Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021090--04723-3028923- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 524 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 28 einfaches Gebäude an der Ecke der Avenue A und 84. Straße anzukaufen und als Heim für unheilbare Kranke zu bestimmen. Dasselbe wurde am 26. October 1884, dem hundertsten Geburtstage des jüdischen Philantropen Sir Moses Montefiore, in feierlicher Weise eröffnet und dem berühmten Glaubensgenoffen zu Ehren „Montefiore-Heim" genannt. Das Heim wurde mir acht Patienten eröffnet, denen sich in kurzer Zeit noch ein paar Dutzend hinzngesellten. Das Gebäude erwies sich sehr bald als viel zu klein, und es trat an die Leiter der Organisation gebieterisch die Nothwendigkeit heran, größere Räumlichkeiten für die Anstalt zu beschaffen. Ihr zu diesem Behufs an ihre hiesigen Glaubensgenossen gerichteter Appell verfehlte seine Wirkung nicht. Die Gaben stoffen reichlich, und die jüdischen Frauen, bekannt durch ihre werkthätige Nächstenliebe und ihre Energie in der Ausführung von Unternehmungen zu wohlthätigen Zwecken, arrangirten außerdem eine Riesen- „Fair", die ein großartiges finanzielles Ergebniß hatte. Die Directoren waren nun im Stande, ein prachtvoll gelegenes Grundstück an der 138. Straße und dem Grand Boulevard anzukaufen und auf demselben den stolzen Bau zu errichten. Das neue, geräumige, überaus zweckmäßig eingerichtete und mit den modernsten Hilfsmitteln der medicinischen Wissenschaft ausgestattete Heim konnte bereits Anfangs Dccember 1888 bezogen werden. Die Kosten des Grundstückes und des Gebäudes mit allem Zubehör: Mobilar, medicinischen Apparaten, Gartenanlagen n. s. w.. beliefen sich auf über eine halbe Million Dollars. Die Betriebskosten der Anstalt belaufen sich durchschnittlich auf 70.000—80.000 Dollars per Jahr, einschließlich nahezu 17.000 Dollars für Salaire, und - werden durch freiwillige Beiträge der nahezu 4000 Mitglieder der „Montesiore-Heim"-Gefellschaft aufgebracht. Es sind der Anstalt außerdem von einer Reihe von Personen bedeutende Vermächtniffe zugefallen, und ebenso haben verschiedene wohlhabende jüdische Familien zum Andenken an verstorbene Angehörige Krankenbetten gestiftet, was natürlich die Kosten der Verpflegung und ärztlichen Behandlung eines Patienten einschließt. Die Anstaltsräume bestehen aus einem sehr stylvollen Hauptbau mit zwei Seitenflügeln, sämmtlich vier Stockwerke hoch. Es ist außerdem kürzlich auf der Rückseite ein geräumiger Anbau errichtet worden, so daß nun für 300 Patienten und das Anstaltspersonal genügender und bequemer Raum vorhanden ist. Die Anstalt besteht aus zwei Abtheilungen, einer für Männer und einer für Frauen jeglicher Altersstufe. Man findet da hochbetagte Greise und Greisinnen und mit unheilbaren Krankheiten behaftete Knaben. Jünglinge und Mädchen, I deren trauriges Los, Dank dem Edelmuthe und der Opferfreudigkeit der Gründer der Anstalt und deren zahlreicher Freunde, sich wenigstens zu einem einigermaßen erträglichen gestaltet hat. Man kann, wenn man die spiegelblank und in bester Ordnung gehaltenen, ausgezeichnet ventilirten und mit allem möglichen Comfort ausgestatteten Krankensäle und Einzelzimmer durchwandert, den bedauernswertsten Kranken, deren sich zur Zeit über 150 in dem Heim befinden, trotz ihrer schweren Leiden das Glücks- und Dankesgefühl, das sie ob ihres Entrinnens aus grauenhaftem Elend in düsteren, unge^ fanden Miethskasernen empfinden, förmlich aus den Augen lesen. Das „Montefiore-Heim" trägt durchaus keinen confessionellen Charakter. Wenn ein unheilbarer Kranker, sei es nun ein Jude, Christ oder Heide, an die Anstaltspforte klopft, so wird ihn: dieselbe, wenn es nur einigermaßen möglich, geöffnet und ihm für den Rest seines qualvollen Daseins schützende Zuflucht gewährt. Die Frage der Nationalität spielt dabei gleichfalls nicht die gering st e Rolle. Die jüdischen Bürger New-Aorks stehen, was Bethätignng ech te r H um a ni tä t und o p ferfr eu d i g e r Nächstenliebe anbetrifft, hinter keiner anderen Glaubensgenossenschaft zurück. In dem „Montefiore-Heim", dieser prächtigen Musteranstalt, sind der Unternehmungsgeist und der edle Sinn des New-Aorker Judenthums zum schönsten Ausdruck gelangt". Kol-nidre. Zu Dr. Stern's trefflichen Ausführungen über das Lol-nidre in der letzten Nummer dieser Blätter möge hier ergänzend Folgendes bemerkt werden: Die Perfectform der Zeitwörter: dinedarna u. s. w., kann im Hinblick auf die Worte: mijjoni kippurim seh ad jom . . . grammatisch nur die Bedeutung des tuwrurn exactüm haben. (Ewald, ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache, fünfte Auflage § 135 a und Nägelsbach, hebräische Grammatik § 84 b). Einige Beispiele: „urnoladtecha ascher boladta acbarehern", „Und deine Kinder, die du nach ihnen erzeugt haben wirst" (Genes. 48, 6.) — „ad ascher im schau arim“, „Bis die Städte verödet geworden sein werden" (Jesaja 6, 11.) — „ad eth jelodah“, „Bis zur Zeit, da die Gebärerin geboren haben wird" (Michah 5, 2.) — „umeeth husar ha-tamid“, „Von der Zeit, da das tägliche Opfer e i n g e st e l l l s e i n wird" (Daniel 12, 11.). Die Uebersetzung des Kol-nidre wird demnach lauten: „Alle Gelöbnisse u. s. w, durch die wir uns von diesem bis zum nächsten Versöhnungstage irgend eine Entsagung auferlegt haben werden, erklären wir für null und nichtig". D r. U n g e r. Correspondenzen. Wien, 6. Juli 1895. Löbliche Redaction der „Oesterreichischeu Wochenschrift", Wien. Im Besitze Ihrer werthen Nummer 27, vom 5. Juli, lese ich soeben auf pag. 509 in der Rubrik „Vermischtes" unter dem Schlagworte „Baden" über den Wohlthätigkeitssinn der Badener israelitischen Cultusgemeinde, und erlaube mir, einer löblichen Redaction nachstehendes Gegenstück zu liefern: Ich weilte durch vier Wochen zum Curgebrauche in Maiienbad (Böhmen) und erfuhr während dieser Zeit durch die Zeitungen von dem schrecklichen Unglücke, welches den Lustcurort Kobersdors in Ungarn betroffen. Ich veranstaltete sofort eine Collccte und erhielt auch von vielen Einwohnern Maricnbads, sowie von Curgästen namhafte Geldbeträge, nur von einigen reichen Hausherren wurde ich mit der barschen Antwort: „Wir geben nichts", obgewiesen. In erster Linie wendete ich mich natürlich an den israelitischen Cultusvorsteher Herrn David Löwenthal um einen Beitrag und gab mir auch Herrn L ö w e n t h a l aus privaten Mitteln ein Geldgeschenk. Jedoch aus dem Gemeindesond war Herr L. nicht im Stande, mir einen Beitrag zu gewähren, indem er seiner Angabe gemäß hiezu erst eine Sitzung einberufen muß; so wurde ich von genanntem Herrn von einen Tag auf den anderen vertröstet, ohne daß bis heute ein Beitrag eingelaufen wäre. Nun aber sammelt die „Marienbader israelitische Cultusgemeinde" schon Jahre hindurch für den Tempel (jedoch geschieht dies nur für die Domestiquen), nachdem sich der Cantor seinen Gehalt förmlich „zusammenschnorren'^ muß und in Marienbad nicht ein einziger, armer Jude ist und auch Niemand etwas nehmen würde. Indem ich die löbliche Rcdaction um freundliche Aufnahme meiner Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte hiflichst ersuche, zeichne ich, im Voraus bestens dankend, ergebrnst S. Fery, Optiker, IV., Schleifmühlgasse Nr. 11. Profeffor Benedkit. Der Professor für Nervenpathologie und Ele!trotherapie an der Wiener Universität, Dr. Moriz Benedikt, beging in intimstem Familienkreise seinen 60. Geburtstag. Da von diesem Marksteine im Leben des ausgezeichneten Gelehrten dessen Collegen und Schüler nichts erfuhren, so unterblieben, was offenbar seiner Absicht entsprach, alle Kundgebungen der Werthschätzung seiner Verehrer. Benedikt wurde am 6. Juli 1635 in Eiscnstadt geboren und wurde nach Absolvirung der medicinischen Studien au der Wiener Universität, wo er Schüler der Altmeister Hyrt 1, B r ii ck e, Oppolzer, A r l t und Rokitansky war, im Jahre 1859 daselbst zum Doctor der Medicin und Chirurgie promovirt. 1862 habilitirte er sich als Privatdoccnt für N rvenpathologie und Elektrotherapie und wurde 1869 zum Professor für diese Fächer ernannt. Seit Bestand der Poliklinik ist er daselbst Abtheilnngsvorstand und wirkt daselbst in segensreicher Weise. Patienten und Schüler drängen sich förmlich zur Ambulanz des humanen Gelehrten. Benedikt ist theils correspondireudes, tbeils Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Körperschaften ersten Range-: des Auslandes. Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn bat sich Benedikt auch eingebend mit der Literatur beschäftigt. Diesem Studium entsprang sein Erstlingswerk (1851) „Studien über österreichische dramatische Dichter". Banffp und Lucge' . Der„P. Lt." meldet: Der brave Lueger- Hat bekanntlich dieser Tage seiner Sympathie für Ungain und die ungarische Negierung in einer Weise Ausdruck gegeben, die über die freundlichen Gesinnungen des verstoßenen Vicebürgermeisters des Wiener Nathhanses keinen Zweifel übrig ließ. Ein Pendant hiezu, und itwar ein schriftliches, hat, wie wir hören, der Ministerpräsident von Ungar-, Baron Desider B a n f f y, heute ans Wien erhalten. Ein