Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 508 Nr. 27 Dr. Vlnch's Wochenschrift. sönlich auf sich beziehe, er dieselbe doch energisch zurückweiseu muffe, und cs sei fraglich, ob die Vertheidiger durch ihren Verkehr mit Dr. Porz er die urbanen, unter Collegen üblichen Umgangsfornicn lernen könnten! Diese Züchtigung Dr. Porzer's seitens Dr. Herzberg-Fr änkel's war von so großem nachhaltigem Eindrücke, daß sich Dr. P o r z c r zu einer Revocirung veranlaßt fand. Der Species der antisemitischen Vertheidiger, welche sich in der antisemitischen Aera herausgewachsen hat, war es Vorbehalten, den bisher im Barreau üblich gewesenen collegialen Verkehr in empfindlicher Weise zu lockern, und es zeigt sich immer wieder, daß der Antisemitismus auf allen Gebieten eine zersetzende Wirkung ausübt. E. J>. (Abgeordneter Weber über den Ringtheaterbrand.) In seiner Budgetrede kam der Abgeordnete Weber auch auf den Ringtheaterbrand zu sprechen. Mit absichtlicher Malice wies er darauf hin, daß unter den beim Ringthcaterbrande Umgekommenen 240 Juden sich befanden und daß nur deshalb der ansehnliche Betrag von zwei Millionen Gulden gesammelt wurde. Mit einem. Cynismus ohne Gleichen bemerkte derselbe weiter, daß die Ringtheaterbesucher nicht bei der Arbeit, sondern beim Vergnügen verbrannten. Nur nebenher sei erwähnt, daß die vorgebrachten Daten den Thatsachen nicht entsprechen. In Erinnerung soll jedoch gebracht werden, daß der allergrößte Theil der Spenden von Juden zugeflossen ist und daß es seinerzeit Gegenstand der öffentlichen Besprechung war, daß sich die feudale Aristokratie und die Clerisei an diesem Acte der Barmherzigkeit nahezu gar nicht betheiligte. Schmerzlich muß es jeden Menschenfreund berühren, daß die Attribute des geistlichen Standes, die Nächstenliebe und der Respect vor den Todten, immer seltener anzutreffen sind und auch die Kanzel und die Tribüne dazu benützt werden, um gegen die einfachsten Regeln der Humanität zu sündigen. Auch die Cannibalen bezeugen für die Todten, welche sie nicht selbst verspeist haben, eine gewisse Pietät. Nur den in Antisemitismus machenden Geistlichen blieb es Vorbehalten, sich jeder Rücksicht für Diejenigen, welche durch ein elementares Ereigniß ihr Leben verloren haben, zu entäußern und das Andenken derselben in gefühlsroher, empörender Weise zu schmähen, einfach deshalb, weil sie Juden waren. E. B. Brünn. (Ans -er Candidatenrede Doctor Bazant's,) welche derselbe vorige Woche in der Brunner Handels- und Gewerbekammer gehalten hat, sei der auf den Antisemitismus bezughabende Passus in Nachstehendem wicdergegeben. Er sagte nämlich: „Nach meiner Beobachtung hat die Haltung der Regierung gegenüber dem Antis emitismus wesentlich zur Mißstimmung und zum Falle des Cabinets beigetragen. Von dem Antisemitismus könne man schwer sprechen, ohne in heftigen Unwillen zu gerathen. Eine der größten Ideen der Menschheit, die Gleichheit der Menschen im Staate ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, wird verleugnet, und Alles, was uns hoch uitb theuer ist, wird geschmäht und verhöhnt. Man sieht, daß der Fortschritt der Menschheit doch nicht alle Schichten der Gesellschaft durchdringt und daß in den Tiefen derselben ein Bodensatz von mittelalterlichem Vorurtheil und Rohheit zurückgeblieben ist. Der Antisemitismus ist eine Schlammwelle, emporgehoben von mächtigen G ö nn e r n u n d b e st i m m t, d e n B o d e n derclericalen Reaction vorzubereiten." Man sicht, Dr. B a z a n t verschmäht es, die brennende Frage mit Handschuhen zu behandeln und sich auf hohle Phrasen zu beschränken. Er nennt das Kind beim rechten Namen und hat den Muth, den Stier bei den Hörnern zu packen. Hoffentlich wird Dr. Bazant auch als Abgeordneter den Muth bethätigen, den er als Candidat so kräftig zum Ausdrucke brachte. Roketmtz bei Prerau. Bei der am 23. Juni in Prerau abgehaltenen Wahlmänncrversammlung des Landgemeindenbezirkes Prerau-Kojetein für die Ersatzwahl in den Reichsrath entwickelte der jungczechische Candidat Herr Vy chodil, Grundbesitzer in Topolau, ein sehr intelligenter Bauer, sein Programm, selbstverständlich im landwirthschaftlichen und nationalen Sinne. Pei Besprechung der nationalen Frage sagte der Redner, daß er die Einbeziehung der Confession in den nationalen Streit nicht gutheißen könne und er stets für die Erhaltung der confessionellen Freiheit eintreten werde. Es ist dies umso bemerkenswerther, als die Israeliten einen kaum nennenswerthen Bruchtheil der Wähler in den Landgemeinden Prerau-Kojetein bilden. Nach Anhörung seiner Ausführungen wurde Herr Vychodil einstimmig und mit Beifall zum Candidaten gewählt. Andrichau. Wir entnehmen den: Rechenschaftsberichte der dortigen Sparcassc, daß dieselbe die hervorragenden Verdienste unseres Glaubensgenossen, des Herrn Julius Israeli, um das gemeinnützige Institut vollauf zu schätzen weiß. Interessant ist, daß Herr Israeli ein Anerkennungsschreiben erhielt, welches die Unterschrift des Antisemiten M e r u n o w i c z trägt, ein Beweis, daß wahres Verdienst selbst die Gegner zur Würdigung zwingt. Unser Glaubensgenosse Herr Israeli ist bereits seit sechs Jahren Controlor der Bezirkssparcasse und erfreut sich in dieser Eigenschaft großen Vertrauens. Er ist der einzige Jude in der Bezirksvertretung und lvurde dennoch einstimmig zum Delegaten der Gewerbeschule gewählt. Der Wado-- wicer Bezirk ist nur spärlich von Juden' bewohnt, und eben deshalb ist die ehrenvolle Stellung Julius Israel i's in demselben ein umso erfreulicheres Symptom. Paris, den 25. Juni. Herr Baron Hirsch hat über Vorstellungen seines von seiner galizischen Informationsreise zurückgekehrten Secretärs Herrn Dr. Sonnenfeld beschlossen, seine Wohlthätigkeits-Bureaup in der Weise zu reorganisiren, daß die Comitös entsprechend verstärkt und sämmtliche bei denselben einlaufcnden Petitionen ihm selbst nach Paris zur Entscheidung eingeschickt werden. Vermischtes. Wien. (Trauungen.) Sonntag, am 7. Juli 1895 um 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Paula Heller, Tochter des Herrn Directors Heller von der Hohen Warte, mit Herrn Noä. Dr. Max Reiner statt. („Ferienheim".) Der Verein entsendete Montag, den 1. Juli, Früh, mittelst Nordbahn 50 im schulpflichtigen Älter stehende Mädchen unter Aufsicht einer Lehrerin zum Landaufenthalt nach Petrau in Mahren. Vorstandsmitglieder und Gönner des Vereines hatten sich auf dem Bahnhofe zahlreich eingesunden. (»Ferienheim".) Geehrte Redaction! Wir erlauben uns die höfliche Bitte, nachstehendes Verzeichniß der uns zugekommenen Spenden in Ihr geschätztes Blatt aufnehmen zu wollen: Ignaz T r e b i t s ch, Tapeten; Adolf Mayc r, Wäscheleinen; S. A. Bauer, Jnsectenpulver u. Karlsbader Liqueur; Brüder Hirs chfeld u. Co., Hülsenfrüchte; Max Hoffmann, Specereiwaaren; Frau Dr. P a s s a u e r, Eß- und Küchenbestecke; Ruff u. Klein, Zahnbürsten und Kämme; Heinrich K o h n u. S. N e u m a n n, Lein- und Handtücher: Frau Dr. S. G r ü n f e l d, diverse Küchenutensilien; Leopold Picha, Einbände; J.Trebitsch u.Bruder, Frottirhandschuhe, Kämme, Zahnbürsten und Seife; Simon M a n d l e r, Tricots und Strümpfe; H e e g u. F r i e d m a n n, Bettzeug.; N. Hellmann, 1 Kistchen Zucker; Moriz G o l d n e r,' 25 Kilo Reis, 25 Kilo Gries und 10 Kilo Lequar; Pisk u. Os er, Kämme und Zahnbürsten; Moriz Deut s ch's Söhn e, Strümpfe und Tricots; S. Czeig er, Kaiscrbilder in Goldrahmen; Leo Weiß, Spiegel; H. u. G. (durch Herrn Dr. Berge r), Kämme und Zahnbürsten; Jos. T o ch, Kappen; Adolf u. L. Z e r n e r, Gläsertücher; B. Rothziegel, Hausapotheke; Frau Clara Berger, Waschlappen; Gustav Heinsheimer u. C o., Rum: Frau Eleonore Pechkranz, Kleiderkasten: Friedr. Frankl, Essigessenz; Hermann Stein, 12 Paar Schuhe; S. Heller u. S o h n, 6 Decken; Sam- F. G oldberger u- Söh ne, 1 Stück Blaudruck; Jos. S i e b e n s ch c i n, 50 Kilogramm Kernseife, 1 Dutzend Toiletteseife; W. Stern, 1 Sack Mehl. — Der Vorstand des „Ferienheim". Lehrerjubtläum. Herr Michael Berger, Lehrer am israelitischen TaubstummemJnstitut in Wien, der für seine eifrige und ersprießliche Lehrthätigkeit vom Bezirksschulrathe in Gien mittelst Decret Z. 8101 im Jahre 1891 die An-