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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Bloch';r Wochenschrift. Seite 487 die Schiedsrichter und Fach-Commissionen, sowie das Vorbereitungs-Comits zur Eintheilung der Congreßwahlbezirke constituirt. Präsident des letzteren Comitös wurde Doctor Moriz Stiller, Präsident des Budgetausschusses Dr. Paul M a n d a l, Präsident des Wohlthütigkeitsausschusses Adolf S t e r n t h a l, Präsident des Unterrichtsausschusses Doctor Moriz K ü r m ä. n. Dr. Wilhelm B ä. z s o n y i brachte einen Antrag ein, wonach der allgemeine Congreß unverzüglich einberufen werden solle. Ueber diesen Antrag, namentlich über den Modus der Effcctuirung desselben entspann sich eine längere Debatte. Paul Tencer beantragte, den 3lntrag Vüzsonhi's an's Präsidium zu leiten, damit dasselbe zu entsprechender Zeit der Districtsversammlung concrete Vorschläge unterbreiten könne. — Dr. Franz Chorin beleuchtete in wirkungsvoller Rede die traurigen Seiten der Organisation und gab der Ansicht Ausdruck, daß die gesetzliche Jnarticulirung der Reception die natürlichste Basis zur kirchlichen Organisation liefern werde. Aus diesem Grunde könne er den V ä z s o n y fischen Antrag nicht annehmen. Noch sprachen Dr. Soma Visontai und Dr. Alexander 8t eu m a n n für und Berthold Weiß gegen den V ü z s o n y fischen Antrag, und nach der Schlußrede des Antragstellers wurde der Antrag mit dem von Tencer beantragten Zusatze mit großer Majorität angenommen. Endlich wurde beschlossen, die nächste Districtsversammlung in Kecskemet abzuhalten. Stanislau. Nach mehrjährigen Bemühungen ist cs dem hiesigen kaum circa 50 Mitglieder zählenden israelitischen Tempelvereine dank der Munificenz der hiesigen Stadtgemeinde, die ihm schenkungsweise einen geräumigen und schön gelegenen Bauplatz, der hiesigen Sparcasse, die ihm verhältnißmäßig namhafte Beträge theils schenkungsweise, theils darlehensweise überließ, sowie auch der Opferwilligkeit der Vereinsmitglieder gelungen, endlich die nöthigen Mittel aufzutreiben, um mit dem Baue des Tempels zu beginnen, der nach den in uneigennütziger Weise vom Architekten und k. k. Baurathe Herrn Wilhelm S t i a ß n y in Wien verfertigten, einen imposanten Eindruck machenden Plänen von den hiesigen Architecten und Ingenieuren Brüdern Schloß ansgeführt werden soll. Am 20. d. M. fand nun die feierliche Grundsteinlegung im Beisein der Spitzen der Behörden und eines zahlreichen geladenen Publicums statt. Wir bemerkten unter Anderen den k. k. Bezirkshauptmann, den k. k. Kreisgerichtspräsidenten, Delegirte des Gemeinderathes und der Cultusgemeinde u. s. w. Nach vom eigens hiezu aus Czernowitz berufenen Obercantor R o s e n h e ck und seinem dortigen Chor in ergreifender Weise vorgetragenen Psalmgesängen, Verlesung der betreffenden Urkunde durch den Rabbiner in hebräischer und den Bauführer in polnischer Sprache und Unterfertigung derselben durch den Vereinsvorstand und die anwesenden Honoratioren wurde dieselbe versenkt und der Grundstein gelegt, wonach der Vereinspräsident in einer polnischen Ansprache die Bedeutung der Feier hervorhob und mit einem „Hoch!" auf den Kaiser schloß, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Die von den Schülern der Baron H ir s ch'schen Stiftungsschule sehr wirkungsvoll in polnischer Sprache vorgetragene Volkshymne beendigte die Feier, die auf alle Anwesenden einen ebenso mächtigen als erhebenden Eindruck machte. Nach der Feier wurde Herr Baurath S t i a ß n y telegraphisch von seiner Ernennung zum I. Chrenmitgliedc des Tempelvereines verständigt. Am Abend desselben Tages versammelten sich, die Vereinsmitglieder mit ihren Familien zu einem gemüthlichen geselligen Mahle, bei dem abermals die Gesänge des erwähnten Obercantors und seines Chores beifälligste Anerkennung fanden, die Bedeutung des Festes in schwungvollen und begeistert aufgenommenen Trinksprüchen Ausdruck fand und mehrere telegraphische Glückwünsche, besonders diejenigen des k. k. Baurathes S t i a ß n y und des hiesigen Reichsraths- Abgeordneten Landesgerichtsrath H o s m o k l, lebhaft acclamirt wurden. Erst bei grauendem Morgen trennten sich die Vereins- Mitglieder unter gegenseitigen an ein gemeinschaftliches Familienfest erinnernden Beglückwünschungen zum verheißungsvollen Beginne eines Werkes, das berufen ist, nicht nur eine bauliche Zierde unserer Stadt und unseres Landes und die erste Stätte geregelten Gottesdienstes, sondern eine Pflegestätte des vernachlässigten religiösen Gefühles und jüdischen S t a m m e s b e w u ß tfeind unsere r „Intelligenz" zu schaffen und dem daher nicht nur eine religiöse, sondern auch eine eminent c u l t u r h i st o r i s ch e Bedeutung innewohnt. Wadowice, 20. Juni. (Das Saybuscher Gewohnheitsrecht.) Wegen der Saybuscher Excesse fand beim hiesigen Kreisgerichte eine Strafverhandlung wider eine Reihe von armen Leuten statt, während die Notablen der Stadt, der Bürgermeister, Polizeirevisor und die anderen Stützen des „Gewohnheitsrechtes" nicht augeklagt sind. Die Verhandlung ist aus den 25. und 26. d. M. anberaumt. Auf den merkwürdigen Verlauf und Ausgang dieses Processes werden wir in der nächsten Nummer ausführlich zurückkommen. Koziöw. (Eine Hetze gegen die Todten.) Wiederum erregte ein Act unerhörter Brutalität die Gemüther in unserem sonst so stillen Städtchen, welcher neuerdings ein beredtes Zeugniß ablegt, wie viel bereits der Antisemitismus zur Verrohung und Entsittlichung der Jugend bcigetragen hat. Unsere Jugend scheint es sich seit einer Zeit zur Ausgabe gemacht zu haben, jeden Feiertag mit einer Judenhetze zu begehen; so iuscenirte dieselbe an den verflossenen Ostern ein regelrechtes Juden-Bombardement — wie auch seinerzeit in diesen Blättern berichtet wurde. Diese „Osterfeier" war jedoch nur gegen lebende Juden gerichtet, welche wenigstens der Gefahr ausweichen konnten; nicht so an den Psingstseiertagen! Da wurde einfach eine Jagd aus die todten Juden unternommen. Höret und staunet! In der Nacht vom Pfingstsonntag aus den Pfingstmontag, gegen l Uhr nach Mitternacht, rottete sich eine Menge bäuerlicher Jünglinge, die gerade bei einem ihrer Kameraden zu dessen Hochzeitsfeier versammelt waren, auf dem in der Nähe liegenden jüdischen Friedhofe zusammen, um aus demselben eine brutale Demonstration zu veranstalten. Die entmenschte Horde trieb ihr Unwesen auf dem Friedhöfe gegen zwei Stunden. Sie sprangen und tanzten unter wüthendem Gejohle über Gräber und Grabsteine. Mehrere frische Gräber wurden gänzlich zertrete n und die Zeichen für die zu errichtenden Monumente herausgezogen. Viele Grabsteine wurden beschädigt, einige sogar zerbrochen und in d e n G r a b e n g e s ch l e u d e r t. Der am Friedhofe wohnende Wächter (Christ) versuchte cs, die Burschen zu beschwichtigen, mußte sich jedoch bald in die Wohnung zurückziehen, da er sonst Gefahr lies, todtgeschlagen zu werden. Schließlich verkleideten sie Einen aus ihrer Mitte als Todten und trugen ihn mit verhöhnender Nachahmung des jüdischen Klagetones aus dem Friedhose herum. Die übrigen Scheußlichkeiten, womit die gehorsamen Schüler D e ck e r t's eine Stätte der Ruhe und des Friedens entweihten, kann ich hier aus Anstandsrücksichten nicht reproduciren. Auch die Wohnung des Wächters wurde mit einem Bombardement bedacht und trotz allen Flehens seitens des Wächters, dessen Frau und Kinder über diese nächtliche Attaque in namenlosen Schrecken geriethen, gelang es demselben dennoch nichr, die wnthenden Burschen zur Ruhe zu bringen. Am darausfolgenden Tage, als die grauenvolle That dem Vorstände der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zur Kenntniß gebracht wurde, begab sich Schreiber dieser Zeilen mit den Herren Gemeinderath Jakob Gütiger, Cultussecretär Hersch S a l o m o n und L. W. Lindeman n auf den Ort der That, um sich von den Angaben des 4 : i

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