Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 27 (5.7.1895)
- Date
- 1895-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloch's Wochenschrift. «Leite 5,03 malen. Das Wichtigste an den ersten dieser Bilder ist freilich, das; sie Rembrandt's eigene Braut Saskia darftellen. Die weltberühmte „Judenbraut" der Galerie Liech teuft e i it, in rothem, goldgesticktem Mantel, ist 1632 gemalt und das beste Saskia-Bilo dieser Zeit. Kann es wohl ein Zufall sein, daß der Künstler, als er seine leidenschaftlich geliebte Braut zum ersten Mal und in größtem Staat malte, sie als Judenbraut, d. h. als Braut des Juden Rembrandt, hinstellte? Zwei Jahre später entstand die Petersburger Judenbraut, wiederum auf's Reichste geschmückt und mit Blumen bekränzt; immer Saskia als Judenbraut! „Wahrlich," ruft Richter- Mo r a r y aus, „diese Bilder sind ein offenes Glaubensbekenntniß!" Daß Saskia von Uhlenburgh eine Jüdin gewesen, scheint dem Verfasser ausgemacht. (Er vergißt dabei hervorzuheben, daß eine ihrer Schwestern H i s k i a hieß, wie einer der alten Könige von Juda.) Bei der damaligen Verwirrung der amtlichen Register war jede Unklarheit und Ungenauigkeit möglich. Die Biographen verzeichnen ganz genau, daß Rembrandt und Saskia am 22. Juni 1634 erst auf dem Rathhause vereinigt und daun in ihrer Pfarrkirche durch den Pfarrer Rudolf Hermansz Luinga getraut wurden. Es ist schriftlich und amtlich ausbewahrt. „Schade nur, daß es nicht wahr ist!" ruft Richter Morary aus. Der beste Beweis dagegen ist jene reizende Silberstiftzeichnung in Berlin, welche die junge Frau Saskia darstellt und folgende Unterschrift von des Künstlers Hand hat: „Dies ist nach meiner jungen Frau gemacht, da sie 21 Jahre alt war, den dritten Tag als wir getraut waren. Den 8. Jnnius 1633." Kein Mensch hat noch den Schatten eines Verdachts hinsichtlich dieses Bildes und dieser Schrift zu äußern gewagt. Wie reimt sich das nun mit jenem angeblichen 22. Juni 1634? Ein liebender Gatte, der drei Tage nach seiner Trauung Jahr und Tag derselben nicht mehr anzugeben, ja nicht einmal mehr auszurechnen weiß, müßte doch blödsinnig sein. In der That stecken sämmtliche Rembrandt Biographen rettungslos in dieser Klemme fest; keiner weiß das Räthsel zu erklären. Richter Morary kann dies auch nicht, er glaubt dem Gatten mehr als dem Kirchenbuche, wo seiner Ansicht nach auch eine Scheineintragung stattgefunden haben kann. Nach Saskia's Tode lebte R e m b r a n d t bekanntlich mit seiner treuen Wirthschafterin Hendrickje Stoffels, einer Person von seltener Treue, welche die Vorsehung seines späteren Lebens wurde. Diese wilde Ehe wurde als gelinder Skandal betrachtet und im Jahre 1654 war Hendrickje sogar vor das Consistorium geladen, das ihr dieserhalb einen strengen Verweis gab und ihr das Recht zur Communion nahm. Warum, fragt Richter Morary, diese strengen Maßregeln? Solche Verhältnisse waren ja nicht selten in Amsterdam. Offenbar nur, weil Hendrickje mit einem Juden lebte. Und dies sei jedenfalls auch die natürlichste Erklärung, warum er denn Hendrickje, die er so hoch schätzte, die auch so brav, treu, wirthschastlich und ihm unentbehrlich war, trotz alledem nicht heiratete. Als Jude konnte er dies nicht „Ich fordere alle RembrandtKenner auf, mir einen anderen, nur irgendwie möglichen Grund zu sagen!" ruft Morary aus. Richter Morary untersucht nun auf's Genaueste den Typus R e m b r a n d t's und seiner von ihm so oft gemalten Eltern. Die Selbstporträts R e m b r a n d t's zeigen außerordentliche Abweichungen. Man darf wohl sagen, daß keines ihn gibt, wie er war. Die frühesten (um 1629) darf man wohl geradezu Verchristlichungsversuche nennen. Er versuchte es auf jede Weise, den orientalischen Typus loszuwerden. 1628 zieht er es vor, breit und viereckig auszusehen (Kassel); 1629 sucht er das Gegentheil und zieht sein Gesicht unglaublich in die Länge (Haag); 1630 versucht er es mit Häßlichkeit, er zeichnet sich mit offenem Munde u. dergl. Die Nase gibt ihm besondere Mühe. Vater und Mutter hatten gebogene Nasen, was in den Prosilbildnissen deutlich genug wird; sich selbst malte der Sohn mit Vorliebe Stulpnasen, Stumpsnasen, ja Zwiebelnasen. Wer kennt sie nicht? Er macht eigene Vorstudien dazu, zum Beispiel in Radirungen wie „Rembrandt mit der flachen Mütze" u. s. f. Meist ist er auffallend schlecht rasirt, da damals noch viele Amsterdamer Juden statt des Scheermessers das sogenannte „Aurum" benützten, um sich den Bart wegzuätzen. In zahlreichen Radirungen und älteren Oelbildern ist dies leicht zu erkennen. Charakteristisch ist es, daß er die Arme oft zu kurz macht, zum Beispiel auch beim Ephraim Bonus, und dies wird von Manchem dem jüdischen Typus zugeschrieben; er übertrug aber diese Eigenheit selbst auf Porträts von Christen, zum Beispiel auf den alten H a a r i n g, den „großen Coppenol", den Jan L u t m a und Andere. Ebenso muß man sich wundern, daß ein Meister wie Rembrandt, der Alles wie kein Zweiter machen konnte, erst gegen Ende seines Lebens dahin gelangte, ein. leidliches Pferd zusammenzubringen. Noch im Portrait T u r e n n e's ist es elend. Er war also kein Pferdekenner, jedenfalls kein Reiter, wie alle seine Stammesgenossen. Auch dem Schweine stand er fremd gegenüber. Er, der Alles, was er sah, in dämonischem Drange malen und zeichnen mußte, hat nur drei oder vier Blätter mit Darstellungen von Schweinen hinterlaffen. Dieses Thier la;, wie das Pferd, nicht in seiner Tradition. Erst im Jahre 1643 kommt ein radirtes Blatt mit einem Schweine vor. Augenscheinlich hatte er in seiner Judenstadt keine Gelegenheit, das Thier zu studiren. Dies muß sich auch aus seinem Tische bemerklich gemacht haben. Der alte Houbraken schreibt über ihn: „Er lebte sehr einfach, und wenn er an der Arbeit war, begnügte sich mit einem Stück Käse oder einem Häring und Brot." Also nicht etwa mit Schinken, Speck oder Wurst, obgleich doch die Schweinmetzgerei in Holland, wie die Bilder von B rouwer, Teniers re. zeigen, in floribus stand. Kein Wunder, daß im Louvre ein geöffnetes Rind von Rembrandt hängt, aber kein geöffnetes Schwein, wie es seine Landsleute mit Vorliebe gemalt haben. Aus dem berühmten Dresdener Bilde, wo Rembrandt. seine festlich gekleidete Saskia auf dem Schoße, mit ihr trinkt und lacht, ist das Hauptstück des wohlgedeckten Tisches nicht etwa ein schön dressirter Schweinskops, sondern ein Pfau im vollen Gefieder. Aber, wie die damaligen Satyriker rügten, in diesen hoffärtigen Pfauen steckten gar oft nur gemeine gebratene Gänse, und diese waren ja gerade auf einer jüdischen Tafel zu Hause. Warum sollte auch Rembrandt keine Gans in einen Pfau verkleiden? Verkleidete er doch sich, seine Familienmitglieder, Freunde und Modelle fortwährend in ganz abenteuerlicher Weise, zn intimen Zwecken morgenländisch, zu öffentlichen abendländisch. Sein ganzes Haus war eine Trödelbude voll solchen Krams. Auch dies hat seine guten Gründe. Rembrandt lebte in der Zeit der neuen Toleranz; Arminius in Leyden hatte erst vor Kurzem, seit 1614 etwa, die Hexenprocesse und Judenverfolgungen abgeschafft. Die Juden war nun auch in ihrer Tracht nicht mehr beschränkt und gaben sich dieser neuesten Freiheit mit Wonne hin. Sie gingen einher wie niederländische Edelleute; Rembrandt malte sich sogar mit einer gewissen Vorliebe geharnischt und bis an die Zähne bewaffnet, bald als Ritter, bald als Falkonier, Fahnenträger, ja als ungarischen Magnaten und leibhaftigen „So dieski". Auch seinen Vater, der auf dem Bilde von 1630 mit dem im Profil gesehenen Kahlkopf und Nasenhöcker so recht alttestamentlich aussieht, malte er dann gelegentlich als Ritter mit glänzendem Halsberg. Seine Zeitgenossen wurden daran nicht irre, und auch die alten Katologe nicht. Ist es nicht sehr bezeichnend, daß ein Porträt dieses braven Alten (1630) lange Zeit als der „jüdische Philosoph Philo" durch die Verzeichnisse ging? Und Roland S a v e r y stach sein Porträt, in orientalisirender Fassung, unter dem Titel „Mahomed". Im Alter von kaum 20 Jahren, nach Art der orientalischen Frühheiratcn, hatte dieser höchst ehrenwerthe Mann