Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 2t Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Seite 509 erkennung ausgesprochen erhielt, und durch Herausgabe zweier Broschüren und anderer publicistischer Arbeiten manches Gute zur Fachliteratur beigetragen hat, hat im abgelausenen Monate sein fünfundzwanzigstes Dienstjahr zurückgelegt. Aus diesem Anlasse erhielt er von seinem Vorstande ein in warmen Worten abgefaßtes Anerkennungsschreiben nebst einer Ehrengabe und wurde auch in der Monats-Conferenz von Herrn Director Dr. B r u s e n e r und seinen Collegen als tüchtiger, verdienstvoller Mitarbeiter beglückwünscht und gefeiert. (Professor Sulzer.) Der Solocellist unserer Hofoper Professor Josef Sulzer ist vor Kurzem von einer äußerst erfolgreichen Concertreise zurückgekehrt. Der Künstler wirkte in Constantinopel in einem Concerte der „Teutonia" mit und gab ein eigenes, von glänzendstem Erfolge begleitetes Concert, welchem die Cröme der Peraek Gesellschaft, darunter der österreichisch-ungarische Botschafter Baron C a l i c e, Baron G i e s l und Gemahlin, sowie die Herren der Botschaft beiwohnten. Auch gelegentlich zahlreicher Soireen der diplomatischen und finanziellen Kreise Peras war Professor Sulzer Gegenstand schmeichelhafter Auszeichnungen. Von Constantinopel begab sich der Künstler nach Belgrad, um auf speciellen Wunsch des Königs A l e x a n d e r vor dem königlichen Hof zu concertiren. Das Hofconcert fand im neuen königlichen Palais statt und demselben wohnten außer dem König und der Königin Natalie sämmtliche Gesandte, Minister und Hofwürdenträger mit ihren Damen bei. Sulzer spielte mit solcher Verve, daß — eine seltsame Erscheinung in Hofconcerten — jede seiner Piecen stürmisch applaudirt wurde. Nach Beendigung der musikalischen Vorträge sprachen König Alexander und Königin Natalie dem Künstler in der schmeichelhaftesten Weise ihre Anerkennung aus, und der König verlieh ihm das Officierskreuz des St. Sava-Ordens. Wien. Der Wiener Arzt Dr. Mar m o r e k, der sich in Paris durch seine Arbeiten im Jnstitllt Pasteur bemerkbar gemacht hat, wurde zum Director der serum-therapeutischen Abtheilung des Institutes Pasteur ernannt. (Jüdische akademische Lesehalle, Wien.) Samstag, den 7. Juni findet der letzte Vereinsabend dieses SemesteM statt. An diesem wird Herr stud. med. Engländer im Vereine mit anderen Collegen Perlen mittelalterlicher, jüdischer Poesie zum Vortrage bringen- Gäste sind, wie immer, herzlich willkommen. Nach Schluß des Vortrages gesellige Zusammenkunft bei Khuner. Baden. Daß Wohlthun der Charakterzug edler Menschcnaesinmmg ist, hat der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde in eclatantester Weise documentirt. Die furchtbaren Ereignisse in Kobersdorf durch die verheerende Katastrophe ist Jedermann bekannt. Kaum aber war diese herzerschütternde Nachricht hieher gelangt, als auch schon unser zu jeder Zeit hilfbereite Präses, Herr Moriz Leitner, den Vorstand zu einer Besprechung einberief, wo eine Hilfsaction für unsere, am Unglücksorte wohnenden und so arg heimgesuchten Glaubensgenossen sofort beschlossen wurde. An derselben betheiligten sich in hervorragender Weise der schon genannte Präses Herr Moriz Leitner, ferner der Vicepräses unserer Gemeinde, Herr- Anton Schneider, das Vorstandsmitglied Herr Julius Philipp und das Gemeindemitglied Herr Hermann Flaschner. Ihre humane Thätigkeit bestand in der Aufbringung einer sehr bedeutenden Summe Geldes und in der Sammlung von mehreren Ballen Kleidungsstücken und Wäsche, welches sie persönlich den Verunglückten überbrachten, um sich zugleich von der Größe des Elends der Betroffenen zu überzeugen. Furchtbar war der daselbst gewonnene Eindruck, umso größer aber ist der Dank für alle edlen und mildherzigen Spender, Wohlthäter und Sammler, welche sich in ausgezeichneter Weise der so hart Betroffenen angenommen haben. «I. J. Piesting. Am 25. Juni fand in Döschen, einem Orte unweit Piestings, ein Leichenbegängniß statt, das den Bewohnern Döschens wohl noch lange im Gedächtniß bleiben wird. Herr M. Wottizky, ein ob seiner strengen Rechtlichkeit in der ganzen Gegend bekannter und beliebter Mann, wurde unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen. Für die hohe Achtung, die der Verstorbene genoß, spricht der Umstand deutlich, daß die christliche Bevölkerung auch aus entlegenen Ortschaften gekommen war, um dem braven Pfanne die letzte Ehre zu erweisen. Dies ist umsomehr zu verwundern, da Döschen ein Ort ist, in welchem dem Herrn Schönerer vor zwei Jahren Kränze gewunden und Triumphpsorten errichtet wurden. Allein, wie unser hochverehrter Bezirksrabbiner Dr. Frankl in seiner Leichenrede treffend hervorhob, schwindet vor einem wahren Verdienste jeder Religionshaß, da gilt der Mensch nur' als solcher allein. Und wie richtig diese Worte, beweist die Thatsache, daß viele Bürgermeister benachbarter Ortschaften dem verdienstvollen Manne bis zu dem eine Stunde entfernten Pullitz, wo derselbe beerdigt wurde, das Geleite gaben. Troppau. Endlich ist es nun gelungen, durch das energische und hingebungsvolle Bestreben unserer verehrten Cultusvorsteher, der Herren Dr. Sonnenschein und Fabrikant Sieg. Spitz e r. den lang ersehnten Wunsch der hiesigen Cultusgemeinde, ein würdiges und schönes Gotteshaus zu besitzen, in naher Zeit erfüllt zu sehen.' Anfang nächsten Monats wird die Grundsteinlegung zum neuen Tempel, nach dem Entwurf des Herrn Architekten G a r t n e r in Wien, der nach Ausspruch maßgebender Fachmänner eine Zierde der Stadt sein soll, stattfinden. Bei dieser Feierlichkeit wird der seit Kurzem unter der Leitung unseres verdienstvollen Obercantors S i n g e r in a n n gegründete Damen- und Hcrren-Chor, der sich ans den b e st e n K r e i s e n unserer Gemeinde recrutirt und über 6V Mitglieder zählt, zum ersten Male milwirken. Suczawa. Unsere kleinstädtische, jüdische Bevölkerung rüttelte aus ihrem dolce far niente, um nicht zu sagen Jndifferentismus, der Besuch der akademischen Verbindung „Hasmonaea“. Dieselbe veranstaltete nämlich am 22. d. Pf. bei uns W a n d e r v o r t r ä g e, die den ungetheilten Beifall der hiesigen Judenschaft erzielten. Lange vor der anberaumten Zeit versammelte sich im größten Lehrzimmer der hiesigen Volksschule ein zahlreiches Publicnm und lauschte mit Spannung dem Vortrage. Und es gelang dem Präses der ,.Hasmonaea“, stud. zur. K o m m e r, dieses den verschiedensten Ständen und Berufsclassen angehörende Publicum, durch seine Rede zu einem Enthusiasmus zn entfachen, wie wir ihn unseren gemüthlichen Suczawaern kaum zugemuthet hätten. In seiner zweisttlndigen Rede entrollte 8tud. zur. Komm er ein übersichtliches Bild der unglaublich prekären, wirthschaftlichen Lage des jüdischen Volkes, der wirth schaftlichen Boycottirung und Jsolirung desselben, des zusehenden Wochsthums des jüdischen Proletariats und der daraus resultirenden Consequenzen. Rabbiner Dr. L ö w y. der alsdann das Wort ergriff, billigte vollinhaltlich die Anregung des Vorredners und appellirte an die Versammlung, an die Gründung eines Abwehr Vereines zu schreiten. Laute Zustimmung fanden diese Worte und mit Acclamation wurde Dr. L ö w y zum Obmann und sofort ein provisorischer Ausschuß, bestehend aus den Herren: B e i n e r, Eisig G r ü n b e r g, B r e i e r, cand. zur W a g n e r, S ch a p i r a, cand. zur. Goldstein, Rohrlich, R u d n e r. Langer u. A. m., gewählt. Am Abend desselben Tages hielt wieder der Drittchargirte der „Hasmonaea“, stud. zur. Schifter, in den Localitäten des Geselligkeitsclub einen Borttag, zu dem sich sämmeliche Clubmitglieder mit ihren Familien eingesunden hatten. Alle Räume des Clubs waren dicht besetzt, als stud.zur. Schifter seinen Vortrag begann, und noch immer kamen Gäste. In formvollendeter Rede entwickelte er das jüdisch-nationale Programm uns wies, zum Vergleiche immer die socialen Ideen heranziehend, nach, „daß die jüdisch-nationale Idee eine jüdisch-sociale sei, daß sie die einzige ist, von der die Juden Hilfe und Rettung erwarten können". Mit der Bitte, Zeit, Geld und Kraft der jüdisch-nationalen Idee zu widmen und mit der Aufforderung zur Unterstützung des zu begründenden Vereines schloß er den Vorttag. Beifall folgte diesen Ausführungen. Stud. zur. Ko mm er wendete sich dann noch in einer Ansprache an die zahlreich erschienenen Damen und sprach ihnen zu Gemüthe, das jüdische Volk, dessen Zukunft in ihren Händen ruht, durch entsprechende Erziehung der Kinder zu erhalten. Nachdem die Clubleitung der „Hasmonaea" und insbesondere dem stud. zur. Schifter dantte, ging man auseinander, das vorgetragene Thema lebhaft discutirend. „Jeschurun". Hamburg, 20. Juni. Bei dem Festmahle, welches unter Theilnahme Sr. Pfajestät des Kaisers und der deutschen Bundesfürsten im hiesigen Rathhause aus Anlaß der Eröffnung des Nord-Ostsee- -! '!! :!! i I f i I I