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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-07-05 · 27 (5.7.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
27 (5.7.1895)
Date
1895-07-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Blorh^s Wochenschrift. Leitmeritz. (Bund der Deutschen in Böhmen.) Vor wenigen Tagen hielt der „Bund der Deutschen in Böhmen" zu Leitmeritz seine erste Hauptversammlung ab. Schönerer hat sich zurückgezogen, aber sein Geist schwebt noch über den Wassern all der Reden, welche im deutschnationalen Lager losgelassen werden. Leitmeritz ist ein stark unterwühlter Boden. Hier begann vor einem Menschenalter der unzufriedene Dr. Pickert seine Maulwurfsarbeit gegen H e r b st und die Versassuugspartei, und ihm zur Seite standen Krepek, St rache und später K n o tz. Diese nationale Kampforganisativn ist mit dem „Deutschen Club" in Brüche gegangen, P i ck e r t und Kiepek schlossen sich der Vereinigten Linken an, Strache abdicirte und Knotz ging, aus Leipa vertrieben, zu Schönerer'schen „Heilo '"-Rufern über. Auf den Trümmern der Pickert'schen Kampfgenossenschaft, der damals auch viele Juden angehörten, will nun der „Bund der Deutschen in Böhmen" einen neuen Bau errichten. Der nationale Chauvinismus soll wieder angefacht werden, aber diesmal mit Ausschluß der Juden und im Kampfe gegen dieselben. Es waren wilde, haßerfüllte Reden, welche Knotz und B a r e u t h e r in Leitmeritz hielten, angefüllt mit wüsten Schimpfereien gegen unsere Glaubensgenossen, die einst in harter Noth das Deutschthum in den gemischtsprachigen Ländern gegen die andräng ende slavische Fluth vertheidigen halfen und die auch heute noch in bedrohten Städten, wie B u d w e i s und P r o ß n i tz, die Stütze des Dcutschthums bilden und dem Boycott derCzechenTrotz bieten. „Bleiben wir unter uns," rief Herr Bareuther in Leitmeritz aus, „und t r a ch t e n w i r, o h n e I u d e n f o r t z u k o m m e n!" Es sind sonderbare Heilige, diese Bareuther, K n o tz, Pacher :c., sie gehen gerne sicher, sie betreten keine Stadt, in welcher sie auf Widerstand oder auch nur auf Widerspruch stoßen könnten. Es ist ihnen noch nie eingefallen, einen g e f ä h r d e t e n P o st e n zu beziehen, wo das Deutschthum mit dem Czechenthum thatsächlich den Existenzkampf führt. Sie haben bis jetzt das Deutschthum immer nur in rein deutschen Städten „gerettet", den Kampf in den utraguistischen Orten überlassen sie den Juden, denselben Juden, die sie von sich stoßen und mit krastgermanischen Schimpfworten bewerfen. Bor wenigen Tagen erst haben die Proßnitzer Czechen über die dortigen Juden den Boycott im privaten und geschäftlichen Leben verhängt, weil sie beschlossen haben, einmüthig für den deutschliberalen Candidaten I. v. Engel zu stimmen. Zum Dank dafür besudelt mau sie in der Hauptversammlung des „Bundes der Deutschen in Böhmen". Unter solchen Umständen werden sich unsere Glaubensgenossen in den gemischtsprachigen Orten doch endlich die ernste Frage vorlegen müssen, ob es noch länger mit ihrer Ehre vereinbar ist, den Deutschnationalen Aschenbrödeldienste zu leisten und dafür den Haß der Czechen auf ihre Schultern zu laden. Es ist Zeit, daß auch wir Juden uns zur selbstständigen Bertheidiguug unserer Rechte ermannen und den Undank, mit welchem mau uns begegnet, gebührend zu quittiren! (Der Deutsche Schulderem und die Juden.) In ihrem Berichte über die erste Hauptversammlung des Bundes der Deutschen in Böhmen hebt die „Deutsche Zeitung" mit gesperrten Lettern dieThatsache heraus, daß der Deutsche Schulverein (Obmann: Dr. Weitlof) einen Drahtgruß sendete. In der erwähnten Versammlung wurde maßlos gegen die Juden geschimpft, und einer der Redner erklärte ausdrücklich, die nationale Bewegung müsse der Juden entrathen. Trotz dieser Tendenz des Bundes der Deutschen in Böhmen fühlte sich die Leitung des Deutschen Schulygreines, welchem zahlreiche Juden sehr namH aste Beiträge leisten, zu einer telegraphischen Begrüßung veranlaßt. Wir überlassen es unseren Glaubensgenossen, aus diesem Vorgänge die entsprechenden Consequenzen zu ziehen. Auf vielfache Anfragen, betreffend den Kalender des Deutschen Schulvereines, verweisen wir aus Nr. 165 des Seite 505 „Fr. Bl." vom 2. Juni, wo aus dem neuesten literarischen Jahrbuch des Schulvereines : „Parapluietonerl, eine unglaubliche Geschichte aus dem Wienerwalde, von Hugo Gerard S t r ö h l", hervorgehoben ist. Unglaublich haben wir an der Geschichte vor Allem gefunden, daß sie im Kalender des Deutschen Schulvereines veröffentlicht wird. Wir zweifeln nicht, derselben Geschichte nach Jahren als einem „Original"- Feuilleton Vergani's zu begegnen, dessen abschriftstellerischer Thätigkeit in den Kalendern des Schulvereines vielleicht eine reiche Fundgrube erwachsen wird. „ . . . Am Morgen fand man den Alten (den „Parapluietonerl") tobt; er war während der stacht in das große Nebelreich hinüber - gegangen. Die Gläubigen bekreuzten sich bei dieser Geschichte, die Anderen lachten; doch Hütte man trotz dieser Spukgeschichte Tonerl bald vergessen, wäre nicht seine Verlassenschaft nach einigen Wochen unter den Hammer gekommen. Seine Verlassenschast! — „Nichts als Plunder!" wie der beeidete Schätzmeister zu Protokoll gab. Weil das Stübchen nicht genügend Platz bot zur Auction, warf man die Habseligkeiten Tonerl's auf die Straße hinab und schritt zu deren Veräußerung an die Meistbietenden. Zwei polnische Kaftane, welche gerade das Städtchen mit ihrer Anwesenheit beglückten, fielen sofort wie die Geier über den Haufen alter, abgebrauchter Kleidungsstücke und Möbel her, rissen krächzend und guitschend sich gegenseitig die Lappen aus den Händen und machten ein solches Heidenspectakel, daß kein anderer Mensch mehr zum Anbote gelangen konnte. Stück für Stück wurde nun von ihnen eingeheimst, und so kam denn auch der alte Regenschirm, das allbekannte Attribut des seligen „Parapluietonerl's", an die Reihe. Prüfend spannte ihn. einer der polnischen Händler auf; da fuhr ein heftiger Windstoß über den kleinen Platz — Regenschirm und der daran hängende Hebräer baumelten in der Luft — ein Ruck — und der kreischende Käufer kollerte über das Straßenpflaster in die Gosse. Das alte Regendach aber tanzte lustig über die Dächer weg und verschwand auf Nimmerwiedersehen!" Dem aeronautisch-antisemitischen Schluß der Geschichte ist ein Bild beigefügt, welches die künstlerische Ergänzung des Textes bildet und sehr gut als Vignette für den Titelkopf eines noch zu gründenden antisemitischen Blattes verwendet werden könnte. Eine gleich geschmackvolle, zweckentsprechende Leistung bot auch die Festschrift, welche bei dem am 24. Mai im Stadtparke abgehalteuen Liederfeste von zarten Damenhänden zu Gunsten des Schulvereines in Verkehr gesetzt wurde: „Das Neueste für's deutsche Volk in Oesterreich". (Die Pläne -es Prinzen Liechtenstein.) In unserer vorwöchentlichen Nummer haben wir an leitender Stelle ausgeführt, daß die Wiener Gemeinderathswahlen eine Kraftprobe für die antisemitische Partei bilden sollen und daß mail in gewissen Kreisen daran denke, unter Führung des Prinzen Liechtenstein eine große, antisemitische Reichspartei zu schaffen, welche mit den Clericalen und Polen zu einer einheitlichen Majorität verschmolzen werden soll. Die dieswöchentliche Budgetrede des Prinzen L i e ch t e n st e i n hat diese unsere Ausführungen b e st ä t i g t. Prinz Liechte nstein proclamirte sich selbst zum Führer der vereinigten Antisemiten und- Deutschconservativen und erklärte die Schaffung einer homogenen Majorität für unerläßlich. Die Durchführung dieses Planes hängt von dem Ausfälle der Wiener Gemeinderathswahlen ab, und darum erheben wir nochmals den Ruf an alle unsere Glaubensgenossen, bei diesen Wahlen geschlossen und bis auf den letzten Mann für die fortschrittlichen Candidaten einzutreten. (Verbot des Schachtens im Rumburger Schlachthause.) Die „Rumb. Ztg." berichtet: „Die Prager Statthalterei hat dem von der Gemeinde Rum bürg gegen die Entscheidung der hiesigen k. k. Bezirkshauptmannschaft eingebrachten Recurse im Rechtsstreite mit der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde stattgegeben und entschieden, daß die Gemeinde nicht verpflichtet ist, im hiesigen Schlachthofe das

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