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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-12 · 28 (12.7.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
28 (12.7.1895)
Date
1895-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 518 dem Erlöse zahle ich Euch meine kleine Rechnung aus, aber Ihr müßt die Sächelchen tüchtig in die Höhe schrauben. Inden werden zur Tagfahrt nicht zugelassen, so wenig wie zu den Vergnügungsreisen Schneider's oder — zur Unio catholica. Die Juden müssen nicht von Allem haben. Wir wollen auch einmal unter uns sein und was Gutes für uns allein genießen. Aber jetzt, Kinderchen, bedarf ich dringendst einigen Cognac - Getränkes. Bereitwillig gießt mir die Mila ein halb Dutzend Gläslein voll. — O Pumpo! Ich muß schließen, ich muß schließen! U. d. G. T ent ob o ld. Das erreichte Ziel. Ein Phantasiebild von Adolf Steinschneider. Man zählt das Jahr 1905. „Das unheilvolle, judenliberale, neunzehnte Jahrhundert ist in den Orkus hinabgesunken, und strahlend ist am Firmamente das Gestirn des christlichen, befreienden,antisemitischen. zwanzigsten Jahrhunderts aufgestiegen". Herr Johannes Hartkopf, ehrsamer Gerber und Gemeinderath der Stadt Wien, wendet sich mit diesen dithyrambischen Worten an den ihn besuchenden nahen Verwandten, der, seit längerer Zeit in Amerika ansässig, nun gekommen ist. um seine Vaterstadt wieder zu sehen, und der bei ihm gastliche Aufnahme findet. Enthusiastisch fährt er weiter fort. „Uns ist großes Heil widerfahren, zerbrochen sind die Fesseln, frei sind wir geworden von jener verhaßten Race, die uns so lange unterdrückt hatte. Wien ist judenrein geworden, ihr Anblick beleidigt unsere Augen nicht mehr". „Wo sind sie denn hingekommen?" fragt der Gast. „Die reichen sind nach London, Paris oder Rom übersiedelt, manche nach Budapest, und die armen, durch die Mittel ihrer Glaubensgenossen, der Rothschild, Hirsch und Anderer, wurden nach Palästina und Amerika verpflanzt, wo sie in Genossenschaft der aus Rußland vertriebenen Juden Colonien bilden." „Und seid ihr glücklich", fragte der Gast weiter, „blühen seitdem Eure Gewerbe und Geschäfte?" „Noch, war die Anwort, haben sich zwar die heilsamen Folgen, nicht eingestellt, eher ist momentan eine gewisse Stagnation eingetreten, aber es ist nur eine Uebergangscpoche, wir ertragen sie geduldig, der erhebende Gedanke dessen, was wir errungen haben, verleiht uns Standhaftigkeit, bessere Zeiten zu erwarten. Wir hatten einen langen, schweren, zähen Kampf zu bestehen, unsere Bestrebungen wurden beschimpft, verdächtigt, verächtlich gemacht, wir halten als Widersacher nicht nur die Judenmeute und ihre Presse, sondern auch jene romantischen Schwärmer, welche an den Vorurtheilen und an den hohlen Declamationen des Jahres 1848 festhielten, von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, diese Worte leeren Schalls, welche nur den Juden Vortheile brachten, die Christen aber von ihnen bedrängen ließen. Endlich ist es uns nach und nach gelungen, durch unsere Beharrlichkeit der heiligen Sache zum Siege zu verhelfen, die gesammte Bevölkerung für uns zu gewinnen, für die erhabenen Ideen zu begeistern und sie ihr zum Bewußtsein zu bringen. Bei allen Wahlen in den Gemeinden und zu den Vertretungskörpern siegten unsere Parteigenossen, so daß nicht nur die Abgeordneten dieser Richtung die Majorität haben, sondern auch Männer unseres Sinnes im Rathe der Krone sitzen. Derart ist es gelungen, die so schädlichen Staatsgrundgesetze zu unseren Gunsten mit Zweidrittel-Mehrheit abzuändern und die Abschaffung der Juden aus Wien zu decretiren". „Wer sind denn die jetzigen Minister?" „O, lauter bewährte, erprobte Gesinnungsgenossen. Dr. Lueger, gesegnet sei sein Name, wobei er den Hut lüftete, ist Minister des Aeußern, da kann er nach Herzenslust an Ungarn, dem Judenlande, sein Müthchen kühlen und daran arbeiten, den Dualismus zu zerreißen, außerdem steht er in diplomatischem Verkehr mit Rußland, um sich genau über die Methode zu informiren, nach welcher man die Juden aus den österreichischen Provinzen austreiben könne. Minister des Cultus ist Pater Scheich er, um den Clerus zu leiten, Nr. 28 Finanzminister Professor Schlesinger, welcher vor Jahren im dermaligen Reichsrathe originelle Finanzprojecte vorbrachte, welche Alle verblüfften — jetzt kann er seine Talente bewähren. Dr. Pattai ist Kriegsminister, und für Ehren- Schneider ist eine neue Würde geschaffen worden, wie sie in England besteht, er ist Großsiegelbewahrer, da er für Siegel und Stampiglien so viel Talent bewiesen hat. Du siehst, es ist Alles in guten Händen". „Ich möchte nun", sprach der Fremde, „eine Wanderung durch die. Stadt machen, die ich seit 10 Jahren nicht gesehen habe, um die Veränderungen, die seither stattgesunden haben, zu besichtigen". „Gerne", sagte Herr H a r t k o p f, und sie machten sich auf den Weg, sie durchschritten mehrere Straßen und fanden beinahe an jedem Hausthore Vermiethungsanzeigen. „Warum", fragt der Gast, „gibt es denn so viele leerstehende Wohnungen?" „Das sind alle jene, in welchen Juden gewohnt haben, mehr als 20.000". - Sie kamen auf den Franz Josefs-Quai und in die anstoßenden Straßen, hier waren wieder die meisten Gewölbe gesperrt, nur hie und da eine Schusterwerkstätte oder ein Greislerladen. „Also auch diese Locale leerstehend?" fragte der Fremde. „Ja,, denn auch da hausten die Juden. Einige Heißsporne im Gemeinderathe beantragten, sie niederzubrennen, um das zurückgebliebene Contagium zu zerstören und neue herznstellcn. Doch unser allverehrter Bürgermeister bemerkte, daß die Finanzen der Stadt es nicht erlauben, doch werde er veranlassen, daß sie gehörig desinficirt werden, damit sie anständige Christen beziehen können. Schon sind auch Anerbietungen nach Belgien, dem gut katholischen Lande, gemacht worden, um dortige Capitalisten dafür zu gewinnen, geschäftliche Ansiedlungen hier zu gründen". Sie gelangten zum Schottenringe bis zur Börse, deren Thore geschloffen waren. Auf die Frage des Gastes sagte Herr Hartkopf. „Diese Gifthütte, wie sie ein preußischer Minister einst nannte, wurde gleich beim Beginne unserer Aera geschlossen. Die Juden, welche hier um Millionen spielten, sind in alle vier Winde zerstoben." „Und was machen denn die großen Banken, die doch ohne Börse keine Geschäfte betreiben können?" „Auch diese, von wucherischen Juden geleitet, sind hinweggefegt worden und haben sich nach Budapest oder Lemberg hingezogen, wo doch Juden und Judenknechte sich befinden, und sie ihr Ausbeutesystem fortsetzen. Hingegen hat sich hier eine katholische Bank etablirt, geleitet von Prälaten und dem hohen Clerus, welcher nur christliche Bankgeschäfte betreibt." Ihr Weg führte sie zum Stesansplatze, da kam aus der Kirche eine große Anzahl anscheinend den besseren Ständen angehörige Männer, welche mit Gebetbüchern versehen waren. „Das sind", erklärte Herr Hartkopf, „lauter Staatsbeamte, die durch die jetzigen Gesetze verpflichtet sind, täglich vor Beginn der Amtsstunden die Frühmesse zu hören, und dort jener Mann, der die Kirchenthüre schließt, das ist ein Volksschullehrer, welcher Meßnerdienste verrichtet, da nach dem seit zwei Jahren wiederhergestellten Concordate die Lehrer zu ibren früheren Functionen wieder herangezogen werden. Die Beamten und die Lehrer, welche bei den Wahlen stets so thätig für uns wirkten, genießen nun auch vornehmlich das Heil des jetzigen Systems." Ihr Weg führte sie an mehrere Hotels vorbei, man sah weder Portier noch Lohndiener wie in früheren Zeiten in den Vorhallen. Auf die Frage nach der Ursache, antwortete Herr Hartkopf. „Leider kommen fast keine Fremden her. Der Ruf, den die gottverdammten Judenblätter über uns und unsere gesegneten Verhältnisse überallhin verbreitet haben, verhindert den Zuzug derselben, aber ich hoffe, daß die Wahrheit auch anderwärts im Auslände siegen wird und die Fremden wieder schaarenweise nach unserem Eldorado kommen werden." Sie traten in eine Kirche ein, eine gläubige Menge war da versammelt, auf der Kanzel predigte ein Geistlicher mit fanatischer Begeisterung: „Das Reich Gottes ist gekommen, der Antichrist ist verjagt, christlich-fromm ist die Bevölkerung geworden, nachdem sie nicht mehr in Berührung ist mit jener unreinen Race, doch höret, andächtige Zuhörer, wieget Euch nicht in sorglose Ruhe, noch ist das Werk nur halb gethan, noch Dr. Blvch's Wochenschrift.

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