Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 28 (12.7.1895)
- Date
- 1895-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 517 heute iwch nicht bestimmt. Wir werden aber keinen Richter brauchen. Kannst Dich immerhin auf eine kleine Ueberrafchung gefaßt machen, Punipochen. Wenn der lange Erbführer Loisl die goldene Kette umhängt, dann muß das Stadtwappen sogleich gründlich geändert werden. Ein goldener Luchs im schwarzen Feld, darüber ein Krummstab, gekreuzt mit einem Schüchtmesser. Doch glaube ich nicht im Ernste an d'ie Aussichten des Prinzen und bin vielmehr der Ansicht, daß er mit langer Nase abziehen wird. Der kriegerische Pattai, der merkwürdigerweise ein Freund der Civil- Processe ist, der ist schon weit ernster zu nehmen. Der mobilifirt uns den ganzen Gemeinderath und macht die Rathsstube zum Exercierplatz. Das „Rechtsgeschaut" und „Auf die Knie zum Gebete" wird besonders fleißig eingeübt werden. O welche Lust, Stadtrath zu sein! Wehe dem Noske, wenn der mit nicht blank genug geputzten Augengläsern beim Rapport über die Wienflußregulirung erscheint. Der Oberbefehlshaber läßt gleich das grobe Geschütz auffahren — und die antisemitischen Manöver sind ja in den weitesten Kreisen der Bevölkerung bekannt. — Wird aber mein geliebtester Freund Schneider Bürgermeister von Wien, dann beauftragt er gleich den Magistrat, eine Talmudübersetzung anzufertigen. Warum nicht? Unsere Magistratsräthe verstehen nicht um ein Jota weniger hebräisch, als der Pfarrer Deckert und der Canonicus Rohling. Wie die Uebersetzung fertig ist — und es wird mit Beschleunigung daran gearbeitet werden — versieht sie der Herr Bürgermeister zum Zeichen der Falschheit eigenhändig mit seiner Stampiglie. Die Stadtbibliothek erhält den Auftrag, die hebräische Literatur besonders zu berücksichtigen und in den Zwischenpausen während der Sitzungen wird das Stadtoberhaupt in sein „Sidderl" vertieft sein. Auf die Tagesordnung gleich der ersten Sitzung wird das für das Wohl der Reichshauptstadt ungemein wichtige Kol nidre - Gebet gestellt. Unbegreiflich, wie man dasselbe so lange bisher vernachlässigen konnte! In Form eines Zudringlichkeits-Antrages wird die Sache erledigt und die Sitzung darauf abgebrochen, weil Herr Bürgermeister „Minje machen" muß. Im Grunde, Pumpo — Du sagst es doch nicht weiter und es bleibt ganz unter uns — bin ich nicht für diesen verjudeten Schneider, der fast so verjudet ist, wie das Weihrauch-Juden-Kleeblatt Spitzer-Weimar (!) P or z e r (!) und Dr. Kaspar Schwarz (!) Er mag ja ein ganz guter Stampiglioge, ein erfahrener Zeugenverleiter, ein tüchtiger Blutniär ch eu-Rundr eisend er sein — es liegt mir ferne, ihm seine Fähigkeiten und antisemitischen Talente abzusprechen, aber er steckt mir zu viel im Talmud und im Judenthum. Er ist mir zu gelehrt. Wir brauchen keine Gelehrsamkeit, keine Bildung, keine Cultnr, keine Intelligenz — nehmen wir den Gregorig. Da sind wir sicher. Da wissen wir wenigstens, was wir zu erwarten haben. Mit Lueger ist es auf keinen Fall was. Seine letzte, großartige Rede über die Judaeo-Magyaren hat ihm den Weg in die Höhe gründlich versperrt. Er hat sich um den Hals mitsainmt der goldenen Kette geredet. Die Juden Leib Kossuth, Feibisch Deakund Aaron Wekerle hat er nicht übel mitgenommen. Nach seiner Ansicht — o wie wahr! — ist jüdisch und ungarisch ganz dasselbe. Gewiß haben die Juden seinerzeit Csardas um das goldene Kalb sporenklirrend getanzt. Noah hat sich in Tokayer und Villünyer beduselt, Gigerl Absalon stolzirte mit aufgewichstem Schnurrbart... — und zum Danke dafür streuen noch heute Söhne Arpads koscheren Paprika in ihr Gulyas. Die Verbrüderung ist eine allgemeine. Entsetzliche Neuigkeiten hat mein specieller Freund Hauck auf privatem Wege erfahren über die Privatverhültnisse — Salomon hatte deren tausend — der jüdischen Herrscher. Das gibt's bei Ariern nicht. Wie moralisch betrug sich allzeit unser Wotan und gar der selige Jupiter! Der ergreifende Rückschritt des durch und durch Edlen von Plener hat uns Antisemiten alle ohne Ausnahme durch die Anklagebank unendlich gerührt. Der Ehrenbürger von Mühldorf leitartikelte in Moll und Alois, der Längliche, der Erbführer, weinte ihm eine prinzliche Thräne nach und versicherte ihn der uneingeschränkten Hochachtung. Das konnte nicht gut ausgehen! Da steckte irgend etwas dahinter! — Ach! Schmerzlich gekränkt, in seinen heiligsten Gefühlen verletzt, den Stachel Undank tief in die Brust gedrückt, — reich a n E n t t ä u s ch u n g e u, sonst aber ziemlich Parterre oder gar Souterrain — o wie das schmerzt! — in dieser Stimmung setzte sich der durch und durch Edle an den Schreibtisch, die Abschiedsbriefe zu drechseln: „Wenu Ihr diese Zeilen leset, weile ich nicht mehr unter den Lebenden und bin bereits ausgekühlter und politischer Leichnam. Verzeihet mir — ich könnte auch anders, aber ich ziehe ein Leben des Glanzes, des sorgenlosen Reichthums meiner bescheidenen, kleinen Wohnung im Schottenhof vor. So kann, mag und darf ich nicht leben — meine Frau erlaubt es nicht — ich rufe den T 0 t h!" — Er rief ihn auch — nicht den mit „d", sondern den schmerzloseren mit „th", den braven, alten Präsidenten des gemeinsamen, Obersten Rechnungshofes, an dessen Stelle er trat. Das ist ein Posten, Pumpo. Der ist dotirt. Ich glaube' 15.000 Gulden oder gar 30.000 Kronen jährlich. Das wäre was für mich. Ta ließe sich was leisten für das arme, von Juden ausgehöhlte, christliche Volk. Auch möchte ich mir eine Cognac-Fabrik für meinen eigenen Bedarf errichten „Teutobold limited“. — Ach, der arme Plener! Deshalb war er immer so fürchterlich „Ernst"! Jetzt begreif' ich». Die politischen Selbstmordgedanken gingen ihm nicht aus dem Kopf. Ewig schade um den selbstlosen Charakter mit Helmbusch, um den gehaltvollen Führer! Weiß Gott, ich bin au ch gerührt — und so rasch ist das Alles gekommen! Gestern war er noch ganz lebendig und heute ist er „töth". Er prüsidire in Frieden. Jetzt hat die arme Seel a Ruh'. Johannes, borgen L-ie mir ein halbwegs sauberes Taschentuch, ich wünsche, mich tiefbewegt zu schneuzen. . . . Ob unser herrlicher Schönerer wohl auch demnächst zu einem höheren Amte berufen wird? Er ist zwar bereits Ehreubursch mehrerer dentschvolklicher Verbindungen, aber dennoch wird es in unseren Kreisen gewünscht und mit Bestimmtheit erwartet. Und nun zum Rührendsten, zum unsäglich Traurigsten, das ich mir bis zu schlechter Letzt aufgehoben habe. Schönerer ist nicht mehr unser Führer. Er hat abgeuudankt. Er verzichtet endgiltig darauf, uns anzuführen. Wir sind eine hirtenlose Heerde. Wir Deutsch-Nationale haben uns aufgelöst, wenngleich nicht in Wohlgefallen. Wir sind nichts als ein schöner Traum gewesen. Ist das nicht beklageuswerth? „Wer wird künftig unsere Kleinen lehren, Juden fressen und den Wotan ehren?" Wer wird uns künftighin sagen, wer die Richter im Proceß Schönerer gewesen?? In den „Unverfälschten" wird demnächst eine Annonce erscheinen: 3| Von aufgelöster Partei i£ 11 abgelegte Grundsätze \t II tief unter dom Anschaffungspreise ► 1l abzageben. Auskunft: Schloss Rosenau, N.-Oe. j£ Auch ich gedenke einen kleinen Ausverkauf zu veranstalten: Einige Hundert einzelne Hefte „Unverfälschter", Kernreutec's und Jro's sämmtliche geredete Reden — eine Schönerer-Büste (Hohlkopf, gesprungen), zwei Schönerer- Pfeifen, ein Schönerer-Spazierstöckchen mit Bleiknopf — auch Todtschläger— ein interessantes, eigenhändiges Autograph des Führers, worin er schreibt, daß er schmerzlich bedauere, momentan leider nicht in der Lage zu sein, mir die gewünschten fünf Gulden vorstrecken zu können. Ich werde eine öffentliche Feilbietung all' dieser Schätze, von denen ich mich nur schwer trenne, veranstalten, um mich ein wenig zu rangiren. Sie, Mila, holdreizende Cassierin des Sitzes, und k Sie, schnöder Zahlenmann Johannes, sollen mithalten. Mit