folgende, den Thatsachenentsprechende Bemerkung: Daß der Antisemitismus diesen Verein fernsteht, ist daraus zu erklären, daß die antisemitischen Studenten vor 3 Jahren ausgetreten und einen eigenen Verein „Germania" gegründet haben, so daß gegenwärtig der größte Theil der Mitglieder aus Juden und nur ein ganz geringer Procentsatz aus Christen besteht, die „natürlich" fast alle Ehrenämter bekleiden, um dadurch dem Vereine nach Außen hin das Gepräge eines arischen zu verleihen. Wie wenig aber das liberale Element bei diesen Paradechristen vorwaltet, zeigt die in den jüngsten Tagen erfolgte Gründung eines „christlich liberalen" Vereines „Ostarichia", der zum großen Theil aus vorjährigen Ausschußmitgliedern sich zusammensetzt. Diese Vorgänge haben begreiflicherweise unter den denkenden Juden der Lesehalle eine große Aufregung hervorgerufcn, so daß sich das Verhältnis; zwischen den Juden und Christen immer mehr zrspitzt. — Nebenbei sei noch erwähnt, daß der ausgesprochen antisemitische Verein „Liedertafel der deutschen Studenten in Prag", der es für seine Pflicht erachtet, an jeder antisemitischen Feier theilzunehmen und mitzuwirken und zwar corporativ, noch immer von Juden in ausgiebigster Weise unterstützt wird. Es wäre an der Zeit, daß die Juden Prags, insbesondere die jüdischen Studenten ihre Augen öffnen! Einer für Viele. Karlsbad. (Israelitischer Tempel.) Freitag den 5. d. M. haben der Erste Obersthofmeister Prinz zu Hohenlohe und General-Intendant Tr. Freiherr von Bezecny den Karlsbader israelitischen Tempel in der Parkstraße besichtigt und dem Abendgottesdienste beigewohnt. Die Gäste wurden vom Cultusvorstande ehrerbietig begrüßt und in die erste Bankreihe geleitet. Aus der Damengalerie wohnten die Fürstinnen Reuß und Trauttmansdorff, sowie die Gräfinnen Clam-Gallas, Andrassy und P o t o c k a dem feierlichen Gottesdienste bei. Triest, 8. Juli. Der hiesige „Jndipendente" enthält heute einen scharfen Leitartikel über das vom Podestä Dr. P i t t e r i zu Ehren der Wiener Festdeputation gegebene Gartenfest, zu welchem auch die hier nicht officikll weilenden Antisemiten Dr. Lueger, Dr. P a t t a i, Schneider, Pater Schnabl, Gregorig und Wessely erschienen seien, und greift dieselbenin heftigerWeise an, weil sie die Gastfreundschaft des Podestä dazu benützt hatten, um mit den Slovenen zu fraternisir^n und Pläne gegen die Italiener zu schmieden. Uebrigens niuß diesbezüglich betont werden, daß Dr. P a t t a i sich hier von den übrigen Antisemiten in ostentativer Weise ferngehalten hat und auch im Gegensätze zu den Anderen nicht mit der weißen Nelke im Knopsloche erschienen war Die anderen Antisemiten trachteten hier Propagandasür ihre Bestrebungen zu machen. Es soll nächstens hier ein antisemitisches Meeting abgehalten und bei dieser Gelegenheit die hier bisher nicht vertretene antisemitische Partei gegründet werden. Alle Versuche der Wiener Antisemiten, hier Posto zu fassen, waren bisher vergebens, da die Italiener eine absolut ablehnende Haltung einnehmen. Man prognosticirt daher auch diesmal den antisemitischen Agitationen ein tüchtiges Fiasko. Berlin, 6. Juli. Das zum Schwesterheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen völl'g umgebaute Haus Augustenstraße 17 ist am Donnerstag den 4. Juli 1895 feierlich eingeweiht und feiner Bestimmung übergeben worden. Tie Feier wurde durch Chorgefang unter Leitung des Herrn Mustkdirectors William Wolfs eingeleitet; Herr Alb. Philos. Meyer übernahm als Vorsitzender des Vereines das Grundstück, während Herr Rabbiner Dr. Ungerleider in ergreifenden Worten die Weihe des Hauses vollzog. Dies neue stattliche Gebäude ist zunächst für die Aufnahme von 25 Schwestern eingerichtet, doch können in den beiden oberen Etagen weitere 40 Schwestern nntergebracht werden. Außerdem enthält das Schwcsterheim die Wohnung der Oberin, Wohn- und Speisesaal für die Schwestern, Küche und alle nothwendigen Wirthschaftsräume. Der Feier wohnten neben den Vorstandsmitgliedern, Aerzten des jüdischen Krankenhauses und den Schwestern Vertreter des Gemeinde-Vorstandes, der Rcpräscntanten-Versammlung, das Rabbinat, sowie eine große Zahl hervorragender Aerzte bei. Wir hören, daß die durch den Verein ausgeübte Krankenpflege völlig confessionslos ist und für Unbemittelte unentgeltlich geleistet wird. Craiova. Nirgends ist die Lage der Inden so traurig als in Rumänien. Es ist uns Juden hierzulande benommen, auch nur auf einem Gebiete thätig zu sein, wir sind von Schulen, Unterricht, Justiz, Handel, Gewerbe, sowie von Ansiedelungen in Dörfern und dere« Pacht förmlich ausgeschlossen; kurz eine düstere Zukunft ohne irgend welche mindeste Hoffnung auf nur scheinbare Besserung, denn unser Los wird anstatt besser jahraus, jahrein schlechter, der Niedergang des Getreidehandels wirkt deprimirend, da uns jeder andere Erwerbszweig ganz fehlt. Wir sehen ferner unsere Kinder, sowie deren Nachkommen zur ewigen Sclaverei verurtheilt. unsere Kinder werden und müssen dereinst dem Laster des Müßigganges und dem größten Elend preisgegeben sein. Da wir entschlossen sind, Rumänien zu verlassen, und wir unterrichtet